Airline muss Kunden mindestens zwei Wochen vor der planmäßigen Abflugzeit über Änderungen unterrichten

​3.5.2019

Eine Fluglinie muss ihre Fluggäste mindestens zwei Wochen vor Abflug über Änderungen der planmäßigen Abflugzeit unterrichten. Eine Information von der Airline an den Reiseveranstalter und eine allgemeine Information auf der Website der Fluglinie reichen nicht aus.

Frau am Flughafen prüft Abflugszeiten
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Airline muss rechtzeitig über geänderte Abflugzeit unterrichten

Der Kläger hatte für sich und seine Familie eine Pauschalreise nach Rhodos gebucht. Der Hinflug sollte am 3.8.2018 um 5:00 Uhr von Nürnberg nach Rhodos gehen. Die beklagte Airline verlegte am 25.5.2018 den Flug des Klägers auf den 3.8.2018 um 18:05 Uhr und informierte am gleichen Tag den Reiseveranstalter über diese Änderung. Den Kläger unterrichtete die Airline erst mit E-Mail vom 21.7.2018 über die geänderten Flugzeiten. Schon am 19.7.2018 hatte der Kläger versucht, über die Homepage der Fluglinie Sitzplätze zu reservieren, dabei hatte er auf der Homepage der Airline die geänderten Flugzeiten bemerkt.

Der Kläger verlangte von der Fluglinie eine Ausgleichszahlung für sich und seine Familie. 

Information über geänderte Flugzeiten auf der Homepage der Airline nicht ausreichend

Das Amtsgericht Nürnberg hat dem Kläger und seiner Familie insgesamt 1.600 Euro Ausgleichszahlungen zugesprochen, weil die Airline den Kläger nicht rechtzeitig über die Annullierung der planmäßigen Abflugzeit unterrichtet hat. Die Information an den Reiseveranstalter über die Änderung der Flugzeiten reicht nach Ansicht der Richter nicht aus. Weder Reisevermittler noch Reiseveranstalter können eine solche Unterrichtung für den Fluggast wirksam entgegennehmen, so die Richter.

Dass die Airline auf ihrer Homepage schon die geänderten Abflugzeiten eingestellt hatte, als der Kläger versuchte, dort eine Sitzplatzreservierung vorzunehmen, ändert nach Ansicht der Richter nichts. Der Anspruch auf Ausgleichszahlung fällt nach der Fluggastrechteverordnung nur weg, wenn die Fluglinie den Fluggast rechtzeitig, zweck- und zielgerichtet über die Änderungen unterrichtet hat. Es reicht nicht, dass der Fluggast z.B. bei der Sitzplatzreservierung mehr oder weniger zufällig Kenntnis von der Änderung der Flugzeiten bekommt. Die Fluglinie muss den Passagier vielmehr bewusst und zweckgerichtet über die Änderungen informieren.

AG Nürnberg, Urteil vom 6.2.2019, Az.:  19 C 7200/18