Reisemängel bei Buchungen ab 1.7.2018

23.5.2018

Pauschalreise mangelhaft – für Buchungen ab dem 01.07.2018 gelten neue Vorschriften für die Ansprüche gegen den Reiseveranstalter. ADAC Juristen erklären, wie Sie Reisemängel richtig reklamieren.

Reisepreisminderung bei Mängeln einer Pauschalreise

Für Buchungen ab 01.07. 2018 gilt das neue Pauschalreiserecht. Wurde die Pauschalreise bis zum 30.6.18 gebucht, richten sich die Ansprüche nach der alten Rechtslage. Dabei ist unerheblich, wann die Reise tatsächlich angetreten wird.

So hilft Ihnen der ADAC 

ADAC Musterschreiben Mängelanzeige (PDF-Download40,4 KB)
Musterschreiben Reisemängelanzeige beim Reiseveranstalter (PDF-Download61,09 KB)
ADAC Reisepreisminderungstabelle (PDF-Download883,49 KB) 

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Anspruchsgegner

Wenn die Pauschalreise mangelhaft ist, dann kann der Reisende beim Reiseveranstalter den Reisepreis mindern.                                         

Unterscheidung Pauschal- und Individualreise

Zukünftig wird zwischen der Pauschalreise, der Individualreise und der Vermittlung verbundener Reiseleistungen unterschieden.

Eine Pauschalreise ist ein Paket von mindestens zwei verschiedenen Reiseleistungen (z.B. Beförderung, Unterkunft, Mietwagen und sonstige touristische Leistungen wie Eintrittskarten zu Veranstaltungen, Wellnessbehandlungen, Skipässe etc.).

Beispiele

  • Der Reisende bucht im Reisebüro oder online ein Leistungspaket aus z.B. Hotel und Flug. 
  • Der Kunde bucht bei einem Online-Anbieter ein Hotel. Der Anbieter vermittelt den Kunden dann für die Buchung des Fluges auf die Homepage einer Fluggesellschaft und leitet die Daten des Kunden an die Fluggesellschaft weiter. Hier ist eine Pauschalreise gebucht, wenn der zweite Vertrag innerhalb von 24 Stunden geschlossen wird. 

Keine Pauschalreise nach der neuen Pauschalreiserichtlinie ist zukünftig

  • die Buchung von Ferienunterkünften als Einzelleistung - hier gilt in der Regel das Mietrecht des Reiselandes
  • eine Tagesreise ohne Übernachtung unter 500 Euro

Bei der Individualreise schließt der Reisende auf eigene Faust einzelne Verträge (z. B. Flug und Hotelübernachtung). Der Individualreisende muss seine Ansprüche direkt gegenüber dem jeweiligen Vertragspartner durchsetzen. Bei der Buchung im Ausland ist das Recht des jeweiligen Reiselandes anzuwenden. 

Neu ist die Vermittlung sog. verbundener Reiseleistungen, bei der Vermittler nicht für Mängel haftet. Der Reisende muss seine Ansprüche direkt bei dem jeweiligen Anbieter geltend machen.

 

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Mängel rügen, Abhilfe, Kündigung

Bei einer Pauschalreise liegt ein Mangel vor, wenn die vertraglich vereinbarte Beschaffenheit der Reise von der tatsächlichen Durchführung abweicht.  

Mängel rügen, Beweise sichern

Wenn Sie im Urlaub einen Reisemangel feststellen, wenden Sie sich am Urlaubsort umgehend an die Reiseleitung – nicht an die Rezeption des Hotels! – und schildern die festgestellten Mängel, damit möglichst sofort Abhilfe geschaffen werden kann. Die Mängelanzeige kann auch gegenüber dem Vermittler und dem Reiseveranstalter erfolgen.

Versuchen Sie außerdem, Beweise zu sichern, die Sie im Fall eines Rechtsstreits vorlegen können. Machen Sie möglichst Fotos z.B. vom verschmutzten Swimmingpool, holen Sie bei einer Flugverspätung eine Bestätigung der Fluggesellschaft ein oder sammeln Sie Anschriften von Zeugen, die den Reisemangel bestätigen können.

Scheck annehmen – Vorsicht Vergleich!

Wer Mängelansprüche anmeldet und daraufhin vom Reiseveranstalter einen Scheck erhält, verliert weitergehende Ansprüche, wenn er diesen Scheck widerspruchslos einlöst! Denn dann gilt das Angebot des Reiseveranstalters auf einen (außergerichtlichen) Vergleich als angenommen. Nehmen Sie den vom Reiseveranstalter angebotenen Scheck also nicht an, wenn Sie mit der Höhe der Reisepreisminderung nicht einverstanden sind und weitere Rechtsansprüche geltend machen wollen.

ADAC Musterschreiben Mängelanzeige (PDF-Download40,4 KB)

Abhilfe

Der Reisende muss dem Veranstalter eine angemessene Frist zur Abhilfe setzen. Eine Ausnahme besteht, wenn die sofortige Abhilfe nötig ist: droht dem Reisenden z.B. aufgrund einer Busverspätung dass er seinen Flug verpasst, darf er ohne Fristsetzung ein Taxi nehmen.

Sollte der der Veranstalter den Mangel trotz Fristsetzung nicht beseitige, kann der Reisende selbst Abhilfe schaffen und die erforderlichen Kosten dafür verlangen. 

Wenn die Abhilfe nicht möglich ist, hat der Reiseveranstalter eine angemessene Ersatzleistung anzubieten. Ist die Ersatzleistung nicht mindestens gleichwertig, muss der Reiseveranstalter den Reisepreis angemessen herabsetzen. 

Kündigung

Der Reisende kann bei einem erheblichen, nicht behebbaren Reisemangel oder beim Vorliegen unvermeidbarer, außergewöhnlicher Umstände die Reise kündigen.

Ist die Rückreise aufgrund unvermeidbarer, außergewöhnlicher Umstände (z.B. Naturereignissen oder terroristische Anschläge) nicht möglich, muss der Reiseveranstalter die notwendigen Beherbergungskosten einer möglichst gleichwertigen Unterkunft für höchstens drei Nächte tragen. Die zusätzlich anfallenden Mehrkosten der Rückreise trägt ebenfalls der Reiseveranstalter.

Hinsichtlich der aufgrund der Kündigung nicht mehr zu erbringenden Reiseleistungen entfällt der Reisepreisanspruch. Bereits geleistete Zahlungen sind dem Reisenden zu erstatten.

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Nach der Rückkehr Ansprüche anmelden

Um Ihre Ansprüche gegenüber dem Reiseveranstalter geltend zu machen, müssen Sie folgendes beachten

  • Ansprechgegner ist der Reiseveranstalter, nicht Ihr Reisebüro! 
  • Beschreiben Sie in dem Beschwerdeschreiben den Reisemangel möglichst genau und fordern Sie eine Reisepreisminderung. 
  • Schicken Sie das Schreiben am besten per Einschreiben/Rückschein an den Veranstalter. 

ADAC Musterschreiben Mängelanzeige (PDF-Download40,4 KB)

Die Ansprüche des Reisenden verjähren zwei Jahre nach der Rückkehr. Der Reiseveranstalter darf die Frist in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen nicht verkürzen.

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Reisepreisminderung und Schadenersatz

Höhe der Reisepreisminderung

Wie hoch die Reisepreisminderung ist, die Sie bei einem Reisemangel geltend machen können, hängt vom Einzelfall ab. Der ADAC hat für Sie die bundesweite Rechtsprechung zum Reiserecht ausgewertet und eine Übersicht zur Höhe der Reisepreisminderung erstellt. 

ADAC Reisepreisminderungstabelle (PDF-Download883,49 KB)

Reisegutschein statt Auszahlung der Minderung?

Die Reisepreisminderung muss ausgezahlt werden. Sie müssen keinen Reisegutschein akzeptieren. In der Regel übersendet der Veranstalter einen Verrechnungsscheck, wenn er den Reisemangel anerkennt. 

Zahlung verweigert – Mahnverfahren!

Zahlt der Reiseveranstalter trotz Zahlungsfrist und Mahnung die geforderte Reisepreisminderung nicht, so muss nicht immer ein Rechtsanwalt eingeschaltet werden. Gerade bei kleineren Geldforderungen bietet es sich an, mit einem Mahnbescheid gegen den Reiseveranstalter vorzugehen. Wie das geht erfahren Sie hier.

Schadenersatz

Neben der Minderung oder der Kündigung kann der Reisende Schadensersatz verlangen (z. B. nutzlos aufgewendete Urlaubszeit), es sei denn, der Reisemangel wurde vom Reisenden verschuldet. Kein Anspruch besteht auch, wenn der Reisemangel von einem Dritten verschuldet ist, der kein Leistungserbringer ist und für den Reiseveranstalter nicht vorhersehbar und vermeidbar, wie z. B. grölende Hotelgäste oder bei Vorliegen unvermeidbarer, außergewöhnlicher Umstände.