Rechtliches zum Thema Reisen

Reisen trotz Naturkatastrophe oder Terrorgefahr

Hurrikan, Vulkanasche, Erdbeben - immer wieder bringen Naturkatastrophen den Flugverkehr durcheinander. Aber auch Terroranschläge und politische Unruhen verunsichern Urlauber. Die Clubjuristen informieren über Ihre Rechte, wenn Ihre Urlaubspläne durchkreuzt werden. 

Chaos im Flugverkehr – Rechte für den Reisenden

Wenn Flüge oder ganze Reisen abgesagt werden, weil ein Naturereignis den Flugverkehr auf den Kopf stellt, ist das für den Reisenden ein echtes Problem. Bei Terrorgefahr im Urlaubsland vergeht Vielen die Urlaubslust. Wir sagen Ihnen, welche Ansprüche Sie haben und wann Sie Ihre Reise kostenfrei stornieren können. 

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Flugannullierung wegen Naturkatastrophe

Clubjuristen informieren über die bestehenden Ansprüche gegen die Fluggesellschaft, wenn Ihr Flug z.B. wegen einer Naturkatastrophe annulliert wurde.

Rückerstattung des Ticketpreises und Umbuchung 

Wenn Ihr Flug aufgrund eines Naturereignisses annulliert wurde, erhalten Sie von Ihrer Fluggesellschaft den kompletten Ticketpreis inklusive Steuern und Gebühren zurück. Alternativ besteht ein Anspruch auf kostenlose Umbuchung auf einen anderen Flugtermin.

Anspruch auf Versorgungsleistungen

Die Fluggesellschaften müssen betroffenen Passagieren Mahlzeiten, Getränke und notfalls eine Hotelunterkunft anbieten und die Möglichkeit zur Telekommunikation geben.

Kosten für Hotelübernachtung bei verlängertem Aufenthalt 

Die Fluggesellschaft muss Ihnen bei der Annullierung Ihres Fluges eine Hotelunterkunft anbieten. Dies gilt aber nur im akuten Fall, wenn Sie am Flughafen „gestrandet" sind und z.B. aufgrund der Nachtzeit oder aus sonstigen Gründen auf die Unterstützung der Fluggesellschaft angewiesen sind.

Anspruch auf Ausgleichszahlungen

Sie können bei der Annullierung Ihres Fluges aufgrund einer Naturkatastrophe in der Regel keinen Anspruch auf Ausgleichszahlungen geltend machen. Eine Fluggesellschaft ist nicht verpflichtet, Ausgleichszahlungen zu leisten, wenn die Annullierung auf außergewöhnliche Umstände zurückgeht. Beispielsweise gilt Vulkanasche in der Luft als gefährlich für die Düsentriebwerke von Flugzeugen – damit liegt ein Umstand vor, den die Fluggesellschaften nicht beeinflussen können.

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Ansprüche bei Pauschalreise

Ein kostenfreier Reiserücktritt bei einer Pauschalreise ist möglich, wenn „höhere Gewalt“ vorliegt und der Antritt der Reise aufgrund dessen nicht möglich ist. Unter „höherer Gewalt“ versteht man ungewöhnliche und unvorhersehbare Ereignisse, auf die derjenige, der sich auf höhere Gewalt beruft, keinen Einfluss hat. 

Kostenfreier Rücktritt bei „höherer Gewalt“

Der Urlauber kann seine Pauschalreise dabei nur kostenfrei stornieren, wenn die Reise durch das Ereignis vermutlich wesentlich erschwert, erheblich beeinträchtigt oder zu einem unzumutbaren Sicherheitsrisiko wird. Dazu zählen z.B. politische Unruhen, Krieg, Vulkanausbrüche und andere Naturkatastrophen. Der Reiseveranstalter muss dann den bereits bezahlten Reisepreis zurück erstatten.

Ist das Reiseziel wieder erreichbar und die Reise durch das Ereignis nicht wesentlich erschwert oder erheblich beeinträchtigt, besteht kein kostenloses Kündigungsrecht mehr. Die Rechtslage muss dabei täglich neu anhand der konkreten Situation vor Ort beurteilt werden.

Verweisung auf späteres Reisedatum – Reise verkürzt sich


Abhängig von der Dauer der gebuchten Reise kann der Reiseveranstalter gegebenenfalls auf ein späteres Reisedatum verweisen. Das kann zu einer Verkürzung der geplanten Reisedauer führen. Wenn Sie verspätet in die Ferien starten können und sich Ihr Urlaub dadurch verkürzt, bekommen Sie den gezahlten Preis für die Pauschalreise anteilig erstattet, da der Reiseveranstalter die im Reisevertrag vereinbarten Leistungen nicht erbringen konnte.

Ob die Verweisung auf ein späteres Reisedatum zumutbar ist, hängt von der Dauer der Reise ab:

  • Bei einem Kurztrip bzw. einer Reisedauer bis zu einer Woche dürfte ein verspäteter Reiseantritt nicht zumutbar sein. Für diesen Fall könnten Sie die Reise wegen höherer Gewalt kündigen, da die Reise erheblich erschwert und beeinträchtigt wäre (kein Erholungswert mehr, Anreise u. U. länger als Aufenthalt etc.). 
  • Bei einer länger dauernden Reise fällt eine verspätete Anreise weniger ins Gewicht – bei mehrwöchigen Aufenthalten besteht daher in der Regel nur wegen der Verkürzung um einige Tage kein Kündigungsrecht. Für die Beurteilung der Rechtslage ist regelmäßig das Verhältnis zwischen Verzögerung der Anreise und Dauer des Aufenthalts maßgebend.

Heimreise verschiebt sich – Aufenthalt verlängert sich


Verlängert sich der  Aufenthalt, weil sich die Rückreise verschiebt und entstehen dem Reisenden durch den längeren Aufenthalt zusätzliche Kosten (z.B. für Unterbringung und Verpflegung), dann muss der Reiseveranstalter diese nicht übernehmen. Er hat – wie Sie als Reisender – das Recht, den Reisevertrag wegen höherer Gewalt zu kündigen. 

Rückreise nach Kündigung durch Reiseveranstalter


Kündigt der Reiseveranstalter wegen „höherer Gewalt“ und steht die Rückreise noch aus, dann muss ihr Reiseveranstalter Sie bei einer Pauschalreise wieder nach Hause befördern. Die Rückreise kann auch mit anderen als dem ursprünglich gebuchten Verkehrsmittel erfolgen. 

Organisieren Sie die Rückreise selbst, dürfen die Kosten dafür im Vergleich zum ursprünglich geplanten Verkehrsmittel nicht unverhältnismäßig hoch sein. Die Bahn- oder Busbeförderung statt eines Fluges dürfte erstattungsfähig sein, nicht aber (stark überhöhte) Mietwagen- oder Taxikosten. In diesem Fall muss der Reiseveranstalter die für die Rückreise entstandenen Mehrkosten zur Hälfte tragen. 

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Hurrikan – welche Rechte bestehen? 

Ob man eine Pauschalreise bei den Auswirkungen eines Hurrikans wegen „höherer Gewalt“ kostenlos stornieren kann, hängt davon ab, wie stark das Urlaubsgebiet von Verwüstungen betroffen ist und wie erheblich der Erholungswert für den Reisenden beeinträchtigt ist. 

Hurrikan - Aufräumarbeiten


Wenn der Urlaubsort für den Reisenden aufgrund der Verwüstungen gar nicht erreichbar ist oder Aufräumarbeiten den Erholungswert stark mindern (z.B. wegen Lärm, Versorgungsschwierigkeiten oder stark eingeschränktem Angebot an Freizeitaktivitäten), kann der Pauschalreisende vom Reisevertrag kostenlos zurücktreten.

Hurrikanwarnung

Steht ein Hurrikan im Reiseland unmittelbar bevor, besteht in der Regel ein Rücktrittsrecht für den Urlauber. Es ist meist nicht zumutbar, sich der drohenden Gefahr auszusetzen. Der BGH (Urteil vom 15.10.2002, DAR 2003, S.116) nimmt eine erhebliche Wahrscheinlichkeit bei der zu erwartenden Gefährdung für Leib und Leben des Reisenden bei einer Tornadowarnung schon dann an, wenn die Eintreffwahrscheinlichkeit 25% beträgt.

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Terrorgefahr – welche Rechte bestehen?

Terroranschläge im Urlaubsland sorgen für Verunsicherung bei vielen Reisenden. Ein ungutes Gefühl alleine reicht aber nicht aus, die Reise kostenlos zu stornieren oder umzubuchen. Um wegen Terroranschlägen in der Urlaubsregion kostenfrei stornieren zu können, muss der Reisetermin zeitnah im Anschluss an den Anschlag liegen. Ist dies nicht der Fall, muss abgewartet, ob sich die Lage bis kurz vor dem Abflug bessert und die Reise ungefährdet durchgeführt werden kann. Liegt unmittelbar vor der Abreise immer noch ein unzumutbares Sicherheitsrisiko vor, kann die Reise gekündigt werden ohne dass Stornogebühren erhoben werden. 

Allgemeines Lebensrisiko oder höhere Gewalt


Vereinzelte Anschläge
werden zudem regelmäßig als allgemeines Lebensrisiko eingestuft. 

Bei zielgerichteten Angriffen gegen Touristen und Tourismuszentren, die bürgerkriegsähnlichen Zuständen gleichkommen, ist von einem Fall von „höherer Gewalt“ auszugehen. Die Reise kann in diesem Fall kostenfrei gekündigt werden. Dies kann ebenfalls gelten, wenn weitere Anschläge stattfinden oder angekündigt werden. 

Die Abgrenzung zwischen allgemeinem Lebensrisiko und „höherer Gewalt“ erfolgt immer im Einzelfall. Entscheidend sind dabei vor allem die Schwere und Auswirkungen des Ereignisses und die Zielrichtung des Anschlags. 

Die Gerichte nehmen in der Regel "höhere Gewalt" an, wenn das Auswärtige Amt vor der Einreise in ein bestimmtes Land warnt.