Autoversicherung

Fragen zum Versicherungsvertrag

Vertragsschluss, Prämienzahlung, Vertragsbeendigung, Verkauf des Fahrzeuges – Ihre Clubjuristen geben Orientierung in den wichtigsten Fragestellungen zum Versicherungsvertrag.

Wie kommt der Versicherungsvertrag zustande?

Der Versicherungsvertrag kommt zustande, wenn die Versicherung den Antrag des Versicherungsnehmers auf Abschluss des Versicherungsvertrages annimmt, also z.B. dann, wenn der Versicherungsschein dem Versicherungsnehmer zugeht.

Kann ich den Versicherungsvertrag widerrufen?

Ja. Der Versicherungsnehmer kann seine Vertragserklärung (Antrag auf Abschluss des Versicherungsvertrages) innerhalb von 14 Tagen widerrufen. Der Widerruf muss in Textform gegenüber der Versicherung erklärt werden, er braucht nicht begründet zu werden. Zur Wahrung der Frist reicht die rechtzeitige Absendung des Widerrufs.

Ab wann besteht vorläufiger Versicherungsschutz?

  • Kfz- Haftpflichtversicherung 
    Der vorläufige Versicherungsschutz beginnt üblicherweise an dem Tag, an dem das Fahrzeug mit der Versicherungsbestätigung zugelassen wird), wenn die Versicherung dem Versicherungsnehmer die Versicherungsbestätigung aushändigt oder bei elektronischer Versicherungsbestätigung die Versicherungsbestätigungs-Nummer nennt.
     
  • Kasko- und der Kfz-Unfallversicherung 
    Vorläufiger Versicherungsschutz besteht nur dann, wenn die Versicherung dies ausdrücklich zugesagt hat. 

Wann muss ich die erste Versicherungsprämie zahlen?

Die erste oder einmalige Versicherungsprämie wird zwei Wochen nach Zugang des Versicherungsscheins fällig. Der Versicherungsnehmer muss den Beitrag dann unverzüglich (d.h. spätestens innerhalb von 14 Tagen) zahlen.

Vorsicht!

Wird die erste oder einmalige Versicherungsprämie nicht oder nicht rechtzeitig bezahlt, besteht rückwirkend von Anfang an kein Versicherungsschutz! Ausnahmen gibt es nur, wenn der Versicherungsnehmer hat die Nichtzahlung nicht zu vertreten hat.

Wann wird die Folgeprämie fällig?

Der Folgebeitrag ist zu dem im Versicherungsschein oder in der Beitragsrechnung angegebenen Zeitpunkt fällig und ist je nach Vereinbarung jährlich, halbjährlich, vierteljährlich oder monatlich zu zahlen.

Was passiert bei Nichtzahlung der Folgeprämie? 

Wird der Folgebeitrag nicht rechtzeitig gezahlt, fordert die Versicherung den Versicherungsnehmer auf, den ausstehenden Beitrag (zuzüglich Kosten und Zinsen) innerhalb von zwei Wochen ab Zugang der Aufforderung zu zahlen.

Achtung 

Ereignet sich ein Schaden nach Ablauf der zweiwöchigen Zahlungsfrist und sind zu diesem Zeitpunkt die Beträge noch nicht bezahlt, besteht bei einem Unfall normalerweise kein Versicherungsschutz (außer der Versicherungsnehmer hat die verspätete Zahlung nicht zu vertreten)!  Versicherungsschutz besteht erst wieder für Schadenereignisse nach Zahlung der Prämie.

Zahlt der Versicherungsnehmer die geschuldeten Beiträge trotz der Mahnung nicht, kann der Versicherer den Vertrag mit sofortiger Wirkung kündigen. Die Kündigung wird unwirksam, wenn die ausstehenden Beiträge innerhalb eines Monats ab Zugang der Kündigung beim Versicherungsnehmer bezahlt werden.

Welche Besonderheiten gibt es bei Fahrzeugen mit Versicherungskennzeichen?

Mofas, Mopeds, Mokicks, große Pedelecs und Roller sind gemäß §§ 3 FZV, 1 PflVG Fahrzeuge, die Versicherungskennzeichen führen müssen, wenn die Höchstgeschwindigkeit dieser Fahrzeuge nicht mehr als 50 km/h beträgt. Ausnahmen bilden Fahrzeuge bis max. 6 km/h, die dennoch eine entsprechende - die Ausnahme dokumentierende - Betriebserlaubnis haben.

Es gelten folgende Besonderheiten:

  • Versicherungskennzeichen sind generell nur ein Jahr gültig und laufen immer vom 1. März eines Jahres bis zum letzten Tag des Februar im folgenden Jahr. Der Versicherungsschutz beginnt jeweils ab Abschluss des Versicherungsvertrages. Die Prämie wird immer für den vollen Monat berechnet.
  • Es handelt sich um ein "Ablaufkennzeichen", so dass keine Kündigung des Versicherungsvertrages notwendig ist. Als Versicherungsnachweis dienen das Kennzeichen und die Versicherungspolice.
  • Es besteht keine Möglichkeit, mit einem Kfz mit Versicherungskennzeichen schadenfreie Zeiten zu "erfahren", die auf einen Vertrag für ein Kfz mit amtlichen Kennzeichen übertragen werden könnten. Die Prämie für das Versicherungskennzeichen wird immer auf der Basis von 100 % berechnet.
  • Wird ein Fahrzeug mit Versicherungskennzeichen verkauft, wird der Betrag zurückerstattet, der für das restliche Versicherungsjahr noch zur Verfügung steht, wenn der Verkäufer das Fahrzeug nicht zusammen mit dem laufenden Versicherungsvertrag verkauft.
  • Kann das Fahrzeug z.B. unfallbedingt nicht mehr benutzt werden, kann der Versicherungsnehmer einen Antrag auf Erstattung der restlichen Prämie für das laufende Versicherungsjahr stellen (Prämienrückerstattung).

Wie lange läuft der Versicherungsvertrag?

Die Laufzeit des Vertrags ergibt sich aus dem Versicherungsschein. Ist der Vertrag mit einer Laufzeit von einem Jahr abgeschlossen, verlängert er sich zum Ablauf um jeweils ein weiteres Jahr, wenn er nicht gekündigt wird. 

Der Versicherungsvertrag für ein Fahrzeug, das ein Versicherungskennzeichen führen muss (z.B. Mofa), endet mit dem Ablauf des Verkehrsjahres, ohne dass es einer Kündigung bedarf. Das Verkehrsjahr läuft vom 1. März bis Ende Februar des Folgejahres.

Ist die Laufzeit ausdrücklich mit weniger als einem Jahr vereinbart, endet der Vertrag ohne Kündigung zu dem vereinbarten Zeitpunkt.

Allgemeines zur Beendigung des Vertrages

  • Kündigen Sie Ihren Versicherungsvertrag nur, wenn der Versicherungsschutz bei einer anderen Gesellschaft zu besseren Konditionen und Prämien zu bekommen ist. Erkundigen Sie sich vor der Kündigung über die Prämien und die Bedingungen anderer Versicherungsgesellschaften - einige Sonderrabatte werden nicht bei allen Gesellschaften, andere nicht im selben Umfang gewährt!
     
  • Wenn Sie die Versicherung wechseln, müssen Sie dafür sorgen, dass die elektronische Versicherungsbestätigungsnummer des neuen Versicherers zum Nachweis des fortbestehenden Versicherungsschutzes rechtzeitig bei der Kfz-Zulassungsstelle vorliegt.
     
  • Wird ein Versicherungsvertrag beendet und das Fahrzeug bei einer anderen Versicherung versichert, kann der neue Versicherer durch eine Rückfrage beim ursprünglichen Versicherer die Angaben des Versicherungsnehmers zum Schadenverlauf überprüfen. Die Einstufung beim neuen Versicherer erfolgt meist vorbehaltlich der Bestätigung der Angaben durch den Vorversicherer. Die beim Vorversicherer für die Prämienberechnung herangezogene schadensfreien Jahre (SF-Klasse) müssen nicht immer mit dem Schadenverlauf und den tatsächlichen schadenfreien Jahren übereinstimmen.

    Der Versicherungsnehmer hat Anspruch darauf, von seiner Versicherung eine Schadenverlaufserklärung zu erhalten, die als Grundlage für die Berechnung des Beitrags bei einem neuen Versicherer dient. 

 

Was muss ich bei der ordentlichen Kündigung beachten?

Versicherungsverträge können regulär bis zu einem Monat vor Ende des Versicherungsjahres gekündigt werden.
 
Die Kündigung muss meist schriftlich erfolgen, das Schreiben muss vom Versicherungsnehmer unterschrieben sein und muss spätestens einen Monat vor Ablauf des Versicherungsjahres bei der Versicherung eingegangen sein. Die Mehrzahl der Versicherungsverträge läuft vom 01. Januar bis zum 31. Dezember.
 
Schicken Sie das Kündigungsschreiben aus Nachweisgründen per Einschreiben mit Rückschein, per Fax oder E-Mail. Bitte beachten Sie die Anforderungen, die Ihr Versicherer an Sie stellt: manche Versicherungen akzeptieren keine Kündigung per Fax oder E-Mail! Eine telefonische Kündigung ist nicht ausreichend.

Gibt es ein außerordentliches Kündigungsrecht?

Ja, Sie haben ein außerordentliches Kündigungsrecht, wenn sich Ihr Versicherungsbeitrag ändert, weil sich die Regionalklasse oder die Typklasse Ihres Fahrzeugs ändert oder weil auf Grund des schlechten Schadenverlaufs die Prämie angehoben wird. Das Kündigungsrecht ist nicht an einen bestimmten Prozentsatz der Erhöhung gebunden.
 
Ihr Versicherer muss Ihnen die Änderung einen Monat vor dem Zeitpunkt mitzuteilen, zu dem sie in Kraft tritt. Sie haben dann einen Monat Zeit, den Versicherungsvertrag zu kündigen. Verweisen Sie dabei auf Ihr außerordentliches Kündigungsrecht. Die Kündigung wird frühestens zum Erhöhungszeitpunkt wirksam.

Kann ich im Schadenfall kündigen?

Ja, denn im Schadenfall steht sowohl dem Versicherungsnehmer und als auch dem Versicherer ein außerordentliches Kündigungsrecht zu. 

Für den Versicherungsnehmer beginnt die Kündigungsfrist von einem Monat ab dem Zeitpunkt zu laufen, in dem er von der Anerkennung oder Ablehnung der Leistungspflicht durch seine Versicherung Kenntnis erlangt oder die (Kfz-Haftpflicht-)Versicherung dem Versicherungsnehmer die Weisung erteilt, es über den Anspruch des Dritten zu einem Rechtsstreit kommen zu lassen. 

Der Versicherungsnehmer kann bestimmen, ob die Kündigung sofort oder zu einem späteren Zeitpunkt (spätestens zum Ablauf des Vertrages) wirksam werden soll.

Ist die Kündigung einzelner Versicherungsarten möglich?

Ja. Sowohl die reguläre als auch die außerordentliche Kündigung kann auf eine Vertragsart beschränkt werden, also z.B. nur auf die Kfz-Haftpflichtversicherung und nicht auf die daneben bestehende Kfz-Kaskoversicherung.
  
Da die Versicherungen aber daran interessiert sind, dass der Versicherungsnehmer eine Kasko- und eine Haftpflichtversicherung abschließt, wird bei einer Kündigung nur eines Versicherungsteils der Versicherung den restlichen Vertragsteil ggfs. kündigen.

Was ist bei der Veräußerung des Fahrzeugs zu beachten?

  • Beim Verkauf eines Fahrzeuges, geht die Versicherung auf den Erwerber über (gilt nicht für die Kfz-Unfallversicherung). Der Versicherungsnehmer und der Erwerber müssen der Versicherung den Verkauf des Fahrzeugs unverzüglich anzeigen - unterbleibt die Anzeige, droht unter den gesetzlichen Voraussetzungen der Verlust des Versicherungsschutzes!
     
  • Schließt der Erwerber für das Fahrzeug eine neue Versicherung ab und legt er bei der Zulassungsbehörde eine Versicherungsbestätigung vor, gilt dies automatisch als Kündigung des übergegangenen Vertrages. Die Kündigung wird zum Beginn der neuen Versicherung wirksam.
     
  • Beim Verkauf des Fahrzeuges haften Verkäufer und Erwerber als Gesamtschuldner für die Versicherungsprämie für das zur Zeit der Veräußerung laufende Versicherungsjahr. Der Versicherer kann die Prämie also wahlweise vom Verkäufer oder vom Käufer verlangen. Der Verkäufer sollte deshalb im Kaufvertrag festhalten, dass der verkaufte Wagen unverzüglich vom Käufer umzumelden ist. Meldet der Käufer das Kfz dann nicht bzw. erst später um, kann der Verkäufer Schadenersatz in Höhe der Prämiendifferenz fordern.
     
  • Verursacht der Käufer vor Ummeldung des Fahrzeugs einen Unfall, muss die Versicherung des Verkäufers für den (Dritt-)Schaden voll aufkommen. Dabei wird der Schadenfreiheitsrabatt des Verkäufers aber nicht berührt, wenn die Versicherung durch ein von Verkäufer und Käufer unterschriebenes Schreiben über den Zeitpunkt des Verkaufs informiert wird. Unter diesen Umständen wird der neue Versicherungsvertrag des Käufers im Kalenderjahr nach der Schadenmeldung unter Berücksichtigung des Unfallschadens eingestuft.
     
    Hinweis: den ADAC Kaufvertrag mit entsprechenden Verkaufsmitteilungen finden Sie hier.
     

Besteht für Fahrten vor der Zulassung und nach der Abmeldung Versicherungsschutz? 

Entsprechend dem vorgeschriebenen Inhalt der Versicherungsbestätigung hat der Versicherer bzw. der Versicherungsnehmer bei vorläufiger Deckung zwei Möglichkeiten, den Beginn des Versicherungsschutzes festzulegen:

  • Ohne Nennung eines konkreten Datums mit "ab Tag der Zulassung" oder
  • mit Nennung eines konkreten Datums.
     

Entsprechende Formulierungen sind regelmäßig in den Antragsformularen der Versicherer enthalten. In jedem Fall beginnt der Versicherungsschutz spätestens ab dem Tag der Zulassung, das heißt, mit Beginn dieses Tages, also ab 0 Uhr. 

Der Versicherungsschutz in der Kfz-Haftpflichtversicherung besteht auch für die "Zulassungsfahrten". Zulassungsfahrten sind dabei Fahrten, die im Zusammenhang mit dem Zulassungsverfahren innerhalb des für den Halter zuständigen Zulassungsbezirks und eines angrenzenden Zulassungsbezirks ausgeführt werden. Als derartige Fahrten gelten insbesondere Fahrten zur Durchführung der Hauptuntersuchung, Sicherheitsprüfung oder Abgasuntersuchung sowie Rückfahrten von der Zulassungsbehörde nach Entfernung der Stempelplakette. 

Voraussetzung für die Durchführung solcher Fahrten ist jedoch, dass ein Kennzeichen von der Kfz-Zulassungsstelle bereits zugeteilt oder reserviert ist und dieses Kennzeichen - wenn auch ohne amtliche Stempel - am Fahrzeug angebracht ist.

Endet der Vertrag bei Außerbetriebssetzung des Fahrzeuges?

Nein. Wird das versicherte Fahrzeug außer Betrieb gesetzt und soll es zu einem späteren Zeitpunkt wieder zugelassen werden, wird dadurch der Versicherungsvertrag nicht beendet. Der Vertrag geht in eine beitragsfreie Ruheversicherung über, wenn die Zulassungsbehörde der Versicherung die Außerbetriebssetzung mitteilt.

Die beitragsfreie Ruheversicherung umfasst während der Dauer der Außerbetriebsetzung eingeschränkten Versicherungsschutz. Wird das Fahrzeug wieder zum Verkehr zugelassen, muss der Versicherungsnehmer dies dem Versicherer unverzüglich melden, der ursprüngliche Versicherungsschutz lebt wieder auf. 

Der Versicherungsnehmer ist verpflichtet, das Fahrzeug in einem Einstellraum (z.B. Einzel- oder Sammelgarage) oder auf einem umfriedeten Abstellplatz (z. B. geschlossener Hofraum) abzustellen und das Fahrzeug außerhalb dieser Räumlichkeiten nicht zu gebrauchen. Verletzt der Versicherungsnehmer diese Pflicht, ist der Versicherer unter den bestimmten Voraussetzungen leistungsfrei.

Ist ein Fahrzeug mit Saisonkennzeichen auch außerhalb der Saison versichert?

Für Fahrzeuge, die mit einem Saisonkennzeichen zugelassen sind, besteht der vereinbarte Versicherungsschutz während des auf dem Kennzeichen dokumentierten Zeitraums (Saison). 

Außerhalb der Saison hat der Versicherungsnehmer Ruheversicherungsschutz. Es besteht aber Versicherungsschutz in der Kfz-Haftpflichtversicherung für Fahrten (innerhalb des für den Halter zuständigen Zulassungsbezirks und des angrenzenden Bezirks!) im Zusammenhang mit dem Zulassungsverfahren und Fahrten zur Hauptuntersuchung, Sicherheitsprüfung oder Abgasuntersuchung.