Abgas- und Dieselproblematik

Manipulation bei Stickoxiden (NOx) 

Abgasmanipulation bei VW

Vom Kraftfahrtbundesamt (KBA) wurde ein Rückruf der von der Abgasmanipulation betroffenen Fahrzeuge angeordnet. Handeln sollten jetzt vor allem diejenigen, für deren Fahrzeuge die Sachmängelhaftungsfrist demnächst abläuft sowie Käufer, deren Neufahrzeug (Euro 5) vor der Auslieferung steht oder deren neu erworbenes Gebrauchtfahrzeug mit dem Dieselmotor EA 189 übergeben werden soll.

Betroffene Fahrzeugbesitzer, deren Sachmangelhaftungsfrist demnächst abläuft, sollten rechtzeitig eine Verlängerung dieser Frist bzw. eine Verjährungshemmung mit ihrem Vertragspartner vereinbaren. Die Clubjuristen haben hierfür ein Musterformular erstellt. VW bietet zwischenzeitlich ein vergleichbares Formular an. Fragen Sie bei Ihrem Vertragshändler danach. 
VW Musterschreiben NOx - Verjährungshemmung (457,73 KB)

Wer sein Fahrzeug zwar schon gekauft, aber noch nicht abgenommen hat, kann zur Sicherung seiner Rechte das ADAC Musterformular zur Abnahme unter Vorbehalt verwenden. Auch hierzu halten VW-Händler zwischenzeitlich eigene Formulare bereit.
VW Musterschreiben NOx - Abnahme unter Vorbehalt (527,04 KB)

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Rechte von VW Kunden

Einen Überblick über die Rechte der betroffenen Kunden finden Sie hier.
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Technische Aspekte & Abgastests

Welche Fahrzeuge sind betroffen?

Laut VW sind Fahrzeuge aller Konzernmarken (VW, Audi, Skoda, Seat) mit 1.2-l- und 1.6-l- sowie 2.0-l-TDI Diesel-Motoren der „EA189 Motorbaureihe“, die nach Abgasnorm EU5 zugelassen sind, betroffen. Fahrzeuge mit Abgasnorm EU6 haben im Wesentlichen keine illegale Software.

Der Hersteller bestätigt, dass Diesel-Fahrzeuge mit EA-288 Motoren innerhalb der EU sowohl nach EU5- als auch EU6-Norm nicht vom aktuellen Dieselemissionsthema betroffen sind.

Audi teilt zudem mit, dass die 3.0 TDI-Motoren teilweise eine illegale Getriebe-Software nutzen, um Emissionswerte auf dem Prüfstand zu beschönigen. Insgesamt müssen etwa 24000 Audi-Modelle und etwa 6000 Porsche-Modelle mit dieser Motorisierung in Deutschland zurückgerufen werden.

Ablauf der Abhilfemaßnahmen

Die Rückrufaktion erfolgt in 14 verschiedenen Gruppen mit vergleichbaren technischen Merkmalen. Diese sind unterteilt in: 1.2/1.6/2.0 TDI-Motoren in Längs- und Quereinbau, Getriebeart, usw. Nach dem 2.0 und 1.2 TDI sind seit Anfang November 2016 auch die 1.6 TDI-Triebwerke vom Kraftfahrt-Bundes-Amt (KBA) freigegeben.
Die einzelnen Aktionscodes der Marken lauten: 23R7(VW) / 23Q7(Audi) / 23R6(Skoda) / 23S1(Seat)

Laut VW Pressemitteilung vom 5. Mai 2017 wurden in Deutschland bereits über 70% der 2,6 Millionen betroffenen Fahrzeuge umgerüstet. Die Beanstandung durch Kunden nach dem Update lag laut VW dabei unter 1%.

Wie sieht die technische Durchführung aus?

Die 1,2-, 1,6- und 2,0-Liter-Aggregateder EA189-Motorenfamilie bekommen einen Software-Update. Beim 1,6-Liter EA 189-Motor wird direkt vor dem Luftmassenmesser ein sogenannter Strömungstransformator befestigt. Das ist ein Gitternetz, das den verwirbelten Luftstrom vor dem Luftmassenmesser beruhigt und so die Messgenauigkeit des Luftmassenmessers entscheidend verbessert. Der Luftmassenmesser ermittelt die aktuell durchgesetzte Luftmasse; ein für das Motormanagement sehr wichtiger Parameter für einen optimalen Verbrennungsvorgang. Zudem wird an diesem Motor noch ein Software-Update durchgeführt. Die reine Umsetzung der technischen Maßnahmen wird voraussichtlich weniger als eine Stunde in Anspruch nehmen. Die reine Arbeitszeit für diese Maßnahme wird rund eine halbe Stunde betragen.

Wie kann ich feststellen ob mein Fahrzeug betroffen ist?

Welche Fahrzeuge konkret betroffen sind, kann man unter Eingabe der Fahrgestellnummer auf den Internetseiten der Hersteller Audi, Seat, Skoda und VW abfragen. Alternativ kann man auch beim Händler abfragen, ob das eigene Fahrzeug betroffen ist.

Kundenabfrage für VW-Modelle:
Prüfen Sie auf der VW-Website ob Ihr Fahrzeug betroffen ist.

Zusätzlich zur Onlineabfrage hat VW auch eine Hotline eingerichtet. Diese ist unter der Nummer 0662/4681 3500 erreichbar. Mo-Do 8-18 Uhr, Fr 8-17 Uhr.

Kundenabfrage für AUDI-Modelle:
Prüfen Sie auf der Audi-Website ob Ihr Fahrzeug betroffen ist.

Unter der VW Hotline-Nummer 0662/4681 3500 können auch AUDI-Besitzer telefonisch anfragen, ob ihr Fahrzeug betroffen ist.

Kundenabfrage für SKODA-Modelle:
Prüfen Sie auf der Skoda-Website ob Ihr Fahrzeug betroffen ist.
 
Kundenabfrage für SEAT-Modelle:
Prüfen Sie auf der Seat-Website ob Ihr Fahrzeug betroffen ist.

Wie funktionierte die Manipulation der betroffenen Fahrzeuge?

Laut amerikanischer Umweltbehörde EPA erkennen die betroffenen Fahrzeuge an bestimmten Parametern wie Lenkwinkel, Geschwindigkeitskurven oder den nur zwei drehenden Rädern, dass sie sich im Prüfzyklus befinden und aktivieren dann ein spezielles Programm für Emissionstests. Dadurch werden die Emissionen im Prüfzyklus stärker reduziert als außerhalb dieses Zyklus.

Warum werden die Abgastests überhaupt im Labor gefahren?

Um einen zuverlässigen Vergleich von Emissions- und Kraftstoffverbrauchswerte verschiedener Pkw-Modelle zu ermöglichen, wurden genormte Messverfahren gesetzlich vorgegeben, die auf akkreditierten Abgasprüfständen durchgeführt werden.

Wie wird in Zukunft gemessen?

Um realitätsnähere Verbrauchsangaben zu erhalten, wurde ein neuer Prüfzyklus WLTC (Worldwide harmonized Light Duty Test Cycle) und ein neues Messverfahren WLTP (Worldwide harmonized Light Duty Test Procedure) zur Ermittlung der Schadstoff- und CO2-Emissionen sowie des Kraftstoff- bzw. Stromverbrauches entwickelt.

Seit 01.09.2017 gilt das WLTP Messverfahren für die Typzulassung neuer Pkw-Modelle.

Zusätzlich wurde hier für die Erfassung realer Emissionen auf der Straße ein neues RDE-Messverfahren („Real Driving Emissions“) in das Typgenehmigungsverfahren aufgenommen. Hier wurden Übereinstimmungsfaktoren (zulässige Abweichung der realen Emissionen zum Prüfstandgrenzwert) festgelegt.

Bringt eine Verschärfung der AU etwas?

Nein. Eine Verschärfung der Abgasuntersuchung (AU) bringt in der aktuellen Debatte um tatsächliche und mutmaßliche Abgasmanipulationen von Autoherstellern nichts. Denn: Die AU hat nicht das politische Ziel, mutmaßliche Manipulationen von Herstellern aufzudecken.

Die AU dient dazu, mit vertretbarem Prüfaufwand diejenigen Kraftfahrzeuge zu ermitteln, deren Emissionsverhalten aufgrund technischer Mängel und mangelnder Wartung (und nicht aufgrund von etwaigen Manipulationen der Hersteller!) deutlich verschlechtert ist.

Zudem ist es mit der AU nicht möglich, Abweichungen von NOx-Emissionen ohne Rollenprüfstand und Last zu messen.

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Was macht der ADAC?

Was kam bei den Vorher-Nachher-Messungen heraus?

Wir hatten beim Triebwerk 2.0 TDI (Golf und A4 (Partnerclubs)) - Vorher-Nachher-Tests durchgeführt und zu allen Fällen in der Motorwelt Ausgabe 7/8 2016, sowie im Internet ausführlich zu den Ergebnissen berichtet. 

Sowohl Leistung/Drehmoment, als auch Verbrauch waren im Rahmen der Messunsicherheit unverändert. Beim strengeren WLTC-Fahrzyklus und höherem Tempo waren die NOx-Werte sogar deutlich niedriger als vorher.

Auch die Punkt Motorgeräusche und Laufverhalten wurden genau überprüft. Eine Veränderung der akustischen Eigenschaften und des Laufverhaltens des Motors konnten wir an den getesteten Fahrzeugen nicht feststellen. 

Die Ergebnisse des anschließend gemessenen 1,2 TDI-Motors im Polo bewegen sich auf vergleichbarem Niveau zu den 2.0 TDI-Werten im Golf, also nahezu unverändert und auch hier waren die NOx-Werte im WLTC-Zyklus um etwa ein Drittel deutlich reduziert.

Der untersuchte 1.6 TDI mit 105 PS (77kW) in einem Golf Variant schließt sich den vorangegangenen Tests an. Er zeigte nach dem Software-Update ein gleiches Ansprechverhalten, mit etwas verbesserten Beschleunigungs- und Durchzugsvermögen. Die Nox-Werte haben sich im Zulassungszyklus (NEFZ)  verbessert und außerhalb im erweiterten „Weltzyklus“ (WLTC) und Autobahnzyklus nach ADAC EcoTest um über 50% verbessert ! Die CO²-Messwerte und damit Verbrauch änderten sich vor und nach dem Update wenig, nur eine leichte Erhöhung im Autobahnzyklus im Prozentbereich war festzustellen. 

 

Was hat der ADAC bislang getan?

Der ADAC arbeitet mit Hochdruck daran Informationen zu sammeln, zu überprüfen und umfassend zu informieren. Techniker und Juristen aktualisieren laufend diese Internetseite, um auf möglichst viele Fragen der Betroffenen Antworten bereit zu stellen.

Darüber hinaus hat sich der ADAC bereits seit Jahren auf nationaler und europäischer Ebene mit ADAC Expertise, Messungen und Ergebnisse aus dem ADAC EcoTest und weiterer Untersuchungen als kompetenter Partner für eine Verbesserung auch auf dem Gebiet der Abgasemissionen eingesetzt.