Abgas- und Dieselproblematik

Auslieferungsprobleme VW T6 (Bulli)

3.5.2018

Seit Dezember 2017 erreichten uns immer wieder Mitglieder-Beschwerden, dass Autokäufer ihren VW T6 Bulli nicht vom Händler übergeben bekommen. Aufgrund von Problemen mit den Emissionswerten wurden Diesel-Modelle des T6 Multivan nicht mehr ausgeliefert. Das hat sich jetzt geändert. Worauf Betroffenen nun achten sollten, sagen Ihnen die Clubjuristen.

Lieferprobleme bei VW T6 (Bulli) – gekaufte Fahrzeuge wurden nicht ausgeliefert.
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Am 16.02.2018 erfolgte hierzu eine Information von Volkswagen Nutzfahrzeuge:

„Während des Auslieferungsstopps der T6 mit M1 Zulassung (Pkw) wurde eine technische Lösung zur Anpassung der Motorsteuerung entwickelt, durch die sich das Emissionsverhalten während der Regeneration des Partikelfilters verbessert. 

Der Abschluss der Messungen, Erprobungen und behördlichen Genehmigungsprozesse sowie eine Umsetzung an bereits produzierten Fahrzeugen und deren Transport ist so weit fortgeschritten, dass Volkswagen Nutzfahrzeuge mit der Auslieferung der betroffenen Fahrzeuge voraussichtlich ab Anfang März beginnt. 

Aufgrund einer verschärften Anwendung der Messrandbedingungen, zu der sich die Volkswagen AG entschieden hat, werden sich im Rahmen einer üblichen COP-Anpassung die CO2-Katalogwerte modellabhängig unterschiedlich ändern. Die Fahrzeugeigenschaften ändern sich nicht.

Die Situation bei Bestandsfahrzeugen unserer Kunden wird untersucht, bevor über das weitere Vorgehen entschieden wird.“

Veränderte Verbrauchs- und Abgaswerte

Nach Mitteilung von Mitgliedern und den aktuellen Angaben des Herstellers werden die Fahrzeuge nun mit veränderten Verbrauchs- und Abgaswerten sowie einer geänderten PKW-EnVKV-Kennzeichnung (Effizienzklasse) zur Auslieferung bereitgestellt. Weichen die Werte von denen der bestellten Fahrzeuge ab, entsprechen sie nicht mehr der vertraglich vereinbarten Beschaffenheit und sind damit mangelhaft. In diesem Fall können Kunden die Abnahme verweigern oder nach Abnahme Rücktritt bzw. Minderung verlangen. 

Wichtiger Hinweis der Clubjuristen – Abnahme unter Vorbehalt erklären!

Da die meisten Betroffenen den VW T6 trotzdem unbedingt haben wollen und sich daher für die Abnahme entscheiden, sollte zur Wahrung der Käuferrechte die Abnahme des Fahrzeuges nur unter Vorbehalt erklärt werden!

Dem ADAC liegt allerdings ein Schreiben eines VW-Markenhändlers vor, in dem die Kunden vor der Abnahme des Fahrzeugs vor die Wahl gestellt werden, ob sie die Abweichung bei den Verbrauchs- und Abgaswerten vor Übergabe des Kfz akzeptieren (und sich nicht mehr auf die Abweichung als Mangel zu berufen) oder ob sie das Fahrzeug nicht abnehmen. Ohne eine schriftliche Entscheidung des Kunden für eine der beiden Optionen, wird angekündigt, dass eine Auslieferung des bestellten Fahrzeugs  nicht erfolge. 

So sieht das Anschreiben an die Käufer aus

Anschreiben eines Markenhändlers (PDF-Download191,8 KB)

Der Käufer hat grundsätzlich die Möglichkeit, wegen des Mangels infolge der Abweichung zu den ursprünglich angegebenen Verbrauchs- und Abgaswerten, seine gesetzlichen Ansprüche geltend zu machen. Diese werden aber nicht dazu führen, den VW T6  wie bestellt ausgeliefert zu erhalten. Die Modelle werden so wie im Kaufvertrag bzw. der Bestellung vereinbart nicht mehr hergestellt, womit im Ergebnis vom Vorliegen einer objektiven Unmöglichkeit (niemand kann das bestellte Kfz liefern) auszugehen ist. Der ursprüngliche Kaufvertrag kann also nicht erfüllt werden, so dass ein Festhalten am Vertrag und die Forderung der Lieferung des bestellten Fahrzeugs nicht empfehlenswert ist. Ein Verschulden des Händlers liegt nach derzeitigen Erkenntnissen ebenfalls nicht vor. Man kann folglich weder Schadenersatz verlangen noch Ausgleich für mögliche Mehrkosten bei Kfz-Steuer und potentiellem Mehrverbrauch. Der Betroffene sollte daher so gut wie möglich nachverhandeln. 

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VW Nutzfahrzeuge teilte auf Anfrage des ADAC am 25.04.2018 folgendes mit:

Wir bieten einen Ausgleich für Abweichungen der steuerlichen KFZ-Einstufung an. Wir werden in Kürze ein Postfach einrichten, an das sich unsere Kunden wenden können. Die Kunden werden dazu über ihre Händler informiert.

Die Kraftstoff-Verbrauchswerte im praktischen Einsatz verändern sich durch die Optimierung der Motorsteuerung nicht.

Einigung mit Händler suchen

Liegt der (neue) Liefertermin noch zu weit weg, kann man sich selbstverständlich mit dem Händler anderweitig einigen. In Betracht kommt etwa ein Umschwenken auf ein anderes, schneller lieferbares Fahrzeugmodell. Dies wird vor allem im Interesse des Händlers sein, da er mit einer entsprechenden Änderung des Kaufvertrags weiter ein Fahrzeug verkauft. Akzeptieren muss der Käufer ein Angebot für ein anderes Kfz aber nicht. 

Wie geht es weiter

Sollte der ADAC weitere Informationen vom Hersteller zur T6 Lieferproblematik erhalten, werden wir an dieser Stelle darüber informieren.

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Kontakt

Noch Fragen zu diesem Thema? Die Clubjuristen beantworten Fragen von ADAC Mitgliedern per E-Mail oder telefonisch unter 0 89 76 76 24 23.