Bußgeldbescheid erhalten? So läuft das Bußgeldverfahren

4.7.2019

Zu schnell gefahren, Abstand zu gering oder falsch geparkt – alles was Sie jetzt wissen müssen, haben die ADAC Clubjuristen zusammengestellt. Wir erläutern das Bußgeldverfahren von A wie Anhörungsverfahren bis Z wie Zustellung.

Polizist hält Kelle in der Hand
©Imago/Jochen Tack
  • Der Bußgeldkatalog sieht bei besonders schweren Verstößen zusätzlich ein Fahrverbot vor.
  • Gegen einen Bußgeldbescheid kann man innerhalb von 2 Wochen Einspruch einlegen.
  • Anders als das Verwarnungsgeld ist der Bußgeldbescheid mit zusätzlichen Kosten für Auslagen und Gebühren verbunden.

Bußgeldbescheid erhalten - was nun?

Sie wurden geblitzt und haben das Gefühl etwas schneller gewesen zu sein. Der Abstand zum Vordermann war zu gering und man hat Sie angehalten. Sie werden demnächst einen Anhörungsbogen erhalten oder vielleicht liegt Ihnen der Bußgeldbescheid auch schon vor. In diesem Fall stellen sich viele Fragen zum Bußgeldverfahren und wie es weiter geht. Wir haben die gängigsten Fragen hier für Sie zusammengestellt.

 

Wie lange hat die Behörde Zeit etwas zu schicken? 

Die Verjährungsfrist beträgt für Ordnungswidrigkeiten drei Monate, bei Drogen- und Alkoholverstößen sechs Monate. Die zuständige Behörde muss innerhalb dieser Frist eine Maßnahme gegen den verantwortlichen Fahrzeugführer ergreifen. Wichtig: Eine solche Maßnahme ist bereits die Anordnung, einen Anhörungsbogen zu versenden. Wann dieses Schreiben tatsächlich zugeht, ist für die Frage der Verjährung ohne Bedeutung. Das Datum dieser Anordnung findet sich nicht auf dem Anhörungsbogen, sondern nur in der Bußgeldakte. Es lässt sich somit allein anhand der behördlichen Anhörung nicht erkennen, ob das Verfahren wegen Verjährung einzustellen ist. Die Frage, ob die Verjährung unterbrochen wurde, lässt sich nur nach Einsicht in die Bußgeldakte klären.

 

Was ist bei der Anhörung zu beachten? 

Vor Erlass des Bußgeldbescheides erhalten Sie die Gelegenheit zur Stellungnahme. Üblicherweise wird hierzu ein Anhörungsbogen verschickt, in dem die Umstände der Ordnungswidrigkeit näher beschrieben sind. Bei den Ausführungen des Betroffenen ist zwischen den Angaben zur Person und den Angaben zur Sache zu unterscheiden. Während es sich bei den erfragten Personendaten um sogenannte Pflichtangaben handelt, steht es Ihnen als Betroffenem frei, sich zum Tatvorwurf zu äußern. Hier sollten allenfalls solche Ausführungen gemacht werden, die Sie entlasten. Sinnvollerweise sollten vor einer Äußerung zur Sache die Aufzeichnungen der Bußgeldstelle eingesehen und ausgewertet werden. Die auf Verkehrsrecht spezialisierten Verteidiger können diesen Unterlagen entnehmen, ob und mit welchem Einwand Erfolgsaussichten bestehen. Adressen von ADAC Vertragsanwälten in Ihrer Nähe finden Sie hier.

Machen Sie indes von Ihrem Schweigerecht Gebrauch, so darf die Bußgeldstelle hieraus keine negativen Schlüsse ziehen. Das Recht zum Schweigen besteht dann, wenn Sie sich selbst oder einen nahen Angehörigen als verantwortlichen Fahrer belasten würden.

 

Mit welchen Kosten ist ein Bußgeldbescheid verbunden? 

Führen Ihre Angaben als Betroffener im Anhörungsbogen nicht dazu, dass der Tatvorwurf fallen gelassen und das Verfahren eingestellt wird, erlässt die Behörde einen Bußgeldbescheid. Dieser ist mit zusätzlichen Kosten, den Verfahrensgebühren (Mindestgebühr 25,- €),  sowie den Auslagen für die Postzustellung (Einschreiben i.d.R. 3,50 €) verbunden.

 

Wie wird der Bußgeldbescheid zugestellt und wann beginnt die Einspruchsfrist zu laufen? 

Die Zustellung des Bußgeldbescheids erfolgt in fast allen Fällen durch die Post mit Zustellungsurkunde. Der Postbedienstete übergibt das Schriftstück entweder persönlich oder wirft es in den Briefkasten ein. Er beurkundet dann die Zustellung auf der Zustellurkunde und leitet diese an die Verwaltungsbehörde zurück. Erfolgt die Zustellung durch das Einwerfen in den Briefkasten des Adressaten, so wird damit bereits der Beginn der Einspruchsfrist ausgelöst.

 

Wie lange kann Einspruch eingelegt werden? 

Gegen den Bußgeldbescheid können Sie innerhalb einer Frist von 2 Wochen Einspruch einlegen. Innerhalb dieser Frist muss der Einspruch bei der Bußgeldbehörde eingegangen sein.

 

Keinen Einspruch eingelegt - was passiert, wenn die Einspruchsfrist abgelaufen ist?

Läuft die 2 Wochenfrist zur Einspruchseinlegung ohne dass ein Einspruch eingelegt wurde ab, so wird der Bußgeldbescheid rechtskräftig. Eine weitere Überprüfung ist dann ausgeschlossen und die Geldbuße wird fällig.

Nur wenn die Einspruchsfrist nachweislich ohne eigenes Verschulden versäumt wurde, kann die sogenannte Wiedereinsetzung beantragt werden. In diesem Fall muss gleichzeitig mit dem Antrag auf Wiedereinsetzung der versäumte Einspruch nachgeholt und belegt werden, weshalb die Einspruchsfrist nicht eingehalten werden konnte. Sind die Voraussetzungen erfüllt, wird die Rechtskraft aufgehoben und das Verfahren fortgesetzt.

 

Wann wird eine Hauptverhandlung angesetzt? 

Wird das Verfahren nicht nach dem eingelegten Einspruch eingestellt, bestimmt das Amtsgericht einen Termin zur Hauptverhandlung. Sofern das Gericht eine Hauptverhandlung nicht für erforderlich hält, kann es durch Beschluss entscheiden, wenn der Betroffene und die Staatsanwalt einem Verfahren nicht widersprechen. Als Betroffener sind Sie grundsätzlich zur Anwesenheit verpflichtet und können nur auf Antrag und unter ganz bestimmten Voraussetzungen davon befreit werden. Das Gericht versucht, den zugrunde liegenden Sachverhalt vollständig aufzuklären, wobei Beweismittel - wie beispielsweise das Frontfoto - eingesehen und Zeugen vernommen werden. Das Amtsgericht entscheidet durch Urteil. Dieses Urteil kann nur unter sehr engen Voraussetzungen mit einer Rechtsbeschwerde angegriffen werden.

 

Was geschieht, wenn Zweifel an der Messung bestehen? 

Sofern die Richtigkeit eines Messverfahrens in Zweifel gezogen wird, kann das Gericht einen Sachverständigen mit der Erstellung eines Gutachtens beauftragen. Solche Begutachtungen sind oftmals sehr aufwendig und entsprechend teuer, so dass hier ohne Rechtsschutzversicherung ein erhebliches Kostenrisiko besteht. Nach der Beweisaufnahme entscheidet das Gericht, ob das Verfahren eingestellt, der Betroffene freigesprochen oder verurteilt wird.

Service der Clubjuristen

ADAC Mitglieder können Checklisten unter Angabe des bei der Geschwindigkeitsmessung konkret eingesetzten Messverfahrens anfordern. Mehr

"Knöllchen" am Auto - was tun?

Für kleinere Verfehlungen im Straßenverkehr, wie beispielsweise falsches Parken, ist ein Verwarnungsgeld von 5 bis 55 EUR vorgesehen.

Die Verwarnung kommt entweder mit der Post oder das „Knöllchen“ hängt z. B. an der Windschutzscheibe des Autos. Mit der fristgerechten Zahlung des Verwarnungsgeldes können Sie das Verfahren einfach und ohne zusätzliche Kosten beenden. In diesem Fall muss der Betrag vollständig und innerhalb der gesetzten Frist von einer Woche bei der Behörde bezahlt sein. Wird die Verwarnung nicht oder zu spät bezahlt, wird in der Regel ein kostenpflichtiges Bußgeldverfahren eingeleitet.
 
Sie haben keinen Rechtsanspruch auf dieses vereinfachte Verfahren. Sollten Sie daher kein "Knöllchen" erhalten haben, sondern gleich den kostenpflichtigen Bußgeldbescheid, so ist dies für das weitere Verfahren unschädlich. Die Behörde kann im Einzelfall vom Verwarnungsangebot absehen und gleich das förmliche Bußgeldverfahren einleiten.
 
Ob ein Rechtsstreit lohnt oder die Verwarnung bezahlt werden sollte, hängt von den Umständen des Einzelfalls ab. Zur Klärung dieser Frage können Sie sich als ADAC Mitglied direkt an Ihre ADAC Juristen wenden.

Text: Juristische Zentrale