Sicher & Mobil

Der tägliche Wahnsinn vor den Schulen

„Walking Bus“ statt Elterntaxi: ADAC Expertin Birgit Blaich-Niehaus gibt Tipps für einen sicheren Schulweg

In Sachsen sind im vergangenen Jahr 1300 Kinder verunglückt, in Sachsen-Anhalt waren es 850. Die meisten von ihnen als Mitfahrer im Auto. 69 Kinder in Thüringen verunglückten auf ihrem Schulweg. Alarmierende Zahlen, meint ADAC Verkehrsexpertin Birgit Blaich-Niehaus und macht auch das Phänomen Elterntaxi dafür mitverantwortlich. 

ADAC Motorwelt: Warum birgt das Elterntaxi denn aus Ihrer Sicht eine solche Gefahr?
Birgit Blaich-Niehaus: Man muss sich nur das morgendliche Chaos vor den Schultoren anschauen: Da wird schon mal schnell regelwidrig gehalten, Kinder auf der Fahrerseite rausgelassen, oder man wendet mal kurz in einer engen Straße. Die Risiken sind erheblich. Gut gemeint ist eben nicht unbedingt gut gemacht. Weder werden die Eltern ihrer Rolle als Vorbild gerecht noch befähigen sie ihre Kinder, selbstständig mobil zu sein.

Wie lässt sich die Situation aus Ihrer Sicht denn verbessern?

Beispielsweise empfehlen wir, spezielle Hol- und Bringzonen einzurichten, wo Kinder gefahrlos ein- und aussteigen und die letzten mindestens 250 Meter bis zum Schultor zu Fuß zurücklegen können. Im Zusammenspiel zwischen Schule, Elternvertretern und Polizei lassen sich Wege finden. Auch die Kommune muss bei Bedarf eingeschaltet werden.

Was raten Sie den Eltern, die mit ihren Kindern auf den Schulanfang hinfiebern und Angst um ihre Kleinen haben?

Schon lange vor Schulbeginn den Weg mit den Kindern immer wieder zu üben ist die beste Lösung. Dabei ist es wichtig, dass die Eltern viel über die Gefahrenstellen sprechen und die Kinder praktisch begleiten. Schon beim ersten Elternabend vor Schulstart können Fragen zum sicheren Schulweg gestellt werden. Schulwegpläne helfen enorm. Leider gibt es sie in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen noch nicht überall. Ideal wären unserer Meinung nach verbindliche Vorschriften der Länder zur Erstellung. Denn dann müssten Kommunen, Schulen, Polizei und Eltern gemeinsam die besten Wege zusammenstellen und immer wieder aktuell bewerten.

Gibt es ein besonders positives Projekt?

Die Einrichtung von Elternhaltestellen für das Ein- und Aussteigen, den sogenannten Walking Bus, wo Kinder ab einem Sammelpunkt in Begleitung zu Fuß unterwegs sind oder auch das Sammeln von Fußwegmeilen, bei dem Kinder, die zu Fuß unterwegs sind, belohnt werden, können helfen. Unsere Verkehrsexperten beraten da gern.

Weitere Infos und Tipps zum Thema Schulweg gibt es in einem ADAC Ratgeber für Eltern und Kinder, den Sie hier downloaden können: Schulweg-Ratgeber (4,82 MB)

Mit dem Thema "Elterntaxi“ beschäftigt sich die Fachbroschüre „Das Elterntaxi an Grundschulen“. Sie zeigt auf, wie Lehrkräfte und Eltern das Thema "Hol- und Bringverkehr an Grundschulen“ beurteilen und wie Schulleiter und Lehrer anhand von Checklisten, Probleme vor ihrer Schule richtig einzuschätzen können und bei Bedarf einen geeigneten Standort für eine Hol- und Bringzone ausfindig machen. Das PDF können Sie hier downloaden: Das Elterntaxi an Grundschulen (1,06 MB)

Interview: Christine Rettig, Illustration: Karl-H. Volkmann