Klimawandel: Herausforderung für die Mobilität

26.4.2019

Deutschland muss seinen Treibhausgas-Ausstoß massiv senken. Das hat Folgen. Für die Industrie, für die Landwirtschaft – und für jeden mobilen Menschen. Darauf müssen Sie sich jetzt einstellen.

Berlin Blick aufs Brandenburger Tor und den Tiergarten
In Städten wie Berlin muss der öffentliche Nahverkehr ausgebaut werden
  • Eine Expertenrunde hat erste Vorschläge zum CO2-Sparen im Verkehr vorgelegt
  • Empfohlen werden mehr Elektroautos und höhere Investitionen in den öffentlichen Verkehr
  • Auch eine Abgabe auf Treibhausgas wird diskutiert

 

Die "Nationale Plattform Zukunft der Mobilität" (NPM) hat erste Vorschläge präsentiert, wie Deutschland seine Klimaversprechen erfüllen könnte. Jetzt beginnt die Diskussion darüber. Es geht um neue Steuern oder Abgaben auf CO2, mehr Elektroautos, mehr Geld für den öffentlichen Nahverkehr. Das sind die Herausforderungen – und die Auswirkungen für die Mobilität.

In Deutschland entstehen über 865 Mio. Tonnen CO2

Derzeit ist die deutsche CO2-Bilanz durchwachsen. 2018 sanken die Treib­hausgas-Emissionen zwar nach vorläufigen Berechnungen des Umweltbundesamts (UBA) um 4,5 Prozent auf 865,6 Millionen Tonnen. Gründe sind laut UBA höhere Preise für Kohle, Diesel und Benzin sowie mehr erneuerbare Energien im Strommix.

Die Bundesregierung hat alle wichtigen Abkommen zum Klimaschutz unterzeichnet, zuletzt den Vertrag von Paris. Dessen Kern: Deutschland soll bis 2050 zwischen 80 und 95 Prozent weniger CO2 ausstoßen als 1990. Zudem gibt es EU-Ziele für jedes Mitgliedsland. Die Bundesrepublik muss bis 2030 auf 562 Millionen Tonnen pro Jahr kommen. Also gut 300 Millionen weniger als 2017.

Die Bundesrepublik liegt bei der CO2-Reduktion zurück

Das Pariser Abkommen ist völkerrechtlich nicht bindend. Anders sieht es mit den EU-Zielen aus. Ab 2021 muss jeder Staat seine Fortschritte nach Brüssel melden. Liefert Deutschland nicht, würde die EU-Kommission weitere Maßnahmen einfordern. Außerdem müssten Emissionszertifikate erworben werden, um den CO2-Überschuss auszugleichen.

Kaufen müsste die Bundesrepublik diese Zertifikate von anderen Mitgliedsstaaten der EU. Voraussetzung: Diese Länder haben ihre Ziele übererfüllt. Ein Handelssystem gibt es aber noch nicht, verhandeln müssten die Staaten untereinander. Trotzdem wurden im Finanzplan der Bundesregierung für die nächsten drei Jahre bereits 300 Mio. Euro für den Kauf dieser Zertifikate zurückgelegt. Sollte die Bundesregierung dauerhaft gegen die vereinbarten Ziele verstoßen, könnte sie vor dem Europäischen Gerichtshof verklagt werden. Käme es zu einem Schuldspruch, drohen Strafzahlungen.

So viel Treibhausgas entsteht durch den Verkehr

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Der Treibhausgas-Ausstoß im Verkehr stagniert seit Jahren

Im vergangenen Jahr war der Verkehr laut Schätzung des Umweltbundesamts für etwa 163 Millionen Tonnen CO2-Ausstoß verantwortlich. Auch hier ist Deutschland hinter Plan. In einem Gesetzentwurf des Umweltministeriums stehen sogenannte Sektorenziele, etwa für Industrie, Landwirtschaft oder Wohnungsbau. Beim Verkehr liegt das Einsparziel bei 40 bis 42 Prozent bis 2030, bezogen auf 1990. Bislang sind erreicht: null Prozent.

 

Erste Maßnahmen wurden ergriffen

Erste Maßnahmen wurden bereits ergriffen. So müssen in der EU verkaufte Neuwagen in den nächsten Jahren immer weniger CO2 ausstoßen. Von 130 g CO2 pro Kilometer sinkt dieser Wert auf 95 g CO2/km ab 2021. Ab 2020 müssen die Hersteller Strafe zahlen, wenn sie diese Vorgaben verfehlen. Im März beschloss die Europäische Union eine weitere Verschärfung: Bis 2030 soll der CO2-Ausstoß um weitere 37,5 Prozent sinken.

Auch die Förderung von Elektroautos soll den CO2-Ausstoß im Verkehr mindern. Inzwischen wächst die Nachfrage schneller als der Gesamtmarkt. Außerdem hat die Bundesregierung Zuschüsse zum Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und der Bahn angekündigt. ADAC Umfragen zeigen immer wieder, dass günstigere Preise und bessere Verbindungen mehr Menschen zum Umstieg bewegen würden – und damit die Klimabilanz im Verkehr deutlich verbessern könnten. Das aktuelle Angebot bewerten die Befragten als unbefriedigend.

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Biokraftstoffe und mehr ÖPNV: Es gibt Ideen

Nein. Im Zwischenbericht der Nationalen Plattform zu Zukunft der Mobilität zur "Erreichung der Klimaziele 2030 im Verkehrssektor", an dem auch der ADAC mitgearbeitet hat, werden deshalb viele weitere Vorschläge gemacht. Dazu gehört, die Zahl der zugelassenen E-Autos auf bis zu 10,5 Millionen zu steigern und auf kleine und leichte Pkw zu setzen. Diesel und Benzin müssten verstärkt durch Biokraftstoffe oder Gas ersetzt werden. Zudem plädieren die Experten für die Vermeidung von Verkehr, etwa durch mehr Home-Office und eine höhere Auslastung der Autos – derzeit liegt sie bei 1,5 Personen pro Pkw. In dem Papier finden sich neben der Forderung nach mehr Geld für den ÖPNV auch Überlegungen zu einer neuen CO2-Abgabe. Kontrovers wurde über eine City-Maut diskutiert.

Die Folgen für die Mobilität

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Mit Abstand am klimaschädlichsten: Das Flugzeug

Viele Fragen sind noch offen, und die Bundesregierung will ihr Konzept erst Ende 2019 vorlegen. Allerdings ist bereits jetzt absehbar, dass die individuelle Mobilität teurer werden könnte. Elektroautos kosten mehr als herkömmliche Pkw. Der Strom für diese Fahrzeuge muss aus erneuerbaren Quellen kommen, auch das gibt es nicht zum Nulltarif. Um Biokraftstoffe in ausreichender Menge herzustellen, sind hohe Investitionen nötig. Und sollte Deutschland seine Klimaziele verfehlen, werden alle Steuerzahler für die Bußgelder aufkommen müssen.

Umfragen unter den Club-Mitgliedern zeigen ein wachsendes Bewusstsein für die Umweltauswirkungen der Mobilität. Immerhin ein Fünftel will künftig weniger Auto fahren. Andererseits gehen 71 Prozent der Haushalte davon aus, dass sie auch in fünf Jahren noch einen Pkw haben. Einschränkungen oder Verteuerungen lehnen die Befragten klar ab.

ADAC Präsident Dr. August Markl sagt: "Wir setzen uns dafür ein, dass individuelle Mobilität auch in Zukunft möglich und für alle bezahlbar bleibt. Viele Menschen, vor allem im ländlichen Raum, sind auf das Auto angewiesen. Alle künftigen Maßnahmen müssen sozialverträglich umgesetzt werden. Und die Verbraucher benötigen Planungssicherheit."

 

Text: Thomas Paulsen. Foto: iStock.com/bluejayphoto. Grafiken: ADAC e.V.

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