Sicher & Mobil

Tanz mit der Gefahr

Straßenwärter Michael Tanz liebt seinen Job – allerdings riskiert er oft sein Leben, denn viele Autofahrer nehmen wenig Rücksicht auf seine Arbeit

Michael Tanz hätte allen Grund, zufrieden zu sein. Er darf seinen Traumberuf ausüben: jeden Tag an der frischen Luft, eine abwechslungsreiche Tätigkeit, gut bezahlt und krisenfest – aber eben auch jede Menge Gefahr, die „draußen“ täglich auf ihn wartet. „Draußen“, das ist die A2. Tanz ist Straßenwärter, einer von 21 in der Autobahnmeisterei Theeßen in Sachsen-Anhalt. Sein Revier umfasst rund 60 Kilometer in beide Fahrtrichtungen sowie 30 Kilometer Auf- und Abfahrten. Zu seinen Aufgaben zählen zum Beispiel Reparatu- ren an der Fahrbahn, Grünpflege sowie die Wartung und Pflege der Schilder und Anlagen. Beim Winterdienst geht es in Zwölf-Stunden-Schichten rund um die Uhr auf die Piste. Klar, dass nicht alles Spaß macht, wie etwa die Reinigung der Toilettenanlagen. Was Tanz wirklich ärgert, ist der Stinkefinger, den ihm manche Autofahrer zeigen, weil sie sich ausgebremst fühlen. „Die Leute sind ständig unter Zeitdruck, werden immer aggressiver.“ Am schlimmsten seien gewagte Überholmanöver: Ein Straßenwärter riskiert täglich sein Leben.

Seine Freundin hat immer ein mulmiges Gefühl
Die abgefahrenen Spiegel an den Einsatzfahrzeugen hat Henry Lendel irgendwann nicht mehr gezählt. „Oft mache ich mir Gedanken, ob die Kollegen heil wieder auf den Hof kommen“, sagt der Leiter der Autobahnmeisterei und präsentiert ein demoliertes Baustellenfahrzeug. Ein Lkw ist hineingeknallt. „Jedes Jahr haben wir mindestens einen solchen ‚Volltreffer‘“, berichtet Lendel. Zum Glück gab es diesmal keine Verletzten. Nicht immer geht es so glimpflich aus. Immer wieder sterben Straßenwärter im Einsatz.

„Mit dem Verkehrsaufkommen steigt auch die Unfallgefahr“, sagt Tanz. Dass seine Freundin ein mulmiges Gefühl hat, wenn er morgens aus dem Haus geht, weiß er. Doch Angst lässt er nicht an sich heran. Immerhin sorgen strenge Vorschriften dafür, dass er möglichst sicher arbeiten kann. Was er sich aber wünscht, ist mehr Verständnis für seinen Job: „Schließlich machen wir das nicht für uns, sondern für die Autofahrer.“

Text und Foto: Christian Wohlt