Parkplatz-Vernichter und andere Egoisten

6.12.2017

Eigentlich wollen wir doch friedlich miteinander umgehen – gerade in der Weihnachtszeit. Aber manchmal muss man seinem Ärger eben Luft machen. Was Elisabeth Schneider, stellvertretende Chefredakteurin der ADAC Motorwelt, von Parkplatz-Vernichtern hält und welche anderen Egoisten sie noch nerven, berichtet sie in dieser Kolumne

Wenn Parkraum so verschwendet wird, bringt das manchen auf die Palme

Parkplatz suchen ist die Pest. Egal, ob man in einer großen oder kleineren Stadt wohnt. Freie Stellflächen sind irgendwie nirgends zu finden. An den Kommunen, die überall neue Fußgängerzonen und Lizenzbereiche einrichten, liegt es nicht. Zumindest nicht allein. Hauptschuldige sind die Autofahrer selbst – natürlich die anderen.

Gemeint sind jetzt aber nicht nur die vielgeschmähten SUV-Fahrer, die mit ihren großen Kisten auf Schräg- oder Querparkflächen gern mal zwei Plätze blockieren, weil sie sich sonst nur noch schlangenmäßig aus ihrem Fahrzeug winden können. Oder die – wenn es nur eine freie Bucht gibt – ihren Wagen rechts so nah an den Nachbarn quetschen, dass der höchstens fünf Zentimeter Spielraum zum Ein- oder Aussteigen hat.

Nein, ich spreche ganz bewusst von Menschen, die mit Fahrzeugen normaler Abmessungen oder gar Klein- und Kleinstwagen unterwegs sind und es ­dennoch mühelos schaffen, überall den raren ­Parkraum zu vernichten. Erst kürzlich haben mich gleich mehrere dieser Exemplare auf einem Parkplatz mit Querpark-Markierungen zum Fluchen gebracht (das mit den guten Vorsätzen – siehe oben – fällt da wirklich schwer). Dick und fett, oder auch einfach schlampig, hatten vier Autofahrer oder ­-fahrerinnen ihre Kombis & Co. mittig auf dem Querstreifen platziert, sodass jeweils rechts und links gut ein Meter Platz zum bequemen Aussteigen blieb. Vier freie Plätze waren damit weg. Sollen die anderen doch sehen, wo sie bleiben.

"Na und? Hauptsache, ich habe einen Platz."

Aber wehe man traut sich, etwas zu sagen, weil man gerade sieht, wie einer mit rasantem Schwung sein Gefährt regelrecht in die Lücke schmeißt. Entweder man erntet ein Achselzucken nach dem Motto: "Na und? Hauptsache, ich habe einen Platz." Oder man hört Sprüche, die ich nicht zitieren möchte – schon gar nicht in der Adventszeit.

Auch bei Längsparkern ist ein bisschen Rangieren oft das Letzte, was andere Autofahrer erwarten dürfen: vor und hinter dem Wagen großer Abstand, aber eben doch so wenig, dass maximal ein Smart reinpasst. Es scheint schwer zu sein, noch mal den Vor- oder Rückwärtsgang einzulegen, wenn man gerade so lässig in die Lücke eingeschwungen ist.

Parkplatz-Vernichter der anderen Art erleben Leute, die in Wohngebieten mit Geschäften eine Tiefgaragen- oder Hofeinfahrt haben. Wie oft ist da die Zufahrt verstellt, "weil man ja nur mal eben" zum Bäcker, Metzger, Gemüsehändler etc. wollte. Dass der Anwohner ewig kreisen muss, um seinen teuer bezahlten Stellplatz zu erreichen – wen interessiert’s? Viele kaufen mit dem Auto offenbar das Recht, sozusagen an jeder Theke oder jedem Tresen zu parken. Sonst müsste man ja ein paar Meter laufen.

Eine andere, aber sicher verwandte Sorte von Egoisten bringt mich an Ampeln mit Linksabbiegerspur zum Verzweifeln (nicht fluchen ...). Das sind die Abbieger, aber auch die U-Turner, die direkt hinter der grünen Ampel nach links einschlagen und stehen bleiben. Ist ja wurscht, dass es hinter ihnen kein weiteres Auto mehr auf die Kreuzung schafft.

Ich weiß, es gibt keine Vorschrift, dass man möglichst weit nach vorn fahren soll – egal, ob beim Abbiegen (außer eine Markierung zeigt den Weg) oder beim U-Turn. Aber wenn man ein bisschen mitdenkt, oder gar an die anderen denkt, würde es dem Verkehrsfluss – und den Nerven – sicher helfen.


Meinung: Elisabeth Schneider. Grafik: ADAC Motorwelt.

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