Verkehrsärgernisse der Motorwelt-Leser: Jetzt reicht's!

20.3.2018

Wir hatten die Leser der ADAC Motorwelt gebeten, uns Missstände auf unseren Straßen zu melden. Hier sind die ersten beiden gefährlichen "Jetzt reicht’s"-Fälle aus Bautzen und Frankfurt am Main

Statt auf dem bisherigen Radweg müssen Fahrradfahrer in Bautzen nun direkt auf der Straße fahren – mit den Autos auf Tuchfühlung

Jeder kennt Gefahrenstellen, aber niemand tut etwas dagegen: Das wollen wir ändern! Bei unserer "Jetzt reicht’s"-Aktion versuchen wir gemeinsam mit Ihnen, Missstände im deutschen Verkehrsnetz aufzudecken. Weit über 100 Einsendungen haben uns bisher erreicht: von Parkverboten, die niemand kontrolliert, über Sprungschanzen am Straßenrand bis hin zu überflüssigen Verkehrsschildern.

Fall 1: Engstelle bringt Radler und Autofahrer in Gefahr

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Vogelperspektive: Alter (Gehweg) und neuer Radweg (Straße) in Bautzen

Bereits seit 2015 ärgert sich Stefan Franz aus Bautzen über die neue Verkehrsführung auf der Steinstraße in seiner Heimatstadt. Wo Radfahrer früher in beiden Richtungen einen eigenen Streifen auf dem breiten Gehweg hatten, müssen sie nun auf einem sogenannten Schutzstreifen auf der Fahrbahn radeln (siehe Foto) – mit dem Ergebnis, dass jetzt weder für Auto- noch für Fahrradfahrer genug Platz bleibt. Freuen dürfen sich einzig die Fußgänger über großzügige Gehwege. Stefan Franz hat beim sächsischen Landesamt für Straßenbau und Verkehr sowie beim Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr auf die risikoreiche Situation hin­gewiesen. Ohne Erfolg!

Als die ADAC Motorwelt bei der Stadtverwaltung Bautzen nachfragt, kommt plötzlich die Kehrtwende: Man räumt ein, dass bei der aktuellen Regelung mit Fahrbahn und Schutzstreifen gerade mal die absolute Mindestbreite erreicht wurde. Zudem stellt die Stadtverwaltung in Aussicht, dass noch im Frühjahr der Schutzstreifen auf der südlichen Steinstraße verbreitert werden soll, der auf der Nordseite dafür wegfällt. Dort, so die Planung, wird der Gehweg zur Benutzung für Radfahrer freigegeben. Wir bleiben dran und schauen, ob durch diese Maßnahme der Verkehr in Bautzen für ­alle Teilnehmer wieder sicherer wird.

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Jetzt reicht's: Machen Sie mit!

Wenn auch Sie ein echtes Verkehrsärgernis kennen: Schicken Sie uns eine E-Mail mit Fotos (max. 3 MB) und beschreiben Sie den Fall möglichst genau:

jetzt-reichts@adac.de

Fall 2: Wegweiser verursacht 
riskante Spurwechsel

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Verwirrend: Wo bitte geht es hier nach Würzburg? Tipp: Rechts ist falsch!

Der zweite Fall kommt aus Frankfurt am Main. Clubmitglied Hermann Trabold regt sich schon seit Jahrzehnten über einen äußerst ungünstig platzierten Wegweiser an der Autobahn-Anschlussstelle Frankfurt Süd auf: Von der Innenstadt kommend, fährt man zunächst an der Commerzbank-Arena vorbei und liest auf einem großen Wegweiser über der Straße, dass es zur A3 Richtung Würzburg nach links geht. Rund 80 Meter später folgt ein Schild, auf dem zu sehen ist, dass es nach Würzburg rechts weitergeht (siehe Foto). Diese Verkehrsführung gilt allerdings erst, wenn man bereits links in den Kreisverkehr eingebogen ist.

Diese verwirrende und unübersichtliche Situation führt immer wieder dazu, dass Verkehrsteilnehmer im letzten Moment die Spur wechseln. Und wer sich das (zu Recht) nicht mehr traut und nach rechts abbiegt, landet zwar auch auf der A3 – allerdings in entgegengesetzter Richtung nach Köln. Der Vorschlag von Hermann Trabold könnte die Situation mit wenig Aufwand lösen: "Das Schild müsste einfach um 10 oder 20 Meter weiter in den Kreisverkehr gesetzt werden."

Die Landesbehörde Hessen Mobil, Straßen- und Verkehrsmanagement, sieht das anders: "Eine Verschiebung des Wegweisungsstandorts in Richtung Kreisverkehrsplatz (KVP) ist aus Sicherheitsgründen nicht optimal. Sie würde zur Überforderung der Verkehrsteilnehmer aufgrund der sehr kurzen Verflechtungslängen innerhalb des KVP führen, mit negativen Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit." Vielleicht würden ein paar Tage Verkehrsbeobachtung hier zu einem anderen Ergebnis führen...

Text: Stefan Sielaff. Fotos: ADAC/Norman Paeth, privat, ADAC/Norman Paeth.