ADAC Fahrsicherheitstraining: So werden Sie Instruktor

23.7.2018

ADAC Fahrsicherheitstrainer machen einen anstrengenden Job – und würden doch mit niemandem tauschen. Das weiß Motorwelt-Redakteur Claus Christoph Eicher aus erster Hand. Neben seinem regulären Beruf ließ er sich zum Trainer ausbilden

Auto fährt durch das Wasserhindernis im Fahrsicherheitszentrum Augsburg
Grenzen erfahren auf topmodernen Anlagen

"Richtige Lenkreaktion, Robert, nur zu zaghaft. Beim nächsten Durchgang schneller." – "Nadine, schauen Sie genau dorthin, wo Sie hinfahren wollen. Dann klappt's automatisch besser." "Mark, hervorragend. Beim nächsten Mal zwei bis drei km/h drauflegen." Dauer-Feedback für die Teilnehmer des ADAC Intensivtrainings per Funkgerät.

Kaum hat Mark die spiegelglatte Aktionsfläche verlassen, darf Elisabeth Anlauf nehmen und auf Tempo 40 beschleunigen. Zack! Wieder lässt die Schleuderplatte ein Autoheck ausbrechen. Jetzt heißt es blitzschnell und vor allem richtig reagieren. Sonst dreht sich das Auto im Kreis.

Dauer-Feedback für die 10 Trainingsteilnehmer im Fahrsicherheitszentrum Augsburg – das bedeutet Dauer-Aufmerksamkeit für mich, den Trainer: Lenkbewegung der Fahrer, Lenkradhaltung, Blickführung, Reaktionszeit, Bremsbetätigung. Und immer wieder gilt es, präzise Rückmeldung zu geben, Verbesserung anzuregen, ohne die Kandidaten zu verunsichern. Als Lohn dann die Freude der "Schüler", wenn das Abfangmanöver gelingt.

Die Schulung zum Fahrtrainer ist sehr anspruchsvoll

Zoom-In
Christoph Eicher mit Sprechfunkgerät im Fahrsicherheitszentrum Augsburg
Trainer-Lehrling Eicher ist im ständigen Kontakt mit den Kursteilnehmern

Der Motorwelt-Redakteur als Trainer – wie das? Mehrmals hatte ich schon als Reporter an Trainings teilgenommen, Engagement und Professionalität der Trainerinnen und Trainer bewundert, ihren persönlichen Einsatz für mehr Fahrsicherheit hautnah erlebt. Was sind das für Menschen, was treibt sie an? Und wie wird man überhaupt Fahrsicherheitstrainer? Auf die Frage erhielt ich die Antwort: "Probier's doch einfach selber aus!" Eine Einladung, die ich nicht ausschlagen konnte.

Ein grauer Januar-Morgen im Fahrsicherheitszentrum Kempten: Ein Dutzend Interessenten hat sich zur Kandidatensichtung eingefunden. "Ihnen sollte klar sein, dass unsere Ausbildung kein Spaziergang ist", sagt Ralf Müller-Wiesenfarth, Cheftrainer des ADAC Südbayern, und blickt prüfend in die Runde. Vier Ausbildungsphasen müssen durchlaufen werden, in denen es um die Grundphilosophie des ADAC Trainings, um Kursorganisation, Gesprächsführung und Fahrtechnik geht.

Jede Phase bestehend aus mindestens fünf Ganztages-Hospitationen an der Seite eines Ausbildungstrainers, aus viel schriftlicher Hausarbeit und dem Studium des 300 Seiten starken Trainerhandbuchs. Dazu kommen zwei mehrtägige Seminare, jeweils mit schriftlichen Tests. Wer dann schließlich mindestens fünf Trainings zur Zufriedenheit des Ausbilders geleitet hat, erhält sein Diplom.

Die Ausbildung kostet Zeit und Geld

Ein ambitioniertes Unterfangen, das ist an diesem Morgen allen klar. "Und keine Lizenz zum Geld scheffeln", wie Müller-Wiesenfarth lakonisch anmerkt. Denn die vierstellige Summe an Seminarkosten muss jeder Anwärter selber tragen, er muss Dutzende Tage Ausbildungszeit investieren. Und später, als Trainer, wird er mit den Honoraren keine Reichtümer erwirtschaften. "Wer aber Freude daran hat, mit Menschen zu arbeiten, sie zu erkennbar besseren Fahrern zu machen, der findet hier den vielleicht schönsten Zweitjob der Welt."

"Ich könnte mir keinen tolleren Beruf vorstellen", sagt tatsächlich wenige Tage später mein Ausbildungstrainer Jürgen Kramer, einer der wenigen hauptberuflichen Trainer des ADAC Südbayern. Der 58-Jährige ist Fahrexperte, Pädagoge und Menschenkenner durch und durch, seit 15 Jahren beim Club, mit zwei- und vierrädrigen Fahrzeugen aller Art vertraut, bei jedem Wetter auf dem Platz.

"Ja, das kann bei bitterer Kälte oder Hitze richtig strapaziös sein. Und acht Stunden lang volle Aufmerksamkeit bringen, ist sowieso anstrengend. Aber das Schöne: Du siehst den Erfolg Deiner Arbeit direkt."

Beides ist wichtig — Theorie und Praxis

Zoom-In
Seminarleiter bei der Ausbildung zum Fahrsicherheitstrainer
Ausbilder Michael Plewka (Mi.), Cheftrainer Ralf Müller-Wiesenfarth (re.)

Mehrmals begleite ich Jürgen als stiller Beobachter. Dann darf ich eines Tages die Slalom-Übung selber leiten, dann die Brems-Trainingseinheit, dann das Ausweichen und Kurvenfahren. Stück für Stück zieht Ausbilder Jürgen sich zurück, überlässt mir das Feld. Und merkt sich unerbittlich, was aus seiner Sicht noch nicht rund läuft.

Langes Feedback am Ende langer Praxistage ("Ich hab mir da ein bisschen was aufgeschrieben") ist selbstverständlich: Übungsaufbau, Zeitmanagement, Präzision der Ansagen, menschliche Präsenz, Einhalten der Sicherheitsbestimmungen, Bedienung der Platztechnik – es gibt unendlich viel, was ein Trainer zu beachten hat.

"Praktische Kompetenz ist die sichtbare Hülle, fundiertes theoretisches Wissen der Kern". So formuliert es ADAC Trainerausbilder Michael Plewka. In seinen mehrtägigen Seminaren ist er für beides zuständig. Schulbankdrücken und Büffeln, dann ins Auto schwingen und üben – so geht das im neuen Fahrsicherheitszentrum Schlüsselfeld tagelang.

Freundlich und bestimmt bringt der gelernte Fahrlehrer und studierte Psychologe uns Aspiranten dazu, das Konzept des ADAC Fahrsicherheitstrainings zu verinnerlichen und anzuwenden. Plewka: "Wenn der Club bundesweit 600 Trainer auf über 50 Anlagen beschäftigt, dann muss sichergestellt sein, dass überall ein gleichwertiges Qualitätsprodukt angeboten wird."

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"Erwachsene sind lernfähig, aber unbelehrbar." Auch diese Erkenntnis von Ausbilder Plewka kommt mir in den Sinn, als ich nach einem Dreivierteljahr erstmals einen ganzen Tag lang Trainer sein kann. In anderen Worten: Quatsch' nicht so viel rum, lass die Leute möglichst viel fahren und bring Sie dazu, ihre Trainingserfahrungen in einen sicheren Fahrstil umzumünzen.

Die Stunden vergehen wie im Zeitraffer – und hinterlassen positive Spuren: "Ich hab viel über mich und mein Auto gelernt." – "Ich werde im Straßenverkehr jetzt defensiver sein." – "Danke für den lehrreichen Tag." Schöner kann der Lohn am Abend nicht ausfallen.

Fünf Komplett-Kurse muss ich unter den Augen meines Ausbildungstrainers Jürgen sauber hinlegen, dann endlich halte ich das ISO-zertifizierte Trainer-Diplom in den Händen. "Glückwunsch, jetzt kannst Du alleine ran", sagt Jürgen. Ein Ticket für die Komfortzone ist das Diplom allerdings nicht. Mit regelmäßigen Praxiskontrollen und Weiterbildungen wird das ADAC Qualitätsmanagement dafür sorgen, dass ich als Trainer nicht nachlasse. Man lernt eben nie aus.

 

Text: Claus Christoph Eicher. Fotos: ADAC/Markus Hannich, ADAC/Daniel Delang (2), ADAC/Stefanie Aumiller.

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(acfo)