Autobahn-Rastplätze in Deutschland: Zerstörte Seifenspender, Müll, Graffitis

26.4.2017

Seife und die Möglichkeit, sich die Hände abzutrocknen – beides fehlte auffallend oft in den Sanitäranlagen der vom ADAC getesteten 50 Rastplätze. Ist es wirklich so schwer, diese Selbstverständlichkeiten bereitzustellen? Wir fragen nach beim Rastplatzbetreiber "Straßen NRW"

Reinigungspersonal reinigt Rastplatztoilette

Die Antwort: Im Prinzip nicht – wäre da nicht der Vandalismus, der viele Bemühungen zunichtemache, sagen die Betreiber. Seifenspender etwa werden nachgerüstet und sind binnen Tagen wieder zerstört. Auch in puncto Sauberkeit gibt es bei den Nutzern sehr unterschiedliche Auffassungen darüber, wie man sich verhalten sollte.

Wir haben nachgefragt, unter anderem beim Landesbetrieb Straßenbau NRW. Er betreibt 129 Rastplätze mit Toiletten, 30 sind in Planung. Je nach Standort stoppen dort pro Tag zwischen 500 und 1000 Benutzer. Service-Teams von "Straßen.NRW" mit insgesamt 44 Arbeitskräften kümmern sich um die Reinigung. Und das rund ums Jahr täglich, auch an Feiertagen. Drei Millionen Euro kostet das in NRW pro Jahr.

Schönere WCs – weniger Vandalismus

Neben der Grobreinigung der gesamten Anlage, auch der Umgebung, gehören in den Sanitäranlagen  täglich die Nassreinigung und Desinfektion aller Flächen, der Anbauteile, das Abziehen der Wände und Fußböden, das Nachtrocknen der Waschbecken, Spiegel, Ablagen, Urinale und Toilettenschüsseln sowie das Auffüllen von Hygienepapier oder Seife zu den Aufgaben.

Wartungsarbeiten und kleine Reparaturen kommen hinzu. Denn geprüft wird auch, ob alle Armaturen und Spüleinrichtungen funktionieren. Rund 2000 Arbeitsstunden im Jahr kommen in NRW allein für die Beseitigung von Verstopfungen und kleinere Reparaturen zusammen. Dazu gesellen sich 800 Stunden jährlich für das Entfernen von Graffitis und Aufklebern in den Sanitäranlagen. Gerade Aufkleber an Türen, Spiegeln und Wänden sind ein wachsendes Problem.

Um dem Vandalismus vorzubeugen, wurden in der Vergangenheit vermeintlich unzerstörbare Sanitäranlagen aus Edelstahl installiert. Elfriede Sauerwein-Braksiek, Direktorin von Straßen. NRW: "Inzwischen gehen wir einen anderen Weg" – mehr hochwertige Sanitärobjekte, helle und freundliche Oberflächen. "Die Menschen sollen sich wohl fühlen. Wir beobachten schon jetzt, dass dadurch die Vandalismus-Schäden abnehmen."

Anderer Aspekt: Der Müll. 10.000 Tonnen fallen jährlich allein auf den Rast- und Parkplätzen der von "Straßen.NRW" betreuten 2200 Autobahn-Kilometer an (ganz Deutschland hat 13.000 km Autobahn). Zehn bis 15 Prozent des Abfalls müssen per Hand eingesammelt werden – weil er neben den Mülleimern landet. 50 Vollzeit-Arbeitskräfte sind damit beschäftig. Die Entsorgung des gesamten Mülls entlang den NRW-Autobahnen, 16.000 Tonnen jährlich, kostet den Landesbetrieb sieben Millionen Euro, ohne dass eine Refinanzierung durch Abfall- oder Straßenreinigungsgebühren möglich ist.

Hier finden Sie die detaillierten Testergebnisse des ADAC Rastanlagen-Tests

Hörfunk-Tipp: SWR2-Reporter Lennart Behnke berichtet über die Rastplätze an der A5

Text: Sabine Behr. Foto: SWR2.

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(acfo)