Sicher & Mobil

ADAC Crashtests: Das sind Deutschlands sicherste Autos 

25.1.2018

Mehr als 60 Crashtests haben der ADAC und seine Partner 2017 für Euro NCAP durchgeführt. Die Anforderungen des "European New Car Assessment Programme" sind viel höher, als es die Gesetze fordern, und sorgen so für sichere Autos. Wir zeigen die besten Modelle in den jeweiligen Fahrzeugklassen und die Gesamt-Sieger, angeführt vom Volvo XC60 (siehe Video)

Unter Beteiligung des ADAC, der europäischen Automobilclubverbände und weiterer Partner werden seit 1998 unter dem Namen Euro NCAP einheitliche Crashtests entwickelt und durchgeführt. Sie liefern detaillierte Infos über den Insassenschutz beim Front- und Seitencrash sowie bei einem Pfahlanprall. Darüber hinaus werden Fußgängerschutz und Kindersicherheit bewertet. In das Gesamturteil fließt die Wirkung der aktiven Sicherheitssysteme ein.

Für alle Autohersteller ist es enorm wichtig, in den Tests gut abzuschneiden – ein Auto, das hier floppt, lässt sich natürlich nicht so gut verkaufen und vermarkten, wie eines mit guten Ergebnissen. Daher setzen sie in der Regel alles daran, die begehrte Höchstnote von fünf Sternen zu erhalten.

Da die Klasseneinstufung von Euro NCAP nicht genau mit der in Deutschland üblichen Einteilung der Fahrzeuge übereinstimmt, erstellt der ADAC jedes Jahr eine eigene Bestenliste. Wir zeigen Ihnen jeweils die drei besten der Kategorien Kleinstwagen bis zur oberen Mittelklasse – in der Oberklasse gab es keinen Crashtest. Dazu präsentieren wir zudem die Gesamtsieger, die in allen Einzeldisziplinen überragend abgeschnitten haben.

Gesamt-Rangfolge 2017: Volvo XC60 vor VW Arteon und Volvo S90/V90

Zoom-In
Seitencrash VW Arteon: Die Verletzungsgefahr ist "sehr gering"

Abweichend von der offiziellen Einstufung des Crashtest-Konsortiums Euro NCAP in den jeweiligen Fahrzeugklassen berücksichtigt der ADAC bei diesem Top-3-Ranking alle Einzelergebnisse der getesteten Fahrzeuge in den vier Test-Disziplinen Insassenschutz, Kindersicherheit, Fußgängerschutz sowie Aktive Sicherheit und gewichtet sie nach Euro NCAP.

Der Hintergrund: Manche Fahrzeuge können leichte Mängel beim Insassenschutz durch ein gutes Ergebnis bei der Aktiven Sicherheit ausgleichen und erhalten trotzdem die begehrte Höchstauszeichnung mit 5 Sternen. Der Anspruch der Autohersteller sollte aber sein, zum Schutz der Insassen in möglichst allen Disziplinen Spitzenwerte zu erreichen.

Unsere Auswertung zeigt, dass Hersteller durchaus Autos bauen können, die in allen Disziplinen überdurchschnittlich gut abschneiden und nicht nur die Mindestanforderungen für eine 5-Sterne-Bewertung erfüllen. Hier spielen natürlich auch Verkaufsargumente und Markenimage eine große Rolle: Welche Firma möchte schließlich nicht von sich behaupten, durch besten Insassenschutz, den cleveren Einsatz von Fahrassistenten und Unfall-Vermeidungssystemen ein Maximum an Sicherheit zu bieten.

Erfreulich ist zudem, dass hohe Fahrzeugsicherheit keine Domäne der Oberklassefahrzeuge mehr ist. Viele moderne Autos der unteren bis oberen Mittelklasse schneiden sehr gut bei den Crashtests des Clubs ab. Fazit: Fahrzeugsicherheit und Insassenschutz sind heute für alle erschwinglich.

ADAC Ranking Euro NCAP 2017*
Platz 1
 Platz 2
Platz 3
Insassen­schutz
mind. 80 % für 5 Sterne 
Volvo XC60
98%
Alfa Romeo Stelvio
97 %
Mitsubishi Eclipse Cross
97 %
Kinder­sicherheit
mind. 75 % für 5 Sterne
Subaru Impreza
Subaru XV
jeweils 89 %

DS 7 Crossback
Jaguar E-Pace
Mercedes X-Klasse
VW T-Roc

jeweils 87 %

Volvo XC60
m. integr. Kindersitzen
87 %
Fuß­gänger­schutz
mind. 60 % für 5 Sterne
VW Arteon
85 %
Subaru XV
84 %
Subaru Impreza
82 %
Aktive Sicherheit
mind. 50 % für 5 Sterne
Volvo XC60
95 %
Volvo S90/V90
93 %
Honda Civic
88 %
Gesamt
Gewichtung 40/20/20/20
Volvo XC60
90,8 %
VW Arteon
  88,8%
Volvo S90/V90
87,8 %

* Alle Fahrzeuge in der Tabelle bekamen 5 Sterne

 

Totaler Flop: Fiat Punto erhält null Sterne

Bei einem erneuten Crashtest des lange unverändert gebauten Fiat Punto patzte der Italiener und bekam als erstes Auto überhaupt null Punkte. Hier finden Sie Infos über den desaströsen Crashtest.

Kleinstwagen: Auch der beste (Kia Picanto) bekam nur drei Sterne

Zoom-In
Kia Picanto: Lücken beim Insassenschutz, Notbremssystem kostet Aufpreis

Mit 60,2 Prozent Erfüllungsgrad und 3 Sternen liegt der Kia Picanto in der Kategorie Kleinstwagen nur knapp vor dem zweitplatzierten Toyota Aygo. Rechnet man die optionalen "Advanced Driving Assistance Packs" hinzu, erreicht er 4 Sterne. Das Fahrzeug ist mit Gurtkraftbegrenzern, Gurtstraffern, optischen und akustischen Gurtwarnern sowie Kopfairbags in der ersten und zweiten Sitzreihe ausgestattet. Vorne gibt es zusätzlich Seitenairbags. Optional ist ein Knieairbag für den Fahrer verfügbar.

Der Insassenschutz weist allerdings Lücken auf. Sowohl für kleine Personen wie für Kinder besteht hinten teilweise ein hohes bis sehr hohes Verletzungsrisiko. Die Beschleunigungswerte sind im Front- und Heckcrash teilweise hoch für Oberkörper, Kopf und Nackenwirbel. Der Picanto ist nur optional mit einem Notbremsassistenten ausgestattet. Beim Kauf sollte man ihn unbedingt mitbestellen.

Top-3 Kleinstwagen-Klasse
Ergebnis
Sterne
Kia Picanto  60,2 %
✶✶✶ 
Toyota Aygo  60,0 %  ✶✶✶
Ford Ka+
58,6 %  ✶✶✶

Darauf sollten Sie achten

Autofahrer können selbst viel für ihren Schutz tun. Hier die Empfehlungen der ADAC Technik-Experten:

  • Durch optional erhältliche Sicherheitspakete die Fahrzeugsicherheit erhöhen
  • Immer den Gurt anlegen, auch bei kurzen Wegen
  • Kinder richtig sichern
  • Vorausschauend, ohne Hast und konzentriert fahren
  • Keine Ablenkung am Steuer zulassen (Telefonieren, Nachrichten lesen/schreiben)
  • Auf Ladungssicherung Wert legen

Kleinwagen: VW Polo mit Spitzenposition

Zoom-In
VW Polo: Beim Fahrer ist alles grün (re.), auf dem Rücksitz nicht ganz 

Der VW Polo setzt sich mit einem Ergebnis von 82,4 Prozent an die Spitze der Fahrzeugkategorie und erreicht volle 5 Sterne. Der Wolfsburger ist mit Gurtkraftbegrenzern, Gurtstraffern, Kopfairbags sowie optischen und akustischen Gurtwarnern vorne und hinten ausgestattet. Für Fahrer und Beifahrer sind zusätzlich Seitenairbags verbaut. Der Insassenschutz ist gut, das Verletzungsrisiko überwiegend gering bis sehr gering.

Hinten sind an den äußeren Sitzplätzen Isofix-Halter montiert. Der Frontairbag auf der Beifahrerseite lässt sich deaktivieren. Der Polo ist serienmäßig mit einem Assistenzpaket mit automatischem Notbremsassistenten ausgestattet.

Seats neuer Mini-SUV Arona schneidet auf Platz 2 fast gleichgut ab mit nur 1 Prozent weniger im Erfüllungsgrad. Der Konzernbruder Ibiza liegt auf Platz 3 mit einem sehr guten 80,6-Prozent-Ergebnis. Beide erhielten dafür 5 Sterne.

Top 3 Kleinwagen-Klasse
Ergebnis
 Sterne
VW Polo  82,4 %
✶✶✶✶✶
Seat Arona 81,4 %
✶✶✶✶✶
Seat Ibiza
80,6 %
✶✶✶✶✶

Untere Mittelklasse: Der VW T-Roc teilt sich die Krone mit dem Subaru XV

Zoom-In
Subaru XV nach dem Frontalcrash: Mit dem T-Roc gleichauf

Der VW T-Roc teilt sich mit 85,8 Prozent den ersten Platz mit dem Subaru XV. Auf Platz 3 liegt knapp dahinter mit 85,4 Prozent der Subaru Impreza. Alle drei erhalten die volle 5-Sterne-Wertung.

Der neue Wolfsburger Kompakt-SUV ist mit Gurtkraftbegrenzern, Gurtstraffern, Kopfairbags sowie optischen und akustischen Gurtwarnern in der ersten und zweiten Sitzreihe ausgestattet. Vorne gibt es zudem Seitenairbags. Der Insassenschutz ist gut, das Verletzungsrisiko durchweg gering bis sehr gering. Hinten außen sind Isofix-Halter montiert.

Der Frontairbag auf der Beifahrerseite lässt sich deaktivieren. Der T-Roc ist serienmäßig  mit einem Assistenzpaket mit automatischem Notbremsassistenten und aktivem Spurhaltesystem ausgestattet.

Der andere Spitzenreiter, Subaru XV, bietet alle T-Roc-Features und punktet zudem mit einem zusätzlichen Fahrer-Knieairbag. Der XV ist ebenso mit einem leistungsstarken Assistenzpaket serienmäßig unterwegs.

Top 3 Untere Mittelklasse
Ergebnis
 Sterne
VW T-Roc
85,8 %
✶✶✶✶✶
Subaru XV
85,8 %
✶✶✶✶✶
Subaru Impreza
85,4 %
✶✶✶✶✶

Sieger & Verlierer: Das sind die besten und schlechtesten Autos 2017

Mittelklasse: Volvo ist mit Abstand der Beste

Zoom-In
Zerbeulte Design-Ikone: Kia Stinger nach dem Seitencrash

Der Volvo XC60 erreicht mit 90,8 Prozent den Spitzenplatz sowohl in der Mittelklasse als auch im Gesamtranking und erhält natürlich volle 5 Sterne. Er übertrifft die dafür erforderlichen Punktzahlen sogar deutlich. Das Fahrzeug ist mit Gurtkraftbegrenzern, Gurtstraffern, Kopfairbags sowie optischen und akustischen Gurtwarnern vorn und hinten ausgestattet. In der ersten Reihe sind zusätzlich Seitenairbags verbaut, der Fahrer wird zudem durch einen Knieairbag geschützt.

Der Insassenschutz ist gut, das Verletzungsrisiko für Erwachsene und Kinder überwiegend gering bis sehr gering, hinten außen gibt es Isofix-Halter.

Der Frontairbag auf der Beifahrerseite lässt sich deaktivieren. Die Crahstests wurden mit dem integrierten Kindersitzsystem von Volvo durchgeführt. Der XC60 ist serienmäßig mit einem umfassenden Assistenzpaket mit automatischem Notbremsassistenten und aktivem Spurhaltesystem ausgestattet.

Mit deutlichem Abstand folgen auf Platz 2 der Kia Stinger (85,4 %). Dritter wurde der Jaguar F-Pace mit 84,6 Prozent.

Top 3 Mittelklasse
Ergebnis
 Sterne
Volvo XC60
90,8 %
 ✶✶✶✶✶
Kia Stinger
85,4 %
 ✶✶✶✶✶
Jaguar F-Pace
84,6 %
 ✶✶✶✶✶

Obere Mittelklasse: VW Arteon vor Volvo S90 und dem Pickup Mercedes X-Klasse

Volkswagens Spitzenmodell Arteon erreicht mit 88,8 Prozent 5 Sterne, knapp vor dem Volvo S90 mit 87,8 und dem Mercedes X-Klasse-Pickup mit 84,8 Prozent.

Der Wolfsburger ist mit Gurtkraftbegrenzern, Gurtstraffern, optischen und akustischen Gurtwarnern sowie seitlichen Kopfairbags vorn/hinten ausgestattet. Vorne sind zusätzlich Seitenairbags verbaut, der Fahrer ist mit einem Knieairbag geschützt. Für die zweite Sitzreihe sind optional Seitenairbags verfügbar.

Beim Insassenschutz wirken die Rückhaltesysteme auf allen Plätzen sehr gut, das Verletzungsrisiko ist gering bis sehr gering. Für Kinder ist das Verletzungsrisiko teilweise mittel. Hinten außen sind Isofix-Halter montiert. Der Frontairbag auf der Beifahrerseite lässt sich deaktivieren. Das Assistenzpaket mit Notbremsassistent ist serienmäßig.

Top 3 Obere Mittelklasse
Ergebnis
 Sterne
VW Arteon  88,8 %
 ✶✶✶✶✶
Volvo S90
87,8 %
 ✶✶✶✶✶
Mercedes X-Klasse
84,8 %
 ✶✶✶✶✶

Lego-Porsche-Crashtest: Herausforderung für die ADAC Ingenieure

Die Reaktion der Öffentlichkeit war überwältigend: Mehr als 1 Million Menschen schauten sich 2017 auf dem Youtube-Kanal des ADAC das Video über den Crashtest eines Lego-Modells des Porsche 911 GT3 RS an. Die Idee dazu stammte von der Redaktion des Computer-Magazins "c't". Die ADAC Ingenieure in Landsberg nahmen den Vorschlag gern auf. Schließlich konnten sie dadurch auf spielerische Weise Grundprinzip, Aufbau und Ablauf eines Crashtests auf populäre Art vermitteln.

“Die Herausforderung war, dieses kleine Auto in der normalen Crash-Anlage zu testen und trotzdem ein möglichst realistisches Schadensbild zu erzeugen”, erklärt Johannes Heilmaier, Leiter der Crashanlage im ADAC Technik Zentrum. “Wir entwickelten ein Crash-Set-up wie für jedes andere Auto auch – nur eben in Miniformat.”

Mehr über den Hintergrund des Lego-Crashtests erfahren Sie im ADAC Blog.

Hier finden Sie alle Ergebnisse der Crashtests, die 2017 durchgeführt wurden.

Text: Georg Zähringer. Fotos: Euro NCAP. (acfo).

Kritik, Lob, Anregungen? Schreiben Sie uns: redaktion.motorwelt@adac.de