Gelbe Engel: Einsatz im Schneechaos

15.1.2019

Gesperrte Autobahnen, winterliche Straßen – das Schneechaos im Süden Deutschlands beschert auch der ADAC Pannenhilfe ungewöhnliche Arbeitstage. Unterwegs mit einem Gelben Engel zwischen Traunstein und Berchtesgaden 

Pannenwagen vor verschneiter Berglandschaft
Winterfest im Berchtesgadener Land: Auch im Katastrophengebiet hilft der ADAC seinen Mitgliedern
  • Schneemassen stellen auch die Straßenwachtfahrer vor Herausforderungen
  • Gelbe Engel werden teilweise aus dem Urlaub zurück geholt
  • Unterwegs: ADAC Pannenhelfer Stefan Bartok beim Einsatz im Katastrophengebiet


Als das Schneechaos in Bayern losbricht, hat ADAC Straßenwachtfahrer Stefan Bartok den ersten Einsatz vor seiner eigenen Garage: "Ich musste erst einmal die Zufahrt freischaufeln, um meinen Wagen herausfahren zu können", sagt der 44-Jährige, der in Bergen am Chiemsee zu Hause ist. Seine Einsätze fährt der südöstlichste Straßenwachtfahrer Deutschlands im Großraum Traunstein, Freilassing, Berchtesgadener Land. Hier lösten die Behörden wegen der Schneemassen Katastrophenalarm aus. 

Helikopter befreit Bäume nahe der Autobahn vom Schnee

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Helikopter fliegt über Schneelandschaft
Hubschrauber-Einsatz an der A8 bei Taufkirchen

Wirklich chaotisch sei es am Donnerstag, 10. Januar, gewesen, erzählt Bartok, während er seinen gelben Wagen vorbei an hüfthohen Schneehaufen zu einem Einsatz in Schönau am Königssee lenkt. Eigentlich hätte er Urlaub gehabt, doch wegen der aktuellen Lage musste er genau wie andere Straßenwachtfahrer im Süden Sonderschichten schieben. "Überall standen Lkw quer. Ich sollte zu einer Panne nach Traunstein und habe für 27 Kilometer zweieinhalb Stunden gebraucht". Selbst für den ADAC gab es abschnittsweise kaum noch ein Durchkommen. 

Insgesamt schaffte Bartok an dem Tag gerade mal vier Einsätze, so beschwerlich waren die einzelnen Fahrten. "Immer wieder wurde außerdem die A8 gesperrt, da Helikopter versuchten, die Bäume in der Nähe der Fahrbahn von Schnee zu befreien", erzählt der Pannenhelfer. Einmal brauchte er sogar selbst Hilfe: Obwohl er sicherheitshalber schon Schneeketten montiert hatte, blieb er auf dem Weg zu einem Mitglied in einem Schneehaufen stecken. Zu dritt mussten sie seinen Wagen schließlich aus der misslichen Lage heraus schieben.

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Stefan Bartok ist im Berchtesgadener Land unterwegs

Als wir Bartok zwei Tage später begleiten, hat sich die Lage etwas entspannt. Die Fahrt nach Schönau verläuft komplikationsfrei, der Ausnahmezustand ist aber noch immer nicht aufgehoben: Technisches Hilfswerk, Feuerwehr und bis obenhin mit Schnee gefüllte Kipplader sind auf den Straßen zu sehen. Die Gleise der Bahnlinie Freilassing–Berchtesgaden liegen unter dickem Weiß begraben. Dächer mit langen Eiszapfen ducken sich unter mächtigen Schneehauben.

Kaum ein Haus, auf dem nicht Menschen mit Schaufeln unter Hochdruck arbeiten, um die weiße Last wieder loszuwerden. Die Zeit drängt. In Schnee übergehender Regen ist angesagt, da könnte in den nächsten Tagen die Statik nachgeben, so die Befürchtung der Behörden und der Hausbesitzer.

Besorgtes Mitglied wegen eines defekten Scheibenwischers

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Pannenhelfer repariert Auto
Schneemassen haben dem Scheibenwischer des VW Golf zugesetzt

Ganz aktuelle Nöte hat ein Paar aus Nordhessen, das in Schönau schon auf Stefan Bartok wartet. Bei ihrem 15 Jahre alten VW Golf hat der Scheibenwischer den Geist aufgegeben: "Morgen müssen wir 600 Kilometer nach Hause fahren", sagt Katrin V., die mit ihrer Familie auf Skifreizeit war. Sie ist sehr besorgt, denn ohne funktionierenden Scheibenwischer ist das bei diesem Wetter gefährlich. Stefan Bartok weiß das und legt sich entsprechend ins Zeug.

Er baut den Wischermotor aus, repariert eine lockere Schraube. Wie er bei diesen Temperaturen das Feingefühl behält? "Ich bin früher viel geklettert, da werden die Finger robust", sagt der Gelbe Engel und lacht. Außerdem bleibt er in Übung: Defekte Scheibenwischermotoren sind eine der häufigsten Pannenursache, wenn viel Schnee liegt. "Die sonst üblichen Batteriepannen treten erst dann vermehrt auf, wenn die Temperaturen sinken".

Chaos ohne Ende: weitere Schneefälle vorhergesagt

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Pannenhelfer wechselt Reifen an Pannenfahrzeug
Nächster Einsatz für den Gelben Engel: Reifenpanne in Freilassing

Kaum hat Bartok die Panne behoben, ruft schon das nächste Mitglied um Hilfe. "Platter Reifen bei einem Mazda 6 in Freilassing" steht auf dem ADAC Bordcomputer. Leichter Schneeregen setzt ein, der Wind nimmt zu.

Gut 30 Stunden später verschüttet eine Lawine die B 305 im Berchtesgadener Land zwischen Weißbach an der Alpenstraße und Inzell. Im Alpenraum wird mit weiteren 1,50 Metern Neuschnee gerechnet. Auch wenn die Kollegen der ADAC Straßenwacht insgesamt keine größere Probleme mit der Extremwetterlage melden, kann von Normalität im Alpenraum noch längst keine Rede sein.

Hier finden Sie Informationen zum aktuellen Straßenzustand.

Sie haben eine Panne? So erreichen Sie die ADAC Straßenwacht.

Text: Katja fastrich. Fotos: ADAC/Rasmus Kaessmann (4), Stefan Bartok.

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