Autotour: Von Bad Muskau über Potsdam nach Weimar

28.6.2018

Gärten und Gurken, alte Schlösser und modernes Bauhaus: Die UNESCO-Welterberoute Weimar, Dessau-Wörlitz, Potsdam, Spreewald und Bad Muskau verspricht maximale Abwechslung. Dazu: Jede Menge Tipps und Infos für Sightseeing und kulturelle Highlights

Welterberoute Gurkenweg Dessau
Fast wie gemalt: Mit einer Gondel auf den künstlich angelegten Kanälen des Gartenreichs von Dessau-Wörlitz

Manchmal ist es gut, wenn einer nicht so kann, wie er will. Da Leopold III. Friedrich Franz Fürst von Anhalt-Dessau nicht nach Großbritannien auswandern durfte, obwohl er das Land liebte, schuf er sich ab 1765 sein eigenes Königreich: Seither liegt inmitten der Elbauen bei Dessau ein englischer Landschaftsgarten. Heute zeigt sich das Dessau-Wörlitzer Gartenreich schöner als in jeder fürst-
lichen Fantasie und ist unsere erste Etappe auf einer UNESCO-Welterbetour durch Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen.

Kein Wölkchen steht am blank geputzten Maihimmel, und ein leichter Wind legt sich über die kunstvoll angelegten Kanäle des Wörlitzer Parks. Das Wasser ist der Arbeitsplatz von Gondoliere Manfred Grunicke. Mit herzlicher Strenge sortiert er seine Mitfahrer in der Gondel: "Wenn auf dem Kahn das Gewicht falsch verteilt liegt, rudere ich mich kaputt", sagt der 64-Jährige und lacht.

Zwölf Personen schiebt er nun allein mit der Kraft seiner zwei Arme durch einen grünen Tunnel aus Eichen, vorbei an Sichtachsen und Ausblicken auf blühenden Rhododendron, stolzierende Pfauen und quakende Enten. Dabei hat Grunicke noch genügend Luft, sein Wissen zu teilen: "142 Quadratkilometer umfasst das Gartenreich insgesamt, und ­allein der Wörlitzer Park ist in fünf Einzelgärten gegliedert", erzählt der Angestellte der Kulturstiftung Wörlitz. Wem die Natur noch nicht genug gibt, dem nennt er die sechs dazugehörenden Schlösser, die bis auf Großkühnau alle besichtigt werden können.

Alexandrowka: Russische Siedlung in Potsdam

Zoom-In
Russische Kolonie auf der Welterberoute Gurkenradweg
Relikt aus Russland: Kolonie Alexandrowka in Potsdam, seit 1999 Welterbe 

Etwa eineinhalb Autostunden nordöstlich warten weitere 17 Herrschaftshäuser. Doch dieses eine Mal lassen wir Sanssouci und das Welterbe "Schlösser und Parks rund um Potsdam und Berlin" links liegen. Stattdessen besuchen wir die russische Kolonie Alexandrowka, die 1999 den Welterbestatus erhielt. Sie besteht aus 13 Blockhäusern, die Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. in den Jahren 1826/1827 zu Ehren seines engen Freundes Zar Alexander I. bauen ließ. Sie diente als Unterkunft für russische Mitglieder eines Soldatenchors.

Auch wenn der letzte Sänger 1861 starb, ist die russische Seele in der Siedlung geblieben: Babuschkas und Kunstblumen schmücken die hübschen Sprossenfenster der Holzhäuser, im Restaurant von Haus Nr. 1 werden Kosakentopf, Soljanka und Piroggen aufgetischt, und noch immer sind einige der Häuser von Nachfahren der Sänger bewohnt. Und selbst beim anschließenden Spaziergang durch das sehenswerte holländische Viertel mit seiner lebhaften Fußgängerzone spielt ein Straßenmusiker russische Lieder.

Übernachtungs-Tipp: Hotel Brandenburger Tor, ab 105 €

Störche und Gurken im Spreewald

Zoom-In
Welterberoute Gurkenradweg
Kahnfährmann Jörg Lehmann erklärt Autorin Katja Fastrich die Route

 Im UNESCO-Biosphärenreservat Spreewald geht es viel beschaulicher zu. Dichte Wälder, schnurgerade Straßen und die verträumten Wasserwege der Spree prägen das Landschaftsbild. Für einen kurzen Moment wähnt man hier mehr Storchennester als Eigenheime, doch dann halten wir in Schlepzig, einer der ältesten Gemeinden Brandenburgs.

Hier gibt es neben einem luxuriösen Hotel eine moderne Whisky-Destillerie sowie Kanu- und Radverleiher. Einer von ihnen ist Kahnfährmann Jörg Lehmann. Im Kapitäns-Outfit steht er schon am frühen Morgen an der Dorfstraße und macht ­Direktkundenmarketing: "Eine Kahnfahrt vielleicht?", fragt er und erweist sich als fairer Verlierer, als wir auf die ­bereits gemieteten Fahrräder deuten.

Schließlich wollen wir in Würdigung der berühmten Spreewaldgurke ein Stück des Gurkenradwegs entlangfahren. "Dann auf nach Petkampsberg", empfiehlt der Fährmann, "das ist eine schöne, kurze Route mit ­Einkehrmöglichkeit." Die jedoch nutzen wir erst nach der Rundfahrt durch ein ­herrlich schweigsames Naturidyll, in der Schänke des schicken Spreewald-Hotelresorts. Unser kulinarisches Resümee fällt zwiespältig aus: Während die Gurkenlimonade angenehm erfrischt, stößt die eingelegte Spreewaldgurke nüchternen Mägen ziemlich sauer auf.

Übernachtungs-Tipp: Schlepzig, Spreewaldresort, ab 108 €
Tipp Icon

ADAC Tipps und Infos zur UNESCO-Tour

Welterberoute Gurkenradweg TourSet KartenFür Club-Mitglieder gibt es gratis und exklusiv die App sowie die Reisekarten und Urlaubsführer des ADAC TourSets. Zu dieser Tour passen folgende Titel:

• Deutschlandkarte Süd/Mitte
• Rund um Berlin
• Leipzig – Mittlere Elbe – Halle – Magdeburg
• Weimar – Thüringen

Sie können die ADAC TourSets hier online bestellen oder in den ADAC Geschäftsstellen abholen. Für Smartphone und Tablet gibt es die TourSet-App oder Maps-App bei Google Play* bzw. im iTunes App Store*.

Ausführliche Informationen zu den UNESCO-Routen* finden Sie auch hier: Ferienstraßen - Unesco Welterberouten*

Ananas: Tropenfrucht im tiefsten Sachsen

Zoom-In
Welterberoute Gurkenradweg
Fürstliche Residenz: Schloss Muskau, Wohnsitz von Fürst Pückler

Umso süßer wird das Leben kurz vor der polnischen Grenze, wo ein backsteinrotes Märchenschloss inmitten einer 830 Hektar großen, üppig bepflanzten englischen Parkanlage steht. Schlossherr Hermann Ludwig Heinrich Fürst von Pückler-Muskau (1785 – 1871) hinterließ der Nachwelt nicht nur diese prächtige Anlage in Bad Muskau, sondern auch ein gehaltvolles Dessert: Überall im Kurort an der Neiße führen Cafés und Restaurants Fürst-Pückler-Eis, im Kulturhotel lernt man bei einer Pückler-Eisverkostung ­alles über die Entstehung des Happens aus Schoko-, Vanille- und Erdbeercreme. Erfunden hat’s der Fürst keineswegs. Sein königlich-preußischer Hof­koch Louis Ferdinand Jungius widmete Pückler das Sahneeis, das heute landesweit berühmt ist.

Um den von ihm hofierten Herren und verehrten Damen zu imponieren, bediente sich der Schlossherr exotischerer Süßigkeiten, und so werden noch heute im tiefsten Sachsen erfolgreich Ananasfrüchte gezüchtet. Damit sie in den Gewächshäusern gedeihen, muss Schlossgärtnerin Heidi Wolfermann schwitzen: "Fürs optimale Wachstum der Pflanze benötigt die Erde eine Temperatur von 22 Grad, die Luftfeuchtigkeit hier drinnen beträgt 80 Prozent", sagt die 55-Jährige. 150 Früchte konnte sie im vergangenen Jahr ernten, "sie wurden unseren Besuchern zum Probieren angeboten oder zu Likör verarbeitet."

Übernachtungs-Tipp: Kulturhotel, ab 83 €
Tipp Icon

Mit dem Wartburg zur Wartburg: Welterbe-Autotour

mit dem Auto auf die WartburgIndustriekultur, Fachwerkpracht, Bergwerkshistorie und Automobilbau: Diese UNESCO-Welterbe-Autotour führt von Hildesheim in Niedersachsen über Quedlinburg nach Eisenach in Thüringen

Gropius statt Goethe in Weimar

Zoom-In
Karte des Welterberoute Gurkenweg
Welterberoute: Von Weimar bis Bad Muskau sind es 376 Kilometer

In Weimar, das auf unserer Tour nicht den Beginn, sondern das Ende markiert, wird es urbaner: Dichterdenkmäler, ­Bühnen, Museen und Schlösser. Die 65.000-Einwohner-Stadt in Thüringen glänzt aber auch mit großer Architektur. Entsprechend leuchten die Augen von Mats Werchohlad, als er über seine Ausbildungsstelle an der Bauhaus-Universität Weimar spricht: „Walter Gropius gilt als einer der Begründer der modernen Architektur und des Bauhauses. Er war für seine Experimentierfreude bekannt“, erzählt der angehende Stadtplaner während einer eineinhalbstündigen Führung durch seine Hochschule.

Um auch Touristen die Bauhaus-Epoche näherzubringen, bietet die Universität, deren Campus seit 1996 zum UNESCO-Welterbe gehört, Rundgänge mit Studenten wie Werchoh-lad an. So können wir als Besucher das kennenlernen, was die Lernenden jeden Tag inspiriert: Aufbruchsgeist und Lust auf Moderne. Ein besseres Motto für einen Schlusspunkt dieser Welterberoute gibt es wohl kaum.

Text: Katja Fastrich. Fotos: imago, laif, ADAC/Sebastian Hänel, ADAC/Katja Fastrich, ADAC/Michael Löwa. Karte: ADAC Motorwelt.

Viele weitere Tipps zu Urlaub und Reisen finden Sie bei der ADAC Motorwelt.

Kritik, Lob, Anregungen? Schreiben Sie uns: redaktion.motorwelt@adac.de