Die Tricks der Betrüger: So schützen Sie sich im Urlaub vor Diebstahl & Co.

4.6.2018

Blitzschnelle Pannen-Ganoven, rabiate Reifenstecher und immer mehr Wohnmobil-Einbrecher: Reisende berichten, was ihnen passiert ist, um andere rechtzeitig zu warnen. Plus: TV-Tipp "Aktenzeichen XY-Spezial: Vorsicht, Urlaubsfalle!"

Verbrecher knackt Wohnmobil
Gerade Wohnmobile sind ein beliebtes Ziel für Überfälle und Einbrüche

Wahre "Urlaubskrimis" haben Leser nach dem Aufruf in der ADAC Motorwelt im ­April geschickt. Sie zeigen: An den Hauptreiserouten in Spanien, Frankreich und Italien arbeiten Ganoven mit ähnlichen Methoden, aber auch mit neuen Varianten. Hier die gängigsten Strategien der Gauner.

Wohnmobil-Einbrüche

Leser schildern immer mehr Diebstähle nachts auf Raststätten, speziell in Südfrankreich. Camping boomt, viele sind erstmals im Womo unterwegs. "Wir machten alle Anfängerfehler", gesteht Katrin Z.: Die Familie übernachtet an einer Autobahnraststätte, die Tür haben sie nur normal verriegelt, die Handtasche liegt auf dem Sitz. Morgens ist das Bargeld daraus weg, "aber super, dass uns nichts weiter passiert ist", so die Urlauberin. Sie glaubt – wie auch andere Opfer –, dass Diebe Betäubungsgas ins Wohnmobil leiteten. Nachweisen lässt sich das allerdings nicht.

Selbst erfahrene Camper wie Ernst K. verdrängen die Gefahr und steuern Raststätten an, wenn es spät wird. "Wir haben tief geschlafen, bekamen vom Einbruch nichts mit." Bei Michael H. schlagen Räuber sogar mit einem Stein die Scheibe am Van ein. In Sekunden wird "alles gestohlen, was vorn lag".

Mitglieder berichten auch von Dieben nachts auf Rastplätzen in Kroatien, Italien, Schweden, Dänemark, Deutschland (A61, A3). Tagsüber haben es Ganoven ebenfalls auf Womos abgesehen: Bei Martin S. wird kurz hintereinander auf Stadtparkplätzen in Carcassonne und Valencia ein Fenster aufgebrochen. Ähnliches erleben Urlauber vor Supermärkten in Spanien und im Fährhafen von Olbia.

Tipp der ADAC Touristik-Experten: Unterwegs nie auf Autobahnraststätten/-park­plätzen übernachten, nur auf ­Camping- und Stellplätzen. Beim Stopp, auch tagsüber: Fahrerhaustüren ­innen sichern, z.B. mit Spanngurt/Kette durch Haltegriffe. Zusatzschlösser, Querriegel, Kontaktsensoren zur Überwachung für Fenster und Türen gibt es als Zubehör.

Ein Infoblatt zu Campingplätzen an Urlaubsrouten gibt es für Mitglieder in ADAC Geschäftsstellen, unter T  0 800 5 10 11 12 und adac.de/campinglust kostenlos.

Pannentrick

Warndreieck auf der Straße, im Hintergrund Auto mit Panne
Manchmal täuschen Gauner eine Panne vor und berauben ihre Helfer

Die Täter werden handgreiflich, speziell in Spanien an der Autobahn nach Barcelona und Valencia. Heinz-Josef L. erlebt es am Rastplatz: Vom Hinterrad komme Rauch, warnt ein Mann. Als der Urlauber nachsieht, "drängt der mich an die Seite und geht meine Frau mit so brachialer Gewalt an, dass sie sich kaum auf den Füßen halten kann". Dann springt der Ganove ins Auto seiner Komplizen, sie rasen davon – mit Handtasche und Rucksack aus dem Wagen der Deutschen.

Auch bei Rainer G. qualmt angeblich das Hinterrad. Ein falscher Helfer lädt ungefragt das Gepäck aus – zum Reifenwechsel. Während das Opfer protestiert, stiehlt ein Kompagnon die Tasche vom Rücksitz. Bei Jürgen K. schraubt einer am Ventil. Nach dem Aussteigen "dauert es nur fünf Sekunden, bis ich daran denke, mein Auto zu verschließen". Zu spät, Tasche weg.

Neu ist dieser Trick: Gauner täuschen eine ­Panne vor und berauben hilfsbereite Touristen.

Tipp: Wenn man Sie während der Fahrt auf Defekte am Auto hinweist, zum Anhalten zwingen will: Handy zeigen, mit dem Sie Hilfe rufen. Vorsicht, wenn vermeintliche Helfer ­auftauchen. Möglichst sitzen bleiben, Auto immer absperren.

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TV-Tipp zu Urlaubsgaunereien

In der ZDF-Mediathek finden Sie die Sendung "Aktenzeichen XY-Spezial: Vorsicht, Urlaubsfalle!"*. Tipps rund um Sicherheit auf Reisen gibt dabei unter anderem ADAC Camping-Experte Thomas Biersack.

Reifenstecher

platter Reifen eines Autos
Bei einem platten Reifen am besten aus dem Auto per Handy Hilfe rufen

Unbemerkt schlitzen sie an der Raststätte oder Ampel einen Reifen auf: In Valencia klopft ein Mann bei Jochen D. an die Scheibe, zeigt aufs Hinterrad. Die Urlauber ­betrachten den Platten, der Gauner redet auf sie ein – ein Komplize klaut derweil Wertsachen aus dem Auto.

Bei Karl K. leuchtet die Reifendruckanzeige nach dem Supermarktstopp bei Valencia. "Klar, Überfall!", denkt er, als ihm ein Wagen folgt. Er schafft es zu einer Tank­stelle, alarmiert den ADAC Auslandsnotruf, der schnell Hilfe organisiert: "Service top", lobt er. Die Verfolger sind verschwunden.

Auch Peter M. spürt in Barcelona: "Das ist eine Falle", als Mopedfahrer ihn in eine Seitenstraße drängen wollen. Er stoppt bei einer Bushaltestelle, bemerkt gleich danach den Reifenschaden. Und bleibt im Auto, bis der vom ADAC alarmierte Pannendienst kommt. Von Reifenstechern wird auch aus Italien, Slowenien und Ungarn berichtet.

Tipp: Kontrollieren Sie Ihr Fahrzeug nach jedem Stopp, besonders die Reifen. Trickdiebe könnten sie manipuliert haben. Achtung, wenn Sie angesprochen werden. Während Sie abgelenkt sind, könnten Gauner etwas aus dem Auto klauen.

Diebstahl aus dem Auto

Dieb stiehlt IPad aus einem Auto
Beim Aussteigen am besten nichts Wertvolles im Auto lassen

Fabian S. wird in Barcelona am Parkplatz der Autovermietung von einem Gauner abgelenkt, der Komplize klaut den eben eingeladenen Koffer aus dem Wagen. In Pisa parkt Luise T. in einem Wohngebiet und besichtigt den Schiefen Turm. Als sie danach den Mietwagen am Flughafen abgibt, ist der Kofferraum leer. Fast spurlos hatten Diebe die Fahrertür geknackt. Andere Opfer vermuten, dass man ihr Funkschlüsselsignal manipuliert hat: Christine W. macht Fotos an der Küste Portugals, Minuten später ist das Auto ausgeräumt: "Taschen weg, Handy, Geld, Pässe… Urlaub vorbei!" Auch an Aussichtspunkten auf Mallorca und Teneriffa sind Autoknacker aktiv.

Tipp Icon

Hilfe im Ausland vom ADAC

ADAC Auslandsnotruf: +49 89 22 22 22. Hier erreichen Sie immer ADAC Mitarbeiter, die Hilfe vermitteln – in der Auslandsnotrufstation vor Ort oder in der Zentrale.

Spiegelbetrüger

zerbrochener Außenspiegel eines Autos
Sie haben angeblich einen Spiegel beschädigt: Rufen Sie besser die Polizei

In Italien, speziell am Gargano in Apulien, häufig der Fall: Auf einem Bergsträßchen bemerkt Rainer G. einen Schlag am Wohnmobil. Ein Autofahrer stoppt ihn, behauptet, er hätte seinen Außenspiegel beschädigt. Das zeige ein schwarzer Streifen am Camper – aufgemalt vom Betrüger, der nun fordert: "200 Euro oder Polizei." Der Urlauber zahlt, wie viele andere. Olaf M. dagegen kennt den Trick, besteht auf Polizei: Der Gauner zieht ab.

Weitere Sicherheitsinfos: adac.de/urlaubskrimi, e110.de* (Aktenzeichen XY).

Und was haben Sie im Urlaub ­erlebt? Schreiben Sie an urlaubskrimi@adac.de

 

Text: Andrea Steichele. Fotos: Mauritius images (1), Shutterstock (4).

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(rmfo)