Reise & Freizeit

Urlaub mit vier Pfoten

Fast eine Million Vierbeiner begleiten jährlich ihre Besitzer auf Reisen. Tipps & Infos für unterwegs und für den Ferienort

Tipps & Infos

Waldspaziergang mit einem Vierbeiner? Geht in Dänemark nur, wenn dieser angeleint ist. In Spanien dürfen Hunde offiziell nicht mit ins Restaurant, in Portugal nicht in Busse und Straßenbahnen, und Finnland verlangt den Nachweis einer Behandlung gegen Bandwürmer: So unterschiedlich wie die Urlaubsziele deutscher Tierbesitzer präsentieren sich auch die jeweiligen Bestimmungen für den Umgang mit ihren vierbeinigen Lieblingen – vor allem, was Hunde betrifft. Ob nach Süden oder Norden, ob mit dem privaten Pkw oder dem Flieger, ob in ein Hotel oder auf den Campingplatz: Urlaub mit Struppi & Co. ist ein Projekt, das gut durchdacht und organisiert sein will.

Am unkompliziertesten läuft das natürlich im eigenen Land – in heimischen Gefilden ist alles vertraut. Doch auch Ziele wie Holland, Norwegen, Frankreich,  Italien, Spanien oder Dänemark sind gut auf die Bedürfnisse von Reisenden mit Tieren eingestellt. In diesen Ländern lassen sich überall tierliebe Unterkünfte finden, von Häusern über Ferienwohnungen bis zu speziellen Hotels mit Futterservice und Agility-Parcours. Wer mobiler urlauben möchte, kann, zum Beispiel in Südtirol, Fahrrad- oder Wandertouren für Zwei- und Vierbeiner buchen – oder bei einer Hundeflusskreuzfahrt zu neuen Ufern aufbrechen.

Vor jedem Ziel aber liegt die Anreise. Das Gros der Hundehalter bevorzugt dafür das eigene Auto. Eine gute Entscheidung, „denn dieser Wagen ist den Tieren meist aus dem Alltag vertraut“, sagt Martin Rütter, Deutschlands bekanntester Hundetrainer. Einfach Tür aufhalten und hineinspringen lassen reicht allerdings nicht: Da Tiere laut StVO als Ladung gelten, müssen sie gesichert werden, andernfalls drohen Bußgelder zwischen 30 und 60 € – und vor allem gefährliche Risiken für die Insassen des Fahrzeugs, zwei- wie vierbeinige: Wenn ein Hund, etwa bei einer abrupten Bremsung, mit voller Wucht durch den Innenraum eines Autos schleudert, kann das schlimme Folgen haben. 

Struppi, bitte anschnallen!

Für den sicheren Transport eignen sich ein Trenngitter zwischen Koffer- und Fahrgastraum, spezielle Hundegurte für den Rücksitz oder eine mit einer saugfähigen Unterlage ausgestattete Box, geräumig genug, dass sich das Tier hineinlegen, umdrehen und auch hinstellen kann (ab ca. 40 €). Der Aufenthalt in dieser „Höhle“ lässt sich schon zu Hause üben – Leckerlis machen den Einstieg schmackhafter.

Während der Fahrt muss man darauf achten, dass das Tier weder Zugluft noch Hitze ausgesetzt ist – schon 15 Minuten bei Temperaturen um die 40 Grad können für Hunde tödlich sein. Die Art der Erfrischung, die manche Vierbeiner zu lieben scheinen, ist allerdings nicht empfehlenswert: Fahren mit geöffnetem Fenster, die Schnauze im Wind, kann zu Erkältungen und Augenentzündungen führen. Besser: die Fenster geschlossen halten und regelmäßige Stopps mit Bewegung an der Leine und reichlicher Wasserversorgung einlegen. 

Da Katzen Fluchttiere sind, sollte man sie unterwegs möglichst gar nicht aus der Box lassen – dies gilt auch auf Bahnreisen. Weitere wichtige Infos für den Trip mit dem Zug: Ein Tier darf umsonst mit, wenn sein Transportbehältnis so klein ist, dass es in die Ablage über dem beziehungsweise unter den Sitz passt. Für größere Hunde ist der halbe Ticketpreis fällig. Außerdem müssen sie einen Maulkorb tragen und angeleint sein.

Sensible Fracht an Bord

Eine Flugreise ist wohl die größte Herausforderung für Tierbesitzer und ihre Lieblinge, weil Katzen und Hunde den Aufenthalt an Bord oft als Stresssituation empfinden. Solange Hunde bei ihren Menschen in der Kabine bleiben dürfen, kommen sie damit klar, so Experte Martin Rütter. Die meisten Airlines erlauben dies, wenn Tier und Transportbehältnis ein bestimmtes Gewicht nicht überschreiten – bei der Lufthansa sind es acht Kilo. Ansonsten heißt es: ab in den Frachtraum. In diesem Fall sollte man den Gepäckschein an der Box genau überprüfen und diese mit „Life Animal“ beschriften, sofern die Airline nicht über eigene Boxen verfügt. Ist ein Nonstop-Flug nicht möglich, muss der Weitertransport in die Anschlussmaschine geklärt werden. Eiswürfel zum Lecken versorgen das Tier mit Flüssigkeit, ohne die Box zu fluten. Die Mehrkosten für den Flug eines Hundes betragen je nach Distanz und Tiergröße 35 bis 300 €.

Für Reiseziele innerhalb der EU reicht der EU-Heimtierausweis. Er wird vom Tierarzt ausgestellt und enthält u. a. Infos über den Tollwut-Impfschutz und die Registrierung des Tieres durch Mikrochip oder Tätowierung. Um unliebsame Überraschungen zu vermeiden, sollte man sich vor der Abreise erkundigen, worauf Tierbesitzer im Urlaubsland achten müssen (Auskunftsmöglichkeiten s. u.). Wer Badeferien plant, sollte sich direkt ans Tourismusbüro wenden: Eigentlich sind Europas Strände für Hunde während der Hauptsaison tabu – erkundigen Sie sich nach Ausweichmöglichkeiten wie eigens eingerichtete Hundestrände.

Fünf Fragen an Hundeprofi Martin Rütter

Der aus dem TV bekannte Hundetrainer und Entertainer fordert für Reisen mit Hund: Viel Zeit für das Haustier einplanen, denn Urlaub bedeutet für Hunde meist Stress. Doch mit ein paar Tricks lässt sich der leicht mindern.

ADAC Motorwelt: Menschen fahren gern in den Urlaub. Gilt das auch für Hunde?
Martin Rütter: Ein Wohnortswechsel für eine kurze Zeit ist für viele Hunde nicht natürlich und verunsichert sie. Wichtig ist daher eine vertrauensvolle Beziehung zu ihrem Menschen. Dennoch sollte man z. B. bei Pausen an Raststätten den Hund immer anleinen, damit er nicht, aufgeschreckt durch den Verkehrslärm, wegläuft.

Gibt es Hunderassen, die bei Reisen besonders empfindlich reagieren?
Grundsätzlich kann man mit allen Rassen verreisen. Man muss aber wissen, was speziell für den eigenen Hund wichtig ist. Hat man einen Vierbeiner einer eher territorialen Rasse, z. B. einen Hovawart, ist ein Campingurlaub vielleicht nicht so geeignet, weil viele fremde Menschen nahe am eigenen Territorium wohnen oder am Wohnwagen oder Wohnmobil vorbeilaufen. Der Urlaub sollte daher immer zum Hund und dessen individuellen Bedürfnissen passen.

Wie äußert sich Stress beim Hund?
Zum Beispiel durch Hecheln, Winseln, andauerndes Bellen oder wenn ein Hund im Auto ständig den Platz wechselt. 

Wie lässt sich Stress vermeiden?
Durch möglichst viel Vertrautes. Ins Gepäck gehören daher seine Decke, Körbchen, Lieblingsspielzeug und auch das gewohnte Futter. Entspannend sind außerdem ausgiebige Spaziergänge und Spiele mit seinem Menschen.

Was halten Sie von Flugreisen mit Hund?
Ist der Hund klein genug, dass er in die Kabine darf, halte ich das für okay. Muss der Hund allerdings in den Frachtraum, sollte man davon lieber Abstand nehmen.

Checkliste

  • Einreisebestimmungen des Urlaubslands checken und erfüllen
  • Heimtierausweis und Impfungen überprüfen (Tierarzt)
  • Reiseapotheke: Mücken-/Zeckenschutz, z. B. gegen die in südlichen Ländern auftretende Sand- oder Schmetterlingsmücke (Leishmaniose), ggf.  Beruhigungsmittel, Sonnenschutz
  • Futter- und Wassernäpfe, Decke, Körbchen, Spielzeug, Leine und Halsband (mit Adressanhänger), Kotbeutel, Fellbürste, ggf. Maulkorb
  • Kontaktdaten Deutsch sprechender Tierärzte (Tourismusverband)
  • Evtl. Trocken- und Dosenfutter und Snacks (Kauknochen) mitnehmen, um 
    eine Futterumstellung zu vermeiden
  • Bei Flugreise: Airline rechtzeitig konsultieren (Nonstop-Flug!)
  • Passende Transportbox besorgen und das Tier ggf. daran gewöhnen
  • Mit dem Auto abends und nachts fahren, um Hitze zu vermeiden
  • Hund nie allein im Auto lassen!


Text: Elke Satzger, Fotos: Fotolia/Soloviova Liudmyla, Klaus Grittner