Reise & Freizeit

Urlaub: Bei Mängeln Geld zurück

22.11.2017

Baulärm, Strand zu weit weg, Ungeziefer im Zimmer, Routenänderungen auf der Kreuzfahrt – Pauschaltouristen müssen sich nicht alles bieten lassen und haben in vielen Fällen Anspruch auf Entschädigung

Wenn eine Baustelle nebenan das Urlaubsglück überraschend trübt, ist die Chance auf Entschädigung gut

Lärm und Schmutz: Statt Ruhe und Erholung am Strand in Thailand bekommen die Pauschalurlauber Krach und Dreck. Mit Kreissäge, Flex und Presslufthammer werden 20 Meter von ihrer Ocean-Front-Villa andere Bungalows renoviert. Ohrenbetäubender Lärm von früh bis spät – und das jeden Tag. Das Ehepaar beschwert sich vor Ort und fordert Geld zurück. Das Landgericht Frankfurt (Az.: 2-24 O 156/11) entscheidet, dass der Reiseveranstalter 40 Prozent wegen des Lärms und weitere zehn Prozent erstatten muss, weil er nicht vorab über die Bauarbeiten informiert hatte.

Eine Reisepreisminderung wegen Lärms ist ein Klassiker in der ADAC Rechtsberatung. Damit sich Pauschalurlauber orientieren können, wann Gerichte Entschädigungen zugesprochen haben, wird die ADAC Tabelle zur Reisepreisminderung (pdf) ständig aktualisiert.

Entfernung zum Strand: Wie weit ein Hotel vom Meer entfernt ist, sorgt immer wieder für Ärger. Eine Mutter mit zwei Töchtern buchte ein Appartement direkt am Wasser auf der griechischen Insel Korfu. Zum Strand waren es 250 Meter – sie bekam fünf Prozent des Reisepreises zurück (Amtsgericht München, Az.: 244 C 15777/12).

Geänderte Flugtage: Der Hinflug zwei Tage später, der Rückflug einen Tag früher, so verkürzte sich der Urlaub. Dafür gab es 25 Prozent des Reisepreises zurück und Schadenersatz wegen „nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit“ (Landgericht Hamburg, Az.: 313 O 55/11). Geld bekam auch eine Familie, die für den Flug von den Malediven nach Deutschland Plätze in der Business-Class gebucht hatte. Die Maschine besaß aber nur eine Economy-Class (Landgericht Frankfurt, Az.: 2-24 O 225/13).

Gepäckverspätung: Wenn der Koffer nicht rechtzeitig kommt, ist der Urlaub beeinträchtigt, urteilte das Amtsgericht Köln (Az.: 142 C 392/14): 15 Prozent Minderung pro Tag, abzüglich der Kosten für die gekaufte Ersatzwäsche.

Krankheit im Urlaub: Für eine Magen-Darm-Erkrankung, die durch einen Defekt der örtlichen Kläranlage in einem türkischen Badeort ausgelöst wurde, musste der Reiseveranstalter 100 Prozent pro Krankheitstag und Schmerzensgeld an eine Familie zahlen (Landgericht Köln, Az.: 2 O 56/15).

Insekten: Wegen Bettwanzen im Hotelzimmer und der schmerzhaften Bisse klagte eine Familie. Mit Erfolg: Das Oberlandesgericht Celle (Az.: 11 U 249/14) sprach ihr 44 Prozent Reisepreisminderung und Schadenersatz zu.

Aber nicht jede Mücke ist gleich ein Mangel. „Das abendliche Auffinden von vier bis fünf Mücken stellt eine zu vernachlässigende Unannehmlichkeit dar“, befand das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg (Az.: 221 C 95/11). Das gilt auch für den Ruf des Muezzins, der Muslime mehrmals täglich zum Gebet ruft. Das sei, stellte das Amtsgericht Hannover fest (Az.: 559 C 44/14), „landestypisch, vergleichbar mit Kirchenglockengeläut in einem christlichen Land“.

So reklamieren Sie richtig

Melden Sie die Mängel vor Ort – direkt bei Ihrem Reiseveranstalter. Zweiter Schritt: Fordern Sie Abhilfe, also z. B. ein anderes Zimmer. Wichtig: Lassen Sie sich alles schriftlich bestätigen, und machen Sie Fotos, damit Sie später die Mängel beweisen können. Und melden Sie Ihre Ansprüche spätestens einen Monat nach der Rückkehr beim Reiseveranstalter an. Ein Formular für die Mängelmeldung vor Ort und ein Musterschreiben an den Veranstalter gibt es auf adac.de/reisemaengel.

Kreuzfahrt-Urteile

Die Landgänge in Grönland fielen wegen schlechten Wetters aus, der Kapitän des Kreuzfahrtschiffs änderte die Route. Dafür bekamen die enttäuschten Gäste 25 Prozent des Preises zurück. „Eine erhebliche Leistungsänderung“, urteilte das Amtsgericht Frankfurt (Az.: 31 C 511/15), es komme nicht darauf an, dass der Veranstalter für die raue See und die schlechte Sicht nicht verantwortlich sei.

40 Prozent des Reisepreises sprach das Landgericht Frankfurt (Az.: 2/24 O 298/15) Urlaubern einer Kreuzfahrt zu, die statt wie gebucht durch das Schwarze Meer durch das östliche Mittelmeer führte. Durch diese neue Route ändere sich der Charakter der Reise. Außerdem entging den Kreuzfahrtgästen das Anlaufen einer Bucht, in der viele Tausend Seevögel gesichtet werden können.

Wenn eine Reise vom Veranstalter abgesagt wird, können die Kunden stornieren und neben der Erstattung des Reisepreises auch eine Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit fordern: Bei einer Donaukreuzfahrt, die drei Wochen vor Beginn abgesagt wurde, entschied der Bundesgerichtshof (Az.: Xa ZR 124/09) auf 50 Prozent des Reisepreises als weitere Entschädigung für ein Ehepaar.

Aber wie im Hotel ist auch an Bord nicht alles, was Reisende stört, gleich ein Mangel: Als unbegründet wies das Amtsgericht Rostock (Az.: 47 C 299/13) die Klage eines Paares ab, das wegen der Raucher auf dem Freideck Geld zurück wollte. Das sei wie Handy-Klingeln im Restaurant eine „hinzunehmende Unannehmlichkeit“.

Ähnlich argumentierte das Landgericht Bonn (Az.: 8 S 5/16) bei Dreharbeiten während einer Kreuzfahrt durch Südostasien und wies die Klage ab – mehr als „geringfügige Einschränkungen“ konnte die Kammer nicht erkennen.

Ohne gültige Ausweise wurden Gäste nicht an Bord eines Kreuzfahrtschiffes gelassen und klagten auf Erstattung des Reisepreises sowie Schadenersatz. Ohne Erfolg: Das Amtsgericht Rostock lehnte beides ab (Az.: 47 C 174/14 und 47 C 268/14). Für gültige Ausweisdokumente seien die Urlauber selbst verantwortlich, zumal der Veranstalter vor Reiseantritt darüber informiert habe, dass ein Personalausweis oder ein Reisepass erforderlich ist.

So helfen die ADAC Juristen

  • Eine Tabelle mit über 270 Urteilen deutscher Gerichte und alle Musterschreiben für die Anmeldung von Reisemängeln finden Sie auf adac.de/reisemaengel.
  • Zum Thema Kreuzfahrten gibt es eine gesonderte Übersicht über Rechtsprechung auf adac.de/kreuzfahrt-urteile.
  • Bei Fragen helfen die Clubjuristen Mitgliedern unter Telefon 089.7676-2423 oder adac.de/rechtsberatung.

Text: Christof Henn. Fotos: Valeria Scrilatti/contrasto/laif, Colourbox.

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