Urlaub & Unterhaltung

Kanaren: Die Highlights der Inseln

3.11.2017

Die Kanaren bestehen aus sieben Hauptinseln, und jede von ihnen bietet den Besuchern etwas anderes. So kommen Strand-, Aktiv- und Kultururlauber auf ihre Kosten. Eines aber haben Gran Canaria, Fuerteventura, Lanzarote, Teneriffa, El Hierro, La Gomera und La Palma gemeinsam: Ganzjährig mildes Klima mit viel Sonnenschein

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Sonne, Strand und Meer: So wie hier auf Fuerteventura stellen sich die Meisten die Kanaren vor. Dabei haben die sieben Inseln noch viel mehr zu bieten

Gran Canaria: Wilde Dünen und City-Flair

Sand soweit das Auge reicht: Die berühmten Dünen von Maspalomas
Nur 16 Tage im Jahr scheint auf Gran Canaria nicht die Sonne. Statistisch gesehen. Kein Wunder also, dass die Hotelanlagen im Süden der Insel an den berühmtberüchtigten Stränden Playa del Inglés und Maspalomas mit seinen spektakulären Sanddünen sommers wie winters gut gebucht sind. Allein das Hotel Lopesan Costa Meloneras verfügt über 1136 Zimmer.

Vom Massentourismus verschont zeigt sich hingegen die Inselhauptstadt Las Palmas im Nordosten des Eilands. Wer abends durch die Gassen schlendert, hört das ratternde Spanisch der Einheimischen. Mit 380.000 Einwohnern ist Las Palmas die größte Stadt der Kanaren und eine echte Mode-Metropole. Jährlich findet die „Moda Cálida“, Gran Canarias Fashionweek, statt: 38 Designer präsentierten hier dieses Jahr ihre Entwürfe – von Bikinis über Kleider und Hochzeitsroben bis hin zu Herren-Shorts. Zu kaufen gibt es die Kreationen von kanarischen Modeschöpfern wie Aurelia Gil im Minilla Concept Store in der Calle Constantino, einer Nebenstraße der Einkaufsmeile Calle Triana. Sehenswert ist außerdem die Kathedrale Santa Ana. Von den beiden Kirchtürmen hat man einen fantastischen Blick auf die Stadt.

Im Restaurant Que Leche in der Calle Torres, dem derzeit angesagtesten Laden von Las Palmas, können sich die Besucher marinierte Sardinen und Oktopus-Tacos schmecken lassen. Unbedingt reservieren!

Lanzarote: Feuer und Flamme

Morgens werden die Dromedare zum Timanfaya-Nationalpark geführt
Von oben betrachtet sieht Lanzarote aus wie ein fremder Planet, und tatsächlich werden hier auf einem Trainingsfeld für Astronauten Einsätze auf dem Mars simuliert. Lange galt die Kanareninsel als öde, trocken und unwirtlich. Es war der Künstler César Manrique, der die vulkanische Einzigartigkeit seiner Heimat erkannte. Er baute sich ein Haus in eine unterirdische Lavablase hinein, verbannte Werbeschilder von den Straßen, setzte durch, dass alle Häuser mit weißer Kalkfarbe gestrichen werden, zimmerte einen Konzertsaal in eine Vulkanhöhle und errichtete den spektakulären Aussichtspunkt Mirador del Rio.

Der vulkanische Ursprung von Lanzarote zeigt sich sowohl über als auch unter Wasser. Fast um die gesamte Insel herum greifen felsige Lavafinger in den Meeresboden und bilden einen Abenteuerparcours für Taucher. 2016 eröffnete das Museo Atlántico, eine Unterwasserausstellung mit Skulpturen des britischen Künstlers Jason deCaires Taylor. Lava bedeckt auch an der Erdoberfläche gut drei Viertel der gesamten Insel.

Ein Muss für viele Touristen ist eine Tour durch den Timanfaya-Nationalpark auf dem Rücken eines Dromedars. Die Tiere wurden einst aus Marokko importiert und können bis zu 500 Kilogramm schleppen. Der Nationalpark gleicht einem Freilichtmuseum der Erdgeschichte. Bis zum Horizont sieht man nichts als Himmel und Vulkane, die in Lindgrün, Karmesinrot und Ockergelb leuchten. Spätestens nach diesem Anblick ist jeder Besucher Feuer und Flamme für Lanzarote.

Teneriffa: Berg und Banane

Der schneebedeckte Teide ist mit 3718 Metern der höchste Berg Spaniens
Feine Sandstrände wie die Playa de Las Teresitas, verwunschene Landschaften wie das Anaga-Gebirge, dazu farbenfrohe Städte wie La Orotava und nicht zuletzt der majestätische Pico del Teide, der mit 3718 Metern höchste Berg Spaniens, der über allem thront.

Teneriffa ist nicht nur die größte Kanareninsel, sondern auch das kulinarische Zentrum des Archipels. Hier funkeln insgesamt vier Sterne-Restaurants. Wichtigste Zutat der heimischen Küche ist die Plátano de Canarias, die kanarische Banane. 375 Millionen Kilo werden auf den Kanaren jährlich geerntet, die meisten davon auf Teneriffa. Die Plátano de Canarias sieht zwar etwas mickriger aus als die Bananen, die hierzulande in den Supermärkten liegen, schmecken aber dafür mächtig süß und saftig. Sogar Wein wird aus den krummen Dingern gemacht und als „Platé“ vermarktet.

Wem vergorener Traubensaft besser schmeckt, der kommt in den Weinlokalen Teneriffas, den Guachinchen, voll auf seine Kosten. Die improvisierten Gaststätten bieten ähnlich wie die deutschen Besen- oder Straußwirtschaften vor allem im Herbst und Winter Wein aus eigenem Anbau und einfache Hausmannskost. Das ganze Jahr über geöffnet ist das Lokal El Colorado in der Nähe der Hauptstadt Santa Cruz.

Fuerteventura: Auf einer Wellenlänge

Ob klein oder groß: Auf Fuerteventura kann (fast) jeder surfen lernen
Die zweitgrößte Kanareninsel macht vor allem Lust auf Meer: 150 Kilometer Strand versprechen perfekten Badeurlaub, Wind und Wellen ziehen immer mehr Surfer an. Mittlerweile liegen Wind-, Kite- und Wellensurfen auf Fuerteventura so sehr im Trend, dass die Brettkünstler einen Großteil der jährlichen Besucher ausmachen.

Keine Straße von Corralejo im Norden nach Costa Calma im Süden, auf der nicht der voll besetzte Kleinbus einer der inselweit rund 40 Surfschulen unterwegs ist. Zählenswert sind auch die Mietwagen mit auf dem Dach verschnürten Surfbrettern oder die Grüppchen, die am Flughafen in Puerto del Rosario am Sperrgepäckschalter Mast, Segel und Boards aufgeben. Vor allem 20- bis 30-jährige Europäer lieben das Paket aus Sonne, Surfkurs und günstiger Schlafgelegenheit.

Inzwischen gibt es Hostels, die sich speziell auf ihre wasserbegeisterte Kundschaft eingestellt haben: Man haust in lockerer Atmosphäre, ein bisschen WG, ein bisschen Hotel und viel Gemeinschaftsgefühl. Schuld an der Welle der Euphorie sind Surfpioniere wie der Schweizer René Egli, der vor 30 Jahren die heute größte Surfschule der Insel gegründet hat, und Weltklassesurfer Jürgen Hönscheid, der in den 1980er-Jahren mit seiner Familie von Sylt nach Fuerteventura zog, weil er dort perfekte Trainingsmöglichkeiten vorfand.

Wem das alles viel zu viel Action ist, der findet, insbesondere im Süden der Insel, genügend Rundum-sorglos-all-inclusive-Hotelangebote, bei denen die Hauptaufgabe darin besteht, einen schönen Liegestuhl zu erobern.

La Gomera: Mit Stock und Stein

Mit drei Meter langen Stangen bewegten sich früher die Hirten fort
Massentourismus kennt man auf der zweitkleinsten Kanareninsel nicht. Vielmehr halten sich auf La Gomera spezielle Traditionen: etwa die Pfeifsprache El Silbo, mit der sich noch heute einige der Einwohner verständigen, oder der „Salto del pastor“, eine uralte Fortbewegungsart auf drei Meter langen Stangen, mit deren Hilfe sich die Hirten einst über das zerklüftete und felsige Gelände bewegten. Noch heute gibt es einen kleinen Verein, der den Salto del pastor kultiviert, und auch Urlauber haben die Gelegenheit, ihr Talent mit dem Stab auszuprobieren.

Wem das zu sprunghaft ist, der kann auf den eigenen zwei Füßen Wanderungen unternehmen, etwa eine sechsstündige Tour durch den Lorbeerwald. Insgesamt bietet La Gomera ein über 600 Kilometer langes Wegenetz aus ursprünglichen und verschlungenen Pfaden. Genau die richtige Insel für Naturliebhaber und Aktivurlauber. Badegäste finden mangels geeigneter Strände eher auf Fuerteventura, Gran Canaria oder Teneriffa ihr Glück. 

El Hierro: Natürlich schön

Sonnenuntergang am Aussichtsrestaurant beim Mirador de la Pena
Bis auf die schwarzen Lavaböden ist nichts auf El Hierro Kanaren-typisch: Es gibt weder Einkaufszentren noch weite Strände, keine Direktflüge zum Festland, keine Großraumdisco. Dafür ein Biosphärenreservat, Rieseneidechsen und Naturschwimmbecken.

Die Insel und ihre Küste sind seit 2014 ein Geopark der UNESCO, die landschaftliche Vielfalt ist faszinierend groß: im Westen die Weideflächen von La Dehesa, im Südwesten die Steilhänge von El Julán, im Süden und Westen karge Lavalandschaften. Eine mehrtägige organisierte Wandertour ist die ideale Möglichkeit, die Naturschönheit zu erkunden.

Übrigens hat es sich El Hierro zum Ziel gemacht, das sauberste Eiland der Welt zu werden: emissionsfrei und energieautark. Im Juni 2017 versorgte sich die Insel erstmals acht Tage lang mit selbst erzeugtem Strom. 

La Palma: Dem Himmel so nah

Das Observatorium auf dem Roque de los Muchachos
„Isla Verde“, die grüne Insel, wird La Palma auch genannt. Das liegt vor allem an den vielen Wäldern, die 40 Prozent der Insel bedecken. Nicht nur Wanderer und Naturliebhaber finden hier ideale Bedingungen.

La Palma zieht auch Hobby-Astronomen und Wissenschaftler aus aller Welt an. Denn fast nirgendwo ist die Luft so trocken, sauber und klar. Perfekte Voraussetzungen für eine einzigartige Sicht auf den Sternenhimmel. So können die Wissenschaftler am Observatorium auf dem Roque de los Muchachos ungestört arbeiten, und interessierte Sternengucker erfahren bei einer Astrosafari mehr über das Universum und unser Sonnensystem. 

Anreise und Wetter

Mit dem Flugzeug: Die Anreise mit dem Flugzeug auf die Kanarischen Inseln ist die schnellste und zugleich günstigste Möglichkeit. Lanzarote, Fuerteventura, Gran Canaria, Teneriffa und La Palma werden von Deutschland aus in vier bis fünf Stunden direkt angeflogen. Verbindungen gibt es oft schon für rund 200 €. La Gomera und El Hierro haben nur einen kleinen Regionalflugplatz, von dem aus die Verbindung zu den anderen Inseln aufrechterhalten wird.

Wetter: Das Klima auf den „Inseln des ewigen Frühlings“ wird vom Äquator bestimmt, wo die einfallenden Sonnenstrahlen die Luftmassen erhitzen. Das Meer gleicht die Temperaturen aus, und Passatwinde halten die heißen Luftmassen aus der Sahara fern. Die jährlichen Tagestemperaturen bewegen sich so zwischen circa 20 und 27 °C, wobei der Nordosten der Inseln meist kühler und feuchter, der Süden trockener und wärmer ist.

Texte: Katja Fastrich, Verena Gaspar. Fotos: Rasmus Kaessmann (2), Imago Stock, Kien Hoang Le, Huber Images, James Rajotte, Mauritius Images, Fotolia.

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