Eiskaltes Abenteuer: Mit dem Mazda CX-5 über den Baikalsee

19.11.2018

Der russische Baikalsee ist das größte und tiefste Süßwassergewässer der Erde. Unser Reporter durfte mit einer Sondergenehmigung über den zugefrorenen See fahren. Protokoll einer frostigen 70-Kilometer-Tour über fast meterdickes Eis

Eine Eisfahrt bei Sonnenaufgang über den Baikalsee
Der Baikalsee liegt im Südsibirischen Gebirge
  • Der Baikalsee ist der älteste Süßwassersee der Welt 
  • Er ist 673 km lang, 82 km breit und bis zu 1642 m tief
  • Im Schnitt versinkt ein Auto pro Jahr

 

Das leise Knacken lässt einen erschauern. Dazu ein tiefes, leichtes Grollen. Die feinen Haarrisse in der dicken Eisschicht scheinen breiter zu werden. Doch das täuscht – zum Glück, denn unter der Eisschicht warten ein paar Hundert Meter eiskaltes Wasser.


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Durchschnittliche Temperatur am Baikalsee

Der CX-5 hat Spikes an den Reifen

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Eine Eisfahrt mit dem Mazda über den Baikalsee
Gefahren wird mit etwa 25 m Abstand zum Vordermann

Wir stehen im tiefsten russischen Winter am Rand des Baikalsees in Listvyanka, wenige Autostunden von Irkutsk entfernt. Und wollen ans andere Ufer nach Babuschkin, ohne den See zu umrunden. Mit einem Mazda CX-5 SUV mit Spikes an den Reifen soll es auf das gefrorene größte, älteste und tiefste Süßwasserreservoir der Welt gehen. Ein Himmelfahrtskommando?

”Nein, wenn ihr genau hinter dem Eisspion fahrt, passiert euch nichts. Normalerweise“, sagt Ilya. Er ist heute unser Guide, ansonsten arbeitet er beim russischen Katastrophenschutz-Ministerium Emercom. Ilya soll uns sicher über den Baikalsee bringen. Er kennt die Region und den See bestens – seit fast 40 Jahren ist das seine Heimat. Ein Motorschlitten und ein dreiachsiger Truck mit Ballonreifen begleiten uns.

Auf dem See pfeift ein eisiger Wind

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Eine Eisfahrt mit einem Panzerauto über den Baikalsee
Der Truck fährt auf riesigen Ballonreifen

Nur selten dürfen Gruppen mit Autos über den gefrorenen Baikalsee. Denn auf der nichtpräparierten Strecke lauern Gefahren: dünnes Eis, teilweise große Wasserflächen und wilde Tiere. Für Russen aus Sibirien nichts Ungewöhnliches. Nur dass sie meist auf Motorschlitten, Luftkissenfahrzeugen oder mit alten Geländewagen unterwegs sind – und auch eher am Rande des Sees.

Wir wollen früh los, stellen bei unserem Mazda die Sitzheizung an, die Klimaanlage auf 23 Grad. Draußen pfeift der Wind, kühlt die Luft auf unter minus 10 Grad. Der Winter dauert hier von November bis März, mit  Durchschnittstemperaturen von minus 20 Grad. ”Heute ist es wie im Frühling“, sagt Ilya.

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Baikalsee

Blick aus dem Flugzeug auf den Baikalsee

Der Baikalsee im südsibirischen Gebirge gilt mit rund 25 Millionen Jahren als der älteste Süßwassersee der Welt. Seit 1996 zählt er zum Weltnaturerbe. Er speichert mehr als 20 Prozent des weltweiten Süßwasservorkommens, beherbergt mehr als 1500 verschiedene Tier- und rund 1000 Pflanzenarten – und das auf 673 Kilometer Länge, 82 Kilometer Breite und bis zu 1642 Meter Tiefe.

Damit fasst der Baikal rund 480 Mal mehr Wasser als der Bodensee. Plankton, Flohkrebse und Fische filtern das Wasser so gründlich, dass es außergewöhnlich klar ist. Rund 330 Flüsse speisen den See, nur der Fluss Angara fließt ab. Ein Grund dafür, dass das Gewässer jährlich zwei Zentimeter breiter wird.

Das Eis ist bis zu einem Meter dick

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Eine Eisfahrt mit dem Mazda über den Baikalsee
Das ESP kann den Wagen kaum in der Spur halten

Die 80 bis 100 Zentimeter dicke Eisdecke trägt bis zu fünf Tonnen auf zehn Quadratmeter. Ein Grund, weshalb die Autos der Kolonne in großem Abstand voneinander parken müssen. Das Radio bleibt stumm, der Anschnallgurt steckt im Gurtschloss – ohne uns anzuschnallen.

Falls doch etwas passieren sollte, kommt ihr so schneller aus dem Auto“, sagt Ilya. Aus dem Funkgerät gibt der Guide noch ein paar Anweisungen: ”Schaltet die Nebelschlussleuchte ein und achtet auf euren Vorder- und Hintermann, damit keiner verloren geht. “Das könnte bei einem Schneesturm passieren.

Nur in Ausnahmefällen dürfen Autofahrer deshalb den See überqueren, die Russen halten sich jedoch wenig daran. Immer wieder kracht es, versinken Autos im Wasser. Erst vor zwei Jahren starben drei Russen auf dem Weg zum Eisangeln, jedes Jahr versinkt mindestens ein Auto. Polizeikontrollen sollen das künftig verhindern.

Verkantete Eisplatten blockieren den Weg 

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Eine Eisfahrt mit dem Mazda über den Baikalsee
Eis und Schnee können schnell zur Sprungchance werden

Ilya sucht auf seinem Motorschlitten eine stabile Route. Mit 25 Metern Abstand fahren wir mit dem Mazda im Schneestaub hinterher. Trotz Allrad und Spikes rutscht der CX-5 bei heftigem Gasstoß, regelt das ESP das SUV nur mühsam wieder ein.

Wie ein störrischer Esel will der Mazda immer wieder eine andere Richtung einschlagen, Brems- und Lenkmanöver folgen eher dem Zufallsprinzip als einer technischen Regel. Mit kaum Gas krabbelt der 2,5-Liter-Benziner mit 143 kW/194 PS auf seiner eigentlichen Route.

Bis zum ersten großen Hindernis: Zwei Eisplatten haben sich ineinandergeschoben, sind geborsten und in die Höhe gewachsen, wie tektonische Platten unter der Erdoberfläche. Davor liegt ein tiefer Graben. Die Guides suchen einen Weg. An einer kleinen Stelle dann ein Durchkommen: Die Begleitcrew steckt die neue Fahrbahn ab, legt Holzbohlen als Brücke aus.

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Abenteuer Arktis: Letzte Tour auf der Ice Road Canada

Eine der spektakulären Ice Roads in den Northwest Territories Kanadas ist durch eine ganzjährig befahrbare Piste ersetzt worden. Unser Autor fuhr in einem Mercedes GLE ein letztes Mal auf der Winter Road von Inuvik über den Mackenzie-Fluss und die Beaufortsee nach Tuktoyaktuk am Nordpolarmeer.

Abenteuer Arktis: Ice Road Canada

Eine Wüste aus Eis

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Eis und Schnee am Baikalsee
Das Eis ist teilweise trocken und brüchig

Wir steigen kurz aus. Das Eis ist an manchen Stellen so klar, dass wir ein paar Fische darunter erkennen können. Hinter uns, vor uns, nur Eis und Schneehügel aus dem reinsten Weiß. Trocken, leicht brüchig und sehr gefährlich – wie auf einem anderen Planeten.

Wir wollen weiter, den wir müssen vor Einbruch der Dunkelheit das Ufer erreichen. Der erste Versuch mit dem leichtesten Auto über die Holzbohlen gelingt, wir folgen in sicherem Abstand. ”Zügig weiterfahren und nicht stehen bleiben, das Eis ist hier etwas dünn“, quäkt es aus dem Funkgerät.

Wir gehorchen, orientieren uns am vorderen Fahrzeug. Das schaukelt stark auf – wir sind gewarnt und reduzieren das Tempo von 50 km/h auf Schritttempo. Der Grund: Die Eishügel werden sonst zur Sprungchance. ”Gefährlicher sind aber die Schneehügel. Wenn ihr die zu langsam durchfahrt, bleibt ihr stecken“, rät Ilya per Funk.

”Am besten, ihr rollt mit 40 km/h durch.“ Starker Wind drückt den Mazda immer wieder zur Seite. Nach ein paar Stunden des Eistanzes hat sich der Schnee in den Felgen festgepappt und produziert eine starke Unwucht. Nicht nur das Lenkrad vibriert, sondern das ganze Auto. Für den direkten Weg von 60 Kilometern benötigen wir durch den Zickzack-Kurs fast fünf Stunden. Unsere Augen brennen, als wir endlich das andere Ufer erreichen.

Text und Fotos: Fabian Hoberg

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