Urlaub & Unterhaltung

Skigebiet Lech und Zürs: Der Arlberg im ADAC Pistencheck

17.11.2017

88 Lifte und Bahnen, 305 km Skipisten, 200 km Tiefschneerouten: Lech-Zürs ist eines der besten und größten Skigebiete der Welt. Freeride-Weltmeisterin Lorraine Huber und Olympiasieger Patrick Ortlieb zeigen unserem Reporter die Skiwelt ihrer Heimat

Gipfelstürmerin. Die Profi-Freeriderin Lorraine Huber abseits der Pisten im Winterwunderland von Lech-Zürs

Hang zum Abenteuer

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Freeriderin Lorraine Huber (l.) und Olympiasieger Patrick Ortlieb 

Die Sonne blitzt durch die dicke Wolkendecke. Und von einer Sekunde zur anderen wird aus dem Schwarz-Weiß- ein Farbfilm. „Ist Skifahren nicht das Schönste auf der Welt?!“, höre ich Lorraine rufen, die eine glitzernde Spur in die tiefe Neuschneedecke zaubert. Nun muss man wissen: Lorraine Huber ist Profi-Freeriderin. Sie bringt es im Jahr auf mehr als 200 Skitage weltweit. Um sie zu begeistern, sollte ein Skigebiet also schon etwas bieten. Das scheint hier der Fall zu sein, in den Bergen von Lech – Lorraines Heimat. Hier stand sie zum ersten Mal auf Ski. Hier entdeckte sie das Freeriden.

Aber gehen wir noch mal ein paar Stunden zurück. Acht Uhr morgens in der Backstube Lech. Ein beliebter Treffpunkt unter Urlaubern und Skilehrern für ein schnelles Frühstück. Vorn im Verkaufsraum duftet es nach Holzofenbrot. Hinten im Café wartet Lorraine. Sie hat zugesagt, uns die schönsten Tiefschneerouten zu zeigen. 200 Kilometer gibt es insgesamt im Skigebiet. Ohne große Aufstiege kann man hier von den Liften aus im freien Gelände fahren.

Aber auch für die präparierten Pisten haben wir uns den idealen Begleiter geholt: einen Abfahrts-Olympiasieger, Weltmeister, heute Präsident des Vorarlberger Skiverbands, Hotelier in Oberlech und überall nur als „der Patrick“ bekannt: Patrick Ortlieb. Lorraine und Patrick kennen sich, so wie in Lech jeder jeden kennt – zusammen Ski gefahren sind sie jedoch noch nie.

In Lech geht's auf den legendären „Weißen Ring“

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Schlingerkurs. Eine Skigruppe bearbeitet den Tiefschnee am Rüfikopf

„Und, was wollen wir machen?“, fragen die beiden Skistars erwartungsvoll. Ganz einfach: Wir wollen einen perfekten Skitag. Wir fahren den Weißen Ring, eine der bekanntesten Skirunden der Alpen. Auf einer Länge von knapp 22 Kilometern sind etwa 5500 Höhenmeter zu überwinden. Das gibt’s auch als Rennen. Und wer hat wohl gewonnen ? Richtig: „der Patrick“, bis 2009 mit Streckenrekord.

„Gönd mir ufi“, wie man am Arlberg sagt. Bereits in der Gondel zum Rüfikopf zeigt sich: Lech-Zürs ist ein Hotspot für sportliche Skifahrer. Mehr als die Hälfte der Gondel-Insassen ist mit breiten Rocker-Ski und Lawinenrucksack unterwegs, der Standardausrüstung für Tiefschnee-Abfahrten. Oben angekommen, entscheidet Patrick: „Zum Aufwärmen fahren wir meine Lieblingsstrecke, den Langen Zug.“ 4,7 Kilometer lang ist die Abfahrt, und gleich zu Beginn sorgt eine brutale 50-Grad-Neigung für Respekt.

Sportliche Skifahrer schätzen Zürs

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Im Herzen der Arlberger Skiwelt liegt das kleine Skidorf Zürs

Das Freeride-Gebiet am Ochsenboden ist berauschend. Es folgt die nächste Herausforderung, denn Lorraine ist Teilnehmerin der Freeride World Tour. Hier stürzen sich Skifahrer mit mehr als 100 km/h in einer möglichst kreativen Linie in Steilwände.

Als Ausgleich zu ihrem riskanten Job spielt die Sportlerin Klavier. Ein Hobby, das für sie Parallelen zum Freeriden hat: „Meine Trails sind jedes Mal neue Kompositionen. Und wie bei einem Pianisten läuft die Technik im Unterbewusstsein ab. Ich muss sie aber trotzdem ständig schulen.“ Patrick hat die nächste Piste im Angebot: die 5,2 Kilometer lange Genussabfahrt ins Zürser Täli.

Die anschließende Madloch-Abfahrt führt 954 Höhenmeter hinunter ins idyllische Dorf Zug. Wir machen wieder einen kleinen Ausflug von der Piste weg ins Stierloch. Und da wird es dann auch für die Profis eng. Der Plan: ein Foto von Lorraine und Patrick im Tiefschnee, Seite an Seite. Durch ein Missverständnis rasen die beiden jedoch beim letzten Schwung vor dem Fotografen direkt aufeinander zu. Nur Zentimeter vor einer Kollision lässt sich Patrick blitzschnell nach hinten fallen, verändert im Fall die Richtung, steht auch schon wieder. Und sie schießen aneinander vorbei. Er kann es eben noch . . .

Nach einer kleinen Pause geht es weiter. Patrick möchte uns die wichtigste Neuheit des Skigebiets zeigen: den Auenfeldjet. Seit der Saison 2013 / 2014 ist der Skilift mit 10er-Gondeln in Betrieb und verbindet Lech-Zürs mit Warth-Schröcken. Um 60 Abfahrtskilometer ist das Skigebiet dadurch gewachsen. Neu ist auch die Flexenbahn, die seit dem Winter 2016/2017 Zürs mit Stuben und damit St. Christoph und St. Anton verbindet.

Ein Revier für Gourmets und Nachtschwärmer

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Nachtleben. Lech bietet jede Menge Après-Ski

Die Gäste kommen aus aller Welt an den Arlberg. Fast zur Hälfte aus Deutschland, aber auch aus England, den Benelux-Ländern, den USA, Russland und Tschechien – und natürlich aus Österreich. „Es heißt, wer einmal hier war, möchte nirgendwo anders mehr Ski fahren“, sagt Lorraine. An einem Tag wie heute, mit Sonnenschein und Neuschnee, mag man das gern glauben.

Wir haben den Weißen Ring, ergänzt um einige Abstecher, nun fast geschlossen. Doch kurz vor dem Ziel in Lech gibt es eine Parallelslalom-Rennstrecke. Patrick kann nicht widerstehen. Viele Skifahrer bleiben stehen und schauen fasziniert zu, wie er durch die Stangen fegt. Sie ahnen, dass in dem Skianzug kein Normalsterblicher stecken kann. Der Skitag ist zu Ende. Aber nicht der Skiurlaubstag.

Am Abend begleiten wir Patrick nach Oberlech ins Hotel Montana, das seiner Familie gehört. Die kulinarische Vielfalt der Region erstaunt. Über 20 Hauben hat der Gault-Millau aktuell an die beiden Skiorte Lech und Zürs vergeben. Doch auch in den kleineren Hotels ohne Prämierung speist man ausgezeichnet. Die Gäste sitzen an edel eingedeckten Tischen, genießen mehrgängige Menüs, dazu exzellente Weine – und träumen vom nächsten Skitag.

Info Lech-Zürs

Das Skigebiet Lech-Zürs ist als Wiege des alpinen Skilaufs bekannt. Mit durchschnittlich 11 Meter Naturschnee pro Saison ist das Skigebiet in einer Höhe von 1300 bis 2800 m das schneereichste Europas.

Fremdenverkehrsamt
Tourist-Info Lech Zürs*
Skirennen „Der Weiße Ring“
Der Weiße Ring*
ADAC SkiGuide
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ADAC Skiguide*

Hoteltipps
Hotel Zürserhof. Mondänes Ski- und Spa-Resort. Anbindung an das Skigebiet durch einen Lift direkt hinterm Haus.
Hotel Zürserhof*
Pension s´Edelweiss. Skifahrer schätzen die Nähe zum Schlosskopflift und die besondere Gastfreundlichkeit.
Pension s'Edelweiss*
Hüttentipps
Rud-Alpe. Urig, mit toller Aussicht. Spezialitäten der österreichischen Küche, gut sortierter Weinkeller. Berghütte Rud-Alpe*
Balmalp. Höchstgelegene Hütte des Gebiets. Legendäre Hüttenpizza.Sehr beliebt beim jungen Publikum.
Berghütte Balmalp*
Restauranttipps
Hûs Nr. 8: Rustikales Walserhaus aus dem 18. Jh. Traditionelle Küche. Beliebt bei Einheimischen und Gästen.
Hüs Nr. 8*Gasthaus Älpele:  300 Jahre alte Stube, traditionelle Gerichte. Beliebt im Sommer und Winter. Gasthaus Älpele*

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Text: Martin Fraas. Fotos: Enno Kapitza (4), Lech Zürs Tourismus (1).

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Diese Reportage stammt aus dem ADAC Reisemagazin „Alpen“. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des ADAC Verlags.