Rembrandt-Tour durch Amsterdam

23.5.2019

Rembrandt-Jahr 2019: Amsterdam feiert den bedeutendsten Künstler des Goldenen Zeitalters – mit Ausstellungen und Thementouren, die dem Maler und seiner Lebenswelt nachspüren.

Nieuwmarkt in Amsterdam
In dem Gebäude De Waag auf dem Nieuwmarkt befand sich einst ein Anatomietheater

Anatomiestunde am Nieuwmarkt 

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Stadtführerin in Amsterdam
Stadtführerin Chantal Hintze auf dem Rembrandtplein 

Chantal Hintze steht auf dem Amsterdamer Nieuwmarkt, hinter ihr erhebt sich ein Backsteinbau mit Rundtürmen und roten Fensterläden. Die Stadtführerin erklärt, warum ausgerechnet dieses Gebäude der Treffpunkt für unsere Rembrandt-Tour ist. "1631 zog Rembrandt als 25-Jähriger nach Amsterdam, mit dem Ziel, der berühmteste Historienmaler der Welt zu werden", sagt sie. Mehrere Zünfte, auch die Malergilde, waren damals in den oberen Geschossen des Baus untergebracht.

So begegnete der Mann aus Leiden dem angesehenen Anatom Dr. Nikolaes Tulp, der ihn beauftragte, ein Gruppenbild der Chirurgengilde bei einer Sektion zu erstellen. Schließlich betrieben die Mediziner in den Räumlichkeiten der Stadtwaage, die heute das Restaurant In de Waag* beherbergen, auch ein Anatomietheater. Jeder konnte damals gegen Geld einer Autopsie beiwohnen – Anatomiestunden waren öffentliche Spektakel. Rembrandt Harmenszoon van Rijn jedenfalls schaffte mit dem mehr als zwei Meter breiten Gemälde, das für den Versammlungssaal der Ärzte gedacht war, seinen Durchbruch.

Es gibt viele Gründe, nach Amsterdam zu reisen. Die niederländische Hauptstadt ist berühmt für ihr Nachtleben und die kulinarische Vielfalt. Museen von Weltrang und ­Kuriositätensammlungen finden sich zwischen den Grachten, außerdem sind Tulpenfelder, Windmühlen-Ensembles und die Nordsee nicht mal eine Stunde entfernt.

Der Grachtengürtel, Amsterdams historischer Stadtkern, zählt zum UNESCO-Welterbe. Mit seinen sensationell schiefen Giebelhäusern, die sich ­fotogen in den Kanälen spiegeln, ist er schon für sich einen Besuch wert. 2019 jährt sich zudem der Todestag des bedeutendsten niederländischen Malers zum 350. Mal, weshalb im ganzen Land Ausstellungen und Veranstaltungen stattfinden. In Amsterdam gibt es darüber hinaus geführte Spaziergänge auf Rembrandts Spuren.

Tipp Icon

Amsterdamer Grachtengürtel 

Karte von Amsterdam

Der Grachtengürtel – ein ausgeklügeltes Kanalsystem aus dem 17. Jahrhundert – zählt zum UNESCO-Welterbe. Hier lässt sich noch vielerorts dem Amsterdam nachspüren, das Rembrandt kannte.

Tipp: Wer zu Fuß unterwegs ist, sieht am meisten. Mit dem Fahrrad ist man in den engen, oft vollen ­Gassen ohnehin nicht schneller.

Hier finden Sie eine Stadtkarte mit den wichtigsten Orten Rembrandts* zum Download.

Rembrandts "Nachtwache" im Rijksmuseum

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Rembrand Gemälde die Nachtwache
Publikumsmagnet: Besucher vor Rembrandts "Nachtwache" 

Schon zu Lebzeiten war Rembrandt eine Art Popstar. Wer etwas auf sich hielt, ließ sich von ihm porträtieren. Wie das Bildnis der Chirurgengilde ist auch sein berühmtestes Werk, die "Nachtwache", ein Gruppenporträt. Rembrandt hat diese Gattung revolutioniert, indem er die Menschen in Aktion, statt brav aufgereiht wie auf einem Schulfoto, zeigte.

Die "Nachtwache", das wandgroße Bild einer Bürgerwehr, hängt heute im Amster­damer Rijksmuseum*. Ab Juli 2019 wird es dort öffentlich restauriert inklusive Live-Übertragung im Internet. Das Haus und sein Schatz sind eine Art Nationalheiligtum. Wer die Menschenmassen umgehen will, bucht sein Ticket online und besucht das Museum am Morgen – dann sind die Säle am leersten.

Gregor Weber, Leiter der Abteilung Bildende Kunst, gleichsam der oberste Wächter der "Nachtwache", verspricht sich viel von den kommenden Monaten. Nicht nur sei das Gemälde vergilbt, auch wolle man mehr über seine Entstehung erfahren. "Wir wissen nicht, wie Rem­brandt es gemalt hat", sagt er. "Allein? Mit Assistenten?" Weber stand bereits mit Dan Brown vor der "Nachtwache", dem Bestsellerautor, der mit einem Thriller rund um Leonardo da Vincis Werke weltberühmt wurde. Kunst­experte Weber ist sicher, dass auch Rembrandts Werk noch viele Geheimnisse bereithält.

Aufgebot an der Oude Kerk 

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Oude Kerk in Amsterdam, Niederlande
Die Oude Kerk bzw. Alte Kirche ist das älteste Bauwerk der Stadt 

Chantal Hintze, die Stadtführerin, gehört zum Team von Amsterdamliebe*, einem jungen Unternehmen, das deutschsprachige Thementouren anbietet. Das Portfolio umfasst Spaziergänge durch einzelne Stadtviertel, eine Essenstour, eine Kunst- und Designtour, auch Museumsführungen.

Die Rembrandt-Tour hat Chantal speziell für das ­Jubiläumsjahr entwickelt. Die 38-Jährige kommt aus dem Ruhrgebiet, hat in London und Marokko gelebt, seit sechs Jahren wohnt sie in Amsterdam. Sie mag das internationale Flair der Stadt und die offene Art ihrer Bewohner.

Vom Nieuwmarkt schlendern wir zur Oude Kerk*, der Alten Kirche, die sich mitten im Amsterdamer Rotlichtbezirk befindet. Für Rembrandt gehörte die Kirche zu den wichtigsten Orten. Dort ­gaben er und seine große Liebe Saskia van Uylenburgh 1633 ihre Verlobung bekannt; bis heute wird das Dokument in dem Gotteshaus verwahrt. Drei ihrer vier gemeinsamen Kinder wurden in der Oude Kerk getauft, und als Saskia mit knapp 30 Jahren starb, wurde sie dort begraben. Ihr zu Ehren findet jeden 9. März in dem mittelalterlichen Bau ein Frühstück statt, dessen Höhepunkt der Sonnenstrahl ist, der um Punkt 8.39 Uhr auf Saskias Grab fällt. So erzählt es Chantal.

Fünf Tagesausflüge ab Amsterdam

In der Umgebung der niederländischen Hauptstadt gibt es jede Menge zu entdecken 
Wasserschloss in der Nähe von Amsterdam

Schloss Muiderslot

Wasserburg aus dem Mittelalter

Das von Wasser und Gärten umgebene Muiderslot* – übersetzt Muiderschloss – befindet sich im beschaulichen Ort Muiden, rund 15 km von Amsterdam entfernt. Es zählt zu den bedeutendsten Baudenkmälern der Niederlande und beherbergt ein Museum: Zu sehen sind Rüstungen, Waffen und andere Relikte aus dem 13. Jahrhundert sowie Gemälde aus dem 17., dem "goldenen" Jahrhundert.

Anfahrt: Von Amsterdam IJburg (Tram 26 ab Centraal Station) etwa eine Stunde mit dem Boot, Tickets bei Veerdienst Amsterdam*.

 

Käsemarkt in Gouda

Käsemarkt in Gouda

Spektakel mit Käserädern und Pferdewagen vor toller Kulisse

Holland ist für Gouda-Käse berühmt. Das gleichnamige Städtchen* am Zusammenfluss von Holländischer Ijssel und Gouwe lohnt rund ums Jahr einen Besuch. Von April bis August findet auf dem Marktplatz zudem jeden Donnerstag (außer Feiertage) der Käsemarkt statt. Dort werden die Käseräder noch mit dem Pferdewagen angeliefert.

Anfahrt: Vom Amsterdamer Hauptbahnhof aus ca. 50 Minuten, Zugtickets bei der Niederländischen Bahn*.

Zaanse Schans

De Zaanse Schans

Museumsdorf mit Windmühlen und Werkstätten

Nördlich von Amsterdam liegt das Freilichtmuseum De Zaanse Schans*, in dem sich das Leben im 17. und 18. Jahrhundert in der Zaan-Region nachvollziehen lässt. Viele der historischen Häuser sind heute Museum, man kann bei der Fertigung von Holzschuhen und anderen Produkten zusehen. Die meisten Windmühlen können nur von April bis Ende September von innen besichtigt werden.

Anfahrt: Mit dem Zug 15 Minuten bis "Zaandijk Zaanse Schans", von dort noch mal 15 Minuten zu Fuß, Tickets bei der Niederländischen Bahn*.

Windmühle in Haarlem

Haarlem

Kleinstadt mit Geschichte

Im Städtchen Haarlem*, 20 km vor Amsterdam, lässt es sich wunderbar flanieren und stöbern. Individuelle Geschäfte und gemütliche Cafés säumen die Straßen. Im Goldenen Zeitalter ließen sich viele Maler von den historischen Bauwerken Haarlems inspirieren. Einige dieser Werke kann man im Frans Hals Museum* bewundern, benannt nach dem damals in Haarlem tätigen Maler.  

Anfahrt:
Mit dem Zug vom Hauptbahnhof Amsterdam ca. 20 Minuten, Tickets bei der Niederländischen Bahn*.

Strand von Zandvoort

Zandvoort aan Zee

Strand, Dünen und Meer

Westlich von Haarlem liegt der beliebte Badeort Zandvoort aan Zee*, dessen Attraktion der kilometerlange, weiße Sandstrand ist. Ein historisches Zentrum mit Cafés, Restaurants und netten Läden gibt es in dem früheren Fischerdorf auch. Die bekannte Rennstrecke Circuit Zandvoort* befindet sich direkt in den Dünen. Motorsportfans können hier sogar selbst ihr Talent am Steuer testen.

Anfahrt: Erreichbar in 30 Minuten vom Amsterdamer Hauptbahnhof, Tickets bei der Niederländischen Bahn*.

Hausbesuch bei Rembrandt 

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Museum Rembrandthuis in Amsterdam, Niederlande
Im Museum Het Rembrandthuis sieht es aus wie zu Rembrandts Zeiten  

In den engen Gassen stauen sich Menschen, langsam bahnen wir uns den Weg. Dabei fällt unser Blick auf große Verbotsschilder. Alkoholkonsum auf der Straße: 95 € Buße. Müll auf die Straße werfen: 140 €. Wild pinkeln: 140 €. Amsterdam ringt mit den Auswüchsen des Massentourismus. "Die Stadt hätte die Maßnahmen nicht eingeführt, wären sie nicht notwendig", sagt Chantal.

21 Millionen Besucher reisten 2018 in die niederländische Kapitale, die nur knapp 900.000 Einwohner zählt. Der Stadtkern zieht mit seinen Clubs und Coffee-Shops auch jede Menge Partytouristen an, die denken, hier sei alles erlaubt. "Gegen diese Art von Touristen wehrt sich die Stadt."

In der Oude Hoogstraat passieren wir das schmalste Haus Amsterdams, 2,02 Meter breit und fünf Meter tief. Es beherbergt ein uriges Teehaus mit nur einem Tisch* (unbedingt reservieren). Wir machen Station am früheren Stammsitz der Niederländischen Ostindien-Kompanie, der weltersten Aktiengesellschaft, die sich 1602 gründete. Das Goldene Zeitalter mit all dem Wohlstand, auch Rem­brandts Karriere, wäre ohne das Handelsunternehmen kaum möglich gewesen.

Die Tour führt uns noch zu weiteren Plätzen und Bauten, die von Rembrandt und seiner Zeit erzählen. Natürlich geht es auch ins Museum Het Rembrandthuis*, wo Rembrandt fast 20 Jahre lang wohnte und arbeitete. Die Räume, von der Küche bis zum Studio, wurden penibel rekonstruiert. Es ist erstaunlich, wie viel noch erhalten ist, neben der Kunst. Nur der Meister selbst scheint ein für allemal verschwunden. 1669, mit 63 Jahren, starb Rembrandt verarmt und wurde in der Westerkerk* beigesetzt – anonym.

Text: Kati Thielitz. Fotos: Mauritius Images/Magdalena Paluchowska/Mauritius, ADAC/Kati Thielitz, Shutterstock/Alexander Tolstykh/S-F/Christian Szymala, Fotolia/Verve/Olena Z/Dmitry Rukhlenko, iStock.com/Lovelypeace. Karte: ADAC Motorwelt.

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