Motorrad-Tour durch Kärnten

29.4.2019

Mit dem Motorrad über die Route 66 oder die Panamericana? Kann man machen, muss man aber nicht. Solange es den Großglockner, die Nockalmstraße und Kasnudeln gibt, reicht unserem Autor Michael Gösele ein Trip nach Kärnten.

Motorradfahrer auf der Motorradtour in Kärnten
Die Kurven und Kehren in Kärnten sind allemal besser als die unendlich langen Geraden der Route 66

Vergangenen Sommer musste ich meine Liste zu den Straßen, die ich mit dem Auto oder Motorrad unbedingt noch fahren möchte, völlig neu überarbeiten. Bucket-Liste heißt so was neudeutsch, gern mit einer 5er- oder 10er-Aufzählung: fünf Orte, die man besucht haben, zehn Gipfel, die man erklommen haben möchte, bevor man stirbt. Meine Wunschliste sah ungefähr so aus: 1. Der Pamir Highway durch Tadschikistan, 2. die Panamericana von Feuerland nach Alaska, 3. die Route 66, allein wegen des Namens, 4. hoch nach Tibet, aufs Dach der Welt, und 5. den Furkapass in der Schweiz, wegen der berühmten Autoszene aus "Goldfinger".

Den Furka konnte ich schon vor ein paar Jahren abhaken. Die anderen Ziele bleiben, seien wir ehrlich, eher ein Traum – ob aus zeitlichen, finanziellen oder sicherheitspolitischen Gründen. Wenn also nicht nördlich von Afghanistan in Richtung Indien, dann wenigstens östlich von München nach Kötschach-Mauthen über den Großglockner, der zwar nicht auf meiner Liste steht, aber immerhin als höchster Gipfel Österreichs zwischen den Bundesländern Salzburg und Kärnten.

Unbekanntes Kärnten

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Motorradfahrer auf der Motorradtour in Kärnten
Im Maltatal führt die rund 14 Kilometer lange Straße zur Kölnbreinsperre

Kärnten? Schon mal gehört, vor allem im Sommer, während man auf dem Weg nach Kroatien am Karawankentunnel im Stau steht. Wenn man dann gelangweilt und genervt aus dem Seitenfenster schaut, denkt man: eigentlich schön. Dass das leider ein wenig verkannte Bundesland über 1270 stehende Gewässer verfügt, darunter bekannte Namen wie Wörthersee, Ossiacher, Millstätter oder Faaker See, davon wissen viele nichts. Man will ans Meer, das macht sich besser auf Facebook oder Instagram.

Großglockner: Der höchste Berg Österreichs

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Strasse der Motorradtour in Kärnten
Die Großglockner Hochalpenstraße auf der Kärntner Seite

Um in die Südsee Österreichs zu kommen, wie man Kärnten durchaus bezeichnen könnte, empfiehlt sich die Großglockner Hochalpenstraße: 48 Kilometer lang, 36 Spitzkehren und dazu unzählige Kurven, die – so scheint es – von Slalomexperten gesteckt wurden. Ein griffiger Straßenbelag und der fast vollständige Verzicht auf nervige Bitumenstreifen machen dieses Stück Ingenieurskunst zu einer der besten Straßen Europas, wenn nicht gar der Welt. Das finden pro Jahr fast 300.000 Verkehrsteilnehmer, was uns zu dem Rat bewegt, diese Mautstraße entweder früh am Morgen oder kurz vor Schließung gegen Abend zu befahren.

Wie auch immer, nach der ersten Glocknerfahrt fiel die Route 66 aus der Liste, weil die Amerikaner es ja eher kurvenfrei mögen und dort auch keine Ortschaften zu finden sind, die nur annähernd so schön wie Heiligenblut klingen.

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Unsere Motorrad-Tour durch Kärnten

Karte der Motorradtour in Kärnten

Die gefahrene Strecke ist 314 Kilometer lang. Dabei überwindet man rund 16.000 Höhenmeter. Die Tour dauert etwa fünf bis sechs Stunden.

Weitere Touren in Kärnten finden Sie auf dem Offiziellen Tourismusportal Kärnten*

Nockberge statt Himalaya

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Kühe auf der Weide in Kärnten
Kühe an der Eisentalhöhe (Nockalmstraße) genießen ihr Dasein

Fährt man über Lienz und Spittal weiter in den Biosphärenpark Nockberge, zur sogenannten Nockalmstraße, wird Tibet aus dem Kopf radiert. Gut, die Nockberge sind maximal 2400 Meter hoch und können mit dem Himalaya kaum mithalten, dafür atmen Mensch und Maschine vernünftige Mengen an Sauerstoff und der Magen wird kulinarisch mit Nocken in fast allen Zubereitungsarten verwöhnt.

Zwischenstopp mit Kärntner Kasnudeln

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Rast während der Motorradtour in Kärnten
Pause am Gasthof Fuscherlacke in Kehre 7 auf der Großglocknerstraße

Von Kärnten aus sind es nur wenige Kilometer zu einem echten Friauler Schinken oder einer Bujta Repa, dem famosen slowenischen Rübeneintof, sodass umgehend auch die Panamericana von der Liste verschwindet, die für Normalsterbliche ohnehin viel zu lang ist und weil es Kärntner Kasnudeln, wie sie Wirtin Brigitte im Kötschach-Mauthener Birkenhof auf wunderbare Weise serviert, in Amerika eh nicht gibt.

Bleibt der Pamir Highway. Einen Traum sollte sich der Mensch bewahren. Und wenn er nicht in Erfüllung geht, auch wurscht. Dafür gibt es ja den Glockner. Und die Nockberge. Das Maltatal und den Pragser Wildsee. Und Knödel, eh klar. Alles auf meiner Liste jetzt!

Text: Michael Gösele. Fotos: ADAC Reisemagazin/Rasmus Kaessmann. Karte: ADAC Reisemagazin.

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