Miesbach: Trachten, Tradition und Tegernsee

24.3.2020

Kennzeichen MB: Miesbach ist das Musterbeispiel für ein Städtchen in Oberbayern. Hier führen verwinkelte Gassen zum schönen Marktplatz, hier lebt die Tradition von Tracht bis Weißbier. Tipps für Touren, Schmankerl, Ausflüge an Schliersee und Tegernsee

 

Kennnzeichenserie Miesbach Aufmacher

Vom Grünen Markt zum ältesten Gasthof

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Kennzeichenserie Miesbach
Durchblick: Vom Miesbacher Marktplatz aus geht's immer bergauf 

Der Landkreis Miesbach zählt zu den teuersten Immobilienstandorten Deutschlands, sein Kennzeichen MB gilt auch fürs landschaftlich besonders reizvolle Tegernseer Tal mit der hohen Promi-Dichte. Doch die kleinste Kreisstadt Oberbayerns hat ihre Ursprünglichkeit bewahrt.

"Miaschboch", rund 50 Kilometer südlich von München am Alpenrand, ist noch immer ein beschaulicher Ort. Am historischen Marktplatz zieht der Grüne Markt jeden Donnerstag viele Besucher an. Hier gibt's Biogemüse und Käse ebenso wie Gewürze und Pflanzen unterm weiß-blauen Maibaum. Nach dem Einkauf kehren Einheimische und Besucher ein im Bräuwirt*, seit über 350 Jahren am Marktplatz und damit einer der ältesten Gasthöfe im Oberland – mit eigener Metzgerei.

Tipp Icon

Steckbrief: Miesbach

Einwohnerzahl: rund 12.000 
Bundesland:
Bayern
Sprache:
Oberbayerisch
Lage:
rund 50 km südlich von München
Tourist-Info
* Waitzinger Keller, Kulturzentrum Miesbach, Schlierseer Str. 16, 83714 Miesbach Alpenregion Tegernsee Schliersee*

Kleine Gassen auf Flussterrassen

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Kennzeichenserie Miesbach
Aufstieg: Gassen wie der Lebzelterberg führen zum Stadtplatz

Die Wurzeln des Marktortes reichen zurück bis ins Mittelalter, gewachsen ist er auf mehreren Flussterrassen der Schlierach. Deshalb führt der Stadt-Spaziergang vom Marktplatz aus nun immer ein wenig weiter nach oben, durch verwinkelte Gassen mit kleinen Läden und über Treppen zum Stadtplatz mit der Pfarrkirche und den ältesten Häusern des historischen Kerns.

Jugendstilpracht über dem Brauereikeller

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Kennzeichenserie Miesbach Waitzinger Keller
Schmuckstück: Der Jugendstilsaal im Kulturzentrum Waitzinger Keller

Auf der obersten Flussterrasse liegt die neuere Innenstadt mit dem Waitzinger Keller*. 1877 ließ die tatkräftige Brauereichefin Susanna Waitzinger hier eine Kellerhalle errichten. Die Geschäfte liefen gut, 1905 entstand über den Gewölben ein Saal, der jahrzehntelang für Großveranstaltungen genutzt wurde.

Doch in den 1970er Jahren musste das Haus wegen Baufälligkeit geschlossen werden. Nach langjährigen Verhandlungen kaufte die die Stadt das Gelände, 1997 wurde der renovierte Waitzinger Keller mit seinem denkmalgeschützten Jugendstilsaal wiedereröffnet als Kulturzentrum mit Tourist-Info. Auch das 100jährige Jubiläum der Stadterhebung 1918 wurde hier gerade groß gefeiert.

Schalk, Scheibling und Hirschlederne

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Kennzeichenserie Miesbach Tracht
Prachtgewand: Miesbacher Tracht wird an Festtagen getragen – und im Alltag

Bei Festen sind Trachtler hier auf jeden Fall mit von der Partie. Miesbach gilt als "Wiege" der bayerischen Trachtenbewegung: 1859 entstand hier die "Gesellschaft Gemütlichkeit" als erster Verein, der sich um den Erhalt der heimischen Tracht bemühte – als direkter Vorläufer des heutigen Miesbacher Trachtenvereins*. Der ist aktiv bei vielen Veranstaltungen vom Adventssingen bis zur Trachtenwallfahrt.

Auch die Jugend ist stark vertreten, zum Beispiel, wenn das Schuhplatteln zur Wettkampf-Disziplin wird: Beim "Preisplatteln" geht es darum, möglichst fehlerfrei und im Takt der Musik zu platteln, dabei drehen sich die Dirndln um die Burschen. Und die Miesbacher Tracht wurde zum Inbegriff des bayerischen Traditionsgewands: Mieder und Schalkkleid für die Frauen, Lederhose und Lodenjoppe für die Männer, dazu Schnür- und Scheiblingshut.

Aber auch werktags tragen viele "Miaschbecker" nach wie vor Tracht – und das nicht erst seit Oktoberfest-Dirndl und Lederhosen deutschlandweit total angesagt sind. Geschäfte und Handwerksbetriebe in der Innenstadt bieten hochwertige Trachtenmode aus heimischem Material und eigener Herstellung – bis hin zur Hirschledernen als lebenslangem Begleiter.

Die Heimat des Fleckviehs

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Kennzeichenserie Miesbach Kuh
Alpen-Kuh: Viehzucht spielt in Miesbach weiter eine große Rolle 

Noch eine bayerische Berühmtheit hat hier eine lange Geschichte: Schon im 16. Jahrhundert wurden Viehmärkte in Miesbach erwähnt. 1837 begann ein Wirt mit der Zucht des Miesbacher Fleckviehs, nachdem er die ersten Simmentaler Rinder aus dem Berner Oberland zu Fuß über 400 km hierher getrieben hatte.

Anschließend verbreitete sich die neue Rinder-Rasse im ganzen Land. Heute gehören 1800 Betriebe zum Zuchtverband Miesbach*, die großen Viehmärkte in der Oberlandhalle sind von überregionaler Bedeutung – und ein Erlebnis auch fürs Publikum.

Weißbier und Weißwurst

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Kennzeichenserie Miesbach  Weißwurst
Schmankerl: Weißwurst und Weißbier – aus heimischen Traditionsbetrieben

Mitten im bayerischen Oberland darf das Bier natürlich nicht fehlen. In Miesbach gibt es noch eine Traditionsbrauerei seit über 95 Jahren: Hopf* produziert zwölf Weißbiersorten in preisgekrönter Qualität mit so speziellen Namen wie Muospacher Bockfotzn, Sauberne Schixs oder Bluat vo da Gams.

Zum Weißbier passt die Weißwurst. Auch die wird in Miesbach gemacht, zum Beispiel seit über 75 Jahren und in dritter Generation von der Metzgerei Holnburger*, heute ein mittelständisches Unternehmen.

Stille am Schliersee

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Stilles Wasser: Schliersee bietet sich nicht nur im Sommer für Ausflüge an

An den kleinen und stilleren Nachbarn des Tegernsees geht es zum Wandern. So läuft man etwa gemütlich vom Ort Schliersee zur bewirtschafteten Schliersbergalm* auf 1060 Meter, mit Seeblick unterwegs. Auch eine Seilbahn führt hinauf. Im Sommer lockt das Strandbad.

Auf eine Bühnen-Tradition seit 1892 blickt das Schlierseer Bauerntheater*. Und mit seinem Freilichtmuseum* will der Schlierseer Ski-Olympiasieger Markus Wasmeier auch dafür sorgen, dass "die Kinder wissen, dass Kühe nicht lila sind". Im altbayerischen Museumsdorf arbeiten Handwerker vom Edelweißschnitzer bis zum Schmied.

Wer lieber abseits der Seeufer eine kleine Kaffeepause einlegen will, fährt durchs Leitzachtal nach Fischbachau ins traditionsreiche Cafe Winklstüberl*, berühmt für seine großen Torten- und Kuchenstücke und die Sammlung von über 600 Kaffeemühlen.

Tegernsee: Luxus und Lederhose 

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Kennzeichenserie Miesbach Tegernsee
Logen-Plätze: Am Tegernsee gibt es Alpen-Idyll im großen Stil

Zu jeder Jahreszeit lohnt sich auch der Ausflug an den Tegernsee, schießlich ist dort im Tal ja nicht von ungefähr die Prominenz zuhause. Der Blick auf den See ist an vielen Orten zauberhaft, ob unten am Schloss oder oben am Wallberg*. Und natürlich auch von feinen kulinarischen Adressen wie dem Leeberghof* oder Freihaus Brenner*.

Text: Andrea Steichele. Fotos: Dietmar Denger (3), PR (2), iStock (3).

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