Lüdinghausen: Burgen, Wasserwege und Rosen

22.11.2018

Kennzeichen LH: Lüdinghausen im südlichen Münsterland ist wunderbar entspannt. Neben drei Wasserburgen und der historischen Altstadt gibt es herrliche Parkanlagen zu erkunden. Plus: Tipps für Touren und Gourmet-Adressen

ADAC Kennzeichenserie Lüdinghausen

Schießscharten, Kettenhemden und ein Dornen-Halsband

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Burg Vischering in Lüdinghausen
Ritterlich: Ein Besuch auf Burg Vischering gleicht einer Zeitreise

Das Städtchen Lüdinghausen, 20 km südwestlich von Münster gelegen, wartet mit drei Wasserburgen auf. Die mittelalterliche Burg Vischering*, ausgestattet mit Zugbrücke, Schießscharten und Wehrgängen, zählt zu den schönsten Anlagen ihrer Art in Westfalen. Im Innern ist das Münsterlandmuseum untergebracht. Die Ausstellung zeigt romantische Ritter-Relikte wie etwa das Himmelbett des Heidenreich Droste zu Vischering und seiner Frau Jaspar, das mit kunstvollen Reliefschnitzereien verziert ist.

Star des Museums ist allerdings ein eisernes Dornen-Halsband: Das sechseckige Foltergerät, das innen mit vier spitzen Zacken besetzt ist, sollte den sturen Ritter Lambert von Oer im Jahr 1520 dazu bewegen, in einer erbitterten Fehde um Liegenschaften einzulenken. Ein Münsteraner Schmied konnte den Mann jedoch befreien – die Streitigkeiten dauerten weitere acht Jahre an. Übrigens gibt's im Museum einen Extra-Bereich für Kinder, die dort u.a. austesten können, wie schwer ein Kettenhemd ist.

Auch die Renaissanceburg Lüdinghausen* direkt am Stadtpark lohnt einen Besuch. Führungen durch Haus Kakesbeck, den einstigen Wohnsitz von Ritter Lambert nördlich des Stadtzentrums, sind auf Anfrage in der Tourist-Info* möglich. 

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Steckbrief: Lüdinghausen

Einwohnerzahl: 24.550 (Stand: 2017)
Bundesland: Nordrhein-Westfalen 
Besucher pro Jahr: 21.180 Übernachtungen (2017) 
Sprache: Hochdeutsch und Platt 
Berühmte Persönlichkeit: Bettina Schausten, Journalistin und TV-Moderatorin 
Tourist-Info*: Borg 4, 59348 Lüdinghausen

Altstadt: Einfach mal blaumachen 

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Borgmühle in Lüdinghausen
Historisch: Die Borgmühle in der Innenstadt wurde im Jahr 1406 erbaut

Giebelhäuser, Fachwerk, Kopfsteinpflaster: Die Altstadt von Lüdinghausen hat dank ihres Baubestands fast schon dörflichen Charakter. In den Gassen rund um den Marktplatz gibt es liebevoll gestaltete Geschäfte und Cafés. Ein beliebtes Fotomotiv ist die Borgmühle, 1406 als Kornmühle errichtet. In dem Gebäude befindet sich heute die Pizzeria "Pizza Flizza"*.

In der Blaudruckerei*, Münsterstraße 51, wird noch das historische Drucken mit Indigo praktiziert, das im Mittelalter als Hexerei verschrien war. Im Anschluss an den Besuch bietet sich ein Stück Kuchen im gemütlichen Café Indigo* an. Nicht verpassen sollte man außerdem das Hakehaus in der Wolfsberger Straße, ein im Jahr 1648 von Friedrich Hake gestiftetes Armenhaus. Der urige Fachwerkbau ist das älteste weltliche Gebäude in Lüdinghausen. Von dort ist es nicht weit zur Hermannstraße, wo ein Mahnmal an die einstige Synagoge und die im Dritten Reich nahezu ausgelöschte jüdische Gemeinde Lüdinghausens erinnert.

Sehenswert ist auch die spätgotische St. Felizitas-Kirche*: Der 70 Meter hohe Turm steht auf zwei mächtigen Rundpfeilern, die als die dicksten Sandsteinsäulen Europas gelten (Umfang 7,42 Meter). Kirchturmführungen sind über die Tourist-Info* buchbar.

Westfälische Küche: Pfefferpotthast, Töttchen & Co 

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Potthast
Herzhaft: Westfälischer Pfefferpotthast

Speck, Schinken, Kartoffeln, Eier, Fleisch und Pumpernickel prägen die westfälische Küche. Viele traditionelle Spezialitäten haben klangvolle Namen: Beim Töttchen etwa handelt es sich um ein Ragout aus verschiedenen Teilen vom Kalb, angerichtet in heller Soße und mit scharfem Senf gewürzt. Hinter dem Namen Pfefferpotthast wiederum verbirgt sich ein Rindergulasch, in einem "Pott" gekocht und mit reichlich Pfeffer abgeschmeckt. Beide Gerichte werden in vielen Restaurants in Lüdinghausen und Umgebung serviert.

Im Traditionsgasthaus Mutter Siepe* im Lüdinghauser Stadtteil Seppenrade sind Kreationen vom Lamm die wahre Spezialität – der Familienbetrieb hat eine eigene Schafzucht.

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Von AUR bis ZP: Unsere große Kfz-Kennzeichen-Serie 

Verschiedene deutsche Autokennzeichen

Mehr als 700 Kennzeichen gibt es in Deutschland. In unserer Serie nehmen wir Sie mit auf eine Reise durch die Republik: von AUR wie Aurich bis ZP wie Zschopau. Wir präsentieren kleine und große Städte, die man oft nur vom Nummerschild-Raten kennt und geben Tipps für einen schönen Tag vor Ort.

Hier finden Sie die Übersichtsseite unserer Kfz-Kennzeichen-Serie

Seppenrade: Wo die Rosen blühen

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Rosengarten in Lüdinghausen
Sommerliche Blütenpracht: Der Rosengarten in Seppenrade

24.000 Rosen wachsen auf dem knapp zwei Hektar großen Gelände: Bodendeckerrosen, Beetrosen, See-, Strauch- und Kletterrosen. Besucher können durch den Park flanieren und auf zahlreichen Bänken entspannen. Der Lüdinghauser Stadtteil Seppenrade trägt seit 1972 den Beinamen "Rosendorf". Gepflegt wird der Rosengarten* von ehrenamtlichen Kräften, den sogenannten Rosenfrauen und -männern. Die Anlage ist ganzjährig geöffnet. Hochsaison ist von Juni bis Ende August.

Schon 1895 machte Seppenrade Schlagzeilen, als in einem dortigen Steinbruch der bisher größte Ammonit der Welt entdeckt wurde. Der Koloss hat einen Durchmesser von etwa 1,74 Meter und wiegt 3,5 Tonnen. Ein Abguss des kreidezeitlichen Weichtiers, das vor rund 80 Millionen Jahren lebte, steht in der Ortsmitte. Das Original ist im LWL-Museum für Naturkunde* in Münster zu sehen.

Kanutour auf der Stever

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Kanufahrt in Lüdinghausen
Treiben lassen: In Lüdinghausen bietet sich eine Tour auf der Stever an 

Lüdinghausen ist von Wasser geprägt: Neben dem Dortmund-Ems-Kanal fließt das Flüsschen Stever durch die Stadt. Bei einer Kanutour lässt sich ganz entspannt die Münsterländer Parklandschaft entdecken, in der sich auch Silber- und Graureiher, Eisvögel, Gänse und Störche wohlfühlen. Stopps an den Burgen Vischering und Kakesbeck sind ebenfalls möglich.

Kanus können direkt an der Anlegestelle Ricordo* ausgeliehen werden. Noch ein Tipp für Weinliebhaber: Neben der Anlegestelle bietet das Ricordo, eine Mischung aus Gasthaus und Weinmarkt, auch Weinproben auf der Stever an.

Für Fahrradtouren ist das Münsterland ohnehin prädestiniert: Insgesamt 4500 Kilometer Radwege führen durch die Region. Räder können bei der Tourist-Info* ausgeliehen werden, dazu gibt's Infos zum Wegenetz und den verschiedenen Themenrouten.

 

Text: Kati Thielitz. Fotos: StockFood/Jo Kirchherr, imago/blickwinkel, PR (3).

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