Urlaub & Unterhaltung

Im Land Rover Discovery durch Peru

13.11.2017

Sauber asphaltierte Straßen, gute Infrastruktur, Fünf-Sterne-Hotels? Wer das erwartet, ist in weiten Teilen Perus fehl am Platz. Alle Anderen können in Südamerika einiges erleben. Autor Michael Gebhardt begleitete die Land Rover Experience Tour durch die Anden – ein Abenteuer der ganz besonderen Art. Plus: Reisetipps für Peru

Land-Rover-Karawane in den endlosen Weiten der Nazcar-Wüste

„Da kommt ihr nicht weiter, die Straße ist dicht!“ Meine Spanischkenntnisse sind zwar spärlich, doch was uns die Einwohner des kleinen Bergdorfes, irgendwo in den peruanischen Anden sagen wollen, verstehe sogar ich: Nichts geht mehr. Ein Erdrutsch hat die einzige Verbindungsstraße verschüttet, nun stehen rund 15 Land Rover Discovery vor einer unüberwindbaren Hürde. Unser Expeditions-Tross auf der einen Seite, der Camping-Platz, und mit ihm die Aussicht auf ein warmes Abendessen, auf der anderen.

Angefangen hat das Abenteuer „Land Rover Experience“ zwei Tage zuvor, in der Küstenstadt Pisco, die je nach Verkehr gut anderthalb bis vier Autostunden südlich von Perus Hauptstadt Lima liegt. Gleich nach Sonnenaufgang haben wir unsere noch strahlend weißen Autos bepackt: 40 Liter Benzin-Reserve, Ein-Mann-Zelte, Klappspaten, zwei Ersatzräder, reichlich Wasser und ein Offroad-Navi, in dem eine gut 800 Kilometer lange Route gespeichert ist. Unser Zeitplan für die Strecke: vier Tage.


Wilde Fahrt im Wüstensand

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Muss man sich trauen, einfach rollen zu lassen, sonst bleibt man stecken

Von Pisco aus geht’s nach Ica in Richtung Wüste. Obwohl hier für peruanische Städte so gut wie nichts los ist, lernen wir schnell, dass die Straßenverkehrsordnung im Andenstaat nicht unbedingt gilt. Vorfahrt hat hier keineswegs, wer grün hat – sondern der Stärkere, Schnellere oder der mit der lauteren Hupe. Selbst an einem Sonntagvormittag schaffen es die Nachfahren der Inkas, in einer Stadt mit 200.000 Einwohnern ein Gewusel aufkommen zu lassen, das die Rushhour in Berlin oder Hamburg wie einen Verkehrsübungsplatz erscheinen lässt.

Endlich verlassen wir Hauptstraße und stehen nach nur wenigen Minuten mitten in der Nazcar-Wüste. Für diesen Trip muss aber selbst an einem Geländegänger wie dem Discovery Luft aus den Reifen gelassen werden. Denn so vergrößert sich die Auflagefläche der Räder, und sie graben sich nicht so schnell ein. Der Discovery schwimmt jetzt förmlich auf dem Sand. Die bis zu 80 Meter hohen Dünen rauf und runter, mit spielender Leichtigkeit dank des permanenten Allradantriebs und der Geländeuntersetzung – und mit ein wenig Glück natürlich auch. Selbst die Guides fahren sich manchmal fest. Doch mit vereinten Kräften und langen Abschleppseilen kommt jeder schnell wieder weiter.

Dass den Autos das stundenlange Sandgewühle aber auch zu schaffen macht, zeigen erste Ausfallerscheinungen: Bei manch einem Wagen hat das Terrain-Response-System den Dienst quittiert – die Land Rover Gelände-Wunderwaffe, die mit zahlreichen Fahrprogrammen von Autobahn bis Geröll alle elektrischen Helfer auf die bevorstehende Aufgabe einnordet. Umso erstaunlicher: Selbst wenn der Computer dem Discovery vorgaukelt, er sei auf der Autobahn unterwegs, schafft er es, sich bis zu unserem Nachtlager an der Pazifikküste durchzuschlagen. Respekt!

Nach der Wüste ab in die Berge

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In der grandiosen Landschaft wirken selbst Geländewagen winzig klein

Während das Gros der Expeditionsmannschaft am Strand die Zelte aufschlägt und frische Ceviche (roher, mit Limettensaft marinierter, Fisch) genießt, verarztet der mitgereiste Mechaniker-Stab sämtliche Wehwechen der Autos. Die zweite Etappe führt raus aus der Wüste und ab in die Berge, wo vor allem eine gute Luftfederung gefragt ist.

Auf den endlosen Serpentinen legt einem die Natur zahlreiche Steine in den Weg, die selbst ein Offroader nur maximal hochgebockt überwinden kann. Im Schritttempo erklimmen wir Höhenmeter um Höhenmeter, und trotz höchster Konzentration muss der Konvoi mehrfach anhalten – zum Reifenwechseln. Die Geröllbrocken schlitzen jeden Pneu auf, der ihnen zu nahe kommt. Vorteil der Pausen: Wir haben Zeit den Sonnenuntergang zu bestaunen, der die Anden in ein feuerrotes Licht taucht.

Spätabends erreichen wir den Campingplatz in Chavin. Anders als in der Wüste gibt es hier Toiletten und sogar eine Dusche. Nur: Das Wasser ist gerade aufgebraucht. Also bleibt es auch an Tag zwei bei rudimentärer Katzenwäsche. Dafür aber erleben wir auf 3200 Metern Höhe etwas, was viel mehr Wert hat: Die Herzlichkeit der Dorfbewohner, die uns in ihrer farbenfrohen Tracht mit Musik und Tanz empfangen und dann auch noch mit köstlichem Ziegeneintopf verwöhnen.

Auf 4700 Metern Höhe wird der Sauerstoff knapp

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Spitze Steine bohren sich schnell in den Reifen – gut, wer Ersatzräder dabei hat

Viel Zeit zum Feiern bleibt nicht. Zu erschöpft sind wir von der Tour und fallen kurz nach dem Abendessen in die Schlafsäcke. Schließlich heißt es gegen 5.30 Uhr wieder: Zelte einpacken. Etappe drei führt uns auf bis zu 4700 Meter Höhe und damit in eine Region, in der der Sauerstoff knapp, aber die Aussicht großartig ist. Mit jedem Meter verändert sich die Natur, die schroffen Felsen wechseln minütlich ihre Farben, Bäume und Sträucher werden von Moosen und Flechten verdrängt, hier und da knabbern Lamas an den Resten der spärlichen Vegetation.

Ein wildromantisches Abenteuer bis uns gut 30 Kilometer vor dem nächsten Tagesziel dann die anfangs erwähnte Hiobs-Botschaft des nächtlichen Erdrutsches erreicht. Aus den einfachen Häusern links und rechts des Río Cañete kommen die Bewohner zusammen, um den seltsamen Tross zu begutachten, der in ihrem Dorf einen Zwangsstopp einlegt. Fotos werden gemacht, und einer nach dem anderen will eine Runde im Discovery mitfahren. Doch wir müssen weiter, irgendwie auf die andere Seite der natürlichen Straßensperre. Umfahren dauert zu lange. Die einzige Lösung: Mitten durchs Geröll. Mit vereinten Kräften werden die größten Hindernisse beiseite geräumt und ein Discovery nach dem anderen zentimetergenau durch den Erdwall dirigiert. Schließlich kann der Tross in Tana sein Zeltlager aufbauen – in der Schule, die der Direktor für uns zum Campingplatz umfunktioniert hat.

Keine Luft und keine Leistung

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Wie gemalt: Ein Alpaka (rechts unten) vor den rot-braunen Felsen der Anden

Dann unser letztes Ziel: die Bergstadt Huancayo. Wieder passieren wir mächtige Viertausender, durchqueren tiefe Schluchten, schauen Alpacas beim Grasen zu – und versuchen, die V6-Motoren irgendwie am Laufen zu halten. Nicht nur der Mensch wird hier oben kurzatmig. Auch die Verbrennung im Motor hat mit der sauerstoffarmen Luft zu kämpfen, und an der letzten Tankstelle ging auch noch der gute Sprit zur Neige. Die stattdessen eingefüllte, nicht ganz reine 90-Oktan-Mischung macht den hochgezüchteten Triebwerken zusätzlich zu schaffen: Von 340 PS ist nicht mehr viel zu spüren. Statt auf den letzten Kilometern Strecke zu machen, schaukeln wir also gemütlich durch die Anden – und genießen die sprichwörtlich atemberaubende Landschaft.


Reisetipps für Peru

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Auf dieser ca. 800 km langen Strecke (blau) war Michael Gebhardt unterwegs

An- und Einreise
Wer von Deutschland aus nach Peru reisen will, muss fast immer umsteigen: Die Lufthansa fliegt in Südamerika unter anderem Rio und Sao Paulo an, alternativ bieten KLM und Air France Direktflüge nach Lima von Amsterdam und Paris aus. Ein Visum ist für Bundesbürger nicht vorgeschrieben, es reicht, im Flugzeug eine Touristenkarte auszufüllen. Wer nach der etwa zwölfstündigen Anreise nicht gleich zu einer Rundreise aufbrechen und lieber die erste Nacht in der Hauptstadt verbringen will, sollte sich ein Hotel in den Vororten Miraflores oder Barranco am Pazifik nehmen. Sie sind vom Flughafen leichter erreichbar und hübscher als die Innenstadt Limas, die von dort aus per Bus zu erreichen ist.

Reisezeit
Peru liegt auf der Südhalbkugel der Erde, das heißt: Wenn bei uns Sommer ist, ist dort Winter. Beginnt bei uns der Herbst, freuen sich die Peruaner auf den Frühling. Die Regenzeit in den Anden geht etwa von Ende Oktober bis April. Wer nach Cusco beziehungsweise zum Machu Picchu reisen will, sollte diese Jahreszeit meiden. Heftige Regenfälle sorgen häufig für Erdrutsche und gesperrte Straßen.

Unterwegs in Peru
Der Verkehr in Peru ist eine Herausforderung. Wer sich einen Mietwagen nimmt, sollte Wert auf einen umfangreichen Versicherungsschutz legen. Viele Gebiete sind nur mit Allradfahrzeugen mit ausreichend Bodenfreiheit zu erreichen. Die Reiseroute sollte man sich zuvor auf einer detaillierten Karte genau ansehen; Kartendienste wie Google Maps kennen die meisten der kleinen Dörfer nicht. Hier hilft ein Offroad-Navi weiter, das mit Koordinaten arbeitet. In der Wüste ist ein lokaler Guide unumgänglich.  

Wer sich abseits der Hauptstraßen bewegt, sollte genügend Treibstoff und Wasser mit sich führen – auch ein Zelt kann nicht schaden. Tankstellen, Supermärkte und Pensionen/Hotels sind in vielen ländlichen Gebieten rar. Das Mobilfunknetz ist relativ gut ausgebaut, allerdings funktioniert oft nur die Telefonverbindung; das mobile Datennetz ist meist nur in größeren Städten verfügbar.

Sprache
Die Landessprache in Peru ist Spanisch. Mit Englisch kommt man in der Hauptstadt Lima und den größeren Städten weiter – auf dem Land dagegen nicht.

Geld
Die Landeswährung in Peru ist der Nuevo Sol (PEN), 1 Euro entspricht aktuell ca. 3,80 PEN. Vielerorts wird allerdings auch der US-Dollar als Zahlungsmittel und auch Kreditkarten werden in größeren Ortschaften häufig akzeptiert. Im ländlichen Raum kommt man um Bargeld nicht herum.

Gesundheit
Zumindest bei der Einreise aus Deutschland gibt es keine vorgeschriebenen Impfungen. Trotzdem sollten sich Perureisende neben den Standardimpfungen wie Diphterie, Polio und Tetanus nach Absprache mit dem Hausarzt auch gegen Hepatitis, Typhus, Cholera und/oder Tollwut impfen lassen. Je nach Reisegebiet ist außerdem ein Impfschutz gegen Gelbfieber empfehlenswert. Malaria-Prophylaxe ist nicht zwingend nötig, wer in Risikogebiete reist, sollte aber vorsorglich Medikamente einpacken. Vor allem in den Gebieten östlich von Cusco (in Richtung Amazonas) sollte auf ausreichenden Mückenschutz geachtet werden.

Ungeschältes Obst und Speisen von Straßenhändlern sollten Reisende genauso meiden wie Eiswürfel und Leitungswasser. Selbst zum Kochen empfiehlt sich gekauftes Wasser aus Flaschen: Ab einer Höhe von rund 3000 Metern, die in den Anden schnell überschritten wird, kocht Wasser schon bei ca. 85 Grad und nicht alle Bakterien werden dabei abgetötet. Apropos Höhe: Die Höhenkrankheit kann jeden Reisenden treffen, unabhängig von Alter oder Fitness. Wichtig ist deshalb, sich in der Höhe nicht zu überanstrengen und ausreichend zu trinken. Wer unter Übelkeit oder Kopfschmerzen leidet, kann zu speziellen Medikamenten greifen – oder einem alten peruanischen Geheimrezept vertrauen: Koka-Blätter kauen oder Koka-Tee trinken. Beides darf in Peru legal konsumiert werden.

In den ADAC Länderinfos zu Peru finden Sie viele weitere Informationen.

Text und Fotos: Michael Gebhardt.

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