Reise & Freizeit

Kroatien: Inselhopping auf zwei Rädern

Bike an Bord: Mit dem Motorsegler vor Kroatiens Küste kreuzen und dann per Rad zum Landausflug starten – so lassen sich Sporturlaub und Reisegenuss verbinden

"Dobar dan!“, ruft uns eine alte Bäuerin mit zahnlosem Lachen und wedelndem Krückstock hinterher, als wir an ihrem Haus vorbeirollen. Und ich denke: Blühende Lavendelfelder, warme Sonnenstrahlen, in der Ferne ein Strand an türkisblauem Meer – einen „guten Tag“, den werden wir wohl haben. Mit zehn weiteren Mountainbikern trete ich bei der Einfahrtour unseres Adria-Abenteuers erwartungsvoll in die Pedale. Das erste kroatische Eiland unter unseren Stollenreifen: Hvar. Am Vortag waren wir aus der UNESCO-geadelten Hafenstadt Trogir in See gestochen, 30 km westlich von Split. Auf einer Acht-Tage-Route wollen wir die Inseln Süddalmatiens entdecken. 

Vom Schiff auf den Fahrradsattel: Eine geniale Kombination

Unser schwimmendes Hotel ist ein Zweimast-Motorsegler – nicht mit kleinen Schlafkojen, sondern 14 komfortablen Doppelkabinen samt Bad. Und mit einem riesigen Sonnendeck. Doch am ersten Morgen zieht es uns nicht auf die Liegestühle, sondern auf die Fahrradsättel. „Viel Spaß, Schatz! Bis später!“, gibt Miriam ihrem Mann Gunther mit auf den Weg, nachdem wir am Hafen einen ganzen Haufen verschiedenster Fahrräder ausgeladen haben. Die Sportlich-Abenteuerlustigen unter uns wollen per Mountainbike die schmalen Trails der Insel erkunden – so wie ich. Andere schließen sich der gemütlicheren Trekkingrad- und Pedelec-Gruppe an und lassen sich die Inselwelt auf ruhigen Asphaltstraßen und breiten Forstwegen zeigen – wie Miriam. „Kein Grund für Abschiedsschmerz, zum Mittagessen treffen wir uns wieder“, witzelt Trekking-Guide Bruno. Und so strampele ich kurz darauf mit meinen Gleichgesinnten durch Hvars duftende, hügelige Lavendelfelder. 

„Dass uns Einheimische wie die alte Dame nicht für Verrückte halten – das war nicht immer so“, kommentiert Mountainbike-Guide Sascha schmunzelnd den Gruß der Bauersfrau. 1999 hat der Kroate mit deutschen Partnern die ersten Boot-&-Bike-Touren ins Leben gerufen. „Fahrräder galten in Kroatien traditionell als reine Transportmittel – für Menschen, die sich kein Auto leisten können“, erzählt er. „Aber in den letzten Jahren haben immer mehr Leute den Spaß am Radfahren entdeckt. Inzwischen gibt es eine richtige Bikerszene.“

Ausblicke zum Schwelgen

Nach einer entspannten Schiffsüberfahrt am Nachmittag – und Zeit, auf dem herrlichen Sonnendeck die Gedanken fliegen zu lassen – liegt uns am nächsten Morgen die Insel Vis zu Füßen. Zwar ist die Vegetation aller süddalmatischen Inseln recht ähnlich (Kiefern, Steineichen, Olivenbäume und Macchia), und auch die Mountainbike-Trails haben einen ähnlichen Charakter (eher steinig-geröllig als wurzelig). Dennoch besitzt jedes Eiland seinen eigenen Charme und bleibt mit besonderen Erlebnissen in Erinnerung. 

Die traumhaften Ausblicke auf das in der Sonne glitzernde Meer bei der Fahrt  in den mittelalterlichen Hafenort Komiža zum Beispiel, auf gesicherten Touren mit unserem Guide. Und kulinarisch unvergesslich: der Mittagstreff aller Rad-Gruppen bei Roki’s, einem urigen Agrotourismushof. An langen Holztafeln schlemmen wir unter freiem Himmel Tintenfisch, Süßkartoffeln, Lamm und Gemüse. Alles hat Wirt Roki stundenlang in der „Peka“ gegart, einer großen Eisenschale, die mit heißer Asche bedeckt wird. Regelrecht erschöpft von diesem Mahl liege ich danach im Gras. „Ich sehe Ansätze von ‚fjaka‘“, grinst Guide Sascha, „das steht in Dalmatien nicht nur für Faulenzen oder Genießen, sondern auch für einen besonders gemütlichen Lebensstil.“ Offensichtlich hat der schon wunderbar abgefärbt.

Die Mischung aus Biketouren durch mediterrane Landschaft, Segelerlebnis, Entspannung an Deck, Badestopps in Buchten und Bummeln durch kleine Hafenorte ist für mich genau die richtige Urlaubskombination. Zudem warten auf jeder Insel Entdeckungen. So ernenne ich auf Brač den Vidova Gora (mit 778 m die höchste Erhebung aller kroatischen Inseln) trotz schweißtreibender Auffahrt zu meinem Lieblingsplatz: Vom 360-Grad-Panorama auf die umliegenden Inseln, die Dinarischen Alpen auf dem Festland und den Sandstrand des Goldenen Horns kann ich mich kaum lösen. Und die sieben Kilometer lange, anspruchsvolle Abfahrt zum Hafen von Bol verlangt einem zwar einiges ab, wird aber mein Trail-Highlight.

Wir spüren den Erholungseffekt – und die Kilometer in den Waden

Auf Šolta, der letzten Station unseres Inselhoppings, lassen wir die Bike-Woche mit einer Tour durch sanfte Hügel ausklingen – zwischen duftender Macchia, Erdbeerbäumen und wildem Rosmarin. „Oben gibt’s eine leckere Überraschung“, lockt uns Sascha einen letzten Anstieg hinauf. In der Gartenlaube der Tvrdic Honigfarm naschen wir Rosmarinhonig und lauschen den Erläuterungen von Imker Goran. Beim Aufbruch habe dann nicht nur ich eine große Ration Honigkekse als Vorrat im Rucksack. 

An gutem Essen mangelt es dabei auf dieser Reise nie. An unserem letzten Abend, zurück im Hafen von Trogir, kredenzt uns Schiffskoch Neven erst Berge von Shrimps mit Kartoffeln und Mangold, dann Schokoladenmousse. Bei einem Sundowner mit Blick aufs Meer entspannen wir an Deck. Wir spüren die Kilometer in den Waden, aber auch den Erholungseffekt dieses „inselhüpfenden“ Radurlaubs. „Das war nicht nur ein ‚dobar dan‘, sondern eine ‚prelijep tjedan‘“, sagt Trekking-Radlerin Miriam. Sie hat sich die kleine Vokabelstunde unserer Guides gut gemerkt – und vollkommen recht: Wir hatten nicht nur einen „guten Tag“. Sondern eine „wunderschöne Woche“.

Text: Mila Hanke, Fotos: Klaus Fengler