Trier: Wo Weltgeschichte lebendig wird 

18.3.2019

Kennzeichen TR: Mitten im Moseltal, umgeben von Weinbergen, liegt Trier, eine der ältesten Städte Deutschlands. Antike Bauten, mittelalterliche Märkte, moderne Restaurants und feine Weine erwarten die Besucher

Aufmacher Autokennzeichen Trier

Porta Nigra und Amphitheater

Zoom-In
Porta Nigra in Trier
Das Wahrzeichen von Trier – die Porta Nigra aus der Römerzeit

Die Römer brachten nicht nur den Wein ins Moseltal, sondern hinterließen der Stadt auch die Porta Nigra. Das "Schwarze Tor" ist das Wahrzeichen Triers und nur eines von vielen historischen Baudenkmälern der Stadt, die seit 1986 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören. Die Römer erbauten das Stadttor 180 nach Christus. Damals galt Trier als das zweite Rom, eine Weltstadt. Der spannenden Geschichte des Bauwerks kommen Besuchern bei der Erlebnisführung "Das Geheimnis der Porta Nigra"* näher.

Schauspieler wie der 36-jährige Isaac Boateng verwandeln sich dafür mit Ledersandalen, vergoldetem Brustpanzer, rotem Umhang und Helm mit Rosshaar in einen römischen Zenturio. In Form eines kleinen Kammerspiels erweckt Boateng die 2000-jährige Geschichte des Bauwerks zu neuem Leben.  

Und die geht so: Die Römer nutzen das Stadttor als Verteidigungsposten. Im Mittelalter dann ließ sich der Mönch Simeon im Ostturm der Porta einmauern. Nach seinem Tod und seiner Heiligsprechung wurde das Stadttor zu einer katholischen Kirche umgebaut. Ein Glück, denn so konnten die antiken Mauern die Jahrhunderte überdauern, bis Kaiser Napoleon Anfang des 19. Jahrhunderts die Kirche wieder abreißen ließ und die römische Porta Nigra zum Vorschein kam. All das führt Isaac Boateng als Ein-Mann-Theaterstück den Besuchern vor Augen. Witzig, interaktiv und zum Schluss auch dramatisch. 

Ähnlich beeindruckend geht es bei der Erlebnisführung im Trierer Amphitheater zu. Dafür schlüpfen Boateng oder einer seiner Schauspielkollegen in die Rolle des Gladiators Valerius. Die Überreste der Arena sind noch vorhanden. Auf ihren Rängen fanden einst 20.000 Zuschauer Platz, um sich zum Beispiel Gladiatorenkämpfe anzuschauen. Heute können Besucher durch die Katakomben des Amphitheaters wandeln, in denen einst die Gladiatoren auf ihren tödlichen Kampfeinsatz warteten.

Tipp Icon

Steckbrief: Trier

Einwohner: ca. 100.000, Kreisfreie Bischofs- und Universitätsstadt
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Besucher pro Jahr: 430.092, 797.913 Übernachtungen (Stand: 2017)
Sprache: Moselfränkisch, Trierer Platt und Hochdeutsch
Berühmte Persönlichkeiten: Karl Marx, Philosoph

Spezialität:
Schnöbbelchesbunenzopp möt Grombereschniedcher, Suppe aus frischen, klein geschnittenen grünen Bohnen mit Reibekuchen
Lage:
Moseltal
Tourist-Info*: An der Porta Nigra, 54290 Trier, Telefon: 0651 / 97808-0

Kaiserthermen und Konstantin-Basilika

Zoom-In
Basilika und Kurfürstliches Palais in Trier
Die Konstantin-Basilika überragt das Kurfürstliche Palais und den Palastgarten

Weniger blutrünstig ging es in den Barbara- und Kaiserthermen zu. Wellness war auch vor 2000 Jahren schon schwer angesagt. Die Überreste der beiden römischen Badeanlagen zeigen, wie modern die antiken Spas waren. Damals gab es sogar schon Heizungen für angenehm warmes Wasser.

Ein Großteil seines Aufstiegs als zweites Rom verdankt Trier Konstantin dem Großen. Der römische Kaiser residierte im 4. Jahrhundert nach Christus in der Moselstadt und ließ sich eine prächtige Audienzhalle erbauen, die Konstantin-Basilika. Mit einer Länge von gut 70 Metern und einer Deckenhöhe von mehr als 30 Metern beeindruckt ihre Größe noch heute. Man kann sich gut vorstellen wie einst der Kaiser am Ende der Halle thronte und seine Besucher eingeschüchtert den langen Weg bis zu ihm zurücklegen mussten. Damals war die Basilika innen prächtig ausgestattet mit Marmor, Mosaiken und Statuen. Davon ist heute jedoch nichts mehr zu sehen. Die einstige Palastaula blieb als Gebäude erhalten und ist jetzt eine evangelische Kirche. Direkt neben der Basilika befindet sich das barocke Kurfürstliche Palais. Im dazugehörigen Palastgarten trifft man sich bei schönem Wetter zum Sonnen und Flanieren.

Trierer Dom und Heiliger Rock

Zoom-In
Domkirche Trier
Der Trierer Dom ist mit 1700 Jahren die älteste Kirche Deutschlands

Kaiser Konstantin brachte aber nicht nur Wohlstand und Weltruhm nach Trier, sondern auch das Christentum. Er war der erste römische Kaiser, der konvertierte. Auf dem Sterbebett ließ er sich taufen. Er war es auch, der den Grundstein für den Trierer Dom legte, der ältesten Bischofskirche Deutschlands. Konstantin der Große errichtete 325 n. Chr. auf den niedergerissenen Mauern des Palastes seiner Mutter Helena eine Kirche.

Seit dem 10. Jh. veränderten sie dann verschiedene Baumeister zur Gestalt des heutigen Doms. Über einen Kreuzgang ist er mit der gotischen Liebfrauenkirche verbunden. Die berühmteste Reliquie des Doms ist der "Heilige Rock Christi". Kaiser Konstantins Mutter soll die Tunika Jesu nach Trier gebracht haben. Dort wird sie in der Heiligrock-Kapelle neben der Schatzkammer in einem Holzschrein aufbewahrt. Nur bei ganz besonderen Gelegenheiten, wie zuletzt 2012 bei der Heiligrock-Wallfahrt, wird die Tunika öffentlich gezeigt.

Tipp Icon

Von AUR bis ZP: Unsere große Kfz-Kennzeichen-Serie

Verschiedene deutsche Autokennzeichen

Mehr als 700 Kennzeichen gibt es in Deutschland. In unserer Serie nehmen wir Sie mit auf eine Reise durch die Republik: von AUR wie Aurich bis ZP wie Zschopau. Wir präsentieren kleine und große Städte, die man oft nur vom Nummerschild-Raten kennt und geben Tipps für einen schönen Tag vor Ort.

Hier finden Sie die Übersichtsseite unserer Kfz-Kennzeichen-Serie

Vom Mittelalter bis Karl Marx

Zoom-In
Hauptmarkt in Trier
Der Trierer Hauptmarkt mit dem Turm der St. Gangolf Kirche (links)

Stadtzentrum ist heute wie schon vor Jahrhunderten der Trierer Hauptmarkt. Gesäumt von prächtigen Fachwerkhäusern können Besucher von hier aus die Stadt gut zu Fuß erkunden. Vom Markt führt die Simeonstraße als Fußgängerzone direkt zur Porta Nigra, vorbei am Dreikönigshaus aus dem Jahre 1230. Das im frühgotischen Stil erbaute Wohnhaus hat eine Besonderheit: Die historische Eingangstür befindet sich im ersten Stock und war nur mit einer Leiter zu erreichen, die die Bewohner bei Gefahr schnell einziehen konnten.

Wer vom Hauptmarkt der Fußgängerzone in der Fleischstraße folgt (sie verdankt ihren Namen den Metzgereien und Fleischern, die hier früher ansässig waren), erreicht nach sechs Minuten das Karl-Marx Haus, das Geburtshaus eines der wohl berühmtesten Söhne der Stadt. In dem Gebäude, in dem sich heute das Karl-Marx-Museum befindet, erblickte der berühmte Philosoph und geistige Vater des Sozialismus am 5. Mai 1818 das Licht der Welt. Damals ahnte noch niemand, dass der kleine Karl den Lauf der Weltgeschichte mit seinen politischen Theorien entscheidend verändern würde.

Die Trierer feierten Marx 200. Geburtstag im Jahr 2018 mit vielen Veranstaltungen, Sonderausstellungen und Projekten. Die Volksrepublik China schenkte aus diesem Anlass eine 5,50 Meter hohe, bronzene Karl-Marx-Statue, die nun auf dem Trierer Simeonstiftsplatz steht. Die Enthüllung des Denkmals wurden im Mai 2018 von Protesten begleitet und gilt als umstritten.

Perfekte Kombination: Rieslingwein und asiatisches Essen

Zoom-In
Wein- und Fischhaus Oechsle
Im Wein- und Fischhaus Oechsle gibt es leckeres Essen und jede Menge Wein

Während Trier ein Disneyland für Historiker ist, fragen sich weniger Geschichtsinteressierte vielleicht: Was gibt es denn sonst noch außer alten Gemäuern? Jede Menge! Wer sich für Wein und gutes Essen begeistern kann, ist hier genau richtig.

Trier lebt von einer spannenden Gastroszene und hervorragende Rieslingweinen. Wer sich einen ersten Überblick über das Angebot machen möchte, sollte das Wein- und Fischhaus Oechsle* besuchen. Hier können Besucher nicht nur frische Fischgerichte genießen, sondern auch für nur 19,50 € pro Person von mehr als 120 verschiedenen Weinen so viele probieren wie sie möchten.

Beim Bummeln durch die Trierer Fußgängerzone Hunger bekommen? Dann empfiehlt sich ein Besuch des Restaurants Brasserie*. In dem eleganten Lokal mit viel dunklem Holz kommen gehobene, gutbürgerliche Gerichte auf die Teller. Außerdem regionale Spezialitäten wie Weinbergschnecken in Kräuterbutter oder Grombeerschniedscher (Reibekuchen) mit Apfelkompott oder Räucherlachs.

Zu fruchtigen Rieslingweinen passen sehr gut würzige asiatische Gerichte. Kein Wunder, dass das Restaurant Yamamoto’s Eleven* in der Fleischstraße besonders bei den Moselwinzern beliebt ist. Neben feinen frischen Gerichten kann sich die Weinkarte mit einer Vielzahl regionaler Produkte sehen lassen. Weitere Restaurantempfehlungen sind Weinstube Kesselstatt* am Dom und die Pizzamanufaktur Pellolitto* in der Stockstraße.

Tipp Icon

Veranstaltungstipp:  Mythos Mosel – Eine Rieslingreise

Wer die Vielfalt der Moselweine erleben möchte, darf Mythos Mosel – Eine Rieslingreise* nicht verpassen. Immer am ersten Wochenende nach Pfingsten findet einer der größten Jahrgangsverkostungen mit Weinen von mehr als 120 Weingütern von der Saar bis an die Terrassenmosel statt. Am Samstag und Sonntag können die Besucher von 11 bis 18 Uhr von Weingut zu Weingut fahren und pro Station bis zu sechs Weine probieren. Für den "Transport" sind an diesem Wochenende Shuttlebusse im Einsatz.

Jedes Jahr widmet sich Mythos Mosel einem anderen Abschnitt des Flusses. 2019 liegen die 30 Weingüter, die jeweils drei Gastgeberwinzer einladen, ihre Produkte gemeinsam anzubieten, zwischen den Ortschaften Ürzig bis Briedel. 2020 kommt dann der etwa 20 Kilometer lange Abschnitt zwischen Detzem und Piesport an die Reihe. 2021 liegt die Strecke zwischen Kesten und Zeltingen.

Ins Leben gerufen wurde die Veranstaltung von den Moseljüngern, einer Vereinigung von Jungwinzern. In diesem Jahr findet das Event vom 14. bis 16. Juni 2019.

Text: Verena Haart Gaspar. Fotos: Trier Tourismus und Marketing GmbH (2), Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH/Dominik Ketz (2), Christopher Arnoldi.

Viele weitere Reisetipps und -berichte finden Sie auf den Seiten der ADAC Motorwelt.

Kritik, Lob, Anregungen? Schreiben Sie uns:  redaktion.motorwelt@adac.de

* Durch Anklicken des Links werden Sie auf eine externe Internetseite weitergeleitet, für deren Inhalte der jeweilige Seitenbetreiber verantwortlich ist.