Wuppertal: Heimat der Schwebebahn

14.7.2020

Kennzeichen W: Wuppertal hat viel mehr zu bieten als die weltberühmte Schwebebahn. Tipps für einen Abstecher in die Großstadt im Bergischen Land. Plus: Sehenswürdigkeiten, Restaurants und Kultur.

Kennzeichen Wuppertal

Stadtrundfahrt mit der Schwebebahn

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Schwebebahn über der Wupper in Wuppertal
Die Schwebebahn nahe der Loher Brücke

Das Wahrzeichen der Stadt ist ein Verkehrsmittel, das es nur einmal auf der Welt gibt: Die Schwebebahn*, eine einschienige Hängebahn, die seit 1901 in Betrieb ist und inzwischen jährlich fast 24 Millionen Fahrgäste befördert. Eine Fahrt von Vohwinkel nach Oberbarmen ist ein Muss und die beste Möglichkeit, Wuppertal mit seinen beiden größten Stadtteilen Elberfeld und Barmen kennenzulernen: 13,3 Kilometer, 20 alte restaurierte oder hochmoderne Haltestellen.

Das erste Stück fährt die Schwebebahn in Vohwinkel über die Straße, dann über ein Autobahnkreuz und bald nur noch über die Wupper – vorbei am Zoo, durch das Bayer-Werk, Elberfeld, Barmen bis nach Oberbarmen. Hier wendet sie. Einfach aussteigen, auf den gegenüberliegenden Bahnsteig, und die Strecke wieder zurück nach Vohwinkel. Knapp 30 Minuten Fahrt für eine Richtung, garantiert nicht langweilig, und zu 100 Prozent staufrei. Ab dem Ende der Sommerferien bis voraussichtlich Sommer 2021 verkehrt die Schwebebahn aufgrund technischer Probleme nur am Wochenende.

Kaiser Wilhelm II. fuhr mit seiner Gemahlin Auguste Viktoria am 24.10.1900 vor der offiziellen Eröffnung Probe. Der berühmteste Fahrgast ist allerdings eine Elefantendame. Bei einem Gastspiel seines Zirkus in Wuppertal kam Direktor Franz Althoff 1950 auf die Idee, den Elefanten Tuffi mit in die Schwebebahn zu nehmen. Tuffi geriet schnell in Panik, durchbrach Außenwand und Fenster und stürzte auf Höhe der Adlerbrücke zehn Meter in die an dieser Stelle nur 50 Zentimeter tiefe Wupper. Die Elefantendame zog sich zum Glück nur ein paar Schrammen zu, stand abends aber wieder in der Zirkus-Manege.

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Steckbrief Wuppertal

Einwohner: 361.000
Fläche: 168 Quadratkilometer
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Lage: Bergisches Land
Sprache: Hochdeutsch, Wuppertaler Platt
Berühmte Persönlichkeiten: Else Lasker-Schüler, Dichterin; Friedrich Engels, Philosoph und kommunistischer Revolutionär; Johannes Rau, achter Bundespräsident; Friedrich Bayer, Gründer der gleichnamigen Farbenfabriken
Besonderheit: Schwebebahn
Tourist-Info*: Wuppertal Touristik, Wuppertal Marketing GmbH, Kirchstr. 16, 42103 Wuppertal, Telefon 0202-5632270

Döppersberg: Das Tor zur Stadt

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Döppersberg in Wuppertal
Der neue Döppersberg

Der wichtigste Verkehrsknotenpunkt und vor allem für Bahnreisende das Eingangstor in die Elberfelder Innenstadt: der Döppersberg*. In sieben Jahren wurde er mit großem Aufwand für fast 140 Millionen komplett umgestaltet.

Wo früher eine Tunnelpassage vom Bahnhof in die Stadt führte, ist jetzt eine großzügige überirdische, sanft abfallende Fußgängerzone entstanden, unter der die Hauptverkehrsstraße in einem Tunnel verschwunden ist. Und direkt am Bahnhof, der eine neue moderne Eingangshalle bekommen hat, wurde ein futuristischer Busbahnhof gebaut. Wie bei allen Großprojekten gibt es Befürworter und Gegner. Sehenswert ist der neue Döppersberg auf jeden Fall.

Die Elberfelder Nordstadt: Luisenviertel und Ölberg

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Luisenviertel in der Elberfelder Nordstadt in Wuppertal
Das Cafe du Congo im Luisenviertel

Das Ausgehviertel ist das Luisenviertel im Stadtteil Elberfeld – kleine Geschäfte, Restaurants  Kneipen wie das Cafe du Congo* oder das Katzengold*. Unbedingt zu empfehlen: ein Abstecher vom Luisenviertel in die Nordstadt, einem der größten zusammenhängenden Altbaugebiete Deutschlands mit beeindruckenden mehrstöckigen Mietshäusern im Stil des Historismus und der Gründerzeit.

Der südliche Teil, den Ölberg, erreicht man vom Luisenviertel aus mit ein bisschen Kondition schnell. Am schönsten ist der Weg über eine der unzähligen Treppen Wuppertals, dem Tippen-Tappen-Tönchen. Oben angekommen, wird klar, warum der in Wuppertal geborene Regisseur Tom Tykwer (Lola rennt, Das Parfum, Babylon Berlin) seine Heimatstadt mit San Francisco vergleicht – "mit diesen ganzen  steilen Straßen, sehr verwunschen und geheimnisvoll".

Kultur: Tanztheater und Skulpturenpark

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Tanzvorführung im Tanztheater Pina Bausch
Weltberühmt: Das Tanztheater Pina Bausch

Sie hat wie kaum eine andere das moderne Tanztheater geprägt: Pina Bausch, 1940 in der Nachbarstadt Solingen geboren, 2009 in ihrer Lieblingsstadt Wuppertal gestorben. "Ich lebe gern in dieser Stadt", sagte sie 2008, "sie ist meine Stadt geworden, denn sie ist eine Alltagsstadt, keine Sonntagsstadt. Das ist wichtig für unsere Arbeit." Ihr weltweit gefragtes Ensemble* blieb auch nach ihrem Tod Wuppertal treu, tritt im historischen Opernhaus im Stadtteil Barmen auf. Bis 2025 soll ein Pina-Bausch-Zentrum* entstehen, in dem auch das Tanztheater eine neue Heimat finden wird.

Aber Wuppertal hat noch viel mehr Kultur zu bieten: Die historische Stadthalle* auf dem Johannisberg in Elberfeld mit ihrer einzigartigen Akustik, das Von-der Heydt-Museum* in der Elberfelder Innenstadt und den Skulpturenpark* in Unterbarmen. Hier sind vor allem Werke des englischen Bildhauers Tony Cragg zu sehen, der schon lange in Wuppertal lebt. Tipp für Freunde von Open-Air-Veranstaltungen: die idyllisch gelegene Waldbühne* auf der Hardt, die rund 2000 Besuchern Platz bietet.

   

Großstadt mit sehr viel Grün

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Grünanlage Hardt in Wuppertal
Grün mitten in der Stadt: Die Hardt mit dem Elisenturm

Wuppertal ist eine sehr grüne Großstadt mit vielen Parkanlagen. Eine der größten ist die Hardt, die Elberfeld und Barmen verbindet – ein ausführlicher Spaziergang lässt sich gut mit dem Besuch des Botanischen Gartens* verbinden.

Auf einer der Höhen der Stadt, in Cronenberg, befindet sich das Arboretum Burgholz*. Mit einer Fläche von rund 250 Hektar und etwa 100 verschiedenen Nadelbäumen aus aller Welt ist es das flächenmäßig größte Anbaugebiet mit fremdländischen Baumarten in Deutschland. Es gibt kurze und längere Wanderwege. Außerdem bietet das Waldpädagogische Zentrum Führungen durch den Staatswald an.

Kanufahren auf der Wupper

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Kanufahren auf der Wupper in Wuppertal
Wuppertal für Sportliche: MIt dem Kanu auf der Wupper

Mit einer Länge von 116 Kilometern ist die Wupper der prägende Fluss im Bergischen Land. Wer sie im Kanu erkunden und im Stadtgebiet von Wuppertal die Schwebebahn von unten sehen möchte, hat die Wahl zwischen zwei Tour-Anbieten: WupperKanuTouren* unter der Leitung des vierfachen Weltmeisters Thomas Becker und Wupperkanu*.

Wandern und Radfahren kann man auf zwei stillgelegten Eisenbahnstrecken*, der Samba- und der Nordbahntrasse. Wer kein eigenes Fahrrad hat, leiht sich für die Tour einfach eins.

Für alle, die sich lieber Sport anschauen als selbst aktiv zu werden: In Wuppertal-Cronenberg spielt der mehrfache Deutsche Meister im Rollhockey, und der Bergische HC ist der gemeinsame Handball-Bundesliga-Club von Wuppertal und Solingen.

Die Bergische Kaffeetafel

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Bergische Kaffeetafel
Lecker und kalorienreich: Bergische Kaffeetafel

Die Bergische Küche ist deftig oder süss, in jedem Fall kalorienreich. Aber lecker: Auf der Bergischen Kaffeetafel finden sich Schwarz- und Graubrot und als Aufstrich wahlweise Wurst, Schinken, Butter, Quark, Käse oder Rübenkraut. Nicht fehlen dürfen Milchreis mit Zimt und Zucker sowie Waffeln mit Sahne und Kirschen. Der starke Kaffee kommt aus der Dröppelminna, einem kunstvoll verzierten Behälter mit seitlichem Hahn.

Zum Abschluss sollte man sich einen bergischen Korn oder Magenbitter gönnen. Ausflugsrestaurants wie das Haus Zillertal* stellen Gästen – am besten auf Anfrage – eine Kaffeetafel zusammen.

Und noch ein Tipp für Biertrinker: Im Brauhaus* in Barmen, einer ehemaligen Badeanstalt unmittelbar hinter dem Rathaus, wird noch Wuppertaler Bier gebraut.  

Wuppertaler Platt: Jonges utm Dal 

Keine Angst, mit Hochdeutsch kommen Sie überall in Wuppertal durch. Aber falls ein Einheimischer Dialekt redet, werden Sie sicher nachfragen müssen. Oder wissen Sie, dass Erpelschlot ein Kartoffelsalat ist?

Die ideale Vorbereitung für Wuppertaler Besucher ist die Musik der Gruppe Striekspöen*, das heißt übrigens Streichhölzer. Die Band um Paul Decker, einem ehemaligen Kneipenwirt vom Ölberg, singt auf Wuppertaler Platt Lieder wie "Jonges utm Dal" oder es "Es et am Schönsten tu Huus".

Text: Christof Henn. Fotos: Stadt Wuppertal (2), Antje Zeis-Loi (2), PR (2), Wupper Kanu Touren Thomas Becker.

Kontakt zur Redaktion:  redaktion@adac.de

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