Offenbach: Geheimtipp abseits von Frankfurt 

8.1.2019

Kennzeichen OF: Wo der Main seinen schönsten Bogen macht, lockt Offenbach mit einer facettenreichen Kunst- und Kulturszene – und mit weltoffenem Selbstbewusstsein. Dazu: Sehenswürdigkeiten, Restaurants & Ausflugstipps.

Kennzeichenserie Offenbach

Weltoffen, kreativ und multikulturell

Von der Residenz- und Industriestadt zum Kreativstandort: Schon direkt an der Grenze zur schillernden Schwesternstadt Frankfurt – im Hafenviertel und den angrenzenden Main-Ufern – lässt sich Offenbachs innovativer Spirit erkennen. Ausstellungsräume und Kulturzentren, Spielllandschaften und Erholungsflächen sind hier in den letzten Jahren entstanden, neue Wohnungen, Agenturbüros, Boutiquen und Parkanlagen werden gerade fertiggestellt.

Wer sich, etwa nach einem Bummel am „Kulturgleis“ und dem Freizeitgelände im „Hafen 2“, Richtung Innenstadt bewegt, stellt fest, dass Hessens fünftgrößte Stadt auch in Sachen Weltoffenheit durchaus mit Frankfurt mithalten kann: Zahlreiche internationale gastronomische Adressen rund um den Marktplatz spiegeln ihre Vielfältigkeit wider.

In Offenbach leben 159 Nationalitäten. 60,8 Prozent der Einwohner haben Migrationshintergrund (mehr als in jeder anderen deutschen Großstadt). Offenbacher sind also quasi Profis eines gemeinsam gelebten Alltags – allen voran Tarel Al-Wazir, der aus Offenbach stammende hessische Wirtschaftsminister.

Auch zahllose Projekte wie z.B. die individuell agierenden „Integrationslotsen“ oder das bald (April 2019) preisgekrönte Unterrichts- und Betreuungszentrum „StartHAUS“ belegen den Willen zum friedlichen Zusammenleben aller hier ansässigen Menschen.

Und natürlich die kulinarischen Angebote entlang der Großen Marktstraße und Frankfurterstraße – von hessischem Apfelwein über Falafel und Sis Kebab bis zu Cevapcici.

Tipp Icon

Steckbrief: Offenbach

  • Einwohnerzahl: 135 692  (Stand: 12/2017)

  • Bundesland: Hessen

  • Besucher pro Jahr: 220.000 (2017)

  • Sprache: Hochdeutsch und Hessisch

  • Berühmte Persönlichkeiten: Tarek Al-Wazir, Wirtschaftsminister Hessen; Hinrich von Brentano (Politiker), Gottfried Böhm (Architekt); "Smudo", eigentlich Michael Bernd Schmidt, Rapper der Band "Die Fantastischen Vier"; Olli Dietrich, Schauspieler, Dieter Müller (Fußballspieler). Prominente Besucher: Johann Wolfgang von Goethe besuchte 1775 regelmäßig eine in Offenbach lebende Verlobte Lilli Schönemann; Komponist Niccolo Paganini erwarb hier Geigensaiten.

    Tourist-Info Offenburg*: OF InfoCenter, Salzgässchen 1, 63065 Offenbach

Maingärten: Im Herzen der alten Residenzstadt

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Monopteros Büsing Park Offenbach
Offener Rundtempel Monopteros im Büsingpark 

Unser Stadtrundgang beginnt im ältesten Viertel Offenbachs zwischen Main, Berliner Straße und Kaiserstraße. Rasenflächen und alte Bäume, Sitzbänke und Kinderspielplätze charakterisieren Lilipark und Büsingpark*, die Überbleibsel der einstigen historischen Maingärten am westlichen Flussufer. Sie entstanden nach 1700 in der Blütezeit der isenburgischen Residenzstadt Offenbach und reflektieren heute noch die Gartenbegeisterung ihrer einstigen Bewohner, der wohlhabenden Industriellenfamilien d'Orville und Bernard. 

Der bauliche Akzent des Liliparks ist der Lili-Tempel. Lili wurde die schöne Offenbacher Bankierstochter Anna Elisabeth Schönemann genannt, die mit keinem Geringeren als Johann Wolfgang von Goethe im Sommer 1775 verlobt war und sich häufig mit ihm in den Grünanlagen aufhielt.

Den nach ihr benannten Tempel hat sie allerdings nie gesehen. Der wurde erst 1798 vom Frankfurter Bankier Johann Friedrich Metzler als Tee- und Badehaus erbaut. Im Untergeschoss besaß er eine Grotte mit direktem Zugang zum Main. Von diesem Bezug zum Fluss ist aufgrund diverser städtischer Baumaßnahmen, u.a. wegen der Verlängerung der Herrnstraße vom Linsenberg zum Main 1892 und wegen einer Mauer zum Main hin, nichts mehr zu sehen. 

2007 saniert und mit einem Atelieranbau versehen, dient das Gebäude heute als Rahmen für Kulturveranstaltungen. Seinen Namen Lili-Tempel erhielt es übrigens erst 1932 zum 100. Todestag des Dichterfürsten und in Erinnerung an die Offenbacher Romanze.

Auf dem Weg zum Büsingpark passiert man den 2005 angelegten Lesegarten – 2007 umbenannt in Sophie-von-La-Roche-Park. Der Name verweist auf die einstmals hier lebende Schriftstellerin sowie auf die nahe Stadtbibliothek, die mit dem Klingspor-Museum und dem Haus der Stadtgeschichte das Zentrum des "Kulturkarrees" bildet.

Der Monopteros im weitläufigeren Büsingpark ragt auf einer kleinen Anhöhe im hinteren Teil des Parks auf. Der im Rokokostil als offener Rundtempel um 1790 errichtete Bau diente vermutlich als Bühne für Musikdarbietungen.

Das Schild Regina-Jonas-Weg erinnert an die weltweit erste Rabbinerin des Judentums, die 1935 in Offenbach ordiniert wurde.

Büsingpalais: Feiern, Tanzen, Musizieren

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Büsing Palais
Büsingpalais: Repräsentatives Domizil für festliche Anlässe der Stadt

Die Errichtung und Anlage des Büsingpalais und -parks gehen zurück auf die wirtschaftlichen Bestrebungen zweier wohlhabender Schnupftabakfabrikanten: Im 18. Jh. kauften Jean George d'Orville und Nikolaus Bernard zur Erweiterung ihrer Fabrik ein Grundstück. Bis 1775 entstand dort der Vorgängerbau, ein Herrenhaus mit angrenzenden Gärten. Es wurde das dominierende Gebäude im Offenbacher Stadtbild. Bekannter Besucher war beispielsweise Johann Wolfgang von Goethe, der 1775 dort Anna Elisabeth (Lili) Schönemann den Hof machte.

Seinen heutigen Namen erhielt es erst, als der neue Eigentümer Adolf von Büsing 1901 bis 1907 das alte Herrenhaus zu einer neobarocken Schlossanlage ausbauen ließ. 1920 kam diese in den Besitz der Stadt und diente bis zur Zerstörung im Krieg 1943 als Rathaus.

Wiederaufgebaut logieren nun in den Seitenflügeln die Stadtbücherei und das Klingspor Museum. Der 1984 fertiggestellte Kopfbau ist Teil des modernen Arabella Sheraton-Komplexes. Das Hauptgebäude des Palais nutzt die Stadt heute bei festlichen Anlässen.

Top-Tipps: Touren für Auto, Motorrad und Oldtimer

Roter Toyota fährt auf Passstraße am Stilfser Joch

Diese Touren sind top: Egal, ob Sie eine Ausfahrt mit dem Auto, Motorrad oder Oldtimer planen – unsere Roadtrips in Frankreich, Italien, Österreich, Spanien, Rumänien und Portugal zählen zu den schönsten in Europa.

Klingspor Museum: Hommage an die Buch- und Schriftkunst

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Klingspor Museum
Buchkunst und Typografie der Gegenwart

Das Klingspor Museum* für Buch- und Schriftkunst des 20. Jahrhunderts logiert im Südflügel des Büsingpalais und ist ein Hotspot des Offenbacher Kulturkarrées. Die Sammlung basiert auf der modernen Buch- und Schriftkunst von Karl Klingspor (1868-1950).

Der Schriftgestalter und Typograph war zusammen mit seinem Bruder der erste Inhaber einer Schriftgießerei, der planmäßig Künstler zum Entwerfen von Druckschriften heranzog. Zu den Exponaten zählen Pressedrucke, illustrierte Bücher, Künstlerbücher, Bucheinbände, Schriftmusterbücher, Schriftproben, Handschriften, kalligraphische Blätter, Exlibris und Plakate sowie Künstlernachlässe der modernen Brief- und Schriftkunst, darunter von Rudolf Koch und Werner Klemke.  

Über die Herrnstraße und die Frankfurter Straße geht es nun in einem gut zehnminütigen Fußweg weiter zum Deutschen Ledermuseum.

Ledermuseum: Von den Pharaonen bis zu Joschka Fischer

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Ledermuseum Offenbach
Gewand der Siedlerfrauen und Festkleid der Lakota in Nordamerika um 1870 

Während des glanzvollen und wirtschaftlich prosperierenden 18. Jahrhunderts entwickelte sich in Offenbach neben der Tabakindustrie auch die Lederwarenherstellung. Das mehr als 100 Jahre alte Deutsche Ledermuseum* im Westend der Stadt präsentiert auf drei Stockwerken eine Sammlung hochwertiger Erzeugnisse aus Leder, Rohhaut und Pergament, die veranschaulichen, wie diese Materialien in Kunst, Kunsthandwerk und im alltäglichem Leben im Lauf von sechs Jahrtausenden und weltweit verwendet wurden.

Gezeigt werden u.a. ägyptische Gürtel, Stiefel römischer Legionäre, spätromanische Buchfutterale, die Seidenstiefel von Kaiserin Sissi, Koffer, Reiseutensilien bis hin zu Joschka Fischers Turnschuhen.

Wer gutes Schuhwerk besitzt, läuft nun zu Fuß gut drei Kilometer weiter zum nächsten Highlight Offenbachs: dem Wetterpark. Ansonsten bietet sich die Fahrt mit der S1, 2, 8 oder 9 von der Haltestelle Ledermuseum bis Offenbach Main (Ost) an (eine Station). Von dort sind es dann noch rund 1,5 km Fußweg.

Von AUR bis ZP: Unsere große Kfz-Kennzeichen-Serie 

Verschiedene deutsche Autokennzeichen

Mehr als 700 Kennzeichen gibt es in Deutschland. In unserer Serie nehmen wir Sie mit auf eine Reise durch die Republik: von AUR wie Aurich bis ZP wie Zschopau. Wir präsentieren kleine und große Städte, die man oft nur vom Nummerschild-Raten kennt und geben Tipps für einen schönen Tag vor Ort.

Hier finden Sie die Übersichtsseite unserer Kfz-Kennzeichen-Serie

Wetterpark: Von Hochs und Tiefs

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Wetterpark Offenbach
Wieviel wiegt Luft? Die Station Luftdruck im Wetterpark erklärt's

Ob es regnet, schneit oder hagelt: Offenbach weiß, warum, denn die Stadt ist die Heimat des Deutschen Wetterdienstes. Doch wie entstehen Hagelschauer, Stürme oder Regenbogen? Antworten auf solche und ähnliche Fragen gibt der Wetterpark* am Buchhügel.

Der 20.000 Quadratmeter große Lehr- und Erlebnispark vermittelt an 14 verschiedenen Stationen, wie Sonne, Luft und Wasser zusammenspielen und wie zum Beispiel Regenbogen oder Wirbelstürme entstehen. Wetterphänomene werden auf diese Weise auch für die Kleinen verständlich erklärt und sinnlich erfahrbar gemacht.

Über Buchhügelallee und Wilhelmstraße geht es nun etwa 2,5 km zu Fuß zu Offenbachs schönstem Platz, dem Wilhelmsplatz.

Wilhelmsplatz: Multikulti-Markt

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Wochenmarkt Wilhelmsplatz Offenbach
Kulinarische und kulturelle Vielfalt auf dem Wochenmarkt 

Der Wilhelmsplatz im Herzen der Stadt ist der Treff aller Offenbacher, denn der von Altbauten und Kastanien gesäumte Platz wird seit mehr als hundert Jahren als Standort für den Wochenmarkt genutzt.

Jeden Dienstag, Freitag und Samstag bieten rund 70 Markstände Obst, Gemüse, Fisch, Fleisch und Käse, Gewürze, Brot und Blumen an. Dank des hohen Anteils ausländischer Mitbürger finden sich hier auch Köstlichkeiten wie Käse und Oliven aus Griechenland, türkischer Honig oder Ziegenfleisch.

Am nordwestlichen Rand des Platzes fällt eine lebensgroße Statue auf: das Streichholzkarlchen. Sie erinnert an ein Offenbacher Original, den nur 1,30 m großen Karl Winterkorn, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch die Straßen zog, Streichhölzer verkaufte und sich selbst als Holzhändler bezeichnete.

Vom Wilhelmsplatz kehren wir nun in wenigen Minuten Fußweg zurück Richtung Main zum Isenburger Schloss.

Isenburger Schloss: Prachtbau für Studenten

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Isenburger Schloss
Isenburger Schloss: Renaissance-Pracht mit Bogengängen

Im Isenburger Schloss begegnen sich Vergangenheit und Gegenwart: Graf von Isenburg-Offenbach plante im 16. Jahrhundert eigentlich den Bau einer großen vierflügeligen Anlage. Realisiert wurde lediglich der Nordflügel, doch allein der ist bemerkenswert.

Mit seinen figurenbesetzten Bogengängen gilt die auffällige rote Architektur als bedeutendster Renaissance-Bau nördlich der Alpen – ein wahrhaft prächtiges Domizil für die Studenten, die in der hier logierenden Hochschule für Gestaltung* ihre Kreativität ausleben können.

Im Isenburger Schloss wurde auch Geschichte geschrieben: Hier musste Frankfurt, die Wahl- und Krönungsstadt der katholischen deutschen Kaiser, im Dreißigjährigen Krieg die Stadtschlüssel an den protestantischen Schwedenkönig Gustav Adolf überreichen. 

Am Schluss des Rundgangs durch Offenbach warten noch zwei sehr junge Hotspots der Stadt, die jedoch auch Junggebliebene gerne aufsuchen: Vom Schloss geht es in zwei Minuten Fußweg zum Waggon am Kulturgleis am Main, und ab dort in knapp zwei Kilometern Fußweg über Mainstraße und Nordring zum Kulturzentrum Hafen 2, ebenfalls am Fluss.

Kulturgleis und  Hafen 2: Junge kreative Szene

Kultureller Treffpunkt, Ausstellungs- und Veranstaltungsort: Nicht umsonst erhielt der Waggon am Kulturgleis* 2015 den Kulturpreis der Stadt Offenbach. Handwerker, Künstler und Lehrkräfte bieten hier Workshops für interessierte Jugendliche an, in denen diese kreative Projekte entwickeln und umsetzen. Außerdem bietet der ausrangierte Waggon eine Bühne für (noch) unbekannte Musiker und Künstler.

Wer Schafe, Gänse und einen Zirkuswagen erblickt, ist am Ziel. Hafen 2* nennt sich das Freizeitareal mit Zugang zum Wasser am Nordring. Großzügige Spielflächen, zwei Außenbühnen für Veranstaltungen, ein Open-Air-Kino und ein Café samt Ausstellungswaggon locken vor allem an den Sommerwochenenden zahllose Offenbacher mit Kind und Kegel zum Entspannen an.

Leckeres von Sushi bis Tapas

Hungrig bleiben muss in Offenbach niemand, egal, welche Vorlieben oder Besonderheiten ihm am Herzen liegen. Ob vegan, vegetarisch oder fleischliebend, ob mediterran oder koscher: Offenbach ist auch in der Küche multikulti und lädt zu internationalen Gaumenfreuden ein. Hier eine Auswahl:

Tafelspitz & Söhne*: Das gemütlich eingerichtete Restaurant serviert deutsche Tapas und modern interpretierte Klassiker aus Großmutters Küche.

Fleischeslust Offenbach*: Das Steakhaus mit englischem Club-Flair bietet Steaks, Burger aber auch Leckeres für Vegetarier an.

Backschaft*: Ein kulinarisch versiertes Team aus Kapitän, "Meerjungfrauen und Piraten" bietet auf einem Schiff mit gut 100-jähriger Geschichte auf dem Main regionale und internationale Küche an – wer möchte, kippt auf der "Spelunke" eine Buddel voll Rum.

Tarantino's*: Leckere italienische Köstlichkeiten direkt am Wilhelmsplatz – im Sommer auf der Terrasse, um das Treiben auf dem Platz zu beobachten.

Nagoya*: Japanische Küche von Suppe, über Nudeln, Salate und Reis bis hin zu Sushi und asiatischem BBQ.

 

Text: Elke Satzger. Fotos: PR (4), imago (2), Victor Mititelu.

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