Bad Kreuznach: Thermen, Salinen und feine Weine

14.7.2020

Kennzeichen KH: Bad Kreuznach liegt im genussfreudigen Rheinland-Pfalz – so dass sich Touren durch die Kurstadt und das Nahe-Tal wunderbar abrunden lassen. Plus: Sehenswürdigkeiten, Relax-Adressen & Hotels

ADAC Kennzeichenserie Bad Kreuznach

Historisches Highlight: die Brückenhäuser

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Kennzeichenserie Bad Kreuznach Brückenhäuser
Beliebtes Fotomotiv: die Häuser auf der Alten Nahebrücke

Von jedem Ort gibt es das: DAS eine Bild, das in keinem Reisebericht, in keinem Instagram-Profil fehlen darf. Das mit Sicherheit meistfotografierte Motiv in Bad Kreuznach – und Wahrzeichen der Stadt – sind die sogenannten Brückenhäuser*.

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts verbotenerweise aufgrund Platzmangels auf den Pfeilern der Alten Nahebrücke errichtet, gelten die vier noch erhaltenen ”Schwarzbauten“ heute als echte architektonische Schmuckstücke – dank ihrer charakteristischen Holzfachwerk-Bauweise und den markanten Holzverstrebungen, die die überstehenden Hausteile stützen und etwaigem Hochwasser möglichst wenig Angriffsfläche bieten sollen.

In der Vorderfront eines Brückenhauses ist eine Kanonenkugel angebracht, ein Andenken aus der Zeit der Belagerung der Stadt durch Spanier und Schweden während des Dreißigjährigen Krieges.

Tipp fürs Reise-Fotoalbum: Von der Geißenbrücke aus hat man den besten Blick auf die Brückenhäuser.

Tipp Icon

Steckbrief: Bad Kreuznach

Einwohner: rund 53.000
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Sprache: Pfälzisch und Hochdeutsch
Berühmte Persönlichkeiten: Udo van Kampen, TV-Journalist; Julia Klöckner; Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz; Aiman Abdallah, TV-Moderator
Spezialität: Spundekäs – ein mit Quark, Sahne, Zwiebeln und Gewürzen cremig gerührter Frischkäse
Lage: rund 30 km südwestlich von Mainz, zwischen Hunsrück, Rheinhessen und dem Nordpfälzer Bergland 
Tourist-Info: Kurhausstraße 22, 55543 Bad Kreuznach, Internet: Bad Kreuznach-Tourismus*

Am ältesten ist die Neustadt

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Kennzeichenserie Bad Kreuznach Altstadt
Pittoreske Häuser in Bad Kreuznachs historischen Gassen

Als die Alte Nahebrücke 1300 über der Nahe und einem ihrer Arme, dem Mühlenteich, erbaut wurde, verband sie zwei Städte: Neustadt westlich des Flusses, Altstadt an seinem östlichen Ufer. Längst sind die beiden zu einer Einheit (und zu einer richtigen Größe in der Region) verschmolzen, doch ihre Namen existieren heute noch – und führen Fremde schnell mal in die Irre. Denn die Silbe ”Alt“ leitet sich in diesem Fall nicht aus der Entstehungszeit der Ansiedlung ab, sondern aus ihrer Lage: auf der anderen (lat.: alter) Seite der Nahe.

Der älteste Ortsteil Bad Kreuznachs ist tatsächlich in der Neustadt zu finden, nämlich das Gebiet zwischen Nahe, Hochstraße, dem romantischen Schloßpark und Wilhelmstraße. Natürlich haben auch die Altstadt und der Wörth, die Flussinsel, die die barocke Pauluskirche und einige der schönsten Kurbäder beheimatet, einiges zu bieten – doch die ideale Tour führt zunächst ins historische Zentrum.

Mittelalter-Flair rund um den Eiermarkt

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Kennzeichenserie Bad Kreuznach Eiermarkt
Hingucker am Eiermark: die Michel-Mort-Skulptur

Der beste Ausgangspunkt für eine Zeitreise ins Mittelalter ist der Eiermarkt. In früheren Jahrhunderten fand auf diesem Platz der Markt für Bauernprodukte, Fisch- und Töpferwaren statt. Heute lädt er, gesäumt von barocken Fachwerkhäusern, dem aufwändig renovierten Stadtschreiberhaus und der imposanten Nikolauskirche zum Schauen und Schlendern ein. Besonders gilt das für die Zeit vom 23.11. bis 23.12., denn da findet der traditionelle Nikolausmarkt statt.

Wer das Szenario lieber im Warmen durchs Fenster bestaunen möchte, kann sich auf eine Kleinigkeit im Restaurant des Hotels Michel Mort* niederlassen. Der Namensgeber dieses charmanten Hauses befindet sich übrigens in Blickweite: In der Mitte des Platzes steht eine Figurengruppe, die u.a. den Metzgermeister Michel Mort darstellt, der bei einer Schlacht im Jahr 1279 seinen Stadtherren, den Grafen von Sponheim, vor der Gefangennahme rettete.

Direkt an den Eiermarkt grenzt das mittelalterliche Metzgerviertel mit seinen engen und sehr engen Gässchen. In der engsten, der Schar, standen einst Schlachtbänke, auf denen das frisch zerlegte Fleisch direkt präsentiert wurde. Nichts für zarte Gemüter ist auch der Name, den die Einheimischen dem Gassengewirr verpassten: ”Die vier Arschbacken“.

Um feuilletontauglichere Redewendungen wie zum Beispiel ”des Pudels Kern“ geht es ein paar hundert Meter weiter Richtung Fluss, in der Meister-Faust-Gasse Nr. 47: Im Faust-Haus wohnte 1507 ein gewisser Dr. Johann Georg Sabellicus Faust – ein Alchimist und Magier, in Bad Kreuznach auch als Schulleiter tätig, der als Vorlage für Goethes epochale Tragödie gedient haben soll.

Noch mehr Bildungsprogramm gefällig? Die Ausstellungen im Schlossparkmuseum behandeln Früh-, Kunst- und Stadtgeschichtliches; in der Römerhalle sind Fundstücke aus der Römerzeit zu sehen. Hauptattraktion: Mosaikböden und Wandmalereien, die in einer Palastvilla aus dem 2. Jahrhundert entdeckt wurden.

Shoppingmeile: die Mannheimer Straße

Über 50.000 Einwohner in der Stadt, mehr als 150.000 Menschen im Einzugsgebiet, dazu unternehmungslustige Kur-, Genuss- und andere Urlauber: Da ist auch quirliges City-Leben gefragt. In Bad Kreuznach bietet das die Mannheimer Straße, die fast zwei Kilometer lange Shopping- und Genussmeile. Natürlich findet man hier die einschlägigen Fashion-Ketten und Kaufhäuser, doch daneben auch viele inhabergeführte Läden, kleine Boutiquen und ganz unterschiedliche gastronomische Angebote, die den Bummel zu einem individuellen Erlebnis machen.

Von der Salinenstraße in der Altstadt geht es zunächst durch die Fußgängerzone bis zum Kornmarkt. Dieser gilt seit über 200 Jahren als wichtigster städtischer Handelsplatz für Frischeprodukte und regionale Lebensmittel; der traditionelle Wochenmarkt ist mit über 60 Ständen der zweitgrößte in Rheinhessen und dem Naheland.

Mit den Skulpturen am Originalebrunnen wurden legendäre Bad Kreuznacher verewigt – vom ”Schandarm“ bis zur ”Marri mit de Feierblos“. Wer weiter Richtung Fluss und Neustadt läuft und Lust auf eine kleine Pause hat, möchte vielleicht die moderne Pfälzer Küche des Hotelrestaurants Mühlentor* genießen – oder skandinavische Köstlichkeiten im Schwedischen Stehcafé*.

Willkommen zur Weinprobe

Für alle Weinliebhaber ein Muss: ein Stopp in der Nahe.Wein.Vinothek*. Das gemütliche Ladenlokal im historischen Dienheimer Hof präsentiert die Weine von mehr als 50 Winzern der Nahe-Region. Von trockenem Riesling über starken Burgunder bis hin zu speziellen Aroma-Rebsorten ist für jeden Geschmack etwas dabei; verkauft wird praktischerweise zu Weingutpreisen.

Bei einer Weinprobe – einzeln oder für Gruppen buchbar – bekommt man neben Probeschlücken und Flammkuchen auch jede Menge Infos über die Besonderheiten dieser Anbauregion. Bereits vor über tausend Jahren wurde an der Nahe systematisch Weinanbau betrieben; im Zusammenspiel mit moderner Technik und önologischem Knowhow reifen heute auf den Lagen, die schon seit Jahrhunderten bewirtschaftet werden, viele edle Tropfen.

Paradies für Feinschmecker

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Kennzeichenserie Bad Kreuznach Herbstliches Gericht
Einladung zum herbstlichen Genuss

Essen wie Gott neben Frankreich: Die Nachbarschaft zum Feinschmeckerland par excellence, die enge Verbindung von Weinanbau, Kulinarik und Gastronomie, die fruchtbare, sonnenverwöhnte Hügellandschaft, in der sogar Zitronen, Kiwis, Mandeln und Melonen gedeihen: Das alles macht die Pfalz zu einem Gourmet-Paradies.

Die ursprünglich sehr deftige Küche wurde inzwischen durch viele mediterrane Einflüsse verfeinert – tolle Geschmackserlebnisse zwischen regional und raffiniert sind garantiert! Neben den bekannteren Spezialitäten wie Zwiebelkuchen und Saumagen sollte man gerade im Herbst die zahlreichen Wildgerichte probieren.

Apart dazu: Esskastanien, ”Keschde“ genannt, die es als Beilage oder als süßen Pudding zum Dessert gibt. Mit dem schönen Wort ”weinbegleitend“ wird der ”Spundekäs“ geadelt, ein mit Gewürzen, Zwiebel und Sahne cremig gerührter Frischkäse, den man mit Salzbrezeln und Brot zu Riesling & Co. bekommt.

Entspannung in der Kurstadt

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Kennzeichenserie Bad Kreuznach Therme
Thermalwasser-Außenbecken in den Crucenia-Thermen

Erholung gefällig? Kein Problem: Mit ihrer langen Geschichte als Kur- und Badeorte – schon die Kelten und Römer wussten die salzhaltigen Mineralquellen zu schätzen – sind Bad Kreuznach und das seit 2014 eingemeindete Bad Münster die perfekten Wellness-Adressen. Im idyllischen denkmalgeschützten Kurviertel befinden sich komfortable Hotels (z.B. Sympathie Hotel Fürstenhof* oder das Parkhotel Kurhaus*) und mindestens ebenso komfortable öffentliche Bäder.

Mit angenehmen 33 Grad locken etwa die In- und Outdoor-Thermalwasserbecken der Crucenia-Thermen*, die mit ihren markanten Kuppeldächern auch architektonisch reizvoll sind. Saunas, Solebäder, Schwimmbecken: Über 4000 Quadratmeter erstreckt sich die Wellness-Landschaft des Bäderhauses*, das zu den schönsten Europas zählt. Aufgrund der Corona-Krise sind Thermen und Bäderhaus noch mindestens bis Oktober geschlossen.

Die schönsten Ausflugsziele

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Kennzeichenserie Bad Kreuznach Burg
Thront über dem Nahe-Tal: Burg Ebernburg

Schon mal den Begriff ”Freiluftinhalatorium“* gehört? Das größte Deutschlands kann man im Salinental besuchen: Hier reihen sich gewaltige Heckenwände, an denen beidseitig Salzwasser herabrieselt, auf 1,1 Kilometer Gesamtlänge aneinander. Zwischen Ostern und Anfang November sind die sogenannten Gradierwerke in Betrieb, doch auch außerhalb der Saison lohnt sich ein Ausflug ins Salinental – um von hier aus weitere landschaftliche Highlights zu entdecken.

Die pittoreske Burg Ebernburg lässt sich zu Fuß leicht erreichen. Wer’s flotter mag, schwingt sich aufs Rad und folgt dem Nahe-Radweg, einem abwechslungsreichen Flussradweg, der an Burgen, Bergwerken und Berghängen entlangführt – nach neuen Fotomotiven wird man also nicht lang suchen müssen.

Text: Carolin Schuhler. Fotos: PR. 

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