Zschopau: Die Motorrad-Stadt

7.6.2019

Kennzeichen ZP: Zschopau war einst Heimat der größten Motorradfabrik der Welt. Heute lebt die Erinnerung an diese Ära fort – in einem schönen Museum auf Schloss Wildeck. Plus: Sehenswürdigkeiten, Restaurants & Hotels

Kennzeichen Zschopau

Zschopau, die Stadt des Motorrads – dieser legendäre Ruf haftet dem geschichtsträchtigen Städtchen im mittleren Erzgebirge bis heute an. Seit den frühen 1920er-Jahren wurden hier DKW-Motorräder gebaut, ab 1955 dann Kräder der DDR-Marke MZ (Motorradwerk Zschopau). Eine ganze Region lebte von diesem Wirtschaftszweig: Mit 6000 Beschäftigten und bis zu 60.000 Stück Jahresproduktion war DKW vor dem 2. Weltkrieg die größte Motorradfabrik der Welt – ebenso wie später MZ mit 92.000 vom Band gelaufenen Bikes im Jahre 1975. Die Wende leitete dann den Niedergang des Motorradbaus in Zschopau ein. Trotz diverser Rettungsversuche kam 2013 das endgültige Aus. 

Motorradmuseum im Jagdschloss

Zoom-In
Motorradausstellung Zschopau
Schloss Wildeck: Historische Zweiräder in historischen Räumen

Doch die Erinnerung an die goldene Motorrad-Ära lebt und wird gebührend gepflegt. "Motorradträume"* heißt die Dauerausstellung in den historischen Mauern von Schloss Wildeck, das die Stadt höchst pittoresk überragt. 80 Motorräder aus acht Jahrzehnten, Dinge des Alltags eines DKW-Arbeiters oder Teile der Zschopauer DKW-Vertragswerkstatt sind zu sehen – wertvolle Exponate aus der Sammlung des DKW-Firmengründers Jørgen Skafte Rasmussen.

Breiten Raum nimmt natürlich auch die Produktpalette von MZ ein; viele der bekannten Serienmotorräder, aber auch Originalmaschinen, die im Renn- und Geländesport über Jahrzehnte erfolgreich waren, stehen hier.

Münzen, Mineralien & "Dicker Heinrich"

Zoom-In
Schloss Wildeck in Zschopau
Zschopauer Wahrzeichen: Schloss Wildeck mit Burgfried 

Wenn wir schon im hellweiß strahlenden Schloss Wildeck sind, dann schauen wir uns doch noch etwas genauer um. Ursprünglich stand hier eine trutzige Burg mit Wehranlage aus dem 12. Jahrhundert, die zum Schutz des "Böhmischen Steigs", eines alten Handelsweges zwischen Leipzig und Prag, errichtet wurde.

Mitte des 16. Jahrhunderts dann ließ Herzog Moritz von Sachsen anstelle der Burg das jetzige Renaissance-Schloss bauen. Einzig der Burgfried, im Volksmund "Dicker Heinrich" genannt, blieb von den alten Gebäuden stehen. Heute erfährt man bei der Besteigung des Turmes vieles zu seiner Geschichte, und in 31 Metern Höhe bietet sich ein herrlicher Blick auf die Stadt und ins Zschopautal.

Neben der Motorrad-Ausstellung beherbergt Schloss Wildeck noch weitere Museen. Sie erzählen vom der Industriegeschichte der Region, begeistern Münz- und Mineraliensammler, und Kinder erfreuen sich an der großen Rutsche im ehemaligen Bärengarten, während Erwachsene durch den malerisch angelegten Schlossgarten streifen. Außerdem beherbergt Schloss Wildeck die Zschopauer Touristen-Information*, die auch Eintrittskarten* fürs Schloss oder den "Dicken Heinrich" verkauft. Außerdem im Angebot: Ein vergünstigtes "Biker Ticket", das kombiniert für die Zschopauer Motorradausstellung und das große Motorradmuseum im nahegelegenen Schloss Augustusburg (siehe unten) gilt.

Tipp Icon

Steckbrief: Zschopau

Einwohnerzahl: 10.500
Bundesland: Sachsen
Lage: Ca. 15 Kilometer südöstlich von Chemnitz, Höhe 350 Meter ü. NHN
Dialekt: Sächsisch/Mittelerzgebirgisch
Spezialität: Buttermilchgetzen – geriebene rohe und gekochte Kartoffeln, vermengt mit Buttermilch, Speck, Gewürzen und in der Ofenform gebacken  
Persönlichkeiten: Schriftsteller Johann Michael Fleischer (1711–1773), Viererbob-Weltmeister und -Olympiasieger Candy Bauer (geb. 1986) 
Tourist-Info*: Schloss Wildeck, 09405 Zschopau, Tel. 03725/287287, schloss@zschopau.de

Hotel-Empfehlungen
Hotel Schlossblick*: Stadtnah gelegen, ideal zur fußläufigen Erkundung von Zschopau, mit Restaurant 
GOLF.intersaxonia*: Stilvoll eingerichtete Apartments in grüner Umgebung direkt am Golfplatz von Zschopau
Villa Willisch*:  Schlossartiges Haus mir "Märchenwald-Charme", rund vier Kilometer außerhalb von Zschopau, schöner Biergarten, hauseigener Park

Gastro-Empfehlungen
Am alten Brauhaus:
Traditionslokal im historischen Zentrum, gutbürgerliche Kost und faire Preise, Körnerstraße 2
Gasthaus Zschopense: Kleine volkstümliche Gaststätte am Rande der Altstadt, erzgebirgische Hausmannskost, meist nur abends geöffnet, Johannisstraße 30
Café Vieweger: Konditorei und Bäckerei mit reichhaltiger Auswahl, selbstgemachtes Eis, auch Frühstück im Angebot, zentral gelegen, Körnerstraße 6

Altstadt mit bewegter Geschichte

Zoom-In
Stadtansicht von Zschopau
Blick vom Schloss zur Sankt-Martins-Kirche 

Jetzt aber runter vom "Schlosshügel" in die nette kleine Altstadt Zschopaus, das im Jahre 1286 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Die bewegte Geschichte des Orts als Etappenziel auf der mittelalterlichen Salzstraße ist stets präsent. Wir können noch auf dem alten Handelsweg flanieren, wenn wir die Lange Straße hinabgehen und die 1813 erbaute Steinbogenbrücke passieren.

Eine auf der Brücke angebrachte Tafel mit der Darstellung eines Händlers mit Pferdefuhrwerk sowie der Inschrift "Zschap mei Geeß" (Zschopau mein Jesus), erinnert an die Strapazen, die die Handelsreisenden im unwegsamen Gelände und den dichten, voller Gefahren steckenden Wäldern auf sich nahmen – und wie froh sie waren, den sicheren Schutz der Stadt zu erreichen. Einen Besuch wert ist auch die barocke Stadtkirche St. Martins, die Sachsens drittgrößte Barockorgel beherbergt.

Bürgerhäuser im Barockstil

Zoom-In
Die Säule für Postzeichen in Zschopau
Die Postdistanzsäule in der Zschopauer Altstadt

Deutlich bequemer als die Händler im Mittelalter hatten es später die Passagiere in der Postkutschenzeit. Dass Zschopau auch in dieser Ära eine wichtige Rolle spielte (es wurde im Jahre 1710 Poststation), davon zeugt die Postdistanzsäule am nördlichen Ende der Langen Straße. 

Wenn wir uns auf dem Weg dorthin durch die Seitenstraßen und über den Neumarkt mit seinem umlagerten Eiscafé treiben lassen, sehen wir immer wieder schöne Bürgerhäuser im einfachen Barockstil, meist aus dem späten 18. Jahrhundert. Damals musste die Stadt praktisch neu aufgebaut werden, nachdem ein Feuer 1748 (wie schon 1634) die meisten Häuser in Schutt und Asche gelegt hatte.     

Tipp Icon

Von AUR bis ZP: Unsere große Kfz-Kennzeichen-Serie 

Verschiedene deutsche Autokennzeichen

Mehr als 700 Kennzeichen gibt es in Deutschland. In unserer Serie nehmen wir Sie mit auf eine Reise durch die Republik: von AUR wie Aurich bis ZP wie Zschopau. Wir präsentieren kleine und große Städte, die man oft nur vom Nummerschild-Raten kennt und geben Tipps für einen schönen Tag vor Ort.

Hier finden Sie die Übersichtsseite unserer Kfz-Kennzeichen-Serie

Die wellige Weite des Erzgebirges

Zoom-In
Wandern im Erzgebirge
Wälder, Berge, Wanderwege – Blick übers Erzgebirge

Welliges Hügel- und Bergland, waldreiche Täler, murmelnde Bäche und windungsreiche Flüsse: Das umliegende Erzgebirge ist wie geschaffen für Naturliebhaber – egal ob zu Fuß, auf dem Pferd oder per Fahrrad.

Direkt an Zschopau vorbei folgen der Zschopautal-Wanderweg* oder der gleichnamige Radweg* den Schleifen des Zschopau-Fluss – hin zu felsigen Aussichtspunkten, zu Burgen oder zum kleinen Besucherbergwerk*. Lohnenswert die Wanderungen zu Bodemerkanzel oder Teufelskanzel; alles beschrieben im Wanderführer, der in der Touristen-Info am Schloss bereit liegt.

Motorräder zum Zweiten...

Zoom-In
Motorradmuseum Augustusburg
Augustusburg: Eines der schönsten Motorradmuseen Europas

Noch mehr Motorräder gefällig? Oder noch mehr Schloss? Nur 15 Fahrminuten entfernt wartet Schloss Augustusburg*, das Renaissance-Jagdschloss des sächsischen Kurfürsten August (1526–86). Es beherbergt heute ein Museum, das sich stolz "Die bedeutendste Motorradsammlung Europas" nennt. Und tatsächlich: Hier wird die technische Entwicklung des Zweirades von 1885 bis heute höchst eindrucksvoll in Szene gesetzt.

175 Motorräder quer durch alle Typen, Epochen und Baujahre sind in dem historischen Ambiente wunderschön versammelt; über Touchscreens sind gut gemachte Filme zu sehen. Beeindruckend auch, wie die industriegeschichtliche Entwicklung der Zschopauer Motorradmarken DKW, Auto Union und MZ nachgezeichnet wird. Praktisch: die vergünstigten Kombi-Tickets* für beide Motorradmuseen in Zschopau und auf Schloss Augustusburg. Erhältlich an der Kasse. 

Text: Claus Christoph Eicher. Fotos: SCHNITZRAUM.de, PR (3), Tourismusverband Erzgebirge e.V./René Gaens, Lutz Zimmermann

Viele weitere Reisetipps und -berichte finden Sie bei der ADAC Motorwelt.

Kritik, Lob, Anregungen? Schreiben Sie uns:  redaktion@adac.de

* Durch Anklicken des Links werden Sie auf eine externe Internetseite weitergeleitet, für deren Inhalte der jeweilige Seitenbetreiber verantwortlich ist.