Schwimmen mit Delfinen: Tierisches Israel

2.3.2018

Einzigartig! In Eilat an der Südspitze Israels können Touristen zu Delfinen ins Meer steigen. Ob und wie eng ein Kontakt zustande kommt, entscheidet nicht der Mensch, sondern liegt an den Tieren. Denn sie sind nicht eingesperrt und können jederzeit im Roten Meer verschwinden. Dazu: Preise und praktische Infos

Naseweis: Einer von vier Delfinen (genau genommen ein Großer Tümmler) vom Dolphin Reef im Roten Meer vor Eilat

Die Sache scheint völlig klar: Vor uns vollzieht sich ein Schauspiel unbändiger Freude. Nana schwimmt, auf der Seite liegend, direkt an der Oberfläche und winkt uns mit der Schwanzflosse zu. Die Menschen, die ­neben mir auf dem Steg sitzen, johlen ­vergnügt. Nana taucht unter dem Steg durch und wiederholt ihre Aktion auf der anderen Seite. Dabei sitzt dort doch niemand – wem also gilt die Freundlichkeit?

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Das Dolphin Reef ist eine von Eilats Hauptattraktionen

"Das ist keine Freundlichkeit", ruft Tal Fisher, "Nana jagt!" Auf den Gesichtern zeigt sich Ratlosigkeit. "Schaut genau hin: Nana liegt auf der Seite, zieht ihre Schwanzflosse zu sich heran und schiebt sich damit kleine Fische Richtung Maul." Sofort drehen sich alle Köpfe. Aus dem gerade noch so nett winkenden Delfin ist plötzlich ein Lebewesen auf kulinarischem Beutezug geworden.

Auf solche Erlebnisse setzt Tal Fisher. Seit zwölf Jahren ist sie Trainerin am ­Dolphin Reef – eine etwas irreführende Berufsbezeichnung, denn trainiert wird hier eigentlich niemand. Der 38-Jährigen und ihren Kollegen geht es nicht um abgerichtete Delfine, die durch Ringe springen oder ähnliche Kunststücke vorführen. Was hier zählt, ist das Prinzip Freiwilligkeit. "Nichts wird bei uns erzwungen", erklärt Tal. "Wir arbeiten an den Beziehungen zwischen Mensch und Tier. Und das geht nur mit Vertrauen und viel Geduld."

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Das sollten Sie zum Dolphin Reef Eilat wissen

Es liegt rund 4 km südlich des Zentrums von Eilat am Highway 90. Neben dem Steg zur Delfinbeobachtung gibt es Strand, Bar, Loungebereich und ein Aktivitätenzentrum für Kinder. Täglich finden je fünf einstündige Schnorchel- und Tauchrunden statt, bei denen die Delfine – so diese wollen – aus nächster Nähe beobachtet werden können. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Für das Tauchen sollten Kinder mindestens acht Jahre alt sein.

Dolphin Reef
88100 Eilat
Tel. +972 (0)8 / 630 01 11
Geöffnet So.-Do. 9-17 Uhr, Fr., Sa. und Feiertage 9-16.30 Uhr
Eintritt: Erwachsene 67 NIS, Kinder bis 15 Jahre 46 NIS
Schnorcheln: Erw. 290 NIS, Kinder 260 NIS, Tauchen: Erw. 339 NIS, Kinder 309 NIS

Dolphin Reef: Besucherattraktion und Forschungsstation

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Die Trainer können sich im Teambereich erholen, verpflegen und umziehen

Der Personalbereich der Anlage sieht aus wie eine paradiesische Version der Bauten in Kevin Costners Film "Waterworld": ein drei Stockwerke hohes Holz­gerüst über dem türkisblauen Wasser, von Pflanzen umrankt und nach allen Seiten offen. Zwischen alten Sofas liegen Tauch­equipment und Werkzeug, mehrere Katzen streunen über die Bohlen – ein buntes, leben­diges Durcheinander. Auch der Rest des Geländes wirkt wie eine Hippie-Kommune, ergänzt um einen kleinen Strand zum Entspannen und Schnorcheln. Doch das Wesentliche spielt sich am Steg und an den Plattformen im Wasser ab. Vier Delfine leben hier, allesamt Große Tümmler. Das Gehege ist zur Bucht von Eilat hin offen, die Tiere können jederzeit raus.

Begonnen hat alles in den frühen Neunzigerjahren mit einer ersten Gruppe Delfinen, die aus einem russischen Forschungszentrum am Schwarzen Meer stammten. Hier in Israel sollten sie ein neues Zuhause finden. Das Projekt war erfolgreich, Nachwuchs stellte sich ein: die vier Tiere, die heute noch am Dolphin Reef leben. Inzwischen zählt die Anlage zu den Haupt­attraktionen des Urlaubsortes Eilat: Tag für Tag zieht es zahlreiche Touristen hinaus auf den Steg, die sehen wollen, wie die Weibchen Nana, Nikita und Luna sowie das Männchen Nio leben.

Geduldsproben für Besucher und Trainer

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Trainerin Tal Fisher beobachtet vom Back Office aus die Tiere im Meer

"Delfine sind keine Zirkustiere", sagt Tal. "Sie sind eigenständige, komplexe Per­sönlichkeiten. Das versuchen wir den ­Menschen zu vermitteln." Für Besucher wie Trainer bedeutet das vor allem eines: Geduld haben. An einigen Tagen herrscht Trubel im Wasser: Die Tiere jagen und spielen miteinander, sie paaren sich oder tragen Kämpfe aus – an manchen Tagen passiert aber auch kaum etwas.

Tal hält einen Schlüsselbund ins Wasser, an dem kleinere Metallringe befestigt sind: ihr akustisches Erkennungszeichen. Wenige Augenblicke später schaut eine graue Nasenspitze aus dem Wasser. Es ist Luna, Tals Liebling: 17 Jahre alt, mit einem weißen Punkt auf der Rückenflosse. Ihren Namen erhielt sie, weil sie bei Vollmond geboren wurde. Jetzt ist Entspannung angesagt: Die Delfindame legt sich auf die Seite und lässt sich den Bauch kraulen.

Warum Luna ausgerechnet mit Tal enge Bande geknüpft hat? "Wir wissen nicht, warum ein Delfin den einen Trainer liebt und den anderen nicht", erklärt Tal. ­­"Wir Menschen können auch nicht genau erklären, warum wir jemanden mögen oder nicht." Dabei haben sie es durchaus ­versucht: Eines der Tiere baute in seinem ers­ten Lebensjahr nur Beziehungen zu Blonden auf. Kaum hatte das Team daraus eine Theorie abgeleitet, machte der Delfin es anders und schwamm fortan am liebs­ten mit einem dunkelhaarigen Trainer.

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Nur die Trainer dürfen die Delfine berühren

Auch die Besucher können zu den ­Tieren ins Wasser. Aber es gibt keine Garantie dafür, dass sich die Delfine tatsächlich nähern. Als ich in meinen Neoprenanzug steige und Hand in Hand mit einem Tauchlehrer in die Tiefe gleite, habe ich Glück: Zwei der Delfine, Nikita und Nio, kommen mehrmals zum Anfassen nah. Doch die eiserne Regel lautet: "Don’t touch!" Als ich trotzdem einmal kurz in ­Versuchung gerate und den Arm in Nikitas Richtung ausstrecken will, weist mich mein Begleiter sofort in die Schranken.

Hippie-Flair hin oder her – über jedes der Tiere wird genau Buch geführt. Nana verhält sich scheuer als sonst? Luna hat auf der Zunge mehr Belag als üblich? Jede noch so kleine Veränderung wird dokumen­tiert. Auch die Wissenschaft hat Interesse an den Delfinen: Meeresbiologen der Ben-Gurion-­Universität haben eine Forschungs­­station am Dolphin Reef eingerichtet, um zu untersuchen, wie die Delfine miteinander kommunizieren.

Delfine als Therapeuten – sogar das gibt es hier

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Ein Trainer erklärt am Beispiel von Nikita das Sozialverhalten von Delfinen

Zwei Stunden nach meinem Tauchgang habe ich mich im Cafébereich niedergelassen. Die Sonne scheint durch das Dach aus Schlingpflanzen und lässt kleine, ­goldene Lichtflecken über den Holzboden tanzen. Aus einer Lautsprecherbox singen die ­Beatles ihr "Something", davor dösen zwei Katzen. Mir gegenüber sitzt ­Sophie Donio. Die Französin hat die Delfin­therapie 1991 an diesen Ort ­gebracht. Bis zu 20 Kinder und Jugendliche werden jährlich in das Programm aufgenommen, viele autistisch oder hyperak­tiv, manche haben posttraumatische Belastungs­stö­run­gen, etwa nach einem Missbrauchserlebnis.

"Jedes Kind kommt mit seiner eigenen Geschichte zu uns", erzählt Sophie, "und für jedes Kind entwickeln wir einen eigene­n Therapieansatz. Mal geht es um die Fähigkeit, sich zu öffnen, mal geht es um Selbstvertrauen und Aufmerksamkeit." Hier wird den Kindern beigebracht, mit den Tieren zu interagieren. "Auch dabei wird nichts erzwungen. Alle Begegnungen müssen vom Delfin ausgehen. So lernen die Kinder auch Respekt und Geduld."

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Von Eilat reicht der Blick über das Rote Meer bis nach Jordanien

Später, als die Sonne schon hinter den Bergen verschwunden ist, stehe ich noch einmal unten am Steg. Das Meer ist nun smaragdgrün. Ich will gerade gehen, da ­geschieht es: Einer der Delfine springt in einem hohen Bogen aus dem Wasser. Fünfmal wiederholt sich das Schauspiel, dann liegt das Meer wieder ruhig da. Ich denke an das, was ich gelernt habe. Das Springen kann vieles bedeuten: Es kann Jagd- oder Balzverhalten sein, ein Spiel, ein Kampf. Aber vielleicht, denke ich mir, war es ja doch ein Abschiedsgruß. Wer kann das bei einem Delfin schon sagen?

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Das müssen Sie über Reisen nach Israel wissen

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Viele touristische Hinweise und Angebote bietet die Webseite des Israelischen Fremdenverkehrsamtes*.

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Text: Tim Heller. Fotos: ADAC Reisemagazin/Michaela Morosini.

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Diese Reisereportage stammt aus dem ADAC Reisemagazin Israel (siehe unten). Nutzung mit freundlicher Genehmigung des ADAC Verlags.

(acfo)