Reise & Freizeit

Der Caravan-Pionier

Vor 50 Jahren gründete der Schiffbauingenieur Harald Striewski in Fockbek die Firma Hobby und machte sie zur Nummer eins bei Wohnwagen

Harald Striewski empfängt uns morgens um 8 Uhr in seinem Büro. Auf dem Schreibtisch steht die kunstvolle Holzarbeit eines Lehrlings, die einen Wohnwagen zeigt. An der Wand lehnt ein Steuerrad, eine Erinnerung an seine Anfänge als Schiffbauingenieur. Ende 2017  übergibt der 80-Jährige das Steuer an die zwei Geschäftsführer, Sohn Michael und Holger Schulz. Vor 50 Jahren als kleiner Familienbetrieb in Fockbek gegründet, hat Striewski die Firma Hobby zum größten Arbeitgeber in Schleswig-Holstein und zur Nummer eins in Europa bei Caravans gemacht. Beim zügigen Rundgang durchs Werk („Bin ich zu schnell?“) schüttelt er Mitarbeitern die Hand und zeigt uns, worauf er besonders stolz ist: die hohe Fertigungstiefe. Möbel, Polster, Vorhänge und sogar Fahrgestelle – hier wird fast alles selbst gemacht.


ADAC Motorwelt: Wann sind Sie auf die Idee gekommen, Wohnwagen zu bauen?
Harald Striewski: 1965 habe ich auf einem Campingplatz in Dänemark das erste Mal einen Wohnwagen gesehen und gedacht: Mensch, das kann ich besser bauen. Dann habe ich mir von meiner Tante 3000 Mark geliehen, mir Fenster, Achsen und ein Fahrgestell besorgt. Meine Frau Inge hat die Polster und Gardinen genäht, ich habe die Pläne gezeichnet und losgelegt: in einer kleinen Garage, die ich vorher noch gebaut habe – die Steine haben wir aus Kies und Zement selbst hergestellt.

Sohn Michael ergänzt: Und das Brett meiner Modelleisenbahn, die ich als kleiner Junge hatte, wurde zur Bodenplatte für den ersten Caravan.

Wie lange haben Sie an Ihrem ersten Caravan gearbeitet?
Das müssen wohl drei oder vier Monate gewesen sein, ich hatte ja nur nach Feierabend und an Wochenenden Zeit. Tagsüber habe ich damals als Schiffbauingenieur auf der Kröger-Werft in Rendsburg gearbeitet. Den ersten Wohnwagen habe ich in der Landeszeitung inseriert und für 6000 Mark verkauft. Meine Tante bekam ihr Geld zurück, und ich konnte den nächsten Wohnwagen bauen. Ich musste gar nicht mehr in der Zeitung inserieren, denn auch so kamen immer mehr Anfragen. Volle Leistung auf der Werft und abends daheim Wohnwagen bauen, das ging auf Dauer nicht. Daher habe ich meinen Chef um ein Jahr unbezahlten Urlaub gebeten, um alle Aufträge abzuarbeiten. Ich dachte mir, wenn das mit den Wohnwagen am Ende doch nicht klappt, kann ich immer noch zurück auf die Werft. 

Aber es hat ja geklappt.
Nach zwei Jahren hatte ich genügend Geld zusammen, um meine Firma zu gründen. Am Anfang hatte ich einen Mitarbeiter, nach einem Jahr sogar schon vier. Meine Mutter hatte Sorge um mich, weil die Firma so schnell wuchs. „Junge, mach bloß keine Schulden“, hat sie immer wieder gesagt. Diesen Rat habe ich befolgt. Ich habe bis heute nie Schulden gemacht, wir haben keine Hypotheken und keine Kredite, die wir abzahlen müssen. Auch die Firma Fendt-Caravan, die seit 1997 zu uns gehört, haben wir bar bezahlt. Wir sind so stark, dass wir auch mal ein, zwei oder drei Krisenjahre überstehen können.

Wie sind Sie auf den Namen Hobby gekommen? 
Der Name Striewski ist sehr kompliziert. Also habe ich einen Namen gesucht, der auch international verstanden wird. So bin ich auf Hobby gekommen. Das heißt Freizeitgestaltung, das passt also.

Hatten Sie beim Bau Ihrer Wohnwagen Vorbilder?
Die brauchte ich nicht. Von meiner Arbeit auf der Werft wusste ich, wie man Yachten konstruiert und baut. Daher konnte ich die Zeichnungen für meine Wohnwagen selbst machen – im Vergleich zu einem Schiff ist das einfach. Einiges ist ja ähnlich: Auch auf einem Schiff ist alles auf engstem Raum untergebracht. Aber natürlich war eine Yacht früher luxuriöser als ein Caravan. Beim Camping ging es damals vor allem um Zweckmäßigkeit. Ich habe mir gedacht, dass einem Wohnwagen ein bisschen vom Luxus einer Yacht guttun würde. Das ist uns ja auch ganz ordentlich gelungen und Teil unseres Erfolgs.

Kann man Ihre ersten Caravans mit den heutigen noch vergleichen?
Nein, das wäre schlimm. Am Anfang gab es keine Heizung und keinen Kühlschrank, das war alles sehr einfach. Heute hat fast jeder Caravan eine Klimaanlage, einen Fernseher und vieles mehr. Das ist Luxus. Und oft kommt noch ein großes Auto dazu, das den Anhänger zieht. Früher wurden die Menschen doch belächelt, wenn sie mit einem Wohnwagen in Urlaub fuhren. Heute werden sie beneidet. Camping ist mittlerweile absolut salonfähig geworden.
 
Ihre Branche meldet immer neue Rekorde, wie stabil ist das Hoch?
Zur Jahresmitte haben wir noch nie so viele Bestellungen für das nächste Jahr gehabt, schon jetzt sind es fast 8000 Aufträge. Und das ist ja nicht nur bei uns so, es boomt überall. Wir haben nur ein bisschen Angst, dass sich der eine oder andere in unserer Branche übernimmt, zu viel produziert und ins Schleudern gerät.  

Was ist denn bei Ihnen besonders stark nachgefragt?
Überwiegend Caravans. Da sind wir  Marktführer in Deutschland, Europa und gemeinsam mit unserer Tochter Fendt auch weltweit ganz vorn. Im Reisemobilbau sind wir noch verhältnismäßig klein. In diesem Bereich sehen wir einen sehr großen Nachholbedarf. Aber wir haben hier in Fockbek die Voraussetzungen geschaffen, um in diesem Segment zu wachsen, und wir haben auch ein großes Händlernetz.  

Welche Absatzmärkte sind künftig wichtig, geht der Trend nach Asien? 
Die Chinesen sind schnell, haben Campingplätze aus dem Boden gestampft und wollen ihre Wohnwagen selbst bauen.

Geschäftsführer Schulz ergänzt: Der eine redet über Amerika, andere über Japan oder China. Doch wir sind alle mittelständische Betriebe, die ihr Geld in Europa verdienen. Da ist noch genug Potenzial.   

Machen Sie selbst noch Urlaub mit dem Wohnwagen?
Heute nicht mehr. Zuletzt bin ich im Reisemobil in meine alte Heimat gefahren, nach Ostpreußen. Das war sehr schön. 
 
Interview: Christof Henn, Thomas Nitsch, Fotos: Jörg Modrow 

50 Jahre Hobby

Vom Bastler zum Caravan-Riesen  
Die ersten Wohnwagen baute der junge Schiffbauingenieur Harald Striewski nach Feierabend in seiner Garage. Am 1. April 1967 gründete Striewski mit seiner Frau Inge die Firma Hobby in Fockbek. Aus dem kleinen Familienbetrieb wurde ein Caravan-Riese: Bis Ende 2016 liefen bei Hobby insgesamt 571 000 Wohnwagen vom Band. Gemeinsam mit der bayerischen Tochter Fendt werden jedes Jahr 22 000 Caravans produziert – von rund 1100 Mitarbeitern in Fockbek und mehr als 700 in Mertingen.