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Künstlerin Olek verhüllt alles mit Häkelgarn – vom Auto bis zum Stier

Sie stammt aus Polen und lebt in New York: Agata Oleksiak verwandelt Alltagsgegenstände in Street Art. Jetzt organisiert sie eine Häkel-Kunstaktion zur Eröffnung des Museum for Urban Contemporary Art in Berlin

Jedes Projekt soll größer sein: Deshalb hat die polnische Künstlerin Olek in ihrer Heimatstadt Lodz einen Zug samt vier Wagons in farbenfrohes Garn verpackt. Seit Jahren gibt es nichts was sie nicht einhäkelt: Fahrräder, Autos, Bagger, Rikschas. Wir zeigen einige Ihrer bunten Kreationen.

Es begann ganz harmlos mit Mützen für Barbie-Puppen
Bunt, skurril, hipp: Ihre exzessiven Woll-Kreationen erobern die Welt. Was auf den ersten Blick aussieht, wie ein Kinderstreich, ist ihr Lebenswerk – und trendige Kunst. Die in Brooklyn lebende Straßen-Akteurin Agata Oleksiak, bekannter als Olek, verpackt mit ihrem Häkelhandwerk Alltagsgegenstände und sogar öffentliche Plätze in buntes Wollgarn – Masche für Masche gehäkelt.

Doch angefangen hat sie ganz „normal“. Mit Mützen und Handschuhen für ihre Barbiepuppen – inzwischen umgarnt sie ganze Zimmer, Autos oder sogar einen kompletten Zug samt vier Waggons. An der New Yorker Wall Street hüllte Olek einen mächtigen Bronzebullen in kuscheliges Garn. Und in London eines der berühmten Taxis.

Ihre Woll-Werke werden in Fachkreisen als „Wearable Art“ (Tragbare Kunst) bezeichnet. Sie selbst spricht von „New Skin“, also von neuer Haut. Galerien in New York, Venedig und Berlin haben Oleks Häkelwerke bereits gezeigt. Ihr Kommentar: „Masche für Masche, Stunde für Stunde, mein Wahnsinn spiegelt sich in der Häkelarbeit wieder. Ich häkele alles ein, was mir in die Quere kommt.“

Nächstes Kunstwerk entsteht in Berlin
Ihr nächste aufsehenerregende Aktion startet Olek am 17. September in Berlin-Schöneberg. Vom Nollendorfplatz bis zur Frobenstraße verwandelt sie die Bülowstraße vor dem Urban Nation Museum for Urban Contemporary Art in eine Kunstmeile. Oleks Häkelmarathon ist Teil der Eröffnungsfeier des Museums, in dem Street Art ein dauerhaftes Zuhause bekommt. Unter dem Viadukt der U-Bahn-Trasse werden mehr als einhundert Frauen mit der New Yorker Künstlerin häkeln. Olek möchte so ein kollektives Abenteuer schaffen, bei dem Frauen jeden Alters und aus allen Gesellschaftsschichten spontan zusammenarbeiten können. Welches Objekt eingehäkelt wird, ist noch geheim.

Olek selbst sagt: „Jedes Projekt soll größer und spektakulärer sein als das vorherige. Ich will Gegenständen damit eine neue Identität geben. Wenn Zuschauer das bunte Gewand entdecken, bleiben sie garantiert stehen und machen Fotos.“ Und vielleicht, meint sie zum Abschluss des Interviews, „häkele ich bald auch wieder mal ein Auto ein“. Dafür hat sie schon ganz konkrete Vorstellungen. „Es sollte gut zur Umwelt sein und von selbst fahren“, sagt die 39-Jährige, die übrigens ganz ohne Führerschein durchs Leben saust.

Our Pink House, Avesta, Schweden 2016

Pinkes Heim: Häkelarbeiten werden oft für Topflappen oder kleine Taschen verwendet. Olek zeigte im Avesta, dass man mit grellem Garn auch ein zweistöckiges Haus modisch verpacken kann – und posierte farblich passend vor dem Kunstwerk. Syrische Flüchtlinge halfen der Künstlerin dabei, große Stücke gemeinsam vom Dach bis zum Erdgeschoss zusammenhäkeln.

The Train That Stood Still, Lodz, Polen 2013

Bunter Zug: Als hätte sie sich zum Holi-Fest verirrt: Ein ganzes Häkel-Team hüllte diese alte Dampflok plus Waggons in ihr vielfarbiges Kleid.

40 under 40, Smithsonian Museum, Washington DC, USA 2012

Nationalfeiertag: Rosa Häkelei mit rot-weiß-blauem Flitter am Lenkrad. Vor dem Weißen Haus in Washington wollte auch Olek nicht auf Nationalstolz verzichten.

Knitting is for Pus****, Christopher Henry Gallery, New York 2010

Britischer Exot: Das Automodell Morris Minor aus den 50er-Jahren war in Großbritannien ein Erfolgsmodell, in den USA bekam der kleine Engländer kein Rad auf den Boden. Als Street Art erntet er späte Ehren.

Pink Bagger, Katowice Street Art Festival, Kattowitz, Polen 2012

Baggerliebe: Vielleicht ein Sinnbild für Mutterliebe? Ein niedlicher Mini-Bagger schmiegt sich in die schützende Schaufel des Riesen-Baggers.

Crocheted London Taxi, Tony‘s Gallery, London, UK 2012

London Calling: Olek hat es hier auf eine der vielen britischen Ikonen abgesehen. Zahlreiche Modelle des berühmten London Cab hat sie bisher mit buntem Garn verwandelt, wie hier in London.

Crocheted Fargo Bus, mobiles Kunstwerk, New York 2014

Blutige Werbung: Gier und Dummheit – das sind die häufigsten Todesursachen in „Fargo“. Weil Film wie Serie im kalten Nordwesten der USA spielen, lag es nahe, einen Häkel-Bus auf Werbetour durch die US-Metropole zu schicken.

Crocheted Mustang Convertible, Miami, USA 2010

Kuscheln unter Palmen: Wollgarn als Schutz vor sozialer Kälte – eine Anspielung auf das raue Klima in Miami? Ein Mustang Cabrio in wärmendem Kleid steht in einer Parkbucht.

Tractor cozy, Flanders Gallery, Raleigh, USA 2012

Landpartie: Ein bisschen rosa, ein bisschen violett, ein paar Stunden häkeln – und schon wird aus einem kantigen Traktor ein museales Kunstobjekt.
Text: Andreas Reinshagen. Fotos: Agata Oleksiak (7), Michal Sygut, ddp images. © ADAC Motorwelt 9/2017.

Weitere Informationen zur Künstlerin finden Sie auf ihrer Homepage:

www.oleknyc.com

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Informationen zur Eröffnung des Urban Nation Museum for Urban Contemporary Art finden Sie hier:

www.urban-nation.com

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