Autotour: Großglockner Hochalpenstraße

7.8.2018

Die Großglockner Hochalpenstraße verläuft durch den Nationalpark Hohe Tauern. Die 48 km lange Strecke zwischen Bruck und Heiligenblut zählt zu den spektakulärsten der Alpen

Großglockern Hochalpenstraße Fuscher Törl
Einer der Höhepunkte der Strecke: Das Fuscher Törl
  • Die Route führt an Österreichs höchstem Berg, dem Großglockner, vorbei
  • Höhepunkte: Fuscher Törl, Kaiser-Franz-Josephs-Höhe und Pasterzen-Gletscher
  • Die Passstraße war von Anfang an als Ausflugsziel konzipiert

 

Dauerpanorama und Fahrspaß sind auf dieser Autotour garantiert. Hunderttausende Urlauber aus aller Welt kommen jedes Jahr hierher. Sie rasten entlang der Straße, schauen verträumt in die Berge und beobachten vorbeiziehende Trabbis und VW Käfer, PS-starke Sportwagen und Mercedes-Cabrios. Die Hochalpenstraße ist auch ein Freilichtmuseum. Das Lebensgefühl des Spazierenfahrens lässt sich hier beobachten – und selbst erleben.

Edelweißspitze und Biker's Point

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Panoramablick auf den Grossglockner
Atemberaubender Ausblick von der Edelweißspitze

Es geht durch drei Dutzend Kehren, von Bruck in Salzburg bis nach Heiligenblut in Kärnten, vorbei an Bergwiesen und eisbedeckten Gipfeln, vorbei an Kühen und Schafherden, an Wasserfällen und Almhütten. Edelweißspitze heißt der fast 2600 Meter hohe Aussichtspunkt, den man über eine Pflasterstraße erreicht.

Ein australisches Ehepaar kommt aus dem Staunen nicht heraus. Mit einem Mietauto erkundet es Europa, die Suche nach den schönsten Panoramastraßen des Kontinents hat es hierher verschlagen. Die Biker neben dem Paar unterhalten sich auf Italienisch, Russisch, Rumänisch. Zwei Norweger stellen fest, dass der höchste Punkt Norwegens unter ihnen liegen muss.

Hier auf der Biker's Point benannten Spitze treffen sich die Landschaftsgenießer – und alle erleben das Naturspektakel des Bergwetters: Der Nebel zieht scharf über die Steinkanten, eine Wolkendecke schließt die Landschaft von rechts und links ein, wie der Vorhang am Ende einer Theateraufführung. Die Vorstellung ist vorbei. Keine Minute ist vergangen, da ist der Fernblick einem Grau gewichen. Nicht mal die Pflasterstraße ein paar Meter weiter unten lässt sich mehr erahnen.

Bildergalerie: Die Passstraße und ihre Sportwägen und Oldtimer

Murmeltiere am Fuscher Törl

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Murmeltiere
Der Nationalpark Hohe Tauern ist ein Paradies für Murmeltiere

Echte Straßen haben Aussicht – so bewerben Touristiker die Glocknerstraße in ihren Prospekten. Recht haben sie, man muss nur etwas Geduld und ein wenig Glück mit dem Wetter haben, dann klappt das. Die Alpen lassen sich erfahren: Von Bruck geht es den Berg hoch, vorbei am Hexenkessel und Schildern, die vor Murmeltier-Überquerungen warnen.

Und immer wieder Straßenbuchten, in denen Urlauber stehenbleiben können, den Blick genießen. In der Ferne stürzen Wasserfälle den Berg hinab, ein Schneefeld windet sich ins Tal. Die Eiseskälte auf den Gipfeln lässt sich nur erahnen. Es ist Juli und die Sommerblumen neben der Straße stehen hüfthoch. Immer weiter rauf geht es, bis zum Fuscher Törl, dem ersten Scheitelpunkt.

Am Gebirgssee Fuscher Lacke dokumentiert das Wegmacherhaus den anstrengenden Bau der Großglockner Hochalpenstraße. Zwischen 1930 und 1935 schufen bis zu 4000 Arbeiter die Verbindung zwischen Salzburg und Kärnten; mitten im Tunnel wechselt das Bundesland.

Kaum war die Alpenstraße fertig gebaut, fanden die ersten Rennen statt. Der Glockner als Ausflugsziel wurde immer beliebter. Damit auch Autobusse durch die engen Kehren kamen, wurde ab den 50er Jahren, in der Zeit des Wirtschaftswunders, die Straße um einige Meter verbreitert.

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”Die Glocknerstraße war von Anfang an als Ausflugsziel konzipiert”

grossglockner-portrait-mittereckerInterview mit Thomas Mitterecker, Autor des Buches "Großglockner Hochalpenstraße: Prestigebau des Ständestaates"

ADAC Motorwelt: Herr Mitterecker, warum wurde die Großglockner Hochalpenstraße gebaut?
Thomas Mitterecker: Die Idee geht auf die 1920er-Jahre zurück. Die Großglockner Hochalpenstraße war von Beginn an als Aussichtsstraße konzipiert. Man wollte den Tourismus ankurbeln, um Österreich aus der wirtschaftlichen Krise – und der damit verbundenen Massenarbeitslosigkeit, Armut und Unzufriedenheit – zu führen.

Was waren die Herausforderungen beim Bau?
Es gab zwei wesentliche Herausforderungen: erstens die Finanzierung. Ständig drohte der Staatsbankrott und es brauchte viel Überzeugungsarbeit. Zweitens die Probleme und Gefahren in der technischen Umsetzung einer Gebirgsstraße jenseits der 2000 Meter Seehöhe. Dass das damals möglich war, ist vor allem der genauen Planung des Technikers Franz Wallack zu verdanken. Erschwerend kam hinzu, dass Österreich die Finanzierung nur unter der Bedingung freigab, dass 80 Prozent der Arbeiter Arbeitslose waren, sprich: Menschen, die kaum die richtige Ausbildung oder Konstitution hatten, Schwerstarbeit im Hochgebirge zu verrichten.

Wie und von wem wurde die Glockner Hochalpenstraße in den Anfangsjahren genutzt?
Die Glocknerstraße war schon damals kein Transitweg, sondern ein Ausflugsziel. Immer mehr Menschen besaßen ein Auto, Touristengruppen wurde das Erlebnis mit dem Bus angeboten. Im ersten Sommer 1935 verzeichnete man rund 130.000 Besucher. Ab Juli 1936, als die 1000-Mark-Sperre im nationalsozialistischen Deutschland aufgehoben wurde, kamen die meisten Touristen aus Deutschland. Bis 1938, dem Jahr des ”Anschlusses“, stieg die Zahl auf fast 375.000 an.

Pasterzen-Gletscher und Kaiser-Franz-Josephs-Höhe

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Mit dem Rad hoch zum Grossglockner
Auf dem Rad: Die sportlichste Version, die Passstrasse zu befahren

Heute kommt man durch den Naturpark sogar abgasfrei: Elektro-Auto-Besitzer sind willkommen und erhalten einen vergünstigen Mauttarif. Entlang der Strecke bieten drei Ladestationen kostenlosen Strom, anstecken kann man sein e-Car bereits am Fuscher Törl, aber auch schon in Bruck. Im nahen Zell am See fand im Juni Europas größte Messe für Elektromobilität statt. Damit einem am Gipfel nicht der Saft ausgeht, findet sich auf der Kaiser-Franz-Josephs-Höhe Österreichs höchste Stromtankstelle.

Währenddessen lohnt sich eine Wanderung entlang des Pasterzen-Gletschers, den Glocknergipfel im Blick. Durch Tunnel und entlang der Bergflanke geht es eine Stunde lang zu einer Aussichtsplattform. Auf dem breiten Weg pfeift einem der Alpenwind entgegen, Murmeltiere huschen über den Hang vor einer Postkartenlandschaft. Sie lassen sich aber auch auf der Kaiser-Franz-Josephs-Höhe beobachten, wo sie sich zwar mit schrillen Schreien vor Gefahren warnen, den heimischen und internationalen Touristen aber gutmütig gesinnt sind. Mit Glück lassen sich auch Steinböcke blicken.

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Roter Toyota fährt auf Passstraße am Stilfser Joch

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Bildergalerie: Museumsstücke auf der Kaiser-Franz-Josephs-Höhe

Heiligenblut in Kärnten

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Heiligenblut liegt am Ende der Hochalpenstraße

Für Motorfans bietet die Kaiser-Franz-Josephs-Höhe ein Highlight: eine Ausstellung über die "Erfolgsgeschichte des Automobils" sowie des Motorrads, in Kooperation mit dem ADAC und kostenfrei zugänglich. Der Schwerpunkt dieses Jahr: 80 Jahre VW Käfer. Ebenfalls zu besichtigen sind zahlreiche Puch 250, historische Motorräder des österreichischen Konzerns Steyr-Daimler-Puch. Daneben Wägen aus den zwanziger und dreißiger Jahren und ein 285 PS starkes Rennauto. Doch auch wer mehr über den Gletscher lernen möchte, ist hier richtig.

Man schlendert vorbei an Infotafeln und sieht durchs Fenster die Spitze des Großglockner leuchten. Auf dem Weg nach unten ins Tal passiert man Gletscherseen, beobachtet die Lichtspiele an den Bergflanken. Die Abendsonne glüht, während es kurvenreich tausend Höhenmeter hinabgeht, nach Heiligenblut. Der Kärntner Tourismusort zeigt sich schon aus der Höhe. Im Tal angekommen umschließen einen die Berge. Prominent ragt der Kirchturm in die Höhe, während die Sommersonne langsam untergeht.

Man kann sich in diesem Moment nichts Schöneres vorstellen, als die Glocknerstraße am nächsten Tag erneut zu befahren, diesmal von der anderen Seite, bis hinauf auf den höchsten Punkt. Dazwischen wird man in anderen Kerben stehenbleiben, und weil es so schön war: dann doch wieder in denselben.

Hier finden Sie Infos zu Tickets und Kosten der Großglockner Hochalpenstraße*

 

Text: Benjamin Breitegger. Fotos: Benjamin Breitegger (13), Albin Niederstrasser (1)

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