Goslar: Treffpunkt für Kaiser, Hexen und Juristen

3.9.2018

Kennzeichen GS: Die Harzer Kreisstadt Goslar mit ihren bildschönen Fachwerkbauten ist eine wahre Schatzgrube für Historien-Fans. Dazu: Sehenswürdigkeiten, Restaurants & Ausflugstipps

Goslar

Marktplatz als idealer Ausgangspunkt

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Marktplatz in Goslar
Der Marktplatz mit Blick aufs Rathaus und das Gildehaus Kaiserworth (l.)

Seit sich Sigmar Gabriel aus den großen politischen Ämtern zurückgezogen hat, taucht Goslar öfter mal im Fernsehen auf – nämlich immer dann, wenn der ehemalige Außenminister und Ex-SPD-Chef aus seiner Heimatstadt im Harz ein Statement zur politischen Lage abliefert.

Tatsächlich gibt es von hier jedoch viel mehr und viel Erstaunliches zu berichten. Goslar blickt auf eine über 1000-jährige Geschichte zurück, war Machtzentrum der deutschen Kaiser und später mittelalterliche Handelsmetropole. Heute ist es Ziel zahlreicher Musikfestivals, großer Tagungen und der Hexentreff in der Walpurgisnacht.

Idealer Startpunkt für einen Bummel durch die Altstadt mit ihren vielen schönen Fachwerkhäusern ist der Marktplatz wo man sich z.B. in Sigmar Gabriels Stammlokal, dem historischen Café am Markt für die kommenden Eindrücke stärken kann. Mitten auf dem Platz thront der 900 Jahre alte Bronzeguss-Brunnen, der mit dem golden Reichsadler, dem Wappentier Goslars gekrönt wurde.

Ein Arkadengang und Spitzbogenfenster weisen zum Rathaus, das mit seinem Huldigungssaal aus dem frühen 16. Jahrhundert mit großen hölzernen Tafelgemälden an Wänden und Decken ein Besichtigungs-Muss ist.

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Steckbrief: Goslar im Harz

Einwohnerzahl: 51.439
Bundesland: Niedersachsen
Sprache: hochdeutsch, Harzer Platt
Besonderheit: Die Altstadt zählt zusammen mit dem am südlichen Stadtrand liegenden Erzbergwerk Rammelsberg seit 1992 zu Weltkulturerbe der UNESCO
Berühmte Persönlichkeiten: Ex-Außenminister und SPD-Parteichef Sigmar Gabriel
Goslar Tourismus: Goslar marketing gmbh*, Markt 7, 38640 Goslar
ADAC-Extra: TouSet "Goslar", Länderinfo "Urlaubsregion Harz"

Ehrwürdige Gebäude und eine freche Magd

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Butterhanne in Goslar
Die kesse Magd Butterhanne

Gleich neben dem Rathaus steht das ehemalige Gildehaus "Kaiserworth"* von 1484, das heute hinter seiner roten Fassade ein Hotel und Restaurant beherbergt. "Schwesterhaus" ist das markante Patrizierhaus "Brusttuch" von 1526, das von vielfältigem Schnitzwerk umrankt wird, darunter die "Butterhanne"*, das heimliche Wahrzeichen Goslars. Nach dieser Magd, die mit der linken Hand buttert und mit der rechten frech den Rock hebt, um ihren blanken Po zu zeigen, ist ein Restaurant benannt, das Harzer Spezialitäten bietet.

Weiter geht es zur Marktkirche St. Costas und Damian mit ihren unterschiedlichen Türmen – vom 66 Meter hohen Nordturm bietet sich ein toller Blick über die Stadt. Attraktion am Kämmereigebäude ist das Glocken- und Figurenspiel das viermal täglich erklingt und die Geschichte des Bergbaus am Rammelsberg im Süden Goslars zur Melodie des Steigerlieds erzählt. Es wurde 1968 zum 1000-jährigen Bestehen des Erzbergwerks von einem Bergbaukonzern gestiftet.

Doch vor einem Ausflug in die Tiefen des Bergbaus geht es noch durch Kopfsteingepflasterte Gassen vorbei z.B. am Bäckergildehaus oder dem Siemenshaus von 1693, dem Stammsitz der Industriellenfamilie, weiter durch die Innenstadt zum Schuhhof. Auf diesem ältesten Platz Goslars kann man sich umgeben von bildschönem Fachwerk mit einem kühlen Getränk, einem Eis oder im Winter bei einem Glühwein im Weihnachtswald von so viel Kultur erholen.

Kaiser und Könige machten hier große Politik

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Kaiserpfalz in Goslar
Die Kaiserpfalz: Hier machten die Mächtigen des Mittelalters Weltpolitik

Als Krönung des historischen Spaziergangs wartet nicht weit vom Zentrum die Zentrale der Macht: die Kaiserpfalz*. Das majestätische Gebäude wurde im 11. Jahrhundert von Heinrich III. vollendet und und als Herberge der Wanderkaiser samt Hofstaat zu einem wichtigen Herrscherzentrum: In seinen Regierungsjahren hielt er 18 oft mehrmonatige Hoftage ab. Bereits unter Vater Heinrich II. fand hier 1009 die erste Reichssynode statt. Im 19. Jahrhundert wurde die "Aula regia", der fast 800 Quadratmeter große Reichssaal von Historienmaler Hermann Wislicenus mit der Geschichte des "Heiligen Römischen Reiches" geschmückt.

Apropos Politik – die gab und gibt es auch später noch aus Goslar: Vom 20. bis 22. Oktober 1950 fand hier der erste Bundesparteitag der CDU statt. Unter dem Motto "Einigkeit und Recht und Freiheit" wurde die CDU gegründet. Als ersten Parteivorsitzenden wählte man mit 302 von 335 Stimmen Konrad Adenauer.

Und seit über 50 Jahren wird im Harz im weitesten Sinn Justiz- und Verkehrspolitik gemacht: Jedes Jahr Ende Januar treffen sich hier inzwischen bis zu 2000 Juristen und andere Experten im historischen Tagungszentrum "Der Achtermann", einem Teil des Wehrturms der früheren Stadtmauer, zum Deutschen Verkehrsgerichtstag.

Blühender Handel mit Silber und Bier

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Ein Wasserrad in Rammelsberg in Goslar
Riesige Wasserräder sind unter Tage in Rammelsberg zu bestaunen

Weit älter als die Geschichte von Kaisern und Königen ist die des Erzbergwerks Rammelsberg*, wo bereits vor 3000 Jahren Bergbau betrieben wurde. Unter der Herrschaft der Ottonen begann vor etwa 1000 Jahren die systematische Erzgewinnung.

Neben dem Kupfer- und Silberhandel gab es noch einen weiteren einträglich Wirtschaftszweig – seit dem 13. Jahrhundert florierte hier der Bierexport. Dazu kamen Schieferabbau und Vitriolherstellen (z.B. das Mineral Goslarit), sodass Goslar zu einer blühenden mittelalterlichen Handelsmetropole wurde.

1988 wurde das Bergwerk Rammelsberg stillgelegt und 1992 zum UNESCO-Welterbe erklärt. Heute ist es ein großes Museum und Besucherbergwerk und zu 70 Prozent barrierefrei zugänglich. Über Tage gibt es alle Informationen zu Geschichte, Technik und Kultur des Bergbaus.

Zur geheimnisvollen Untertagewelt geht es in fünfminütiger Fahrt mit der Grubenbahn. Weltweit einmalig ist das "Rolli-Mobil", ein umgebauter Grubenwagen, der auch Rollstuhlfahrer in das 200 Jahre altes System von Kunst- und Kehrrädern des Rammelsberg und zu den riesigen Wasserrädern bringt. Führungen finden mehrmals täglich statt.

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Von AUR bis ZP: Unsere große Kfz-Kennzeichen-Serie 

Verschiedene deutsche Autokennzeichen

Mehr als 700 Kennzeichen gibt es in Deutschland. In unserer Serie nehmen wir Sie mit auf eine Reise durch die Republik: von AUR wie Aurich bis ZP wie Zschopau. Wir präsentieren kleine und große Städte, die man oft nur vom Nummerschild-Raten kennt und geben Tipps für einen schönen Tag vor Ort.

Hier finden Sie die Übersichtsseite unserer Kfz-Kennzeichen-Serie

Mit Grubenlampe auf den Spuren der Bergleute

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Goslauer Zwinger
Museum mit Rüstungen, Kettenhemden und Ritterschlag – der Zwinger

Wer noch tiefer in die Bergbau-Geschichte eindringen möchte, macht eine Tour durch den Rathstiefte Stollen* aus dem 12. Jahrhundert, dem ältesten erhaltenen Wasserlösungsstollen Europas. Er wurde mit der Hand und einfachstem Werkzeug in den Stollen getrieben. Für die vierstündige Tour mit Grubenlampen ist eine Anmeldung notwendig.

Rund 20 Kilometer von Goslar entfernt beginnt das Gebiet des Oberharzer Wasserregals. Das System aus dem 16. bis 19. Jahrhundert diente zur Umleitung und Speicherung von Wasser, um die Wasserräder der Bergwerke anzutreiben. Teilstücke dieses weltweit bedeutendsten Wasserwirtschaftssystem lassen sich gut zu Fuß erkunden. Seit 2010 wurde es als Erweiterung zum Goslar und Rammelsberg in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.

Zurück im Tageslicht noch ein paar Museumstipps für Unersättliche: Das Goslarer Museum in den Stiftsräumen aus dem Jahr 1524 beherbergt u.a. einen romanischen Krodoaltar des ehemaligen Goslarer Doms und das Evangeliar von 1240. Das Zinnfiguren-Museum* in der 500 Jahre alten Lohmühle zeigt die Kaiser in Miniatur sowie alle wichtigen Stationen der Stadtgeschichte mit Bergbau-Szenen oder Schlacht aus dem Dreißigjährigen Krieg.

Ein Museum zum Anfassen mit Kettenhemd, Rüstungen und Ritterschlag ist der Erlebnisturm Zwinger*. Modern geht es dagegen im historischen Mönchehaus* zu – hier sind nicht nur Bilder und Skulpturen namhafter Künstler der Avantgarde zu sehen, hier findet auch jedes Jahr die Verleihung des Kaiserrings statt: Mit dem international bekannten Kunstpreis wurden z.B. Joseph Beuys oder der englische Bildhauer Henry Moore ausgezeichnet.

Udo Lindenberg, Ina Müller und die Nacht der Hexen

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Goslar Walpurgisnach
In der Walpurgisnacht wird Goslar zum brodelnden Hexenkessel

Für die Musikszene in Goslar, zu der u.a. Internationale Konzertarbeitswochen, die Internationalen Klaviertage aber auch ein Honky-Tonk-Kneipenfestival gehören, ist die jährliche Verleihung des Paul-Lincke-Rings wichtig. Er geht an Musiker, die sich besondere Verdienste um deutschsprachige Unterhaltungsmusik gemacht haben. Preisträger waren u.a. Udo Lindenberg, René Kollo, Max Raabe, Silbermond oder zuletzt Ina Müller.

Musikalisch auf sehr spezielle Art geht es  zu, wenn in der Walpurgisnacht (30. April) die Hexen tanzen. Dann verwandelt sich der Goslarer Marktplatz in einen brodelnden Hexenkessel mit Live-Musik, Teufeln und anderen dämonischen Gestalten und natürlich mit schaurig schönen Hexen. Ab Mitternacht wird traditionell der Frühling begrüßt. Dazu gibt es im Stadtteil Hahnenklee ein eindrucksvolles Feuerwerk.

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Freizeit-Tipps und Ausflüge

Nur 16 Kilometer vom Stadtzentrum Goslars entfernt liegt Hahnenklee*, ein wahres Ausflugs-Paradies. Auf dem "ErlebnisBocksBerg"* ist das ganze Jahr über etwas los: Die Fahrt mit der 1250 Meter langen Sommerrodelbahn "BocksBergBob" ist ein Spaß für Groß und Klein. Beim "Bergjump" lässt man sich von einem 6 oder 9 Meter hohen Podest auf ein riesiges Luftkissen plumpsen. Und im Bikepark ist richtige Zweirad-Action angesagt.

Kleine und größere Kinder lernen in der "Waldschule" anschaulich Flora und Fauna kennen. Zur Abwechslung gibt es einen Pfad der (Un-)Sinne, eine Mini-Kartbahn, Rutschenturm und Riesentrampolin. Das Waldseebad am Kuttelbacher Teich lädt zum Schwimmen, Ruder- oder Tretbootfahren ein. Angler finden am "Großen Kraniche Teich" sowie an fern "Oberharzer Teichen" Entspannung, Zander und Hecht.

Harzer Roller: Käse oder Kanarienvogel?

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Harzer Rolle
Spezialität zur Brotzeit: Der Harzer Roller mit Zwiebeln und Kümmel

Hungrig und durstig geworden? Kein Problem. Die Harzer Küche ist vielfältig, oft deftig aber auch fein. Den meisten fällt jetzt als erstes der Harzer Roller ein, der magerer Sauermilchkäse (0,5 - 1%), der mit Kümmel und Zwiebeln auf Bauernbrot gegessen wird (im angrenzenden Hessen gern auch "mit Musik", mit Essig und Öl zu Kümmel und Zwiebeln).

Übrigens verdankt der gelbliche Käse seinen Namen einem kleinen gelben Kanarienvogel – er wurde im Harz gezüchtet und unter Tage eingesetzt, weil er die Bergleute mit seinem rollenden Gesang vor giftigen Gasen warnte.

Weitere Harzer Spezialitäten sind die Schmorwurst, Blaubeerschmand-Schnitzel (ein Schweineschnitzel mit beschwipster Heidelbeer-Sahnesauce) und "Hackus und Knieste" (mit Speck und Kümmel gebackene Kartoffeln und gebratenem Hack in Soße). Ein großes Kapitel ist Wildgerichten und Wildkräutern gewidmet, nicht zu vergessen das Harzer Rote Höhenvieh, das zartes aromatisches Rindfleisch liefert.

Einige Lokale dazu: "Die Worthmühle“*, "Die Butterhanne"*oder das Brauhaus Goslar*, das mit eigenem Bier wie dem "Gose" (nach dem kleinen Fluss in Goslar), sowie Harzer Urbier und Rammelsberger Pils auftrumpft. Wer nach mediterraner Abwechslung schaut, ist im Restaurant "Weite Welt"* gut aufgehoben.

Für kleine kulinarische Ausflüge zu empfehlen: Die "Steinberg Alm - Zum Rösner"* am Nonnenberg mit uriger Ausstattung, Kachelofen und Almschmankerln sowie einem tollen Blick auf Goslar. Den hat man auch von der Berggaststätte "Maltermeister Turm"* mit dem Restaurant "1548".

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Hotel-Tipps in Goslar

Boutique Hotel Liono*: Goslars erstes Boutique Hotel hat 16 Zimmer, jedes mit eigenem Charakter – cool, anspruchsvoll und dennoch mit Wohlfühleffekt (DZ ab 85 €).

Akzent Hotel Villa Saxer*: Gelungene Kombination aus der historischen Villa Laxer und einem harmonisch angefügten Neubau. Besonderheit: Ladestation für Elektroautos (DZ ab 105 €).

Hotel Alte Münze*: 4-Sterne-Hotel in einer Seitengasse der Altstadt mit Frühstücksraum in der ehemaligen Münzprägestätte aus dem Jahr 1509 und hoteleigenem Garten (DZ ab 89 €).

Klosterhotel Wöltingerode*: Am grünen Stadtrand gelegen idealer Ausgangspunkt für Ausflüge in den Harz. 54 Zimmer, zwei Restaurants, grüner Klostergarten (DZ ab 109 €).

Wandeln auf dem Liebesbankweg und Skispaß am Bocksberg

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Skifahren Hahnenklee in Goslar
Familientauglich: Das Skigebiet in Hahnenklee mit Seilbahn und Sesselliften

Nicht nur für Verliebte, sondern auch für ganze Familien ist er ein Erlebnis – der romantische Liebesbankweg*. Der 7 Kilometer lange Wanderweg durch naturbelassene Wiesen, entlang an Teichen und interessanten Aussichtspunkten ist mit 25 individuell gestalteten Bänken bestückt: Vom ersten Rendezvous bis zum 75. Hochzeitstag werden die verschiedenen Phasen des (Liebs-)Lebens dargestellt und mit kleinen Geschichten angereichert. Diese und andere Wanderungen rund um Hahnenklee-Bockswiese versprechen noch einen weiteren Wohlfühl-Effekt: Seit 130 Jahren trägt der Ort das Prädikat "Heilklimatischer Kurort".

Wie wär's noch mit einem Wintertipp? Mitten im Ortskern von Hahnenklee starten die Seilbahn und der 4er-Sessellift auf den 726 Meter hohen Bocksberg. Dort geht es für Skifahrer und Snowboarder auf fünf Abfahrtspisten von leicht bis schwer ins Tal. Oder Sie nehmen die 1500 Meter lange beleuchtetet Rodelbahn.

Wer zu Fuß zum Gipfel möchte, beginnt den Aufstieg an der Stabkirche*, einem sehenswerten Holzbauwerk nach norwegischem Vorbild, das 1908 eingeweiht wurde. Weitere winterliche Aktivitäten? 11 Kilometer Loipen werden gepflegt, von der Übungsloipe im Kurpark bis zur Hahnenklee-Bergloipe oder der Schulberg-Loipe. Scheeschuhwandern ist genauso im Angebot wie 20 Kilometer gut geräumte Winterwege.

Text: Elisabeth Schneider. Fotos: Goslar marketing gmbh (4), akpool GmbH, dpa picture alliance/Anne-Sophie Galli, Shutterstock, PR.

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