Reise & Freizeit

Geld von der Airline

Flug gestrichen oder verspätet – dann müssen Passagiere finanziell entschädigt werden. Hier finden Sie Tipps und Infos, wie Sie zu Ihrem Recht kommen

Bei Tuifly ging im Oktober 2016 fast nichts mehr: Mitten im Streit über ¬eine Kooperation ihres Arbeitgebers mit Etihad meldeten sich große Teile der Belegschaft krank. Die Folge waren reihenweise Annullierungen und Verspätungen. Die Passagiere blieben sitzen, wurden umgebucht oder mussten lange warten. Jetzt wird darüber gestritten, ob sie einen Anspruch auf Ausgleichszahlungen haben. Ja, sagen viele Amtsgerichte wie das AG Erding (AZ.: 13 C 3778/16), weil Krankmeldungen Sache der Airline seien. Nein, sagt das AG Nürtingen (AZ.: 12 C 2547/16), da ein wilder Streik und damit ein außergewöhnlicher Umstand vorlag.

„Natürlich versuchen Fluggesellschaften, sich möglichst oft auf außergewöhnliche Umstände zu berufen“, erklärt ADAC Verbraucherschutz-Juristin Silvia Schattenkirchner. Unstrittig ist das bei Ereignissen, die keiner verhindern kann. Wie Unwetter oder Aschewolken nach einem Vulkanausbruch. Gern versuchen Airlines aber auch, sich mit dem Hinweis auf defekte Lautsprecheranlagen oder verstopfte Toiletten zu entlasten. „Dass jetzt massenhafte Krankmeldungen ein außergewöhnlicher Umstand sein sollen, ist neu“, wundert sich die Expertin.

ADAC Juristen helfen beim Anmelden der Ansprüche
Damit Mitglieder ihre Ansprüche schnell und einfach bei einer Fluggesellschaft anmelden können, haben die Clubjuristen ein Formular entwickelt. Zahlt die Airline daraufhin nicht, hilft die Rechtsberatung des Clubs und wenn nötig ein ADAC Vertragsanwalt. Oder für eine außergerichtliche Einigung die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP), die für Verbraucher kostenlos ist. Im Fall von Tuifly erwartet Silvia Schattenkirchner einen juristischen Marathon: „Die Klagewelle läuft, und die Amtsgerichte sind frei in ihrer Entscheidung, daher kann es weiterhin unterschiedliche Urteile geben.“ Für Rechtssicherheit wird am Ende wahrscheinlich erst der Europäische Gerichtshof (EuGH) sorgen, den das Amtsgericht Hannover angerufen hat. „Ich rechne damit“, sagt die ADAC Juristin, „dass der EuGH zugunsten der Verbraucher entscheidet.“

Text: Christof Henn, Foto: Shutterstock

Das steht Ihnen zu

Für die betroffenen Passagiere geht es dabei um viel Geld: In der Fluggastrechteverordnung der EU ist genau geregelt, welche Ausgleichszahlung ihnen zusteht. Wenn keine außergewöhnlichen Umstände wie ein Unwetter oder ein Streik vorliegen, haben Passagiere bei Verspätungen von mindestens drei Stunden Anspruch auf Ausgleichszahlungen. Das gilt für alle Starts in der EU. Bei Rückflügen aus dem Nicht-EU-Ausland gibt es aber nur Geld, wenn Sie an Bord einer europäischen Airline gebucht sind. Die Höhe der Ausgleichszahlung hängt von der Flugstrecke ab: Bis 1500 km sind es 250 € pro Person, bis 3500 km 400 €, und bei Langstreckenflügen über mehr als 3500 km und Ziel außerhalb der EU gibt es 600 €.

Weitere Tipps & Infos

Bei Fragen zum Thema beraten die Clubjuristen Mitglieder kostenlos unter Tel. 0 89/76 76 24 23 oderonline.

Das PDF-Formular zur Anmeldung von Ansprüchen können Sie hier direkt herunterladen

Musterschreiben für Ansprüche wegen Annullierung oder Verspätung (27,36 KB)