Lissabon: Highlights und Geheimtipps der Hauptstadt Portugals

30.6.2018

Lissabon gilt als eine der schönsten Städte der Welt. Bei Touristen besonders beliebt: Die Alstadt mit dem Kastell und die Viertel Baixa und Bairo Alto. Wir zeigen aber auch unbekannte Ecken der Hauptstadt Portugals. Plus: Sehenswürdigkeiten, Hotels, Restaurants

Lissabon Reisemagazin 2018
Tourguide Bruno Gomes (schwarzer Sweater) im Bairo Alto

Die Routen von Bruno Gomes haben sich verändert. Vor acht Jahren fuhr er Touristen noch in seinem Militärjeep über die Hügel der Altstadt. Manchmal ging er mit seiner Gruppe danach in der Baixa, der Unterstadt, essen.

Mittlerweile werden die Touristen in Tuk-Tuks, in Amphibienmobilen und auf Segways durch Lissabon gefahren. Sie lehnen sich, mit Selfiesticks bewaffnet, aus den Fenstern der überfüllten Tram 28 E, die sich tapfer ruckelnd und zischend zur Burg hinaufkämpft. Und die Baixa ist heute tagtäglich ziemlich voll. Lissabon hat sich verändert. Stark verändert.

Berühmt: Kastell São Jorge

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Der bekannteste Aussichtspunkt der Stadt: Castelo São Jorge in der Alfama

"Früher sind wir zu einem Aussichtspunkt wie dem Kastell São Jorge gegangen und waren fast allein dort. Das ist heute undenkbar", sagt Bruno Gomes. "Es ist nicht schlechter geworden, nur anders." Gomes ist keiner, der vorschnelle Urteile fällt. Er beobachtet und macht sich so seine Gedanken. Über Lissabon. Schon von Berufs wegen. "We hate Tourism Tours*" heißt das kleine Unternehmen des 39-Jährigen, mit dem er Touren veranstaltet. Aber eben so, als zeige er Freunden seine Heimat.

Lissabon hat um die 600.000 Einwohner. Allein 2016 besuchten etwa sechs Millionen Menschen den Großraum Lissabon – es wird langsam eng. Die in der Sonne glänzenden, gekachelten Häuser, die prächtige Sicht von den Aussichtspunkten, der morbide Charme der verwinkelten Ecken im alten Viertel Mouraria, das weiche Licht über der Stadt, die Pastéis de Nata – all das ist längst kein Geheimtipp mehr.

Vor nicht allzu langer Zeit war die Stadt heruntergekommen und vergessen. Jetzt ist sie, auch durch den Tourismus, im wirtschaftlichen Aufschwung – und lebensfroh wie nie. Aber das gilt nicht für alle. Der Wohnraum wird immer knapper, die Mieten steigen. Altstadtwohnungen mit Holzdielen und Stuck an der Decke verwandeln sich in Airbnbs, und für jeden kleinen Laden, der in der Innenstadt schließt, öffnet umgehend ein Souvenirshop. "Lisbonlandia" nennt Bruno Gomes das – die Verwandlung des Zentrums in einen Vergnügungspark.

TIPP
Das Restaurant Chapitô à Mesa* in der Nähe des Kastells hat die vielleicht schönste Terrasse der Stadt, mit Blick über Lissabon und denTejo.

Der Boom bringt Geld in die Stadt

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Der Park der Nationen ist aus dem Expo-Gelände entstanden

José Vilar de Almeidas kleiner Familienbetrieb Retrosaria Bijou liegt in der Baixa, in der Rua da Conceição 91. Die blaue Jugendstilfassade der Retrosaria Bijou landet auf unzähligen Touristenfotos, denn die Tram mit der Nummer 28 hält genau gegenüber.

Der 62-Jährige José ist ein vornehmer Herr, der stets im Jackett hinter der hellblauen Ladentheke steht. Eigentlich verkauft er Knöpfe, Wolle, Garn und Spitze, mittlerweile aber ist er auch eine Art Auskunftsbüro für die 28. "Die Leute fragen sogar, in welche Richtung die Tram fährt, dabei ist das doch offensichtlich", sagt José.

Generell aber begrüßt er den Touristenboom. Die Besucher bringen Geld in die Stadt. Zum diesem Boom beigetragen hat auch das Gelände der Expo 1998. Heute heißt es Parque das Nações, zu deutsch Park der Nationen. Das architektonisch hochmodern bebaute Gebiet liegt direkt am Tejo und hat sich nach der Weltausstellung zu einem neuen Stadtviertel, mit großem Einkaufzentrum, einem Ozeanium und Casino, entwickelt, das Besucher und Einheimische anspricht.

TIPPS
Übernachten im Alma Lusa. Das Hotel in der Baixa hat erst vor gut zwei Jahren eröffnet – innen neu und modern, das Gebäude stammt aber aus dem 15. Jh.

Eine Fahrt mit der Teleférico, der Seilbahn im Park der Nationen, vom Ozeaneum zum Vasco-da-Gama-Turm.

Das Vasco-da-Gama-Shopping-Center ist eines der größten Lissabons und hat täglich von 9–24 Uhr geöffnet.

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Ein "Miradouro" mit Bewirtung

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Bairro Alto: Die Park Bar ist zwar oft voll, bietet aber auch einen super Blick

"Die Stadt ist insgesamt lebensfroher geworden", erklärt Tourguide Bruno Gomes. "Aber viele Lisboetas haben das Gefühl, dass sie außen vor bleiben." Gomes sitzt am Steuer seines weißen Tour-Vans. Die Straße führt Richtung Nordosten, am Ufer des Tejo entlang. Hier, am Industriehafen, erfinden sich gerade ganze Viertel neu, etwa Marvila und Beato. Hotspot ist die Rua do Açúcar.

Das Leben hier spielt sich auf der Straße ab – beim Tratsch am Kiosk, einen Kaffee in der Hand, oder beim Dominospielen im Park. Im Frühling unter lila blühenden Jacarandabäumen, im Sommer unter bunten Girlanden und bei Regen eben unter Vordächern oder in Hauseingängen.

Mit seinen Gästen fährt Bruno eher selten nach Marvila. "Viele Leute denken zwar, dass sie etwas anderes von der Stadt sehen möchten, aber in Wirklichkeit wollen sie genau das gerade nicht", sagt der 39-Jährige. Am meisten nachgefragt wird bei den "We hate Tourism"-Touren der klassische Tagesausflug: kurzer Abstecher in das alte Viertel um die Burg São Jorge.

Ebenso beliebt bei den Touristen ist nach wie vor Bairo Alto, das angesagteste Ausgehviertel Lissabons. Klassischerweise holt man sich hier einfach einen Cocktail in einer der Bars und stellt sich damit an den Straßenrand. Mittlerweile ist es dort an den Wochenenden im Sommer jedoch nur schwer auszuhalten, weil man zu sehr damit beschäftigt ist, nicht von britischen Junggesellenabschieden und Pub-Crawls überrannt zu werden.

TIPPS
Die Park Bar liegt auf dem Dach eines Parkauses im Bairo Alto*. Junge Leute, Hipster, fabelhafte Aussicht und coole Drinks.

Im Fabrica Musa im neuen In-Viertel Marvilla* wird hausgebrautes Craft-Bier ausgeschenkt.

Im El Bulo Social Club* werden bodenständige, argentinisch, peruanisch und portugiesisch angehauchte Gerichte des ­Starkochs Chakall serviert.

Ein "Friedhof der Freuden"

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Ruhe und Erholung bietet der Jardim da Estrela

Wer es etwas ruhiger mag, sollte zum Beispiel den Jardim da Estrela aufsuchen. Dort trifft man Familien und Ruhe suchende Besucher, die die Mischung aus exotischen Bäumen, Teichen und einer Bücherei zu schätzen wissen.

Tour-Guide Bruno bringt seine Kunden aber auch oft zum Cemitério dos Prazeres, dem "Friedhof der Freuden". Der seltsam anmutende Name geht mutmaßlich auf die frühere Nutzung zurück, als das Gelände noch ein Ausflugspark war. Eine kleine Stadt aus Mausoleen mit einem wundervollen Blick über Lissabon, hinunter zum Tejo und der markanten Brücke des 25. April – ein Postkartenmotiv vom Reich der Toten aus. Hier trinkt Bruno mit seinen Gästen immer einen Ginjinha, den portugiesischen Kirschlikör – "auf das Leben, versteht sich".

"Mein Opa will einmal in Prazeres begraben werden", verrät Bruno. Der alte Mann glaube, dass die Toten sich dort allen möglichen Freuden hingeben würden – wegen des Namens. Und Brunos Opa pflege in letzter Zeit noch etwas zu sagen: "Lissabon war noch nie so schön wie heute. Leute kommen und gehen, aber die Stadt, die bleibt so, für alle, die hier sind."

TIPPS
Der Cemitério dos Prazeres* ist ein Friedhof mit ausgezeichnetem Blick über Lissabon und den Tejo.

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Weitere Informationen gibt es auf der Website des Tourismusbüros von Lissabon*.

Text: ADAC Reisemagazin/Laura Kaufmann. Fotos: ADAC Reisemagazin/André Vieira.

Diese Reportage ist ursprünglich im ADAC Reisemagazin Portugal* erschienen. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des ADAC Verlags.

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