Unterwegs in Marokkos Sahara mit dem Nissan Navara AT32

20.12.2018

Marokko ist nicht nur das Tor zu Afrika oder das Land der Königsstädte. Es besteht vor allem aus viel, viel Sand. Daher suchen wir abseits der historischen Sehenswürdigkeiten das Abenteuer in der Sahara

Mit dem Auto durch die Wüste Sahara in Marokko
Dank Allrad ist der Wüstensand für den Nissan Navara kein Problem

Nur Sand. Gelb bis orange ist er, an ein paar Stellen dominiert Braun, das ins Schwarze geht. Dazwischen sprießen Gräser und andere grüne Pflanzen. Keine andere Wüste der Welt bietet eine Farbenvielfalt wie die Sahara. Mit einer Länge von 5500 Kilometern und einer Breite von bis zu 2000 Kilometern erstreckt sie sich von der Atlantikküste Marokkos bis zum Roten Meer - neun Millionen Quadratkilometer groß.

Deutschland ließe sich auf dieser Fläche 26 Mal unterbringen. Die Sahara gilt als die Königin unter den Trockenwüsten. Sie besteht größtenteils aus Stein und Fels besteht – nur rund 20 Prozent sind mit Sand bedeckt.

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In Harar im Osten Äthiopiens lebt ein Mann, der Hyänen füttert. Wer das miterleben will, muss verschiedene öffentliche Verkehrsmittel nutzen, um ans Ziel zu kommen: Sowjetische Lada-Taxis, den neuen chinesischen Zug und die allgegenwärtigen Minibusse.

Abenteuer: Der Hyänenmann aus Harar

Den ersten Kontakt mit dem sandigen Teil der Sahara bekommt man von Nordwesten kommend in Marokko. Das Königreich hat weit mehr zu bieten als die berühmten Königsstädte Marrakesch, Meknes und Fes – insgesamt neun Städte zählen zum Welterbe der UNESCO. Rund acht Stunden Fahrt von Marrakesch entfernt, oder fünf Stunden von Ouarzazate, liegt die Kleinstadt Er-Rachidia.

Kurz dahinter legt sich der feine Sand zum ersten Mal auf den Boden, wird dann immer mehr, bis er ab Erg Chebbi anfängt, sich in ein Sandmeer zu verwandeln. Dort wollen wir hineinfahren. Zumindest ein paar hundert Meter. Wenig Risiko, aber doch das Abenteuer Sahara erleben. Ideal für Offroader, die mal gerne im großen Sandkasten spielen wollen.

Natürlich sind dort auch die Profis am Start: 2006 und 2007 fuhren hier die Rallye-Fahrzeuge der Rallye Paris-Dakar durch. Rund 400 Kilometer Strecke legten die Teams durch das Einfallstor der Wüste zwischen Er-Rachidia und Ouarzazate zurück. Das Teilstück mit den meisten Bodenbelag-Wechseln, berüchtigt für seine Schotter- und Sandpisten.

Die Sahara-Tour startet in Er-Rachidia

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Erlebnis Wüste Sahara in Marokko
Alte Lehmhäuser säumen die Strecke von Er-Rachidia bis nach Erfoud

Er-Rachidia ist touristisch weniger bedeutend, ist aber als Startpunkt unserer Tour mit einem kleinen Flughafen und einigen Hotels praktisch. Früher lag hier ein Stützpunkt der Fremdenlegion, mittlerweile sichern von hier aus marokkanische Truppen die Grenze zu Algerien. Die weißen, recht gepflegten Lehmhäuser huschen an der Seitenscheibe vorbei, als wir entlang der Route 10 langsam Richtung Erfoud fahren.

Wir sind unterwegs im neuen Nissan Navara AT32. Der Pick-up verkauft sich seit 1985 in verschiedenen Generationen in über 150 Ländern. Die aktuelle vierte Generation zieht bis zu 3,5 Tonnen und ist bisher der bestverkaufte Pick-up der japanischen Marke. Die Version AT32 mit Doppelkabine und Pritsche unterscheidet sich vom normalen Navara unter anderem durch das Offroad-Fahrwerk mit mehr Bodenfreiheit, Kotflügelverbreiterungen, 17-Zoll-Räder, grobstollige 32-Zoll-Reifen und ein kompletten Unterfahrschutz.

Statt Trittbretter schützen Schwellerrohre die Seiten der Karosserie. Ideal für eine Tour durch die Wüste. Etwa 6400 Euro kostet das Paket als Aufpreis zum Basismodell. Der 2,3-Liter-Vierzylinder-Diesel mit 140 kW/190 PS in der Doppelkabine (ab 35.485 Euro, im Navara AT32 53.230 Euro) zieht seine Frischluft durch den hochgelegten Ansaugrüssel, zischt und fiept bei jedem Gaspedaltritt. Wie ein herannahender US-Krankenwagen heult es permanent. Etwas gewöhnungsbedürftig.

Technische Daten
Nissan Navara AT32
Motor 2,3 Liter-Vierzylinder-Diesel, 140 kW/190 PS, 450 Nm
Verbrauch 6,9 l/100 km, 183 g CO2/km
Maße L 5,25 / B 2,07 / H 1,80 m
Preis ab 53.230 Euro

Am Rande von Erfoud beginnt die Sahara

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Mit dem Auto durch die Wüste Sahara in Marokko
Die Sahara ist ca. neun Millionen Quadratkilometer groß

Doch die Kinder auf den Straßen Richtung Erfoud scheint das nicht zu stören. Erfoud ist die größte Stadt Marokkos an der östlichen Grenze, gilt als Hauptstadt der Draa-Tafilalet-Region. Auf rund 800 Höhenmetern leben hier rund 30.000 Menschen am Rande des Berges Djebel Erfoud, meist in Lehmbauten.

1917 gründeten Franzosen die Stadt, sie war aber schon im Mittelalter Stützpunkt für Karawanen auf dem Weg ins südliche Sjilmassa. Vieh, Sklaven und Gold fanden hier neue Besitzer. Glücklicherweise sind diese Zeiten längst vorbei.

Ein paar Schulen säumen die Landstraße, Kinder fahren wie wild mit ihren Rädern auf der Straße. Vollbeladene Mopeds, LKW und Esel queren unkoordiniert die Fahrbahn. Wir drosseln die Geschwindigkeit, versuchen in diesem Wirrwarr den Überblick zu behalten. Die Stadt bietet wie Er-Rachidia wenig touristische Höhepunkte.

Nach heftigen Regenschauern tragen Flüsse wieder Wasser

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Mit dem Auto durch die Wüste Sahara in Marokko
Der Nissan Navara AT32 hat eine Bodenfreiheit von über 24 Zentimeter 

45 Kilometer dahinter, gut eine halbe Stunde Fahrt entfernt, beginnt das Ziel unserer Reise: Erg Chebbi, der Beginn der Sahara.Im Nissan Navara schalten wir von Hinterradantrieb auf Allrad um. Für den Sand benötigen wir keine Untersetzung – zwei Tage vorher hat es hier geregnet, das erste Mal seit ungefähr 15 Jahren, wie uns ein Einheimischer erzählt.

Der ansonsten weiche Sand bleibt unter den dicken Geländereifen fest, gibt kaum nach. Mit etwas Gas geht es zaghaft in die erste Düne, der Sand spritzt jetzt zur Seite, die Reifen buddeln sich leicht ein. Im Konvoi einer geführten Tour fahren wir immer tiefer in die Sahara. Der Lack reflektiert das Gold-Gelb des Sandes, die Körnchen setzen sich in den Ritzen der Karosserie fest.

Mit rund 40 km/h durchqueren wir das Sandmeer, buddeln uns über Dünen-Kämme bis auf ein Plateau. Von hier aus können wir kilometerweit nach Süd-Osten schauen. Endlose Weite. Eine geführte Kamelkarawane zieht hinter der nächsten Sanddüne vorbei – keine Fata Morgana, sondern eine Touristenattraktion.

Wir sitzen lieber im bequemen Navara als auf Kamelrücken und fahren weiter Richtung Tighedouine. Der Bodenbelag ändert sich, wechselt von weichem Sand zu feiner Steinpiste. Kleine, lose Steine trommeln in den Radkästen, geben den Takt vor. Mit rund 60 km/h fliegen wir über die leichte Wellblechdüne, nehmen die Vibrationen als Schwung mit.

Den Rest bügelt das Fahrwerk des Navara spielend aus. Nur vereinzelt müssen wir stark abbremsen. Tiefe Furchen durchqueren die Straße, würden bis ins Rückenmark durchschlagen. Das Radio bleibt aus, die Unterhaltung verstummt, denn der Fahrer muss sich auf die Piste konzentrieren. Zum Glück wechselt die Siebengang-Automatik (1650 Euro) bequem die Fahrstufen.

Die Sicht vom Krater Gara Medouar ist atemberaubend

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Erlebnis Wüste Sahara in Marokko
Verschiede Fels- und Gesteinsstrukturen, Farben und Formen wechseln sich ab

Wir sind unterwegs zur Kraterstruktur Gara Medouar. Der Krater diente früher einmal als Gefängnis und danach dem marokkanischen Militär als Stützpunkt. Vor dem Kraterrand liegen noch vereinzelte Reste von Gebäuden und Mauern, die Sicht vom Rand ins Tal ist atemberaubend.

Verschiede Fels- und Gesteinsstrukturen, Farben und Formen wechseln sich ab. Der magische Ausblick hält einen fest – wie der Blick aufs Meer oder ins offene Feuer. Die Gegend rund um die kreisrunde Gara Medouar und das Plateau diente schon häufig als Filmkulisse. So erwachten hier in der ägyptischen Phantasie-Stadt Hamunaptra die Gespenster der Mumie und James Bond verfolgte in Spectre seinen Widersacher Franz Oberhauser.

Von James Bond fehlt jede Spur, dafür geben welche von Reifen die weitere Richtung in die Wüste vor. Wir suchen uns einen ausgefahrenen Weg, fahren weiter Richtung Süden. In kleinen Nomaden-Dörfern rennen Kinder zum Auto, fragen nach Kleidung und Süßigkeiten – traurige Begleiterscheinungen des Tourismus in Afrika.

Zeitgenössische Kunst mitten in der Sahara

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Eine Pyramide in der Wüste Sahara
Die Himmelstreppe hat eine Höhe von 16 m

Richtung Tinjedad steht auf einmal mitten im Nichts die Himmelstreppe des deutschen Künstlers und Architekten Hannsjörg Voth – ein Fremdkörper in der Wüste. Der Weg endet abrupt, der Regen hat eine schmale Rinne in einen kleinen Fluss verwandelt.

Wir suchen uns die niedrigste Stelle, schalten das Untersetzungsgetriebe ein und kriechen mit den 80 Zentimeter Watttiefe langsam durch das Flussbett. Das Wasser spritzt bis zur Scheibe hoch, der Nissan stampft munter weiter, spült sich den Sand am Unterboden ab.

Zurück im Hotel klopfen wir uns den Sand vom Körper. Es reibt ein wenig in den Socken, knirscht zwischen Zähnen. Zur Erfrischung gibt es Tee aus kleinen Gläsern. Barbier Chalid zieht seine Silberkanne beim Eingießen nach oben, kreiert eine weiße Schaumkrone. Der süße Pfefferminztee kribbelt auf der Zunge. So muss Marokko schmecken. Abseits der Königsstädte und ganz nah an der Sahara.

Text und Fotos: Fabian Hoberg

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