Neuer VW Polo im ADAC Test: Fast schon ein Golf

22.7.2019

Der Kleinwagen-Klassiker der sechsten Generation punktet mit solidem Auftritt und aktueller Technik. Doch perfekt ist der kleine Bruder des Golf nicht. Testergebnisse der Benzin- und Erdgasversion, Daten, Crashtest-Video, Preise

  • Der VW Polo der sechsten Generation ist über vier Meter lang
  • Im Test: Die beiden Dreizylinder mit 95 und 115 PS
  • Hohe Preise, fünf Sterne im Crashtest
  • Saubere Erdgasversion mit fünf Sternen im ADAC Ecotest

 

Ein völlig klassenloses Auto zu sein – das hat man bisher immer dem Golf nachgesagt. Der neue VW Polo tritt nun mit dem gleichen Anspruch an: Er soll es jedem recht machen ohne dabei beliebig zu wirken. Diese Gratwanderung hat VW schon immer ganz gut beherrscht.

Der auf 4,05 Meter gewachsene Kleinwagen präsentiert sich deshalb optisch unaufgeregt und unter dem Blech ziemlich wandlungsfähig: Es gibt ihn als schmalbrüstiges Basismodell mit 65 PS und Magerausstattung, als umweltfreundliche Erdgasvariante aber auch als 200 PS starken GTI. Im ADAC Test: Der 1,0-Liter-Dreizylinder mit 95 und 115 PS sowie die 90 PS starke CNG-Erdgasversion namens 1.0 TGI.

Der Dreizylinder-Benziner schneidet gut ab

Zunächst zur 95-PS-Version. Die goldene Mitte bei den Motoren erweist sich im Polo als sehr passend. Eine Höchstgeschwindigkeit von 187 km/h sollte für einen Kleinwagen mehr als reichen und der Sprint von 0 auf 100 km/h geht mit 10,8 Sekunden in Ordnung. Typisch Dreizylinder: Der kernige Motorklang, der stets präsent ist. Zu laut ist der Polo allerdings nicht. Bei 130 km/h herrschen gemessene 68,4 dB (A) – für ein Auto dieser Größe geht das in Ordnung.

Das Ansprechverhalten des kleinen Dreizylinders mag jedoch nicht überzeugen. Aus dem Drehzahlkeller heraus zeigt sich der VW träge, was auch die Beschleunigungsmessung beweist. Im zweiten Gang braucht der Kleinwagen rund 3,3 Sekunden, um von 15 auf 30 km/h zu beschleunigen – das ist für einen Kleinwagen, der wohl meist in der Stadt bewegt wird, ungünstig.

Beim Verbrauch hält sich der Polo 1.0 zurück, kann aber keine neuen Rekorde aufstellen: 5,4 Liter Super haben die Testingenieure im ADAC Ecotest ermittelt. Sehr erfreulich ist das Thema Abgase. Sie fallen insgesamt recht niedrig aus, und selbst bei unseren RDE-Messungen im realen Betrieb auf der Straße konnte der Polo unter Beweis stellen, dass er sauber fährt.

Die 115-PS-Variante des 1,0-Liter-Motors kann natürlich einiges besser und ist all jenen zu empfehlen, die auch mal flotter unterwegs sein wollen. Die Fahrleistungen sind für alle Lebenslagen mehr als  ausreichend, es kommt sogar ein kleines bisschen GTI-Feeling auf. Die Beschleunigung von 60 auf  100 km/ ist in 6,5 Sekunden erledigt, der Sprint von 0 auf 100 km/h liegt bei guten 9,5 Sekunden.

Nachteil: Der Verbrauch fällt mit 6,3 Litern Super auf 100 Kilometer deutlich höher aus als bei der 95-PS-Version. Bei den Abgaswerten kann aber auch die stärkere Version des Polo glänzen und liegt in allen Bereichen deutlich unter den Grenzwerten.

Erdgasversion 1.0 TGI verbraucht nur 3,9 kg CNG/100 km

Die dritte vom ADAC getestete Version ist das Erdgasmodell 1.0 TGI. Auch er hat den Dreizylindermotor unter der Haube, allerdings mit nur 90 PS Leistung. Wegen der Erdgastanks entfällt der doppelte Ladeboden, so dass die CNG-Version des Polo 35 Liter weniger fasst. Die Erdgastanks fassen 13,8 Kilogramm, zusätzlich steht noch ein rund 9 Liter fassender Not-Benzintank zur Verfügung, falls mal keine der noch immer spärlich gesäten CNG-Tankstellen in der Nähe ist. 

Der Gaser zeigt sich noch etwas träger bei Beschleunigung und Durchzug als seine Basis (siehe oben) – für flottes Vorankommen braucht es mittlere bis höhere Drehzahlen. Von 60 auf 100 km/h im fünften Gang? Hier braucht der Wolfsburger lange 23,9 Sekunden. Den Sprint auf 100 km/ schafft er in 11,9 Sekunden – und ist damit merklich langsamer als der Benziner. Vom Phlegma früherer Erdgasautos ist der Polo aber dennoch weit entfernt.

Doch bei einem Erdgasmodell kommt es in erster Linie auf den Verbrauch an. Und hier ist der Polo top. Im ADAC Ecotest gemessene 3,9 Kilogramm CNG auf 100 Kilometer sind sehr sparsam. Bei einem angenommenen Kilopreis von 1,10 Euro kosten 100 Kilometer so nicht einmal 4,50 Euro! Zudem ist die Gasversion mit sehr sauberen Abgasen und geringem CO2-Ausstoß sehr umweltfreundlich: Das macht volle fünf Sterne in der ADAC Umweltwertung.

Einziger Haken: Nach 350 Kilometern ist der Gastank leer, was längere Reisen auf der ständigen Suche nach Erdgastankstellen unentspannt macht.

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Dem Trend zu Individualisierungen aller Art folgt auch der VW Polo – und damit sind nicht nur die 14 Außenlackierungen, acht Armaturenbrett-Farben von mausgrau bis strahlend orange oder das Beats-Modell mit 300-Watt-Anlage und peppiger Inneneinrichtung gemeint. Als erster Kleinwagen kann der Polo mit "virtuellem Cockpit" geordert werden. Statt klassischer Zeiger für Drehzahlmesser und Tacho liegt es am Fahrer, wie er das Display hinter dem Lenkrad konfiguriert. Hier können zum Beispiel die Landkarte dargestellt werden oder ganz reduziert die Daten des Bordcomputers.

Gut: In der Mittelkonsole lässt sich das Smartphone kabellos aufladen. Erweitert werden kann der Polo zudem um ein Navigationssystem, Apple CarPlay und Android Auto sowie Mirror-Link und eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung. Dank Car-Net sind auch Online-Dienste wie Informationen zum Ver- kehrsaufkommen möglich, dafür benötigt man aber eine Datenverbindung – hierfür kann man das System beispielsweise via WLAN mit dem Mobilfunktelefon verbinden.

Solides Cockpit mit Touchscreen

Das Cockpit des Polo erstrahlt im neuen Glanz. Dominiert wird es im Testwagen vom weit oben positionierten und zum Fahrer hin geneigten acht Zoll großen Touchdisplay des optionalen Multimediasystems Composition Media. Praktisch: Das System verfügt neben den berührungs- sensitiven Schaltflächen auch noch über einen Drehregler für die Lautstärke und einen zweiten, mit dem man sich durch die Menüs nach unten arbeiten oder in der Navigationskarte zoomen kann. Ein Nachteil des neuen Multimedia-Bildschirms: Die Hochglanz-Oberfläche präsentiert jeden Fingerabdruck unübersehbar.

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VW T-Cross: Der Mini-SUV auf Polo-Basis

VW T Cross Prototyp 2018Der VW T-Cross ist das erste Modell von Volkswagen für den Markt der Mini-SUV – und unterhalb des T-Roc angesiedelt. Basis für den Crossover ist der VW Polo. Die ADAC Testredaktion ist den T-Cross bereits gefahren.

Erste Testfahrt und alle Infos zum VW T-Cross

Besonders stolz ist VW auf die immense Anzahl von Assistenzsystemen. Eine City-Notbremsfunktion ist Serie, alles andere – von der Müdigkeitswarnung bis hin zum Ausparkassistenten, der beim Rückwärtsfahren aus der Lücke Querverkehr registriert – kostet Aufpreis. Wer fleißig in den Listen ankreuzt, kann einen profanen Kleinwagen so zum High-End-Gerät aufrüsten. Das ist teuer – und inzwischen auch typisch für VW. Wenigstens entfällt jetzt der Aufpreis für den Fünftürer: Die dreitürige Version wurde gestrichen.

Etwas mehr Platz im Innenraum

Bemerkenswert ist insgesamt der erwachsene Auftritt des Polo. Die Türen fallen satt ins Schloss, der Federungskomfort dürfte auf langen Autobahnstrecken Maßstäbe im Segment setzen. Nur bei niederigeren Geschwindigkeiten spricht die Federung ein wenig trocken an. Das können andere besser.

Das Platzangebot ist trotz des Lägenwachstums um acht Zentimeter kleinwagentypisch geblieben, auch wenn die ADAC Messungen bescheinigen, dass insbesondere vorn auch große Personen gut klarkommen. Der Fahrersitz lässt sich zum Beispiel auch für zwei Meter große Menschen zurückschieben

Der Kofferraum fasst bis zur Abdeckung lediglich 250 Liter, selbst wenn der variable Kofferraumboden sich in unterer Position befindet. Baut man die Kofferraumabdeckung aus, lassen sich 340 Liter oder sechs handelsübliche Getränkekisten bis unter das Dach stapeln. Nach dem Umklappen der Rücksitzlehnen passen bis zur Fensterkante 635 l (aus Sicherheitsgründen empfohlen) und bis unter das Dach 1.055 Liter hinein.

Was nicht so ganz zum hochwertigen Anspruch mit weichen Oberflächen am Armaturenbrett und guter Verarbeitung passt, sind die Türverkleidungen aus billigem Hartplastik. Weggespart hat man außerdem die Haltegriffe am Dachhimmel. Gerade ältere Leute nutzen die Griffe gern beim Ein- und Aussteigen. Ein Thema für das Facelift in drei Jahren.

Beim ADAC Ausweichtest nicht souverän

Im ADAC Ausweichtest zeigt der neue Polo kein souveränes Fahrverhalten. Das Heck drängt bereits beim ersten Anlenken stark nach außen – das ESP verhindert zwar ein Schleudern, das Fahrverhalten ist aber dennoch anspruchsvoll, vor allem für ungeübte Fahrer. Das ESP sollte insgesamt etwas früher und beherzter eingreifen. Und auch die gemessenen Bremswerte sind – zumindest bei der 95-PS-Version – ausbaufähig: 37,6 Meter braucht der Polo 1.0 bei einer Vollbremsung aus 100 km/h. Die 115-PS-Variante stand bei unseren Messungen bereits nach 34,5 Metern.

Lesen Sie hier den ausführlichen Test zum VW Polo 1.0 TSI Comfortline (95 PS), zum Polo 1.0 TSI Highline DSG (115 PS) und zum Polo 1.0 TGI Highline (90 PS, Erdgas).

 

Technische Daten (Herstellerangaben)
VW Polo 1.0 TSI Comfortline (95 PS)
Polo 1.0 TSI Highline DSG (115 PS) Polo 1.0 TGI Highline (90 PS, CNG) 
Motor 3-Zylinder-Turbobenziner, 999 cm3, 70 kW/95 PS, 175 Nm bei 2000 U/min 3-Zylinder-Turbobenziner, 999 cm3, 85 kW/115 PS, 200 Nm bei 2000 U/min  3-Zylinder-Turbobenziner, 999 cm3, 66 kW/90 PS, 160 Nm bei 1800 U/min 
Fahrleistungen 10,8 s von 0 auf 100 km/h, Spitze 187 km/h
9,5 s von 0 auf 100 km/h, Spitze 200 km/h   11,9 s von 0 auf 100 km/h, Spitze 183 km/h 
Verbrauch (WLTP) 5,4 l Super/100 km, CO2-Ausstoß: 124 g/km
5,9 l Super/100 km, CO2-Ausstoß: 133 g/km  3,8 l CNG/100 km, CO2-Ausstoß: 105 g/km  
Maße L 4,05 / B 1,75/ H 1,46  L 4,05 / B 1,75/ H 1,46   L 4,05 / B 1,75/ H 1,45 
Kofferraum  351 – 1125 l  351 – 1125 l   251 – 1025 l   
Preis 18.020 €, Baureihe ab 13.655 € 21.670 €  21.360 € 
ADAC Messwerte (Auszug)
1.0 TSI (95 PS) 1.0 TSI DSG (115 PS)  1.0 TGI (90 PS) 
Überholvorgang 60-100 km/h
6,4 s  6,5 s  7,3 s 
Bremsweg aus 100 km/h
37,6 m
34,5 m  34,0 m 
Wendekreis 10,7 m
10,7 m  10,7 m 
Verbrauch / CO2-Ausstoß ADAC EcoTest
5,4 l Super/100 km, 148 g CO2/km (well-to-wheel)
6,3 l Super/100 km, 172 g CO2/km (well-to-wheel)  3,9 kg CNG/100 km, 114 g CO2/km (well-to-wheel)  
Reichweite
740 km
635 km  350 km 
Innengeräusch bei 130 km/h 68,4 dB(A)
68,9 dB(A)  69,3 dB (A) 
Leergewicht / Zuladung
1140 / 470 kg
1195 / 465 kg  1255 / 425 kg 
Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch 250 / 635 / 1055 l
215 / 600 / 1020 l (m. Beats-Soundsystem)  215 / 600 / 1020 l 

 

ADAC Testergebnis; Gesamtnote
95 PS: 2,5
115 PS DSG: 2,4 TGI (90 PS): 2,2
Karosserie/Kofferraum 3,0  2,9  2,9 
Innenraum 2,4
2,4  2,3 
Komfort 3,0 2,9  2,9 
Motor/Antrieb 2,8
2,2  2,7 
Fahreigenschaften 
2,8
2,3  2,1 
Sicherheit
2,0
2,0  2,0 
Umwelt/EcoTest
2,4
2,3  1,3 

 

  • Das hat uns gefallen: Ordentliches Platzangebot. Viele Assistenzsysteme erhältlich. Präzise Lenkung.        
  • Das hat uns nicht gefallen: Mäßiges Halogenlicht. Schwächen beim Ausweichtest. 

Der Polo schneidet im Crashtest gut ab

Der Polo erreicht  5 Sterne im NCAP Test. Die Tests versprachen guten Schutz der Knie und Beckenpartien bei Fahrer und Beifahrer.

Auch beim besonders kritischen Pfahltest schaffte der Polo die höchste Punktzahl. Die Kopfstützen schützen auch auf den Rücksitzen gut gegen Schleudertraumata, verursacht durch Auffahrunfälle am Heck.

Alle getesten Kindersitze waren problemlos zu installieren.

Der Polo hat serienmäßig Notbremssysteme.

Text: Jochen Wieler. Fotos: Volkswagen.

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