ADAC Test: Der neue VW Polo

27.8.2018

Der kompakte Wolfsburger der sechsten Generation soll die Konkurrenz mit solidem Auftritt ausbremsen. Wie gut er ist, zeigt der ADAC Autotest. Dazu: Testergebnisse, technische Daten, Preise

  • Der VW Polo ist erstmals über vier Meter lang
  • Moderater Verbrauch mit 95 PS starkem Dreizylinder
  • Die Preise sind VW-typisch selbstbewusst

 

Ein völlig klassenloses Auto zu sein – das hat man bisher immer dem Golf nachgesagt. Der neue VW Polo tritt nun mit dem gleichen Anspruch an: Er soll es jedem recht machen ohne dabei beliebig zu wirken. Diese Gratwanderung hat VW schon immer ganz gut beherrscht.

Der auf 4,05 Meter gewachsene Kleinwagen präsentiert sich deshalb optisch unaufgeregt und unter dem Blech ziemlich wandlungsfähig: Es gibt ihn als schmalbrüstiges Basismodell mit 65 PS und Magerausstattung, als umweltfreundliche Erdgasvariante aber auch als 200 PS starken GTI. Im ADAC Test: Der 1,0-Liter-Dreizylinder mit 95 PS.

 Der 95-PS-Motor schneidet gut ab

Die goldene Mitte bei den Motoren erweist sich im Polo als sehr passend. Eine Höchstgeschwindigkeit von 187 km/h sollte für einen Kleinwagen mehr als reichen und der Sprint von 0 auf 100 km/h geht mit 10,8 Sekunden in Ordnung. Typisch Dreizylinder: Der kernige Motorklang, der stets präsent ist. Zu laut ist der Polo allerdings nicht. Bei 130 km/h herrschen gemessene 68,4 dB (A) – für ein Auto dieser Größe geht das in Ordnung.

Das Ansprechverhalten des kleinen Dreizylinders mag jedoch nicht überzeugen. Aus dem Drehzahlkeller heraus zeigt sich der VW träge, was auch die Beschleunigungsmessung beweist. Im zweiten Gang braucht der Kleinwagen rund 3,3 Sekunden, um von 15 auf 30 km/h zu beschleunigen – das ist für einen Kleinwagen, der wohl meist in der Stadt bewegt wird, ungünstig.

Beim Verbrauch hält sich der Polo 1.0 zurück, kann aber keine neuen Rekorde aufstellen: 5,4 Liter Super haben die Testingenieure im ADAC Ecotest ermittelt. Sehr erfreulich ist das Thema Abgase. Sie fallen insgesamt recht niedrig aus, und selbst bei unseren RDE-Messungen im realen Betrieb auf der Straße konnte der Polo unter Beweis stellen, dass er sauber fährt.

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Dem Trend zu Individualisierungen aller Art folgt auch der VW Polo – und damit sind nicht nur die 14 Außenlackierungen, acht Armaturenbrett-Farben von mausgrau bis strahlend orange oder das Beats-Modell mit 300-Watt-Anlage und peppiger Inneneinrichtung gemeint. Als erster Kleinwagen kann der Polo mit "virtuellem Cockpit" geordert werden. Statt klassischer Zeiger für Drehzahlmesser und Tacho liegt es am Fahrer, wie er das Display hinter dem Lenkrad konfiguriert. Hier können zum Beispiel die Landkarte dargestellt werden oder ganz reduziert die Daten des Bordcomputers.

Gut: In der Mittelkonsole lässt sich das Smartphone kabellos aufladen. Erweitert werden kann der Polo zudem um ein Navigationssystem, Apple CarPlay und Android Auto sowie Mirror-Link und eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung. Dank Car-Net sind auch Online-Dienste wie Informationen zum Ver- kehrsaufkommen möglich, dafür benötigt man aber eine Datenverbindung – hierfür kann man das System beispielsweise via WLAN mit dem Mobilfunktelefon verbinden.

Solides Cockpit mit Touchscreen

Das Cockpit des Polo erstrahlt im neuen Glanz. Dominiert wird es im Testwagen vom weit oben positionierten und zum Fahrer hin geneigten acht Zoll großen Touchdisplay des optionalen Multimediasystems Composition Media. Praktisch: Das System verfügt neben den berührungs- sensitiven Schaltflächen auch noch über einen Drehregler für die Lautstärke und einen zweiten, mit dem man sich durch die Menüs nach unten arbeiten oder in der Navigationskarte zoomen kann. Ein Nachteil des neuen Multimedia-Bildschirms: Die Hochglanz-Oberfläche präsentiert jeden Fingerabdruck
unübersehbar.

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VW T-Cross: der Mini-SUV auf Polo-Basis

VW T Cross Prototyp 2018Der VW T-Cross ist das erste Modell von Volkswagen für den Markt der Mini-SUV. Basis für den Crossover ist der VW Polo. Testfahrt im Prototypen, technische Daten & Preise.

Testfahrt: VW T-Cross Prototyp

 

Besonders stolz ist VW auf die immense Anzahl von Assistenzsystemen. Eine City-Notbremsfunktion ist Serie, alles andere – von der Müdigkeitswarnung bis hin zum Ausparkassistenten, der beim Rückwärtsfahren aus der Lücke Querverkehr registriert – kostet Aufpreis. Wer fleißig in den Listen ankreuzt, kann einen profanen Kleinwagen so zum High-End-Gerät aufrüsten. Das ist teuer – und inzwischen auch typisch für VW. Wenigstens entfällt jetzt der Aufpreis für den Fünftürer: Die dreitürige Version wurde gestrichen.

Etwas mehr Platz im Innenraum

Bemerkenswert ist insgesamt der erwachsene Auftritt des Polo. Die Türen fallen satt ins Schloss, der Federungskomfort dürfte auf langen Autobahnstrecken Maßstäbe im Segment setzen. Nur bei niederigeren Geschwindigkeiten spricht die Federung ein wenig trocken an. Das können andere besser.

Das Platzangebot ist trotz des Lägenwachstums um acht Zentimeter kleinwagentypisch geblieben, auch wenn die ADAC Messungen bescheinigen, dass insbesondere vorn auch große Personen gut klarkommen. Der Fahrersitz lässt sich zum Beispiel auch für zwei Meter große Menschen zurückschieben

Der Kofferraum fasst bis zur Abdeckung lediglich 250 Liter, selbst wenn der variable Kofferraumboden sich in unterer Position befindet. Baut man die Kofferraumabdeckung aus, lassen sich 340 Liter oder sechs handelsübliche Getränkekisten bis unter das Dach stapeln. Nach dem Umklappen der Rücksitzlehnen passen bis zur Fensterkante 635 l (aus Sicherheitsgründen empfohlen) und bis unter das Dach 1.055 Liter hinein.

Was nicht so ganz zum hochwertigen Anspruch mit weichen Oberflächen am Armaturenbrett und guter Verarbeitung passt, sind die Türverkleidungen aus billigem Hartplastik. Weggespart hat man außerdem die Haltegriffe am Dachhimmel. Gerade ältere Leute nutzen die Griffe gern beim Ein- und Aussteigen. Ein Thema für das Facelift in drei Jahren.

Beim ADAC Ausweichtest nicht souverän

Im ADAC Ausweichtest zeigt der neue Polo kein souveränes Fahrverhalten. Das Heck drängt bereits beim ersten Anlenken stark nach außen – das ESP verhindert zwar ein Schleudern, das Fahrverhalten ist aber dennoch anspruchsvoll, vor allem für ungeübte Fahrer. Das ESP sollte insgesamt etwas früher und beherzter eingreifen. Und auch die gemessenen Bremswerte sidn ausbaufähig: 37,6 Meter braucht der Polo 1.0 bei einer Vollbremsung aus 100 km/h. Selbst für einen Kleinwagen ist das zu viel.

Lesen Sie hier den ausführlichen Test zum VW Polo 1.0 TSI Comfortline

 

Technische Daten
VW Polo 1.0 TSI Comfortline
Motor 3-Zylinder-Turbo-Benziner, 70 kW/95 PS, 175 Nm bei 2000 U/min
Fahrleistungen 10,8 s von 0 auf 100 km/h, Spitze 187 km/h
Verbrauch 4,4 l Super/100 km, CO2-Ausstoß: 101 g/km
Maße L 4,05 / B 1,75/ H 1,46 
Preis (Comfortline) 17.200 €, Baureihe ab 12.975 €
ADAC Messwerte (Auszug)

Überholvorgang 60-100 km/h
6,4 s 
Bremsweg aus 100 km/h
37,6 m
Wendekreis 10,7 m
Verbrauch / CO2-Ausstoß ADAC EcoTest
5,4 l Super/100 km , 148 g CO2/km (well-to-wheel)
Reichweite
740 km
Innengeräusch bei 130 km/h 68,4 dB(A)
Leergewicht / Zuladung
1140 / 470 kg
Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch 250 / 635 / 1055 l

 

ADAC Testergebnis
Gesamtnote: 2,5
Karosserie/Kofferraum 3,0 
Innenraum 2,4
Komfort 3,0
Motor/Antrieb 2,8
Fahreigenschaften 
2,8
Sicherheit
2,0
Umwelt/EcoTest
2,4

 

  • Das hat uns gefallen: Ordentliches Platzangebot. Viele Assistenzsysteme erhältlich. Präzise Lenkung.        
  • Das hat uns nicht gefallen: Mäßiges Halogenlicht. Schwächen beim Ausweichtest.    

Text: Jochen Wieler. Fotos: PR.

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