VW Passat 2019: So fährt sich das überarbeitete Modell

2.7.2019

Der überarbeitete VW Passat tritt als Limousine, Kombi und Alltrack optischer moderner auf, bekommt neue Assistenzsysteme, saubere Motoren, und er lässt sich jetzt mit dem Smartphone öffnen. Testfahrt plus technische Daten, Bilder, Preise.

Der neue Passat Kombi 2019 Modell Alltrack in Fahrt
Neuer VW Passat: Die Front wurde markanter. Im Bild der Alltrack.
  • Neue Motoren: Zwei Benziner, drei Diesel gibt es zum Start  
  • Ein Plug-in-Hybrid mit mehr Reichweite wird nachgereicht 
  • LED-Scheinwerfer sind jetzt serienmäßig an Bord
  • Bessere Assistenten, neue adaptive Dämpfer, neues Online-Infotainment

 

Seit Jahrzehnten ist der VW Passat ein Kassenschlager, über 30 Millionen Kunden haben sich bereits für die Limousine, den Kombi Variant oder die Abenteuer-Version Alltrack entschieden. Damit das so bleibt, frischt VW die 2014 vorgestellte, achte Passat-Generation auf – und läutet damit auch das Ende einer Ära ein: Seit 42 Jahren wird der Passat in Emden gebaut, doch mit dem Start der nächsten Generation verlagert Volkswagen die Produktion nach Tschechien, wo der VW dann zusammen mit seinem Schwestermodell Skoda Superb gefertigt wird.

Leichte Optik-Retuschen, bessere Ausstattung

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das Cockpit des neuen Passat 2019
Neues Cockpit: Digitales Display und neue Infotainment-Systeme

In den kommenden Jahren aber dürfen die Werker in Osfriesland erstmal noch eine neue Front und eine modifizierte Heckschürze an die Karosserie montieren: Vorne fallen die neuen LED-Scheinwerfer und LED-Nebelleuchten auf, auf Wunsch strahlt der Passat auch mit dem aus dem Touareg bekannten Matrix-Licht mit 44 einzeln ansteuerbaren LED durch die Nacht. Die erlauben eine möglichst hohe Lichtausbeute, ohne den Gegenverkehr zu blenden.

Am Heck gibt es modifizierte Endrohre und ebenfalls Leuchtdioden-Technik, außerdem hält mit dem Facelift die Klick-Klack-Funktion bei den Rückleuchten Einzug: Beim Bremsen ändert das Licht seine Grafik, um mehr Aufmerksamkeit zu erzeugen. 

Auch innen wartet der Passat mit neuen High-Tech-Features auf: Die Infotainment-Systeme wurden aufgerüstet, das Premium-System orientiert sich bei der Anzeige jetzt am VW Touareg – und erfordert allerdings ein wenig Einarbeitungszeit. Auf unserer ersten Testrunde haben sich uns vor allem die Navigations-Funktionen nicht alle gleich von selbst erklärt.

Dass der Passat mit der neuen Technik auf Wunsch immer online ist, ist Ehrensache. Über den Internetzugang werden nicht nur Verkehrsdaten oder Web-Radio empfangen, sondern der VW kommuniziert über den Online-Dienst "We Connect" auch mit der Außenwelt (siehe unten).

    

VW Passat: Viele neue Assistenzsysteme

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Der neue Passat 2019 in Fahrt heckansicht
Am Heck, hier die Limousine, gab es nur wenige Retuschen

Nachgerüstet hat VW auch bei den Assistenzsystemen: Unter dem Namen "Travel Assist" werden jetzt Abstandstempomat und die automatische Spurführung zusammengefasst: Bis 210 km/h hält der Passat nicht nur die Distanz zum Vordermann, sondern berücksichtigt auch Tempolimits und Navi-Daten, so dass er beispielsweise vor Kurven automatisch verzögert. Je nach Fahrmodus mehr oder weniger stark: Im Comfort-Betrieb kommt man gemütlich ums Eck, im Sport-Modus braucht man schon etwas Mut, wenn man nicht zusätzlich selbst auf die Bremse tritt.

Der überarbeitete Lenkassistent schaut sich zudem das Verhalten des Fahrers ab, und hält den Wagen wahlweise mittig, eher links oder eher rechts in der Spur. Ganz ohne die Fahrerhand am Steuer gestattet das der Gesetzgeber allerdings noch nicht. Um seine Aufmerksamkeit zu demonstrieren, waren bislang immer kleine Lenkbewegungen des Fahrers nötig.

Im neuen Passat setzt VW nun auf ein kapazitives Lenkrad, das die Berührung erkennt. Und: Merkt der Passat, dass der Fahrer auch nach einer aufwendigen Warnkaskade nicht eingreift, bringt der Emergency Assist den Wagen nicht nur sicher zum Stillstand, sondern lenkt ihn wann immer möglich auch an den rechten Fahrbahnrand.

Tipp Icon

Der neue Passat ist voll vernetzt

Unter dem Namen We Connect bündelt VW Services, wie die Möglichkeit, einen digitalen Schlüssel an andere Fahrer weiterzugeben oder anderen Firmen den Zugang zum Kofferraum zu ermöglichen.

In einer ersten Phase kann man seine schmutzige Wäsche vom Reinigungsdienst Jonny Fresh abholen und die saubere in den Wagen legen lassen, und MyCleaner übernimmt die Autowäsche am Straßenrand, ohne dass man selbst anwesend sein muss.

Schon bald sollen dann auch Lieferdienste eingebunden werden, die bestellte Pakete einfach im Kofferraum hinterlegen können. Außerdem soll es zukünftig unter anderem möglich sein, Parkscheine direkt im Infotainmentsystem zu lösen. 

Die Preise starten bei knapp 35.000 Euro

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VW PASSAT HECK
Beim Top-Modell des Passat ist das adaptive Fahrwerk Serie

Dass die meisten Technik-Schmankerl in der Basis-Version nicht dabei sind, ist klar. Dennoch hat VW die Preise gegenüber dem Vorgänger etwas angehoben, mit dem 120 PS starken 1,6-Liter-Diesel unter der Haube kostet die Limousine zukünftig mindestens 34.720 Euro, der Kombi 35.825 Euro.

Bei den Otto-Motoren markiert aktuell der 2.0 TSI mit 190 PS den Einstieg, für den mindestens 38.750 Euro fällig werden. Viele Benziner-Kunden werden aber wohl entweder auf die angekündigte, günstigere 150-PS-Version warten – oder es richtig Krachen lassen gleich zur Spaßmaschine greifen. Die legt sich mit 272 PS und Allradantrieb (ab 50.400 Euro in der Top-Ausstattung) mächtig ins Zeug und schubst den Passat bei Bedarf in 5,8 Sekunden auf Tempo 100. 

Allerdings braucht der Turbo-Vierzylinder mindestens 2000 Umdrehungen, bis die volle Kraft von 350 Newtonmeter bereit steht. Und das bei allen aktuell angebotenen Passat-Modellen serienmäßige Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe lässt sich beim beherzten Tritt aufs Gas selbst im Sportmodus etwas zu viel Zeit, um das Triebwerk auf Touren zu bringen.

Serie beim Top-Modell ist das neu abgestimmte adaptive Fahrwerk. Das sonst für 1200 Euro erhältliche System lässt sich nun über einen größeren Bereich einstellen und bietet eine deutlicher spürbare Spreizung zwischen Komfort- und Sport-Modus; die meisten dürften allerdings mit der ausgewogen-unaufgeregten Standard-Abstimmung des Passats auch glücklich werden.

Bildergalerie: Klicken oder tippen Sie auf das Bild für eine größere Darstellung und mehr Informationen.

 

Modelle und Motoren im Überblick

VW Passat Limousine 2.0 TSI OPF 2.0 TSI OPF 4Motion 1.6 TDI SCR
2.0 TDI SCR
2.0 TDI SCR 4Motion 
Motor 2,0 l, 4-Zylinder-Turbobenziner, 140 kW/190 PS, 7-Gang-DSG
2,0 l, 4-Zylinder-Turbobenziner, 200 kW/272 PS, 7-Gang-DSG, Allrad

1,6-l, 4-Zylinder-Turbodiesel, 88 kW/120 PS, 7-Gang DSG

2,0 l, 4-Zylinder-Turbodiesel, 140 kW/190 PS, 7-Gang DSG
2,0 l, 4-Zylinder-Turbodiesel, 176 kW/240 PS, 7-Gang DSG, Allrad

Fahrleistungen

7,5 s auf 100 km/h, 238 km/h Spitze 5,6 s auf 100 km/h, 250 km/h Spitze
11,3 s auf 100 km/h, 205 km/h Spitze
7,9 s auf 100 km/h, 236 km/h Spitze  6,4 s auf 100 km/h, 247 km/h Spitze
Verbrauch (NEFZ), Abgasnorm 6,3 l Super/100 km, 144 g/km CO2, Euro 6 7,0 l Super/100 km, 160 g/km CO2, Euro 6 4,2 l Diesel/100 km, 109 g/km CO2, Euro 6
4,5 l Diesel/100 km, 117 g/km CO2, Euro 6  5,8 l Diesel/100 km, 151 g/km CO2, Euro 6 
Maße, Leergewicht L 4,87 / B 2,08 m. A. / H 1,48 m, 1530 kg L 4,87 / B 2,08 m. A. / H 1,48 m, 1645 kg L 4,87 / B 2,08 m. A. / H 1,48 m, 1500 kg
L 4,87 / B 2,08 m. A. / H 1,48 m, 1560 kg  L 4,87 / B 2,08 m. A. / H 1,48 m, 1730 kg
Kofferraum 586–1152 l 586–1152 l
586–1152 l 586–1152 l 586–1152 l
Preis 38.750 € 50.400 € 34.720 €  42.015 € 51.270 €

 

VW Passat Variant        2.0 TSI OPF 2.0 TSI OPF 4Motion
1.6 TDI SCR 2.0 TDI SCR 2.0 TDI SCR 4Motion 
Motor, Getriebe 2,0 l, 4-Zylinder-Turbobenziner, 140 kW/190 PS, 7-Gang-DSG  2,0 l, 4-Zylinder-Turbobenziner, 200 kW/272 PS, 7-Gang-DSG, Allrad
1,6-l, 4-Zylinder-Turbodiesel, 88 kW/120 PS, 7-Gang DSG
2,0 l, 4-Zylinder-Turbodiesel, 140 kW/190 PS, 7-Gang DSG
2,0 l, 4-Zylinder-Turbodiesel, 176 kW/240 PS, 7-Gang DSG, Allrad
Fahrleistungen  7,7 s auf 100 km/h, 232 km/h Spitze  5,8 s auf 100 km/h, 250 km/h Spitze
11,5 s auf 100 km/h, 199 km/h Spitze
8,1 s auf 100 km/h, 232 km/h Spitze
6,7 s auf 100 km/h, 241 km/h Spitze
Verbrauch (NEFZ), Abgasnorm  6,4 l Super/100 km, 146 g/km CO2, Euro 6 7,1 l Super/100 km, 163 g/km CO2, Euro 6
4,4 l Diesel/100 km, 116 g/km CO2, Euro 6
4,6 l Diesel/100 km, 120 g/km CO2, Euro 6  5,9 l Diesel/100 km, 156 g/km CO2, Euro 6
Maße, Leergewicht  L 4,89 / B 2,08 m. A. / H 1,52 m, 1570 kg  L 4,89 / B 2,08 m. A. / H 1,52 m, 1680 kg
L 4,89 / B 2,08 m. A. / H 1,52 m, 1545 kg  L 4,89 / B 2,08 m. A. / H 1,52 m, 1600 kg  L 4,89 / B 2,08 m. A. / H 1,52 m,
Kofferraum  650–1780 l 650–1780 l  650–1780 l
650–1780 l
650–1780 l 
Preis  39.825 €                     51.735 € 35.825 € 43.090 € 52.605 €

 

VW Passat Alltrack 2.0 TSI OPF 4Motion 2.0 TDI SCR 4Motion 2.0 TDI SCR 4Motion
Motor, Getriebe            2,0 l, 4-Zylinder-Turbobenziner, 200 kW/272 PS, 7-Gang-DSG, Allrad
2,0 l, 4-Zylinder-Turbodiesel, 140 kW/190 PS, 7-Gang DSG, Allrad 2,0 l, 4-Zylinder-Turbodiesel, 176 kW/240 PS, 7-Gang DSG, Allrad
Fahrleistungen 5,9 s auf 100 km/h, 250 km/h Spitze 8,0 s auf 100 km/h, 250 km/h Spitze 6,8 s auf 100 km/h, 239 km/h Spitze
Verbrauch (NEFZ), Abgasnorm 7,1 l Super/100 km, 163 g/km CO2, Euro 6
5,1 l Diesel/100 km, 133 g/km CO2, Euro 6   5,9 l Diesel/100 km, 157 g/km CO2, Euro 6
Maße, Leergewicht L 4,89 / B 2,08 m. A. / H 1,53 m, 1695 kg
L 4,89 / B 2,08 m. A. / H 1,53 m, 1725 kg L 4,89 / B 2,08 m. A. / H 1,53 m, 1790 kg
Kofferraum 639–1769 l 639–1769 l  639–1769 l
Preis                     49.925 € 47.800 € 50.795 € 

Große variable Ladefläche im Variant und Alltrack

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der Kofferraum des neuen Passat 2019
Maximal 1780 l: Der Variant ist auch wegen seines großen Kofferraums beliebt

Nach wie vor eine wichtige Rolle spielen beim Passat die Diesel, neben dem erwähnten Basis-Aggregat gibt es noch drei Zwei-Liter-Versionen mit 150, 190 und 240 PS; auch hier lässt das 150-PS-Aggregat noch auf sich warten. Es soll ab August für wahrscheinlich rund 32.000 Euro bestellbar sein.

Wer eher zuschlagen will und oft auf der Langstrecke oder vollbeladen unterwegs ist, wird also aktuell zum 190 PS Diesel greifen, der mit 400 Newtonmeter Drehmoment kraftvoll anschiebt und trotzdem im Mittel (in NEFZ-Werte umgerechnet) nur rund viereinhalb Liter verbrauchen soll – in der Praxis wird wie auf unserer Testrunde eine sechs vor dem Komma sein. Wer will, bekommt diesen Motor auch mit Allrad, beim Top-Diesel ist er wie auf Otto-Seite Serie. 

Ebenfalls noch ein paar Monate auf sich warten lässt die vielleicht spannendste Motorvariante: der überarbeitete Plug-in-Hybrid Passat GTE. Der fährt weiterhin mit einer Kombination aus 1,4-Liter-Otto mit 150 PS und 85-kW-E-Motor vor (Systemleistung: 218 PS), hat aber eine größere Batterie bekommen. Die speichert nun Strom für 55 WLTP-Kilometer; der Vorgänger schaffte mit Ach und Krach 50 Kilometer im NEFZ-Zyklus, hier punktet der neue mit gut 70 Kilometer.

Die Ladezeit an der Haushaltssteckdose liegt bei akzeptablen sechs Stunden. Außerdem lässt sich mit dem neuen GTE jetzt bis zu 140 km/h rein elektrisch fahren, und der Wechsel zwischen den einzelnen Modi  – Elektro, Hybrid, der sportliche GTE-Modus oder das Laden der Batterie während der Fahrt – wurde vereinfacht.

Passat-Kunden sind natürlich auch die praktischen Eigenschaften der Familienkutsche wichtig: So liegt das Kofferraumvolumen des VW Passat Variant bei 650 Liter, bei umgeklappter Rücksitzbank bei 1780 Liter. Und die Limousine bietet beachtliche 586 bis 1152 Liter.

Text: Michael Gebhardt. Fotos: Volkswagen AG.

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