Ende Legende: Finale fürs VW Beetle Cabrio

18.3.2019

Schluss, aus, vorbei! VW stellt den Beetle ein. Die Neuauflage des Käfers läuft im Sommer als Cabrio zum letzten Mal vom Band. Wir waren mit ihm und einem 40 Jahre alten VW Käfer Cabrio noch mal unterwegs

VW Käfer und VW Beetle fahrend auf einer Straße
Der Nachfolger und sein Vorgänger: VW Beetle und der Käfer

VW Beetle Cabrio Final Edition

Jetzt ist er bald Geschichte – der VW Beetle. Mit der Final Edition (ab ca. 24.300 Euro) legt VW noch eine Sonderserie auf, und ab Juni wird es keinen neuen Beetle mehr geben. Grund genug, noch mal ein paar Runden mit ihm zu drehen. Als Gegengewicht dabei: ein Käfer Cabrio von 1979. Verschiedener könnten die beiden Autos kaum sein – dennoch teilen sie sich eine Geschichte.

Seit 1965 baut VW Autos in Puebla/Mexico. Als die Produktion des Käfers in Deutschland 1974 eingestellt wurde, krabbelten die Zweitürer noch bis 2003 vom Band. Beim Nachfolger New Beetle (1997 bis 2005, ab 2011 hieß er nur noch Beetle) bekam das mexikanische Werk den Vorzug. Er wird auf der gleichen Linie wie Golf, Tiguan und Jetta produziert.

Schon im April 2017 stellte VW den Import des Beetle nach Deutschland ein. Das Cabrio lässt sich seit April 2018 nicht mehr bestellen. In den USA wird der Beetle dagegen bis zum Sommer 2019 verkauft, als Coupé und Cabrio. Dann geht eine Ära zu Ende. Vor rund 70 Jahren führte VW den ersten Käfer in den USA ein, war mit ihm und dem Bulli jahrzehntelang erfolgreich.

Ein Tastendruck und in weniger als zehn Sekunden öffnet sich das Verdeck des Beetle Cabrio. Die Sonne in Florida wärmt schnell das weiche, gesteppte Leder mit rautengemusterten Kontrastnähten. Unter der vorderen Haube arbeitet ein Reihenvierzylinder, der nach dem Start fast unhörbar vor sich hinsäuselt, ummantelt von Blech in den exklusiven Farbtönen Wassermann-Blau und Safari-Uni – eine Hommage an die Farben früherer Käfer.

Technische Daten VW Beetle Cabrio Final Edition
Motor

Vierzylinder-Turbobenziner, 1984 cm3

129 kW/174 PS, 250 Nm bei 1500 U/min

Fahrleistungen                     7,2 s auf 96 km/h, 193 km/h Spitze
Verbrauch                     8,11 l Super /100 km nach US-Norm
Maße L 4,28 / B 1,82 / H 1,47 m 
Kofferraum 201 – 425 Liter
Preis ca. 24.300 Euro

 

Der 2,0-Liter-Turbobenziner mit 174 PS lässt den Fronttriebler gut am Gas hängen, beschleunigt den Beetle aus dem Stand in 7,2 Sekunden auf 96 km/h. Die sechs Gänge des Doppelkupplungsgetriebes wechseln automatisch. Bei 55 Meilen, etwa 88 km/h ist für uns auf den Straßen Floridas Schluss, auch wenn das Cabrio rund 200 km/h schnell fahren könnte. Das Fahrwerk schluckt Unebenheiten schnell und komfortabel, die effektive Dämpfung sorgt für eine geschmeidige Fahrt.

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Die direkte Lenkung benötigen wir auf den endlosen, geraden Landstraßen kaum, dafür genießen wir den Sound der Musikanlage. Nur der Turbolader spricht etwas langsam an, sodass die 174 PS im Antriebsstrang in den ersten Sekunden gefühlt verpuffen. Zeit, um 40 Jahre zurückzugehen und in den Klassiker zu steigen.

Der Klassiker: VW Käfer Cabrio

Anstelle des Turbos sorgt ein Saugmotor für Vortrieb. Der sitzt nicht vorne, sondern klassisch im Heck, wird mit Luft statt Wasser gekühlt. Weder ABS und ESP helfen dem Fahrer in brenzligen Situationen. Mit festem Tritt auf das linke, stehende Pedal trennt sich die Kupplung, über den dünnen Schalthebel legen wir den ersten von vier Vorwärtsgängen ein.

Mit viel Gas zwitschert der Käfer sein altbekanntes Lied: hell und durchdringend. Das ist in Deutschland nur noch selten zu hören. Trotz der weltweit rund 21 Millionen gebauten Fahrzeuge sind hier laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) nur rund 36.000 Käfer mit H-Kennzeichen gemeldet.

Der Vierzylinder-Boxermotor mit 1,6-Liter-Hubraum leistet stramme 50 PS und 104 Newtonmeter Drehmoment. Statt auf einen Vergaser setzt der US-Käfer wegen der strengeren Abgasnormen schon früh auf eine Einspritzung.

Das Trällern des Auspuffes ist bis 70 km/h gut zu hören, dann übertönt der Wind jedes Geräusch. Durch den offenen Käfer mit nach unten gekurbelten Seitenfenstern zieht ein Orkan – so wie das bei historischen Cabrios eben sein muss. 

Technische Daten VW Käfer Cabrio / Super Beetle Convertible
Motor

Vierzylinder-Boxermotor, 1584 cm3

37 kW/50 PS, 104 Nm bei 2800 U/min

Fahrleistungen 20,5 s auf 100 km/h, 128 km/h Spitze
Verbrauch ca. 11,5 l Super / 100 km
Maße L 4,19 / B 1,59 / H 1,50 m
Kofferraum ca. 400 l
Preis 1979 ca. 5782 Euro

 

Die Schaltung arbeitet hakelig, die Federung zu hart und die Sitze bieten keinen Seitenhalt. Das Cabrio war nie ein sportlicher Roadster oder ein komfortables Auto, sondern ein robuster, zuverlässiger und offener Käfer. Und das Fahren in dem Oldtimer ist einem schnell wieder vertraut. Trotz der steilen Frontscheibe, dem nicht verstellbaren Lenkrad und den kurzen Sitzen fühlen wir uns gut aufgehoben und sicher. 

Die Lenkung arbeitet schön direkt, und nach ein paar Kilometern haben wir uns auch an den festen Tritt der Bremse gewöhnt. Selbst die Beschleunigung im Tempo einer Wanderdüne stört uns nach einer Stunde nicht mehr. Käfer Cabrio fahren entschleunigt und entspannt zugleich.  

Vor 40 Jahren war das Vergnügen gar nicht mal teuer. Damals kostete das Käfer Cabrio in den USA 6800 US-Dollar – heute müssen Beetle-Cabrio-Fans mehr als 20.000 US-Dollar zusätzlich bezahlen. Historische Fahrzeuge sind weitaus teurer. "Beim VW Käfer lautet die Grundregel: Offen ist teurer als geschlossen", sagt Frank Wilke, Oldtimer-Experte und Geschäftsführer von Classic Analytics.

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Dass das jetzt bald eingestellte VW Beetle Cabrio eine ähnliche Wertsteigerung erfährt, glaubt der Oldtimer-Experte nicht. "Dafür wurde es zu häufig gebaut, und es war auch nicht außergewöhnlich genug. Es war immer nur ein Fan-Auto, das nur einen bestimmten Kreis ansprach.

An ein historisches Cabrio wie vom Sonderaufbauhersteller Hebmüller kommt es niemals ran", meint Wilke. Denn unter der runden Karosserie steckt profane VW-Golf-Technik. Der Beetle hat weniger Platz und ist unpraktischer als ein Golf. 

Doch er hat seine eigenen Fans. Die müssen sich jetzt einen Beetle auf Halde kaufen. Und hoffen. Denn vielleicht kommt der Beetle irgendwann zurück, als Elektrofahrzeug auf der neuen Elektroplattform von VW. Denn der Käfer, so scheint es, bleibt nie lange tot. Mach's gut, Käfer, mach's gut Beetle! 

 

Text: Fabian Hoberg. Fotos: Volkswagen AG/Christopher Stahl

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