Volvo XC40: Test-Ergebnisse und Crashtest

11.12.2018

Der neue Volvo XC40 macht Audi Q3, BMW X1 und Mercedes GLA Konkurrenz. ADAC Test und Euro NCAP-Crashtest zeigen, wie gut der Kompakt-SUV ist. Plus: Testergebnisse, technische Daten, Preise.

  • Mit skandinavischen Qualitäten soll der neue Kompakt-SUV von Volvo den Premium-Platzhirschen  erfolgreich Paroli bieten
  • Inneneinrichtung und Fahrzeugdesign wirken Volvo-untypisch leicht, stylisch und extravagant
  • Die Fahrleistungen sind gut, beim ADAC EcoTest patzt der Diesel aber

Um es gleich vorweg zu nehmen: Der neue Volvo macht etwas ratlos. Denn wer die Qualitäten von XC90 und XC60 schätzen lernte, ist zumindest beim ersten Treffen mit dem Kompakt-SUV XC40 irritiert. Denn er sieht nicht nur optisch nach einem Verwandten zweiten Grades aus: Auch bei den inneren Werten lässt er manche volvo-typische Eigenschaften vermissen. Ob er dafür mit neuen Stärken überzeugen kann, musste er im ADAC Test und im Euro NCAP-Crashtest beweisen.

Klar: Mit seinem kantigen Profil und den LED-Scheinwerfern mit T-Leuchten ("Thors Hammer") sieht er aus wie ein typischer Volvo-SUV – nur ein bisschen kleiner. Doch die Details machen den Unterschied beim optischen Gesamteindruck: Ein nach innen gewölbter Kühlergrill, dessen Wölbung auch die Fahrzeugflanke großflächig aufnimmt, und vor allem das zweifarbig-abgesetzte Dach sorgen für eine Leichtigkeit, die den größeren Volvo-Modellen abgeht.

Der Innenraum ist extravagant

Das Interieur wirkt trotz der bekannten Volvo-Elemente etwas mehr auf Lifestyle getrimmt: Mehr Farbe, mehr verspielte Elemente wie die neuen Lüftungsklappen, und die Flanke des Armaturenbretts wölbt sich ähnlich ungewohnt nach innen wie der Kühlergrill draußen – mal was Anderes.

Schön anzuschauen ist auch der hochformatige Touchscreen im Tablet-Stil, der im Zentrum der Armaturentafel sitzt. Allerdings ist seine Bedienlogik extrem gewöhnungsbedürftig: Es gibt nur eine Hometaste, alles andere versteckt sich in zahllosen Menüebenen.

Einfach nur pfiffig sind dagegen die umgesetzten "Simply-clever"-Ideen, normalerweise eine Skoda-Domäne. Die Ablagefächer in den vorderen Türen sind so groß wie bei keinem anderen Auto in diesem Segment, weil der dort üblicherweise verbaute Lautsprecher hinters Cockpit verschwand.

Überall gibt es Haken zum Taschenaufhängen, unter dem großen Mittelkonsolen-Fach mit integriertem Mülleimer lädt ein induktives Fach das Smartphone auf und die Kreditkarte hat ein verstecktes Fach. Digitalradio und die Smartphoneintegration via Apple CarPlay und Android Auto kosten genauso Aufpreis wie ein Navi mit Echtzeit-Verkehrsinformation.

Mit gemessenen 320 Liter Volumen (Werksangabe: 460 Liter) ist der Kofferraum von klassenüblicher Größe. Die Kofferraumklappe öffnet recht weit, so dass sich auch knapp über 1,90 Meter große Personen nicht den Kopf stoßen. In das optionale, schlüssellose Zugangssystem ist auch der Kofferraum integriert. Die Klappe öffnet automatisch, wenn man den Schlüssel bei sich trägt und den Fuß unter die Stoßstange hält.

Volvo XC40: 5 Sterne im Euro NCAP-Crashtest

Zoom-In
Infografik Volvo XC40 Crashtest-Ergebnis
Erfüllungsgrad in Prozent: Ergebnisse Euro NCAP-Crashtest Volvo XC40

Der Volvo XC40 erreicht volle 5 Sterne und übertrifft die erforderlichen Punktzahlen deutlich.

Das Fahrzeug ist mit Gurtkraftbegrenzern, Gurtstraffern, Kopfairbags sowie optischen und akustischen Gurtwarnern in der ersten und zweiten Sitzreihe ausgestattet. Für die vorderen Plätze sind zusätzlich Seitenairbags verbaut, der Fahrer wird weiter durch einen Knieairbag geschützt.

Der Insassenschutz ist gut, das Verletzungsrisiko ist für Erwachsene und Kinder überwiegend gering bis sehr gering. Es sind ISOFIX-Halter an den äußeren hinteren Sitzplätzen montiert mit i-Size-Kennzeichnung. Der mittlere Sitz hinten ist für einige gegurtete Kindersitze geeignet, die gegurtete Montage auf dem Beifahrersitz ist unkritisch. Der Frontairbag auf der Beifahrerseite ist deaktivierbar, ISOFIX-Anbindungen sind für den Beifahrersitz optional erhältlich. Die Crahstests wurden mit dem integrierten Kindersitzsystem von Volvo durchgeführt.

Der XC40 ist mit einem umfassenden Assistenzpaket mit automatischem Notbremsassistenten und aktivem Spurhaltesystem serienmäßig ausgestattet.

Die Motoren sind eher behäbig

Beim Thema Getriebe und Fahrwerk wichtig: Nicht alle XC40 haben Allrad-Antrieb serienmäßig. Der hilft aber nicht nur bei Schnee und Eis, sondern wird auch auf kurvigen Straßen spür- und erlebbar. Genauer gesagt: Würde – denn ein Kurvenjäger ist der XC40 wirklich nicht.

Trotz seiner kürzer und direkter übersetzten Lenkung geht er Richtungswechsel eher behäbig an. Etwas straffer und flotter lässt er sich mit dem Sportfahrwerk fahren. Doch dann bedeutet auch die kleinste Querfuge: Großalarm!

Beim ADAC Ausweichtest macht der XC40 allerdings eine gute Figur und überzeugt mit einem sehr sicheren Fahrverhalten. Was auch für die Bremsen gilt. Gemessene 35,4 Meter Bremsweg sind ordentlich.

Auch wenn man sich beim kleineren und leichteren XC40 mehr Leichtigkeit erwartet hätte, könnte das der erfahrene Volvo-Kunde akzeptieren. Denn die Kurven-Trägheit ist er von den größeren Volvo-SUVs gewohnt und mag die Dickschiffe deshalb vielleicht ja ganz besonders.

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Mit seinen 4,43 Metern Länge und 2 Metern Breite steht der Volvo erstmals auf der neuen kompakten Modular-Architektur CMA, die zusammen mit Geely in China entwickelt wurde. Der Vorteil aktuell: Trotz der Kompaktheit viel Platz im Innenraum. Vorn können sogar Personen bis 1,95 Metern Größe und hinten bis 1,90 Meter gut sitzen, wie die ADAC Messungen ergeben haben. Leider lässt sich die Rückbank nicht wie beim Konkurrenten VW Tiguan in Längsrichtung verschieben.

Der Vorteil in Zukunft: Hier lassen sich gut die elektrischen Komponenten integrieren, die den XC40 in den nächsten Jahren antreiben. Sicherheitstechnisch ist das City Safety-System mit Fußgängererkennung und Kreuzungsassistent sowie einige weitere präventive Helfer für den Verkehr voraus an Bord.

Wichtigster Baustein ist der Notbremsassistent, der nicht nur Fahrzeuge, sondern auch Tiere, Fußgänger und Radfahrer erkennt. City Safety ist ab 4 km/h bis zur Höchstgeschwindigkeit aktiv, warnt optisch und akustisch vor Kollisionen und bremts im Notfall selbsttätig. Wer teilautonom fahren will, kann das, zahlt aber – wie bei der Konkurrenz – Aufpreis.

Die Fahrleistungen sind gut

Wo die Automatik in den großen SUVs zum besseren Cruisen bewusst schaltfaul ausgelegt ist, arbeitet sie im XC40 wesentlich hektischer. Will man den prinzipiell eher behäbigen Motoren per Gasfuß etwas mehr Leben abfordern, schaltet die Automatik sofort zurück und versucht sich dem geforderten Tempo über die höhere Drehzahl zu nähern.

Die Fahrleistungen des 190-PS-Diesel fallen gut aus. So ist der Sprint auf 100 km/h in 7,9 Sekunden erledigt, beim Überholen von 60 auf 100 km/h vergehen nur 5,5 Sekunden. Mehr Leistung braucht es eigentlich nicht. Beim ADAC EcoTest kann der Schwede leider nicht glänzen.

Für einen Kompaktwagen fällt der Verbrauch von 6,8 Litern Diesel zu hoch aus, was zu einem hohen CO2-Ausstoß führt. Gemessene 178 g (Well-to-wheel, also mit dem CO2-Ausstoß für die Kraftstofferzeugung sogar 214 g) sind einfach zu viel. Und auf der Autobahn kann der SCR-Kat die Stickoxide nicht ganz so überzeugend zurückhalten wie innerorts oder bei Landstraßentempo. Ergo: Nur zwei Sterne im ADAC EcoTest.

Die komfortable Gelassenheit, die Fahrer von XC60 und 90 schätzen, fehlt dem kleinen Volvo. Ganz bewusst, wie die Verantwortlichen betonen: Denn bei der Entwicklung des kompakten SUV hatten sie vor allem die jüngere Zielgruppe im Blick – und die liebt es einfach etwas spritziger. Mag ja tatsächlich so sein. Doch ob die jungen urbanen Trendsetter auch das nötige Geld für den Schweden-Happen aufbringen können?

Lesen Sie hier den ausführlichen Testbericht zum Volvo XC40 D4 AWD Momentum Geartronic.

Auch der kleinste Benziner, der T3 mit 156 PS, wurde vom ADAC getestet.
Hier der ausführliche Testbericht zum Volvo XC40 T3 Momentum.

Technische Daten (Herstellerangaben)
Volvo XC40 D4 AWD Momentum Geartronic
XC40 T3 Momentum 
Motor

4-Zylinder-Turbodiesel, 140 kW/190 PS, 1969 cm3, 400 Nm bei 1750 U/min

3-Zylinder-Turbobenziner, 115 kW/156 PS, 1477 cm3, 256 Nm bei 1850 U/min 
Fahrleistungen

7,9 s von 0 auf 100 km/h, Spitze 210 km/h

9,4 s auf 100 km/h, Spitze 200 km/h 
Verbrauch

5,0 l Diesel/100 km, CO2-Ausstoß: 131 g/km

6,2 l Super/100 km, CO2-Ausstoß: 144 g/km 
Maße L 4,43 / B 1,86 / H 1,65 m L 4,43 / B 1,86 / H 1,65 m 
Kofferraum 460 - 1336 l 460 - 1336 l 
Preis

44.050 €

34.250 € 

 

ADAC Messwerte (Auszug)
D4                     T3 
Überholvorgang 60-100 km/h  5,5 s  5,7 s 
Bremsweg aus 100 km/h  35,4 m  35,9 m 
Wendekreis 11,8 m
11,8 m 
Verbrauch / CO2-Ausstoß ADAC EcoTest (well-to-wheel) 6,8 l Diesel/100 km / 214 g CO2/km
7,5 l Super/100 km / 204 g CO2/km 
Tankinhalt / Reichweite  54 l / 790 km
54 l / 720 km 
Innengeräusch bei 130 km/h  68 dB(A)
67,8 dB(A) 
Leergewicht / Zuladung  1790 / 460 kg
1600 kg / 460 kg 
Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch  320 / 715 / 1265 l
320 / 715 / 1265 l  

ADAC Testergebnis
D4 Gesamtnote: 2,5
T3 Gesamtnote: 2,4 
Karosserie/Kofferraum 2,5 2,5 
Innenraum 2,6 2,6 
Komfort 2,4 2,3
Motor/Antrieb 1,9 2,3 
Fahreigenschaften  2,3
2,5 
Sicherheit  1,6
1,4 
Umwelt/EcoTest  4,0
3,3 
  • Das hat uns gefallen: LED-Scheinwerfer serienmäßig. Sichere Fahreigenschaften. Hohes SIcherheitsniveau. Guter Federungskomfort. 
  • Das hat uns nicht gefallen: Hohes Fahrzeuggewicht beim D4. Auf der Autobahn erhöhter NOx-Ausstoß beim D4. Umständliches Bediensystem. Hoher Preis.

Text: Thomas Kroher. Fotos: PR.

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