Test Volvo V60: Kombi mit guten Noten

2.5.2019

Der neue Volvo V60 hat all jene Talente, die man von einem soliden Kombi erwartet. Wie gut der Schwede wirklich ist, zeigt der ADAC Test. Plus: Euro NCAP-Crashtest, technische Daten, Video, Motoren, Preise

  • Der Volvo V60 als 190-PS-DIesel im ADAC Test
  • Der Kombi überzeugt mit einem straffen Fahrwerk und erstaunlicher Agilität
  • ADAC Testnote: 2,3. ADAC EcoTest: 3 von 5 Sternen. Euro NCAP-Crashtest: 5 Sterne
  • Konkurrenten: Mercedes C-Klasse T-Modell, BMW 3er Touring und Audi A4 Avant

 

Schweden gelten gemeinhin nicht als Aufschneider, sondern eher als bescheiden mit Hang zum Understatement. Volvo ist da ein gutes Beispiel. Schon der Markenname scheint maßlos untertrieben, denn das lateinische "Volvo" heißt schlicht "ich rolle". Doch einfach nur von A nach B kommen war eigentlich noch nie der einzige Anspruch der schwedischen Autobauer, wie der neue V60 einmal mehr zeigt.

Optisch verzichtet der Mittelklassekombi auf Extravaganzen und ist seinem großen Bruder Volvo V90 wie aus dem Gesicht geschnitten – wirkt aber nicht ganz so mächtig und stimmiger proportioniert als sein Vorbild. Sogar bei den inneren Werten kann der V60 es mit dem V90 aufnehmen: Zwar ist er 18 Zentimeter kürzer (4,76 statt 4,94 m), doch sein Kofferraum schluckt laut Werksangabe mit 529 Litern (ADAC Messwert 385 Liter) kaum weniger als das Gepäckabteil des V90 mit 560 Litern Volumen (ADAC Messwert 415 Liter).

Das gilt auch für den Platz im Fond, wo der V60 überraschend viel Beinfreiheit bietet. Laut ADAC Messung taugt sie auch Zwei-Meter-Hünen und auch einem dritten Mitfahrer in der Mitte nur insofern schwermacht, dass der Sitz recht hart gepolstert ist. Die Kopffreiheit wird durch das optionale Panorama-Glasdach eingeschränkt.

Innenraum: Bequeme Sitze, wenig Geräusche 

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Volvo V60 fahrend von vorne
Auch beim V60 markant: Die breite Volvo-Front

Das typische Volvo-Gefühl stellt sich im V60 sofort ein. Wenn die schweren Türen satt ins Schloss fallen, bleibt die trubelige Welt draußen. Keine Frage: Hier soll man sich wohlfühlen wie im eigenen Wohnzimmer. Die Sitze sind bequem, die Geräuschkulisse ist gering. Feiner Teppich, helles Holz und hochwertige Materialien in skandinavisch-elegantem Design und durchgehend softe Oberflächen heben sich wohltuend vom automobilen Allerlei ab – hier kann qualitativ höchstens noch eine Mercedes C-Klasse mithalten.

Volvo hat sich auch um Perfektion im Detail bemüht. Die Sitzlehnen klappen zum Beispiel elektrisch via Knopfdruck vom Kofferraum aus um (Aufpreis) und bilden eine brettebene Ladefläche. Und auch bei der aktiven Sicherheit haben die Schweden zum ohnehin schon üppigen Sicherheitspaket noch eins draufgelegt: Der V60 kann bei einem drohenden Crash mit dem Gegenverkehr nicht nur ausweichen, sondern auch gleichzeitig eine Vollbremsung hinlegen. Und bis 130 km/h auch teilweise automatisiert fahren – so lang der Fahrer seine Hände am Lenkrad lässt.

Gute Anbindung von Smartphones

Doch ganz perfekt ist der V60 nicht. So fragt man sich, warum sich die Bedienung von Tempomat und Bordcomputer über die Lenkradtasten nicht sofort erschließt, und warum die Piktogramme auf dem Touchscreen so zart sind, dass man unnötig lang abgelenkt wird. Weil es kaum noch Knöpfe gibt und sich fast alles über den Touchscreen einstellen lässt, gestaltet sich die Handhabung teils umständlicher als nötig.

Und auch wenn die Vernetzung mit Apple CarPlay, Android Auto und serienmäßigem WLAN-Hotspot zeitgemäß ausfällt: Eine induktive Ladefunktion fürs Smartphone sollte gerade in dieser Preisklasse Standard sein. Doch die wird nicht mal gegen Aufpreis angeboten.

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Hohes Preisniveau

Ein Schnäppchen ist der V60 schließlich schon in der Basisausstattung Momentum nicht. Mit dem derzeit kleinsten Motor (150-PS-Diesel) startet er bei 38.100 Euro, dazu kommen diverse Extras, bei denen Volvo nicht gerade zimperlich ist. Ein Head-up-Display etwa, das es nur im Paket ab 2050 Euro gibt. Eine Rückfahrkamera kostet 480 und selbst für LED-Scheinwerfer kommen im "Licht-Paket" noch zwischen 950 und 1150 Euro drauf – von kleinlichen 40 Euro für ein abschließbares Handschuhfach ganz abgesehen. Hier unterscheidet sich Volvo nicht von Audi, BMW und Mercedes, deren Aufpreispolitik ähnlich selbstbewusst gestaltet ist.

Sparen lässt sich beim adaptiven Fahrwerk (ab 900 Euro), dessen Fahrmodi Eco, Comfort und Sport so nah beieinanderliegen, dass man kaum einen Unterschied merkt. Die Federung arbeitet in jedem der Modi zu straff. Bei einem Reisewagen hätte man sich eine komfortablere Auslegung gewünscht.

Tipp Icon

Wem gehört Volvo?

Volvo wurde 1927 als Pkw-Hersteller gegründet, baut heute aber auch Bootsmotoren, Nutzfahrzeuge und Busse. Der Unternehmenssitz ist in Göteborg in Schweden. 1999 wurde die Volvo Car Corporation an Ford verkauft, 2010 an den chinesischen Hersteller Geely. Die Asiaten halten sich bei der Entwicklung der Fahrzeuge eher zurück und geben den schwedischen Ingenieuren viel Freiraum. Schließlich soll ein Volvo ein schwedisches Produkt bleiben und das Image nicht verwässert werden.

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Starker Motor: Plug-in-Hybrid mit 390 PS

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Volvo V60 von der Seite
Fließend: Stimmige Proportionen auf 4,76 Metern Länge

Daher passt auch der 310 PS starke Benziner im V60 T6 nicht so recht zum Charakter des Schweden. Er ist der einzige Benziner und sorgt – stets über vier Räder angetrieben – zwar für traumhafte Fahrleistungen (0 –100 km/h in 5,8 Sekunden, Spitze 250 km/h), doch die quirlige Hektik, die er zusammen mit dem flott schaltenden 8-Gang-Automatikgetriebe verbreitet, harmoniert eher mit einem flachen Sportwagen als mit einem braven Familienkombi. Da erscheinen die "kleineren" Benziner T4 (190 PS, ab 41.000 Euro) und T5 (250 PS, ab 45.800 Euro) sinnvoller.

Zusätzlich gibt es eine Plug-in-Hybridversion (T8 Twin Engine AWD) zu Preisen ab 62.200 Euro. Der Teilzeitstromer erlaubt dank seiner größeren Batterie bis zu 49 Kilometer rein elektrisches Fahren. Die Systemleistung gibt Volvo mit 390 PS und 640 Newtonmeter Drehmoment an. Den Energieverbrauch soll rund zwei Liter Benzin und 14,3 kWh auf 100 Kilometer betragen.

Dazu gibt es zwei Diesel mit 150 und 190 PS als Alternativen. Keine schlechten übrigens, denn beide Aggregate erfüllen mit NOx-Speicher- und SCR-Kat die aktuelle Euro-6d-TEMP-Norm, müssen also nicht nur auf dem Prüfstand, sondern auch auf der Straße sauber sein.

Verbrauch: 6,2 Liter Diesel im ADAC Ecotest

Doch ist das wirklich so? Im ADAC Test machte die 190-PS-Variante namens D4 einen recht guten Eindruck. Sie sprintet in 7,9 Sekunden auf Tempo 100, die Kraftentfaltung gelingt harmonisch und fast ohne Turboloch, satte 400 Nm Drehmoment stehen schon bei 1750 Umdrehungen an. Weil er auch noch recht leise läuft, ist dieser Diesel momentan die beste Wahl – auch wenn er nicht der sparsamste ist. 6,2 Liter im ADAC Ecotest sind zwar o.k., aber satte 1,8 Tonnen Leergewicht machen sich eben bemerkbar. Die Abgaswerte sind durch die Bank niedrig, nur bei hoher Last auf der Autobahn steigen die NOx-Emissionen an.

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Bestnote im Euro NCAP-Crashtest

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Der Volvo V60 beim Euro NCAP Crashtest 2018
Der Volvo V60 kann auch im Crashtest überzeugen

Der Volvo V60 erreicht im anspruchsvollen Euro NCAP-Crashtest volle 5 Sterne. Das Ergebnis gilt übrigens auch für die Limousine S60. Das Modell ist mit Gurtkraftbegrenzern, Gurtstraffer, Kopfairbags sowie optischen und akustischen Gurtwarnern in der ersten und zweiten Sitzreihe ausgestattet. Für die vorderen Plätze sind zusätzlich Seitenairbags verbaut.

Der Insassenschutz ist sehr gut, das Verletzungsrisiko ist für Erwachsene und Kinder überwiegend gering bis sehr gering. Es sind ISOFIX-Halter an den äußeren hinteren Sitzplätzen montiert, für den Beifahrersitz sind sie optional erhältlich. Der mittlere Sitz hinten ist für gegurtete Kindersitze mäßig geeignet, die gegurtete Montage auf dem Beifahrersitz ist unkritisch. Der Frontairbag auf der Beifahrerseite ist deaktivierbar.

Der V60 ist mit einem umfassenden Assistenzpaket mit automatischem Notbremsassistenten und aktivem Spurhaltesystem serienmäßig ausgestattet.

Hier lesen Sie den ausführlichen Testbericht zum Volvo V60 D4 Inscription Geartronic.

  

Technische Daten (Herstellerangaben)
Volvo V60 D4 Inscription Geartronic
Motor
Vierzylinder-Turbodiesel, 1969 cm3, 140 kW/190 PS, 400 Nm bei 1750 U/min
Fahrleistungen
7,9 s auf 100 km/h, 220 km/h Spitze 
Verbrauch (nach NEFZ)
4,6 l Diesel/100 km, 122 g CO2/km
Maße L 4,76 / B 1,85 / H 1,43 m 
Kofferraum
529 - 1441 l 
Leergewicht
1823 kg
Preis
50.950 Euro
ADAC Messwerte (Auszug)

Überholvorgang 60-100 km/h
5,4 s 
Bremsweg aus 100 km/h
35,0 m
Wendekreis 11,9 m
Verbrauch / CO2-Ausstoß ADAC EcoTest
6,2 l Diesel/100 km , 195 g CO2/km (well-to-wheel)
Reichweite
885 km
Innengeräusch bei 130 km/h 67,1 dB(A)
Leergewicht / Zuladung
1798 / 462 kg
Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch 385 / 855 / 1400 l

 

ADAC Testergebnis
Gesamtnote: 2,3
Karosserie/Kofferraum 2,4 
Innenraum 2,5
Komfort 2,1
Motor/Antrieb 1,8
Fahreigenschaften 
2,1
Sicherheit
1,6
Umwelt/EcoTest
3,2

 

  • Das hat uns gefallen: Edles Ambiente und gute Verarbeitung. Hohe aktive Sicherheit. Harmonischer Antrieb. Sichere und agile Fahreigenschaften.        
  • Das hat uns nicht gefallen: Hohes Preisniveau. Umständliches Bediensystem. Durchschnittlicher Federungskomfort. Vergleichsweise hoher Verbrauch.    

 

Und wie schlägt sich die höhergelegte "Offroad"-Version? Der Volvo V60 Cross Country D4 im ADAC Test.

 

Text: Jochen Wieler. Fotos: PR.

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