Test Toyota Supra: Die Sportwagen-Legende lebt

7.8.2019

Toyota hat endlich wieder einen echten Sportwagen: Mit extravagantem Design und kraftvollem BMW-Sechszylinder. Daten, ADAC-Messwerte, Preise und alle Details der Technik

  • Sportlicher Heckantrieb mit 340 PS und 500 Nm
  • Die Technik des Toyota Supra kommt vom BMW Z4 
  • Preis: 62.900 €. Konkurrenz: Renault Alpine, Nissan 370 Z 

Satte 17 Jahre mussten die Supra-Fan-Clubs auf der ganzen Welt warten, bis Toyota endlich wieder einen Nachfolger des 2002 eingestellten Sportwagens präsentiert. In der Zwischenzeit boten die Japaner immerhin den GT86 als Sportersatz, der auch in Zukunft noch als kleiner Supra-Bruder im Programm bleibt. Doch so richtig warm wurde die eingeschworene Fangemeinde mit dem flachen Coupé nie. Ob's daran lag, dass sich der GT86 mit dem Subaru BRZ Plattform und Motoren teilt?

Auch für den neuen Supra vertraut Toyota wieder auf einen Partner. Doch diesmal ist es BMW – ein Deal, den noch der damalige BMW-Entwicklungsvorstand und heutige VW-Chef Herbert Diess eingefädelt hat. Die Kinder dieser Partnerschaft sind der BMW Z4 als Cabrio-Roadster und der Toyota Supra als Coupé mit festem Dach. Unser erster Test lässt keine Zweifel: Der heutige VW-Chef hätte ein BMW-Derivat wie den Supra sicher auch gern in seinem Konzern.

Das Design: Extravagant und dynamisch

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Front des Toyota Supra fahrend
Sportwagen pur: Erst die Haube – dann lange nichts 

Das bauliche Grundkonzept ist beim Z4 und dem Supra im Prinzip gleich: die kompakte Karosserie mit lang gestreckter Motorhaube, ein zweisitziger Innenraum sowie ein kurzer Achsabstand mit großen Rädern und breiter Spur. Doch während das bei BMW optisch eher belanglos wirkt, überzeugt der Toyota mit selbstbewusster Sportlichkeit.

Vorne beeindrucken zwei große Lufteinlässe, charakteristische Scheinwerfer mit Sechs-Linsen-LED nah an der Fahrzeugnase und breite Kotflügel. Das Design-Element des "Double-Bubble"-Dach zitiert nicht nur die Sportwagen-Historie, sondern senkt mit seinen zwei Auswölbungen auch den Luftwiderstand und erweitert die Kopffreiheit von Fahrer und Beifahrer. 

In der Seitenansicht spannt sich die niedrige Motorhaube in einer dynamischen Linie bis zum Heck. Schwarze Säulen betonen das kompakte Bild der nach hinten geneigten Fahrgastzelle zusätzlich. Und im Heckbereich wirkt ein bogenförmiger Spoiler dem Auftrieb entgegen, während der Stoßfänger trapezförmig nach unten zeigt. Mit diesem Design macht der Supra klar: Hier fahre ich – kraftvoll und fest verzahnt mit der Fahrbahn.

Mit der Performance eines Sportwagens

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Heck des Toyota Supra fahrend
Das Heck-Design vermittelt beste Bodenhaftung

Tatsächlich hält der Toyota Supra, was sein Aussehen verspricht – auch und vor allem durch seinen Motor. Der 3-Liter-Reihensechszylinder aus dem BMW-Regal setzt mit einer Leistung von 340 PS (250 kW) und einem Drehmoment von 500 Newtonmeter auch in diesem Segment Maßstäbe. Das Aggregat geht so kraftvoll, geschmeidig und drehfreudig ans Werk, dass es eine Freude ist.

Dass Toyota für den sportorientierten Supra kein manuelles Getriebe anbietet, ist kein Manko: Die Acht-Gang-Automatik von ZF überzeugt durch sehr schnelle Wechsel der Schaltstufen und eine kurze Übersetzung in den unteren Gängen. Das Schaltverhalten kann mit Hilfe der Fahrmodi "Normal" und "Sport" angepasst werden, die zusätzlich den Sound, das Ansprechverhalten sowie die Dämpfer-, Lenkungs- und Differenzialeinstellungen verändern. Denn In Europa kommt der Supra auch mit einem aktiven Differenzial, das sowohl beim Beschleunigen als auch beim Abbremsen die Kräfte blitzschnell zwischen den Antriebsrädern verteilt – von null bis 100 Prozent. 

Der Supra fährt sich alles andere als langweilig. Denn die Ingenieure von Toyota haben das Fahrwerk so abgestimmt, dass er mit der perfekten Gewichtsverteilung von 50:50 zwischen Vorder- und Hinterachse und der absolut direkten Lenkung in flott angaloppierten Kurven zum Übersteuern neigt und so eindrucksvoll demonstriert, dass er zu den reinrassigen Hecktrieblern mit Frontmotor zählt. Fahrer, die im Kurvenausgang gern mit dem "Gasfuß lenken", dürfen sich freuen.

Zumindest solange die Fahrbahn trocken ist. Auf nassem bzw. wechselhaftem Untergrund ist etwas Vorsicht geboten, da das elektronische Stabilitätsprogramm dem Fahrer ein paar Freiheiten zugesteht, dies bei ungeübten Fahrern aber auch schnell zu entsprechenden Schrecksituationen führen kann.

Fahrdynamisch liegt der Supra sehr gut auf der Straße und vermittelt dem Fahrer einen ausgezeichneten Fahrbahnkontakt. Allerdings geht das zu Lasten des Komforts. Denn Einzelhindernisse und Querfugen dringen trotz der adaptiven Dämpferverstellung kräftig zu den Insassen durch. Auch grobe Unebenheiten kann die Federung nur bedingt filtern und bei entsprechender Anregung neigt der Supra etwas zum Stuckern.

   

Außen Toyota, innen BMW

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Cockpit des Toyota Supra
Die Innenraum-Elemente stammen von BMW 

So eigenständig und exaltiert sich der Toyota von außen zeigt, so bodenständig präsentiert sich der Innenraum. Und das ist auch gut so: Das komplette Paket wurde aus der bewährten BMW-Schmiede geholt. Wäre da nicht das Lenkrad mit dem Toyota-Emblem, dann hätten die Insassen kaum einen Hinweis, dass sie nicht im neuen Z4 sitzen. Sogar der BMW-iDrive-Knopf auf der Mittelkonsole wurde nicht vergessen.

Das Raumgefühl auf den gut ausgeformten Sitzen ist großzügig. Der Ein- und Ausstieg ist allerdings etwas beschwerlich: Die Sportsitze befinden sich nur rund 30 cm über dem Boden, zudem schränken die voluminösen Schweller sowie die flache Dachlinie den Einstiegsbereich stark ein. Darüber hinaus fehlen am Dach Haltegriffe, die das Ein- und Aussteigen zumindest etwas erleichtern könnten.

Der Kofferraum fällt mit 290 Litern Volumen zwar nicht üppig aus, lässt sich aber durch seine glatte Ausformung gut nutzen. Baut man die Abdeckung aus, passen bis zur Heckscheibe immerhin 435 l hinein. Die hohe Ladekante (85 cm über der Fahrbahn, 33 cm über dem Kofferraumboden) ist im Alltag allerdings unpraktisch. Weil das Heckabteil nach vorne offen und nur durch eine Stufe vom Passagierraum getrennt ist, lassen sich kleinere Gegenstände leicht von vorne im Gepäckraum verstauen.

62.900 Euro verlangt Toyota für die gut ausgestattete fünfte Generation des Supra und liegt damit – obwohl wesentlich ausgestattet – sogar unter dem Preis für einen vergleichbaren BMW Z4, der im Gegensatz zum Toyota auch keine drei Jahre Garantie bietet. Das aufpreispflichtige Premium-Paket empfiehlt sich, da der Aufpreis von 2000 Euro in Relation zum Umfang (Head Up-Display, induktive Ladeschale, Soundsystem, Lederausstattung) angemessen ist. Die auf 90 Fahrzeuge limitierte Erstserie A90 Edition für 67.250 Euro ist leider schon ausverkauft – deren Lackierung "Storm Matte Grey" übrigens nur Handwäsche verträgt.

Daten, Messwerte & Test-Ergebnisse

Technische Daten (Herstellerangaben) Toyota GR Supra 3.0 Automatik                 
Motor                     Reihensechszylinder, 2998 cm3, 250 kW/340 PS, 500 Nm bei 1600 U/min                    
Fahrleistungen                     4,3 s von 0-100 km/h, 250 km/h (abgeregelt)
Verbrauch                     7,5 l Super/100 km, kombiniert (korrigiert nach NEFZ), 170 g/km CO2
Maße (L/B/H)                   4,38/1,86/1,30 m                    
Gewicht/Zuladung                     1570/245 kg                    
Preis                     ab 62.900 €

 

ADAC Messwerte (Auszug) Toyota Supra 3.0 Automatik
Überholvorgang 60-100 km/h 2,4 s 
Bremsweg aus 100 km/h 32,1 m 
Wendekreis 11,4 m                    
Verbrauch / CO2-Ausstoß ADAC Ecotest 8,1 l Super/100 km , 222 g CO2/km (well-to-wheel) 
Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne) 3 Sterne
Reichweite 640 km
Innengeräusch bei 130 km/h    69,8 dB (A)                    
Leergewicht / Zuladung 1520 / 295 kg
Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch  290/ – / 435 l

 

ADAC Testergebnis Gesamtnote: 2,2
Karosserie/Kofferraum 3,3
Innenraum 2,3
Komfort 2,5
Motor/Antrieb 1,2
Fahreigenschaften 1,7
Sicherheit  1,4
Umwelt/Ecotest 3,1

 

  • Das hat uns gefallen: Überzeugende Längs- und Querdynamik, gute Verarbeitungs- und Materialqualität, tolle Motor-Getriebe-Kombination
  • Das hat uns nicht gefallen: Mäßige Fahrzeugübersicht, unbequemer Ein-/Ausstieg, keine Taste zum Öffnen an der Heckklappe, hoher Verbrauch

Text: Thomas Kroher. Fotos: Toyota.

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