Toyota Century: Fahren wie der japanische Kaiser

25.11.2019

Durch Tokio wie der Tenno: Auf Testfahrt im Maybach- und Rolls-Royce-Rivalen Toyota Century fühlt man sich wohltuend erhaben – und wie in eine andere Zeit zurückversetzt. 

Seitenansicht des Toyota Century
Toyota Century: 5,34 Meter lang, 160.000 Euro teuer
  • Japanische Luxuslimousine bietet einzigartiges Fahrgefühl
  • Als Antrieb dient ein Achtzylinder-Hybrid mit 431 PS
  • Häkeldecke und Gardinen: Wunderbar altmodische Details

 

Wenn in Tokio ein Toyota Century um die Ecke biegt, ist Ehrfurcht geboten. Das liegt weniger daran, dass der Century mindestens 19,6 Millionen Yen, umgerechnet gut 160.000 Euro,kostet. Ebenso wenig an den gerade mal 50 Exemplaren, die Toyota pro Monat produziert, was den Wagen zu einer echten Rarität macht. Es liegt vor allem an der Stellung, die der Century auf japanischen Straßen hat.

Der Toyota Century ist die offizielle Staatskarosse

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Heck des Toyota Century
Von hinten wirkt der Toyota Century fast ein bisschen amerikanisch

Der anlässlich des 100. Geburtstages von Firmengründer Sikachi Toyoda 1967 erstmals präsentierte Luxusliner ist nicht nur das Flaggschiff von Toyota und nach über 50 Jahren Produktion eine Automobil-Legende, er ist auch die vornehmste Limousine im Land sowie die offizielle Staatskarosse.

Bei der Testfahrt durch die japanische Hauptstadt bleibt das Zeitgefühl auf der Strecke. Das Auto wurde zwar gerade erst neu aufgelegt und ist noch kein Jahr auf der Straße, doch es ist – ganz nach dem Geschmack der konservativen Kunden – hoffnungslos altmodisch, angefangen bei den Wollpolstern unter den blütenweißen Häkeldeckchen über die Displays mit der Qualität der ersten Gameboys bis zum Schuhlöffelhalter an der B-Säule.

Vom fast schon barocken Design und dem strengen Stufenschnitt der 5,34-Meter-Limo ganz zu schweigen. Unter der Haube wurde der famose Zwölfzylinder bei der neuen Generation durch das V8-Hybrid-Tandem aus dem Lexus LS ersetzt.

Doch fünf Liter Hubraum, eine Systemleistung von 431 PS und ein maximales Drehmoment von 510 Nm aus dem Verbrenner und 300 Nm aus den E-Maschinen sind selbst bei 2,4 Tonnen Leergewicht allemal genug; erst recht, wenn man ohnehin nirgends schneller als 120 fahren darf.

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Am angenehmsten verbringt man eine Fahrt im Fond des Century, selbst wenn die Platzverhältnisse für groß gewachsene Europäer im Fußraum trotz eines um 6,5 Zentimeter auf 3,09 Meter gestreckten Radstandes nicht gerade üppig sind. Doch zum Glück lässt sich der Beifahrersitz weit nach vorne fahren. Dann wird's hinten ähnlich bequem wie in Maybach, Rolls-Royce & Co.

Natürlich bietet der teuerste Toyota ein Infotainment-System, das allerdings in einem Turm zwischen den Sitzen aufragt und damit nicht den neuesten Standards entspricht. Zudem gibt es im japanischen Flaggschiff leider weder WLAN noch Ambientebeleuchtung, und ohne riesige Tablets kann der Century kaum mit anderen Luxuslinern mithalten.

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Der Lärm der Stadt bleibt draußen

Zoom-In
Cockpit des Toyota Century
Leicht angestaubt: In einer Mercedes S-Klasse sieht es moderner aus 

Dafür wird jede Fahrt zum surrealen Erlebnis, weil man in dieser Limousine der Welt förmlich entrückt ist: Wo man im Rolls-Royce immerhin noch das Ticken der Uhr hört, stört hier schon der Lidschlag des Fahrers die Ruhe, so dick ist der Wagen gedämmt.

Die Luftfederung bettet die Insassen wie auf Wolken, und wer das psychedelische Farbenspiel der Leuchtreklamen oder die neugierigen Blicke draußen vor den Fensterscheiben leid ist, der lässt auf Knopfdruck die seidenen Häkelgardinen vor die Fenster surren und entschwindet damit vollends in seine eigene Welt.

Hinter dem Lenkrad muss man hingegen alle Sinne beisammenhalten – selbst wenn der Century mit allen Assistenzsystemen vom Abstandsradar bis zum Notbremssystem ausgestattet ist. Doch in der Stadt ist das Dickschiff einfach zu groß und zu unhandlich. Auch bei Fahrten über Land macht sich das Format bemerkbar und auch das Gewicht. Schnelligkeit zählt jedenfalls nicht zu den Grundtugenden des Luxusliners. 

Fazit der Testfahrt mit dem Toyota Century

Es ist noch an so manchen Stellen Potenzial für Verbesserungen. Nachdem die erste Generation stolze 30 und die zweite immerhin 20 Jahre gelaufen ist, werden wir darauf aber wohl noch eine ganze Weile warten müssen. 

Text: Thomas Geiger. Fotos: Toyota.

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