VW Touareg im Test: Wie gut ist der Luxus-SUV?

27.3.2019

Der VW Touareg ist das erfolgreiche Flaggschiff der Marke Volkswagen. Im Test: Die auf Euro 6d-TEMP-Norm umgestellte Dieselversion mit 231 PS. Plus: Testnoten, technische Daten, Preise und das Ergebnis des Crashtests

VW Touareg fährt auf Straße
Dickschiff: Der VW Touareg gilt als Luxus-SUV
  • Neu im ADAC Test: Der 3,0-Liter-Dieselmotor mit 170 kW/231 PS bekommt die Note 2,2
  • Die Schadstoffgrenzwerte werden im Labor und auf der Straße eingehalten
  • Der VW Touareg glänzt in vielen Punkten mit guten bis sehr guten Noten 

Verarbeitung top, Materialien eher flop

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VW Touareg , Foto vom Heck
Stattlich: Der Touareg ist 4,88 Meter lang und zwei Tonnen schwer

Das Flaggschiff von VW fährt im aktuellen ADAC Test in der Dieselversion, die die Abgasnorm Euro 6d-TEMP erfüllt. Hier leistet der Touareg 3.0 V6 TDI nur 170 kW/231 PS und nicht 210 kW/286 PS wie das zuvor getestete Modell. Allradantrieb und Automatik bleiben selbstverständlich. Und wie üblich hält VW auch hier eine umfangreiche Extraliste zum Ankreuzen bereit. Der Basispreis beträgt 58.615 Euro. Unser üppig ausgestatteter Testwagen knackt aber die 100.000-Euro-Marke.

Dass das Big-Size-SUV diesen exorbitanten Preis nicht wert ist, machen die ADAC Ingenieure an Nachlässigkeiten fest, die man von einem Topmodell eines Herstellers mit Premiumanspruch nicht erwarten würde: die spärlich verlegten Teppiche, die nicht besonders hochwertigen Materialien am Armaturenbrett und an den Türtafeln, die Konstruktion des Becherhalters. Minuspunkte, die sich im Gesamtbild negativ niederschlagen.  

Auf der anderen Seite bekommt der Touareg in Sachen Verarbeitung viel Lob. Das Auto ist weitgehend sauber montiert, der Unterboden gut verkleidet und geschützt, nichts klappert oder knarzt. So erwartet man das bei einem Oberklasse-Fahrzeug.

Bildergalerie

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Innenraum mit digitalem Cockpit

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VW Touareg , Foto vom Cockpit
Kaum Knöpfe: Die Bedienung erfolgt über den 15-Zoll-Bildschirm

Hinsichtlich der Bedienung spricht Volkswagen vom "individuellen Cockpit der Zukunft". Die Möglichkeiten der Anzeigen, Funktionen und Bedienungen sind in der Tat zahllos. Je nach Gusto lassen sich dafür die Inhalte der Menükacheln priorisieren und individuell festlegen.

Aus insgesamt elf Bedienebenen können vier Themengebiete in vier Kacheln prominent hervorgehoben werden: Wo soll die Navigation im Menü stehen? Wie will ich auf die Radiofunktionen und das Telefon zugreifen? Was mache ich mit meiner Playlist vom Smartphone? Im ersten Moment erscheint das möglicherweise als viel zu viel des Guten.

Aber mit ein bisschen Übung und Gewöhnung schafft man es zusehends, durch die Menüs zu navigieren, so die Ingenieure. Nur dass es für die Lautstärke keinen herkömmlichen Drehregler gibt, bleibe auch nach Eingewöhnung ein Ärgernis  – weil es den Fahrer zwingt, die Augen vom Verkehrsgeschehen abzuwenden.  

Die 8-Gang-Automatik von ZF schaltet schnell und auch bei vehementer Beschleunigung komfortabel. Wer will, kann die Gänge per Schaltwippen am Lenkrad oder über die manuelle Gasse am Wahlhebel anwählen. Das ist zum Beispiel bei schneller Kurvenfahrt von Vorteil.

Vom Grundcharakter her ist der Touareg für die lässige Fahrt auf Langstrecken ausgelegt. Was nicht heißt, dass er zur Langsamkeit verführt. Im Gegenteil. Man muss permanent aufpassen, nicht dem Rausch der Geschwindigkeit zu verfallen. Der Diesel säuselt auch auf der Autobahn mit niedrigen Drehzahlen vor sich hin, da die Gänge recht lang ausgelegt sind. Die hohe Sitzposition und das großzügige Raumangebot machen das Fahren überaus komfortabel. 

Und diese Luftfederung! Waren da irgendwelche Straßenunebenheiten, Spurrillen oder Absätze auf der Fahrbahn? Nichts dergleichen dringt zu den Insassen durch. So soll es sein, wenn man so viel Geld für ein Auto ausgibt.

      

Gute Note für die Fahrleistungen

Wer doch mal auf Kurvenhatz mit dem Touareg geht, merkt schnell, wie handlich sich das Auto fahren lässt. Es lenkt präzise ein, bleibt lange neutral und die Karosserie zeigt keine Wankbewegungen. So groß kann ein Auto sein und doch so leichtfüßig – das muss man erst mal hinbekommen. 

Dass der Touareg so sicher und agil ist, sei speziellen Fahrwerkskomponenten zu verdanken, so Volkswagen, also den mitlenkenden Hinterrädern und der "elektromechanischen, aktiven Wankstabilisierung“ (eAWS). Beim eAWS – das ist die eigentliche Innovation – sind die hinteren beiden Stabilisatoren in der Mitte über einen Stellmotor verbunden. In Kurven werden sie je nach Geschwindigkeit und je nach erforderlicher Härte gegeneinander verdreht und damit versteift. Auf der Geraden dagegen werden die Stabilisatorenhälften entkoppelt, damit die Federung optimal arbeiten kann. Das Ganze funktioniert für den Fahrer absolut unmerklich.

In eine Parklücke in spitzem Winkel einzufahren, helfen die mitlenkenden Hinterräder. Auf diese Weise kommt man prima – ohne zurücksetzen zu müssen – in einem Zug in die Lücke. Keine Frage: So wendig und leichtfüßig fühlte sich noch kein Big-Size-SUV zuvor an.

Fazit: Abgesehen von der zum Teil minderwertigen Materialqualität leistet sich der Touareg keine wirklichen Schwächen. Denn dass ein großes und schweres Auto in der Stadt Nachteile hat und auch nicht gerade ein Sparwunder beim Kraftstoff sein kann, liegt auf der Hand.

Lesen Sie hier den ausführlichen Testbericht zum VW Touareg V6 TDI.

 

Technische Daten
VW Touareg V6 TDI
Motor V6-Zylinder-Turbodiesel, Euro 6d-TEMP (WLTP), 2967 cm3, 170 kW/231 PS, 500 Nm bei 1750 U/min
Antrieb/Fahrwerk Permanenter Allradantrieb, Achtstufen-Automatik, adaptive Luftfederung, Wankstabilisierung, Allradlenkung
Fahrleistungen 7,5 s auf 100 km/h, 235 km/h Spitze
Verbrauch 6,6 l Diesel/100 km, 173 g CO2/km
Maße L 4,88 / B 1,98 / H 1,72 m
Leergewicht (EU) 2070 kg
Kofferraum 810 – 1800 Liter
Preis

ab 58.615 €

ADAC Messwerte (Auszug)

Überholvorgang 60–100 km/h
4,7 s 
Bremsweg aus 100 km/h
35,6 m
Wendekreis 11,6 m
Verbrauch / CO2-Ausstoß ADAC EcoTest
8,5 l Diesel/100 km , 267 g CO2/km (well-to-wheel)
Reichweite
880 km
Innengeräusch bei 130 km/h 64,4 dB(A)
Leergewicht / Zuladung
2296 / 554 kg
Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch 445 / 845 / 1500 l

 

ADAC Testergebnis
Gesamtnote: 2,2
Karosserie/Kofferraum 2,3                    
Innenraum 1,9
Komfort 1,7
Motor/Antrieb 1,5
Fahreigenschaften 
2,2 
Sicherheit
1,4 
Umwelt/EcoTest
3,6 

 

  • Das hat uns gefallen: Gute Fahrleistungen, viel Platz und Luxus, hoher Federungskomfort, diverse Assistenzsysteme, Head-up-Display, konfigurierbare Anzeigen mit Memory-Funktion für mehrere Fahrer, hochwertiges Soundsystem.      
  • Das hat uns nicht gefallen: Keine ebene Ladefläche nach Umklappen der Rücksitzlehnen, sehr hohe Kosten, viele aufpreispflichtige Extras, Anfahrschwäche des Motors 

Text: Wolfgang Rudschies. Fotos: Volkswagen AG.

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